Dithmarschen-Wiki

Druckversion | Impressum | Datenschutz | Aktuelle Version

Läden im Koog-Fürböter: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Dithmarschen-Wiki

(Otto Fürböter, Sattler und Tapezier)
(Erinnerungen an Fürböter)
Zeile 119: Zeile 119:
 
[[Bild:Fuerboeter-innen.jpg|thumb|370px|Der dunkle Innenraum]]
 
[[Bild:Fuerboeter-innen.jpg|thumb|370px|Der dunkle Innenraum]]
  
So, wie auf dem oberen Foto kennen die älteren Brunsbüttelkooger aus ihrer Kindheit noch die Geschwister Karl und Frieda. Die Seele des Geschäfts war, zumindest in den 50er-Jahren, Frau Labuhn. Sie hatte ein freundliches Wesen und gefiel uns Kindern mit ihrer etwas rauchigen Stimme.
+
So, wie auf dem oberen Foto kennen die älteren Brunsbüttelkooger aus ihrer Kindheit noch die Geschwister Karl und Frieda. Die Seele des Geschäfts war, zumindest in den 50er-Jahren, Frau Labuhn. Sie hatte ein freundliches Wesen und gefiel uns Kindern mit ihrer etwas rauchigen Stimme (Frieda Labuhn wurde am 10. Juni 1928 in den Elternbeirat der Boje-Mittelschule gewählt).
 
<br/>Damit die Schulkinder vor dem Gang zur Schule noch die letzten Besorgungen machen konnten, war der Laden morgens bereits um sieben Uhr geöffnet.
 
<br/>Damit die Schulkinder vor dem Gang zur Schule noch die letzten Besorgungen machen konnten, war der Laden morgens bereits um sieben Uhr geöffnet.
  

Version vom 3. April 2015, 15:01 Uhr

Header-Laeden.jpg

Inhaltsverzeichnis

Otto Fürböter, Sattler und Tapezier

Otto Fürböter und Tochter Ilse vor dem Haus Koogstraße 56 (Quelle:Rainer Dürr)
Auszug aus der Chronik des Bürgervereins Brunsbüttel-Nord

Der Name Fürböter steht für die meisten älteren Einwohner Brunsbüttels sicherlich nur in Verbindung mit dem Buchladen in der Koogstraße 56 auf der linken Seite. Den wenigsten dürfte bekannt sein, daß der Bruder des Buchladen-Gründers, Otto Fürböter, der Eigentümer dieses Hauses war und auf der rechten Seite einen Möbelladen betrieb. Er bekleidete im Vorstand des Bürgervereins Brunsbüttelhafen (heute Bürgerverein Brunsbüttel-Nord) das Amt des 1. Schriftführers.
Otto Fürböter eröffnete seinen ersten Laden im März 1904 in der Koogstraße 84.

Dokumente von Rainer Dürr (Enkel des Otto Fürböter)

Ernst Fürböter, Buchhandlung

Am 7. August 1909 gründete Ernst Fürböter, geb. 14.02.1883 in Berlinerau Kreis Segeberg, im Alter von 26 Jahren eine Buchhandlung im Hause seines Bruders Otto in der Koogstraße 56 in Brunsbüttelkoog.

Aus der Literatur-Welt 1909

  • Selma Lagerlöf erhält den Literatur-Nobelpreis
  • ein Reclam-Heft kostet 0,40 Mark
  • in Brunsbüttelkoog wird die Buchhandlung Fürböter gegründet


wichtige Neuerscheinungen:

  • Thomas Mann - „Königliche Hoheit“
  • Heinrich Mann - „Die kleine Stadt“
  • Hermann Löns – „Mümmelmann“ , „Mein blaues Buch“


(Quelle:Jubiläumszeitung Schopf)

Werbung Ernst Fürböter 1909-1914

Familiengeschichten

(Quelle:Jubiläumszeitung Schopf)
Ernst hatte bei Wilhelm Jansen in Itzehoe das Buchbinderhandwerk gelernt und war nach der Lehre im kaufmännischen Bereich des Jansenschen Betriebes tätig. Nach eigenen Angaben führte Ernst Fürböter in seiner Buchhandlung Geschäfts-, Schul- und Schreibwaren, auch Bücher und einschlägige Artikel.
Man erzählte sich, daß besonders die unverheirateten Lotsentöchter zu seinen ständigen Kundinnen gehörten. Ernst, zunächst noch Junggeselle, war ein schneidiger, gutaussehender junger Mann, außerdem gebildet und womöglich eine „gute Partie“.
Der tüchtige Gründer fand aus dem aufblühenden Ort und der Umgebung solchen Zulauf, daß er bald die Einlage seines ehemaligen Chefs zurückzahlen und die Ladengröße verdoppeln konnte.
Er heiratete am 15.02.1913 die am 2.8.1891 in Sude geborene Christiane Anna Wilhelmine Bellin.

Die Familie Fürböter ca. 1910

Erläuterungen zum obigen Foto:
obere Reihe v.links - Karl Fürböter, Otto Fürböter, Ernst Fürböter
vorne v.links – Luise Fürböter, Großmutter Fürböter, Ilse Fürböter, Margarethe Fürböter (geb. Witthöft), Frieda Fürböter (Labuhn).
Karl und Luise Fürböter blieben unverheiratet
Margarethe war die Frau von Otto Fürböter, dem damaligen Eigentümer des Hauses Koogstraße 56 und Ilse war deren gemeinsame Tochter.
Der Ehemann von Frieda wurde früh Opfer eines tragischen Unglücks.

Am 22.09.1914 wurde Sohn Günter geboren.

Buchladenbetreiber Ernst Fürböter war ein leidenschaftlicher Skatspieler. Bei einem Spaziergang zur Mole 1 (man nutzte die bereits 1911 eingesetzten Dampffähren) und späterer Einkehr ins Elblotsenhaus geschah dann folgendes:
An einem Tisch im Gaststubenbereich fehlte der dritte Mann beim Skat. Man fragte Ernst, ob er einspringen würde; er war sofort bereit.
Seine junge Frau Christiane mußte auf ihn warten.

Doch das Leben meinte es nicht gut mit Ernst. Der 1.Weltkrieg war entbrannt und er mußte ins Feld.
Am 1.Oktober 1916 fiel er in Transloy/Frankreich in der Schlacht an der Somme und hinterließ seine Witwe mit dem Sohn Günter.
Das auf dem Vorplatz der 1915 fertiggestellten Pauluskirche ist sein Name auf dem Ehrenmal verewigt (s.Foto).

Eine Zeitlang betrieb die Witwe Christiane das Geschäft alleine weiter, bis es dann nicht mehr ging. Sie übertrug am 1.April 1920 das Geschäft fast ohne Waren an den ältesten Bruder Karl.

Christiane Fürböter überlebte ihren Sohn Günter (gestorben am 10.05.1976) und starb 88-jährig am 21.02.1979.

Erinnerungen an Fürböter

(Quelle:Jubiläumszeitung Schopf)
Eine Brunsbüttelkoogerin erinnert sich:
Meine Erinnerungen an "Fürböter" reichen bis ins 1. Schuljahr zurück. Es war im Jahr 1929, als wir hier den härtesten Eiswinter des Jahrhunderts hatten. Der Kanal war so zugefroren, daß wir zu Fuß übers Eis von der Südseite nach der Nordseite laufen und die eingefrorenen Schiffe bestaunen konnten. Vor der Haustür und auch sonst auf allen Gräben war Hochsaison im Schlittschuhlaufen. Da erklärte meine Mutter: „Heute müssen wir ‚rüber’ zu Fürböter und deine Schulbücher kaufen.“
Der Laden von Fürböter war in der Koogstraße neben dem Fischgeschäft Schloo. Ich erinnere mich an einen braunen, holzvertäfelten Laden voller Bücher bis unter die Decke. Herr Fürböter war groß und schlank mit Bärtchen und ‚Pinksnee.’ Seine Schwester, Fräulein Fürböter, war klein, lebhaft und freundlich. Die war auch mit im Geschäft. Und dann war da noch Frau Labuhn, ein weiteres Familienmitglied. Die betätigte sich hauptsächlich als Laienlehrkraft in Handarbeit an den Volksschulen. Im Laden half sie nur in ihrer Freizeit. Wir wurden dort im Laden, in einer freundlichen fast fröhlichen Atmosphäre in ein Gespräch verwickelt, und fachkundig beraten. In den dann folgenden Schuljahren war Fürböter immer zuständig für unsere Bücher. Aber auch Schreibzeug und Malutensilien holten wir uns dort, und auch für unsere Lehrer war Fürböter so manches Mal der Helfer in der Not.
Als wir später bei Fips im Physiksaal nachsitzen mußten, hatten wir absichtlich unser Schreibzeug nicht mit. Wir glaubten, wir sollten Messingschalen putzen. Fips ließ von Fürböter Papier und Bleistift holen und uns in schriftlicher Arbeit schmoren.
Irene Kruse

Koogstraße 56 in den 20er-Jahren (Sammlung Uwe Borchers)
Karl Fürböter und seine Schwester, Frieda Labuhn 1958
Der dunkle Innenraum

So, wie auf dem oberen Foto kennen die älteren Brunsbüttelkooger aus ihrer Kindheit noch die Geschwister Karl und Frieda. Die Seele des Geschäfts war, zumindest in den 50er-Jahren, Frau Labuhn. Sie hatte ein freundliches Wesen und gefiel uns Kindern mit ihrer etwas rauchigen Stimme (Frieda Labuhn wurde am 10. Juni 1928 in den Elternbeirat der Boje-Mittelschule gewählt).
Damit die Schulkinder vor dem Gang zur Schule noch die letzten Besorgungen machen konnten, war der Laden morgens bereits um sieben Uhr geöffnet.

(Quelle:Jubiläumszeitung Schopf) Bis 1959 führte Karl Fürböter zusammen mit seinen Schwestern Frieda und Luise die Buchhandlung. Im ganzen Dithmarscher Raum genoß er einen ausgezeichneten Ruf, bis ihn das Alter und seine angegriffene Gesundheit (er litt unter starken, migräneartigen Kopfschmerzen) zwangen, sein Geschäft aufzugeben.

Werbung Ernst Fürböter 1930-1946

Anzeige Erdmann 31.12.1959

Am 21. Juni 1959 schrieb er an seinen Nachfolger nach Berlin: Wer diese Inflation erlebt hat, -wird wissen, was das heißt: Ich mußte ein privates Wohnhaus verkaufen und dadurch das Geschäft lebendig machen. Waren mußten vielfach herangeschafft werden. Bald 40 Jahre haben meine Schwestern und ich nun das Geschäft betrieben. Krieg und Nachkrieg haben dafür gesorgt, daß wir nicht reich wurden; wir haben davon leben können - nun zwingt uns das Alter, das Geschäft in andere Hände zu legen."

Im September 1959 verkaufte Karl Fürböter die Buchhandlung an Fritz Karl Erdmann, Inhaber eines Geschäfts für Bürobedarf in Berlin.
Aber schon nach Jahresfrist inseriert er in der Brunsbüttelkooger Zeitung: „Buchhandlung sofort zu verkaufen“

Am 15. Mai 1961 übernahm - mit 21 Jahren damals - die jüngste selbständige Buchhändlerin der damaligen BRD (Bundesrepublik Deutschland), Traute Schöpf, die Fürböter´sche Buchhandlung.
Mit Mut zum Risiko und Spaß am Beruf machten die neue Inhaberin und die nachfolgenden Besitzer die Buchhandlung Schopf zu dem, was sie heute ist: eine leistungsfähige, lebendige Kleinstadtbuchhandlung.
Der jetzige Besitzer, Dietrich Wienecke, betreibt seit 2003 das Unternehmen sehr erfolgreich.

Die Koogstraße 56 in späteren Jahren

Jubiläum – 100 Jahre Buchhandlung

Zeitungsannonce zum 100-jährigen Bestehen der Buchhandlung-2009

In diesem Teil des Gebäudes befand sich früher „Biggi´s Fotomarkt“, danach „Silke´s Tattoo-Studio“ und heute „Steffies Kinderkiste“.

Verwandte Themen