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Zislaweng

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Zislaweng

Quelle: Wörterbuch der deutschen Sprache. Gebrüder Grimm

zislaweng, sislaweng, schüslaweng, m. , schwung, eleganter bogen; kniff; schwungvolle verzierung, schnörkel; vorrichtung mit einem kniff. in adj. verwendung: egal, gleichgültig. ein über ganz Norddeutschland verbreitetes wort, das besonders in burschikoser umgangsspache lebt und gedruckt nur gelegentlich in stark mundartlich gefärbter sprache erscheint. will man das zuerst bei Meyer d. richtige Berliner (1878) 46 bezeugte wort nicht als 'willkürliche wortbildung ohne bestimmte bedeutung' (Betcke Königsberg 67) ansetzen, so deuten die endbetonung und der nasalvokal der letzten silbe auf herkunft aus dem französischen.

Mauermann in: märkische sprachbl. 3 (1927) 4, 16 nimmt umsetzung einer frz. redensart ainsi cela vient ins berlinische schon während der Franzosenzeit an. die vermutung A. Laschs berlinisch 145, mit 'n sislaweng sei aus der sport- und spielsprache, vom ballspielplatz nd. gaue her vorgedrungen, gibt keine erklärung für die wortbildung. die ungedruckten mundartlichen belege sind von den archiven des berlinisch-brandenburgischen, des pommerschen, des rheinischen und des westfälischen wörterbuchs mitgeteilt. häufiger belegt sind die formen: zislaweng, sisslaweng, süsslaweng, schisslaweng, schüsslaweng; nur vereinzelt belegt sind: tschislaweng Halberstadt; zischlaweng Münster i. W.; schiszlewang krs. Fürstenwalde; zislawong (ältere form neben zislaweng) Meyer-Mauermann d. richtige Berliner (91925) 199; schisselaweng, schisselameng Köln; schislameng E. Graeser Lemkes sel. wwe. 1, 237 Franke-verlag. eine kontamination mit gleichbedeutendem aveck (vgl. Meyer-Mauermann a. a. o.) liegt vor in: ziszlaweck Zuckmayer (s. u.).


1) schwung, eleganter bogen; kniff; schwungvolle verzierung, schnörkel; vorrichtung mit einem kniff. der bedeutungsbereich spannt sich vom abstrakten (a) zum konkreten (b). so kann z. b. die geläufige redewendung ein ding mit 'nem zislaweng 'ein kunststück' sein, 'das nur durch einen besonderen kniff gelingt' Mensing schlesw.-holst. 4, 499, 'ein ding mit 'nem dreh, pfiff, kniff' Pommern, Mecklenburg, Brandenburg. daneben aber auch 'ein hut mit einer (rundlichen) feder oder schleife u. ä.' Greifswald, Stralsund, Pyritz. a) als abstraktum. zunächst im sinne von 'schwung, eleganter bogen': mit einem zisslaweng bin ich über 'n zaun gesetzt krs. Lübben; er fährt um die ecke mit 'n

[Bd. 31, Sp. 1648]

schiszlaweng krs. Fürstenwalde; de arbeit't allens mit 'n zislaweng Greifswald; und dann ging 's los ... mit humor und poesie und dem zislaweng aus dem handgelenk d. morgen (4. 5. 1955) 4c; besonders beim tanzen: jetzt gehen wir tanzen, aber mit schüszlaweng krs. Lübben;

denn vun dingem (deinem) schisselameng, wacklen hück noch die wäng (1953) Kölner karnevalslied. beim grusz und bei verbeugungen: he grüszt mit 'n zislaweng 'er zieht den hut sehr tief' Greifswald, Stralsund; er verabschiedet sich mit 'n zisslaweng krs. Ostprignitz. von da aus dann auch soviel wie 'gesellschaftlicher schliff, elegantes benehmen': ick bin wietend, det wia noch imma nich den richtjen zislaweng so rauskriejen wie annere leite E. Gräser Lemkes sel. wwe. 2, 315 Franke-verlag; es fehlt ihm was — der richtige ziszlaweck Zuckmayer d. teufels general (1954) 16; he hätt zisslaweng krs. Prenzlau. eine andere bedeutungsnuance entwickelt sich von 'schwung, eleganter bogen' ausgehend über 'grosze geschicklichkeit, kniff, dreh' bis zu dem abwertenden 'geheimnisvoller, unlauterer trick': mit 'n zislaweng mit besonderem griff, mit besonderer geschicklichkeit Meyer-Mauermann d. richtige Berliner (91925) 199; zislaweng grosze geschicklichkeit Ostwald berlinerisch (1932) 201; griff, kniff Mensing schlesw.-holst. 4, 971;

wenn die (gäste) hier noch lange blei'm,
hätt ick selba koofen können
die drei nelken, det jeschenk.
billja wär mir det jekommen,
ick wär mit 'n schiszlawäng


durch den groszen tag (den geburtstag) jekommen Berliner ztg. (31. 7. 1955) 8a; der gerissene mensch macht alles mit einem schisslewang krs. Fürstenwalde; dat ös wat möt em ziszlaweng das ist etwas mit geheimnisvoller einrichtung (ndpreusz.) nd. jahrb. 74 (1951) 59; det is wohl mit 'n zisslaweng? (wenn einer nicht mit der wahrheit heraus will) krs. Niederbarnim.

b) als konkretum. jede schwungvolle (auszergewöhnliche) verzierung, z. b. an möbeln, gardinen, bes. von einer krause oder schleife an einem kleid: sie trägt ein kleid mit einem schüsslaweng krs. Lübben; meine güte, was hast du dir da für einen zischlaweng hingesetzt eine riesige schleife am kleid Münster i. W.; von einer locke in der stirn: du hest door 'n schön'n zislaweng; von einem anhängsel (z. b. ein orden am hals): wat vöörn zislaweng hängt di doar ruut Greifswald, Stralsund; die peitsche mit dem schüszlaweng doan krs. Fürstenwalde. häufig von einem schnörkel am namenszug, an einem buchstaben: er schreibt seinen namen mit einem schiszlaweng Brandenburg, Pommern, Westfalen; 'der schnörkel unter dem c, die cedille' Schwerin/ Meckl., Greifswald.

die abstrakte bedeutung 'kniff' (vgl. DWB a, abs. 2) erscheint ins konkrete gewendet als 'kleine, geschickt konstruierte vorrichtung', 'vorrichtung, die nur durch einen kniff bedient werden kann': süsslaweng bezeichnung für selbst hergestellte vorrichtungen, z. b. um ein fenster einige zoll weit offen zu halten Mensing 4, 971; ssisslawenk selbst hergestellte vorrichtung krs. Tecklenburg; verlegenheitsausdruck für einen dem sprechenden nicht vertrauten mechanismus irgendwelcher art Betcke Königsberg 67.

2) in adjektivischer verwendung: egal, gleichgültig. nur aus der mark Brandenburg in der wendung mir ist alles schislaweng (oder ähnlich) belegt. wie der beleg aus dem krs. Prenzlau vermuten läszt, ist schislaweng durch verwechslung mit dem ähnlich klingenden schiskojenno (< poln. wszystko jedno 'ganz egal') in diese wendung geraten: is allens ganz egal, is schüsslaweng (auch: schiskojenno) krs. Prenzlau; dett is allens schisslaweng krs. Fünstenwalde; dat is mee janz schüsslaweng krs. Luckenwalde. nur vereinzelt auszerhalb

[Bd. 31, Sp. 1649]

der wendung in ähnlicher bedeutung: zisslaweng ist einer, der nicht weisz, was er will krs. Oberbarnim.


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