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Isebrand, Wulf

(Weitergeleitet von Wulf Isebrand)

Inhaltsverzeichnis

Wulf Isebrand - Volksheld der Dithmarscher

Nagelfigur von Wilhelm Hansen. Meldorf 1916. In Figuren dieser Art wurden, vorzugsweise im 1. Weltkrieg, Nägel geschlagen, die mit einer Spende verbunden waren. Größe und Position des Nagels hingen von der Höhe der Spende ab. Für diese Figur, die in der Meldorfer Kirche aufgestellt wurde, diente offensichtlich das Hamburger Bismarck-Denkmal als Vorbild, obwohl der Entwurf des Heider Künstlers Nikolaus Bachmann Isebrand, den Helden der Schlacht von Hemmingstedt 1500 darstellen soll. Inventarnummer: DLM 22581. Dithmarscher Landesmuseum
Detail aus einer Radierung von Jens Rusch. 1980

Wulf Isebrand kämpfte 1500 in der Schlacht bei Hemmingstedt, wo die Dithmarscher ein dänisch-holsteinisches Heer besiegten.

Von Wulf Isebrand wurde lange angenommen, dass er aus der Grenzgegend der heutigen Staaten Deutschlands und der Niederlande stammte. Die Namensforschung zeigt, dass der Name Isebrand im gesamten Bereich, von Holland, Ostfriesland, Dänemark, Norwegen und Schleswig-Holstein in dieser Zeit (um 1500) und kurz danach, geläufig ist.

Wo genau aus Dithmarschen Isebrand herkam, weiß man nicht. Seine erste uns bekannte schriftliche Nennung ist aus dem Jahre 1499 im Otterndorfer Streit der Dithmarscher mit den Hamburgern. Die Dithmarscher waren im Bündnis mit den Hamburgern zum Schutz der Stadt Otterndorf (NDS), welche jedoch kampflos übernommen wurde. In diesem oben genannten Streit ist er als Geschädigter im Heider Aufgebot (In der Liste ganz oben) genannt. Wahrscheinlich wurde er zwischen 1465 und 1480 geboren. Die Schlacht bei Hemmingstedt hat er überlebt. Er starb 1506 laut der Chronik des Landes Dithmarschen, Neocorus (Band II, Seite 461, Dahlmann´sche Übersetzung aus dem Jahre 1827, hier werden der Chronist Henning Swyn aus Lunden, dessen "Aufzeichnungen von Johann Russe seinem Cousin übernommen wurden". Auszug aus obiger Quelle:"Ao. 1506 do starff Issbrant, de dar was ein mechtich Man in der Ditmarschen Feide." Der Chronist Hans Detleff tho Windtbergen wird im gleichen Werk auf Seite 467 mit :"Ao. 1506 (Ex Prothocollo Iacobi Boetii, Notarii) ...Schilderung einer Pest ähnlichen Seuche im Lande... ...In diesem Jahre is ock gestorven Wolff Isebrandt, de düre Heldt, de beter was im Stride, alse veer dusent bloede (einfache) Mann, de sehr beklaget wart, sonderlich dewile de Könink Ditmarschen drouwede.", zitiert, letzterer nennt als erster (ca. 1640) den Isebrand mit Vornamen: "Wolff")

In Heide ist heute eine Kaserne der Luftwaffe und ein Platz in der Innenstadt nahe der Stadtbrücke nach ihm benannt; in Albersdorf eine Straße und Schule.

Isebrand im Stammbaum der Dithmarscher Familien

"Alle stammen von Adam und Eva ab "

....viele Dithmarscher Familien legen aber mehr Wert darauf vom Isebrand abzustammen. Zwischen 1910 und 1935 war es schick seinen Stammbaum mit dem Nationalhelden zu schmücken und da wurde an einigen Linien gebastelt was das Zeug hielt. Es ist nicht immer Isebrand drin, wenn Isebrand draufsteht, ausser bei folgenden Familien-Namen die zum Teil auch heute noch in Dithmarschen weit verbreitet sind. Isebrand war von jenseits der Elbe nach Dithmarschen gekommen und wurde dennoch während der "ersten Fehde" 1500 zum Volkshelden.

Von Wulf Isebrand der 1506 in Meldorf gestorben sein soll und seinem Eheweib Anna Mule ist nur ein weiblicher Nachkomme bekannt, die Tochter Anna Isebrand . Anna gestorben 1508, war mit Hans Peter Nanne einem bedeutenden 48er Regent verheiratet worden, deren Tochter Wiebke war mit Jebe Junge Claus vermählt worden, deren Tochter Margareth Junge vermählte sich mit Reimer Wolderich aus Lunden. Die Tochter Anna Wolderich (+ vor 1580) war mit dem 48er Regent und Bürgermeister zu Meldorf Peter Bruhn (+1585 )verheiratet. Der Sohn Claus Bruhn am 15.März 1615 verst. war mit Margaretha Hinrichsen vermählt. Tochter Wiebke Bruhn verst. 1635 wurde 1806 zu Meldorf an den reichen und angesehenen Erbeingesessen Fahrstedter Bauer Johann Wilckens 1583 -1660 verheiratet. Tochter Gertje Wilckens 1622-1652 kam 1642 zu noch mehr Reichtum durch die Vermählung mit Manke Boie 1614-1671 aus Brunsbüttel.

Für Manke Boie war dies die zweite Ehe, aus seiner ersten Ehe mit Anna Petersen 1618-1640 stammt Johann Friedrich Boie 1639-1700 , dieser war Kaufmann und Hofbesitzer wie sein Vater, sowie Kirchspielschreiber und Landesgevollmächtigter in Brunsbüttel. Johann Friedrich Boie wurde aus klugen (politischen Erwägungen) mit Anna Maria Rathmann 1670 in St. Petrie zu Hamburg getraut, ihr Großvater war um 1600 in Hamburg Weisenhaus Vorsteher gewesen und schrieb sich noch Jacob Rademar.

Aus der Ehe von Wiebke Bruhn (+1635) und Johann Wilckens (1583 -1660) ist der Sohn Jacob Wilckens (1616-1667) bekannt. Er war 1656 – 1677 Kirchspielvogt in Marne und Besitzer des Löwenhof und weiterer großer Ländereien in Süderdithmarschen. Er wurde vermählt mit Magdalene /Boie Harder/ (1622-1693), welche die Familiennamen ihrer Eltern im eigenen Namen vereint. Der älteste Sohn Claus Wilckens (1645-1704) war Kirchenbaumeister zu Marne. Sein Eheweib war eine geborene Karstens. Der zweite Sohn Boie Wilckens ehelicht 1680 in Meldorf die Metta Catharina Johanna von Horsten 1650-1718, deren Vater (+1652) war Organist zu Meldorf gewesen und dessen Urur -Großvater war um 1550 Bürger, Ratsherr, Kaufmann, und Bürgermeister zu Osnabrueck gewesen. Die Mutter von Metta Catharina Johanna von Horsten war eine Margaretha Wasmer (+1667), deren Vorfahr Hinrich Wasmer war 1430 als Bürgermeister von Bremen enthauptet worden ,1435 auf Veranlassung des Sohnes rehabilitiert. Der dritte Sohn Boie Wilckens (1648-1704) ehelicht Anna Christina die Tochter des Marner Kirchspielschreibers Claus Hell, deren Sohn Nicolaus Johannes Wilckens (1689-1735) war Rector an der Marne „Große Schule“ ein anderer Sohn dieser Verbindung Johann Matthias August Wilckens (1736-1792) wurde Pastor in Meldorf.

Soweit ein kleiner Einblick in die Familien Bruhn Wilckens,Wasmer, Harder,Wolderich,von Horsten und Boie, u.a.

Verwandte der Wilckens aus Fahrstedt zeigen das es wiederum über die Wolderich zu Verschwägerungen mit den Boies kam diese führten aber auch zu den Dreessen den Ibs und den Johannssen , den Meyers, Paulsen, Peters, Hinrichs,Jacobs, Martens u.v.m , die somit zu recht in ihrer Linie den Isebrand führen dürfen, wenn auch nur als angeheirateter Verwandte.

Andere Nachweise zu einer möglichen Abstammung von Wulf Isebrand finden sich bei Walther Lammers, Die Schlacht bei Hemmingstedt. In der dortigen Anlage Nr. 4 ist der Stammbaum eines Jeronymus Witte aus Schlichting wiedergegeben, aus der mehrere Generationen Witt ihre Abstammung herleiten können.

Wer war Wulf Isebrand?

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Auf alle Fälle war er der Mann der Stunde und eine Figur um die sich viele Legenden weben. Ganz sicher war er aber kein Dithmarscher. Ein Söldner, ganz sicher begnadeter Kriegsführer, Taktiker? In "Geschichte Dithmarschen" aus 2000 erschienen bei Boyens Heide, wird der Held auf Seite 128 von Jörg Mißfeldt kurz "als eingewanderter Holländer" geortet.

Heinz Stoob 1968 aus "Geschichte Dithmarschens im Regentenzeitalter" zitiert aus der Prozeßschrift Lüneburg im Streit um den Otterndorfer Überfall von 1499 „Besonders interessant ist die Erwähnung eines: "Isebrant" an erster Stelle der Heider Geschädigten. Der Name ist so selten, steht an so hervorragender Stelle innerhalb des Aufgebots,.. daß wir es mit dem Helden der Schlacht von Hemmingstedt zu tun haben.

Er, Isebrand hat also bereits vorher führend im Bauernaufgebot gekämpft.

"Isebrandt heffi vorlaren XXXVI mark myn III ß" - führte er das Heider Aufgebot? Dann kann er höchstens nach 1500 "Husman tho ... denwörden" gewesen sein, wie der problematische Stammbaum Witte angibt . War er doch ein von den Regenten verpflichteter auswärtiger Kriegsmann, der hier "auf Probe" mit nach Otterndorf entsendet wurde? Kam ihm ein halbes Jahr später, seine hier erworbene Autorität in der Hemmingstedter Schanze zustatten?

Nis R Nissen schreibt 1968 unter Epochen der Dithmarscher Geschichte in Dithmarschen „ Geschichte einer Landschaft „ Boyens&Co

„Die Gruppe aber, die sich für den Kampf einsetzte, gewann die Oberhand. Wahrscheinlich scharte sie sich um einen Mann, der sozusagen aus der Versenkung auftauchte: Wulf Isebrand, eine legendär gewordene Persönlichkeit. Wahrscheinlich war er Bauer in Hochwöhrden, stammte vermutlich aber nicht aus Dithmarschen, sondern war aus Holland zugezogen (er starb 1506 an einer Seuche). Ihn dürfen wir nach Lage der Dinge als den entscheidenden Mann ansehen, dem dank seiner Fähigkeiten und seiner Entschlossenheit in der Not die Führungsrolle zufiel.“

Die Enststehung der Festnamen in Dithmarschen

Am Beispiel des /'Wilckens Johanns Wilcken/1548-1623 der in erster Ehe mit Telsche Dreessen aus Helse verheiratet war und in zweiter Ehe mit /Iben Margaretha/ (1548-1625) deren Vater war der /Ibes Thies Jacob/ verstorben nach 1562 , sein Sohn Johann nannte sich /Johann Ibes/ dessen Sohn nannte sich /Junge Johann Ibes/ und dessen Sohn nannte sich /Johann Ibes Thiess/ erst dessen Sohn nannte sich Dreß Ibs (1660-1742) und nach ihm alle Ibs die wir heute in Dithmarschen kennen, aber auch die Familie Thiessen'Jacobs Jannssen entstand gleichzeitig. Der Wechsel zum Festnamen vollzog sich in Dithmarschen nicht einheitlich. Die Mehrzahl der Familiennamen festigt sich erst mit der Führung der Kirchenbücher in Dithmarschen um 1680-1720. Familien mit höherer Schulbildung und größerem Landbesitz festigten ihren Namen auch dadurch, dass dieser Name oft in öffentlichen Urkunden auftaucht, die heute noch für uns einsehbar sind. Der Ackerschatzregister zum Beispiel schon vor 1600 ist die Quelle für unendlich viel Datenmaterial in der Familienforschung in Dithmarschen.

Quellen

  • Johann Russe: Henning Swyn aus Lunden. In: Chronik des Landes Dithmarschen. Zweiter Band, Seite 461, aus der Urschrift herausgegeben von Prof. Friedrich Christoph Dahlmann, Kiel 1827
  • Prof. Dr. E. Rüther: "Der Kampf um Hadeln in der bremischen Stiftsfehde 1499 und die Otterndorfer Mordaffäre", Männer vom Morgenstern Jahrbuch 29/1938-39 Seite 30-45. Weitere Anmerkungen Seite 45
  • Heinz Stoob: "Dithmarscher Klageschrift im Otterndorfer Streit von 1499", Zeitschrift Dithmarschen 1956 Teil I,Seite 4 - 12 und 1958 Teil II, Seite 39 - 44
  • Angela Lüdtge: Zur Chronik des Landes Dithmarschen von Johann Adolph Köster, gen. Neocorus. 1992, S. 143. Heide, ISBN 3-8042-0573-9

Links

Museum Albersdorf: Beitrag zur Schlacht bei Hemmingstedt und Wulf Isebrand Siehe auch: Gefallene Ritter


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