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Walter Drewes (Architekt)

Aus Dithmarschen-Wiki

Portrait 1977
Portrait 2009
Freihandzeichnung Völkerschlachtdenkmal
Orginalentwurf Firmenlogo
Firmenschild Architekt Drewes
Eisenbahnwagen werden als Wohnungen genutzt

Walter Drewes(*12.10.1921 in Leipzig-Wahren +24.01.2013 in Heide), Architekt und Sachverständiger für Hochbau. Sein Architekturbüro mit Sitz in Heide bestand von 1949 bis 1990. Sein Hauptwirkungskreis als Architekt war die Stadt Heide/Holstein und der Landkreis Dithmarschen, aber auch über diesen Bereich hinaus fanden sich seine Bauschilder in vielen Orten der angrenzenden Landkreise.


Inhaltsverzeichnis


Biographie

Als jüngster Sohn des Leipziger Bauunternehmers Rudolf-Christian Drewes und seiner Ehefrau Marie-Gertrud verbrachte er seine Kinder- und Jugendzeit in Leipzig-Wahren.

Der Architekt Walter Drewes gehört nicht zu den populären Dithmarscher Größen und sein Wirken ist meist nur regionalen Fachleuten aus der Branche bekannt. Dies resultiert nicht zuletzt aus seiner persönlichen Bescheidenheit bezüglich seines Werks und dem Meiden publizistischer Aufmerksamkeit. Wohlgleich fand diese Seite im Dithmarschen-Wiki die zu seinem 90. Geburtstag freigeschaltet wurde, seine Anerkennung.

Im Anschluss an den Schulabschluss begann er eine Maurerlehre, erlernte im gleichen Betrieb nebenher das Gewerk des Zimmerers und besuchte parallel die Abendschule um die Berechtigung zum Zugang zur Hochschule zu erlangen.

Sein Studium begann er an der Staatshochbauschule in Leipzig, welches jedoch durch den Militärdienst im Zweiten Weltkrieg (WKII) unterbrochen werden musste. Zwischen dem Einsatz an der Ostfront am Ilmensee und in Frankreich ergab sich für ihn die Möglichkeit der Fortsetzung des Studiums in Gotha. Zum Ende des WKII kam er nach erneutem Einsatz im Osten (Königsberg) nach Flensburg und von dort durch Verlegung in das britische Internierungsgebiet G, zu dem auch Dithmarschen gehörte.

In Heide lernte er Anneliese Hackbart kennen, die hier mit Ihren Eltern nach der Flucht aus Pommern einen neuen Wohnsitz gefunden hatte. Die bis zum Abschluss des Studiums noch erforderlichen Semester, als auch die Prüfung erfolgten an der Staatshochbauschule Eckernförde.

Die nebenstehende Freihandzeichnung des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig entstand im Unterricht in Eckernförde aus der Erinnerung heraus.

Architekturbüro

Von Eckernförde ging es direkt zurück nach Heide in eine Anstellung im Architekturbüro F. Schmidt, die auftragsbedingt jedoch kein volles Jahr dauerte. Somit wurde das große Ziel eines eigenen Architekturbüros sehr schnell Wirklichkeit. Die nebenstehende Grafik ist der Originalentwurf zum Firmenlogo. Es zeigt die Kelle für den Maurer, den Hammer für den Zimmerer sowie Dreieck, Winkel und Zirkel für den Architekten - womit es die absolvierten Ausbildungen symbolisiert.

Walter Drewes gründete sein Büro, unterstützt durch seine Frau Anneliese, am 25.05.1949. Mit Schwerpunkt in Heide und dem Gebiet des ehemaligen Landkreises Norderdithmarschen, aber auch über diese Grenzen hinaus südlich bis nach Brunsbüttel und nördlich bis nach St.-Peter-Ording fanden sich die Bauschilder des Architekten Walter Drewes. Seine Architektur ist geprägt von einer formalen Handschrift mit hohem Wiedererkennungs­wert.


Neben dem Siedlungsbau wurden zahlreiche weitere solitäre Objekte neu geplant und realisiert oder restauriert wie umgebaut, genau so wie der Bau der Rentnerwohnheime in der Heider Heimkehrerstraße, im Heider Ortsteil Butendiek als auch in anderen Dithmarscher Orten.

Das Leitbild des Architekturbüros von Walter Drewes war geprägt von der Erkenntnis der Erfordernisse des Wohnbaus der Wiederaufbaujahre nach dem Zweiten Weltkrieg und der festen Überzeugung, das eine passend auf Lebensverhältnisse zugeschnittene Architektur die Grundlage einer positiven Entwicklung in Familie und Wirtschaft sind. So stand für ihn die funktionale Ausrichtung des Kleinsiedlungs- und Siedlungsbaus im Vordergrund. Seine Architektur ist getragen von der dezidiert sozial orientierten Zielsetzung, gemeinschaftliches Leben, und wo erforderlich, Arbeit oder Versorgung (z.B. bei Landarbeitersiedlungen) zu ermöglichen. Sein besonderes Engagement galt auch der Schaffung von Wohnraum für benachteiligte Menschen, die ohne externe Hilfe niemals in ‚eigene vier Wände’ gekommen wären. So standen zum Beispiel am Rande der Stadt Heide, abseits der geschlossenen Bebauung, bis Ende der 1970er Jahre an verschiedenen Plätzen Ansammlungen alter ausgedienter aber bewohnter Eisenbahnwaggons. Den Bewohnern solcher Behausungen ein zeitgemäßes Heim zu schaffen war nicht nur ein politischer Auftrag an die Gemeinden, sondern auch sein ganz persönliches Anliegen.



Siedlungsbau

In Heide entstand die Heimkeh­rersiedlung im Norden, gefolgt von in sich geschlossen konzipierten Bebauungen wie z.B. der Tondernstraße und vielen Objekten im Heider Süden. Die Einfamilienhausbe­bauung im Butendiek von Mitte der 1960 Jahre trägt weitgehend die Handschrift von Walter Drewes.

In den 1970er Jahren folgten Baugebiete wie die Klaus-Harms-Straße in Heide Süd in zwei Abschnitten und die Realisierung des seinerzeit größten geschlossenen Heider Wohnbaugebiets mit Einfamilien­häusern im Ortsteil Rüßdorf.


Einzelvorhaben

Kirche zu Wöhrden

Die Geschichte der Wöhrdener Kirche ist lang, und irgendwann beginnt sich der Turm zu neigen. 1950 fallen erste Steinbrocken aus dem Mauerwerk, das Glockenläuten ist nicht mehr möglich. Der Kirchenvorstand beschließt im Mai 1956 den Abbruch und Neubau des Turms. Der barocke Turmaufbau wurde schon 1812 aufgrund technischer Probleme abgerissen und durch ein niedriges schmuckloses Zeltdach ersetzt. 1956 wird der alte Turm bis auf die Grundmauern abgetragen. Während der Abbrucharbeiten wird der Rest eines alten Tunnels, vermutlich eines Fluchttunnels, entdeckt. Unter der Bauleitung von Walter Drewes entsteht der neue Turm, der ein etwas spitzeres aber weiterhin eher nüchtern anmutendes Dach aufgesetzt bekommt.


Rentnerwohnheime

Das Ergebnis des zweiten Weltkrieges war auch, dass viele der hier in Dithmarschen "gestrandeten" Menschen nach Flucht und Vertreibung nicht wieder in ihre Heimat zurück konnten. Viele Überlebende wurden in vom Krieg noch unberührte Gebiete umgesiedelt. Allein in Norderdithmarschen verdoppelte sich die Bevölkerung von rund 44.000 auf 84.000 Menschen. Insbesondere ältere Mitbürger waren besonders hart betroffen und brauchten dringend eine Chance auf eine eigene, menschenwürdige Wohnung. Im Dezember 1957 wurde der Rentnerwohnheimverband Heide gegründet der seine Tätigkeit alsbald auf ganz Norderdithmarschen ausweitete. Walter Drewes entwickelte tragfähige Konzepte für die Rentnerwohnheime die in der Stadt Heide ganz anders aussahen als in den umgebenden Landgemeinden.


Ferienhaus in Büsum

In dem in den 1960er Jahren wieder aufstrebenden Nordseeheilbad Büsum entstand 1964/65 in einem neu ausgewiesenen Baugebiet als eines der ersten Häuser, noch ganz unter dem Eindruck der schweren Sturmflut von 1962, ein Ferienhaus das den heutigen Betrachtern Rätsel aufgibt. Im Erdgeschoss blickt man auf Fenster die in zugemauerten Torbögen sitzen. Das Haus verfügt über keinen Keller und steht auf neun Stelzen. Die bewohnten Räume lagen im ersten Obergeschoss und Dachgeschoss und wären damit bei Überflutungen sicher gewesen. In den ersten Betriebsjahren wurde das Erdgeschoss zwischen den ‚Torbögen’ als Garage genutzt. Durch die erfolgten Deicherhöhungen schwand die Angst vor Überflutungen, das Haus blieb somit ein ‚Prototyp’. Später wurden die Garagen im Erdgeschoss zu kleinen Ferienwohnungen ausgebaut und die Torbögen dadurch geschlossen.


Uns Huus

Im Jahre 1969 wurde an der Apenrader Straße im Heider Norden der Grundstein für eine Altentagesstätte gelegt. Die von den Unitariern getragene Einrichtung war überkonfessionell, stand allen sozialen Schichten offen und sollte dazu ermuntern den letzten Lebensabschnitt aktiv anzugehen, ihn kreativ und weltoffen zu nutzen und eventuell durch neue Bekanntschaften neue Interessen und Fähigkeiten zu entdecken. Für die Zeit der beginnenden 1970er Jahre wurde damit ein extrem fortschrittliches Konzept realisiert. Das 'Uns Huus' war bis 2006 ein fester Bestandteil des sozialen Lebens der Stadt Heide und bot auch vielen Sozialhilfeträgern Wirkungsmöglichkeiten. Heute mag vielen eine solche Einrichtung als selbstverständlich erscheinen, aber nur deshalb, weil es Wegbereiter wie das 'Uns Huus' gab.


Raiffeisenbank Heide

1925 zog die Spar- und Dahrlehnskasse, die spätere Raiffeisenbank, in das Haus Markt 75 ein. 1929 kaufte sie das Gebäude und im Jahre 1950 erfolgt unter Leitung von Walter Drewes der erste Umbau. 16 Jahre später werden im Rahmen eines weiteren Umbaus die Buchhaltung und die Verwaltung in die oberen Stockwerke verlegt. Ebenfalls wird die Schalterhalle deutlich vergrößert und die Außenfassade dem Zeitgeist angepasst; 1969 wird die Kassenhalle umgebaut. 1979 folgt der weitaus größte Umbau, bei dem der rückwärtige alte Speicher abgerissen wird um einem Erweiterungsneubau zu weichen. Im Rahmen dieses Umbaus wird die Fassade renoviert und die Schalterhalle erneut vergrößert. Die Umbauten an der Außenfassade dieses Gebäudes zeigen wie sehr die Architektur gerade bei der Fassadengestaltung dem Zeitgeist folgen muss (und will).

Im Rahmen der Stadtsanierung wurde 1990 die ursprüngliche Fassadenstruktur wieder annähernd hergestellt. Diese lobenswerte Ausführung wurde von einem anderen Heider Architekten geplant und umgesetzt.


Sachverständiger

Ein Auslöser für die Fortbildung zum ‚Öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen für den Hochbau’ war die Wirtschaftskrise im Bauwesen Mitte der 1970er Jahre. Die praktische Ausbildung in einem Bauhauptgewerk und die jahrzehntelange Erfahrung als Architekt in allen Leistungsphasen waren die ideale Voraussetzung um dieser neuen Aufgabe gerecht werden zu können. Die Grundlage dieses Arbeitsfeldes bereiteten seinerzeit die aufkommenden Fertighäuser und Bauträgerobjekte von eher zweifelhafter Qualität. Große Baumaßnahmen mit immer mehr Einsatz von schweren Maschinen erforderten umfängliche Beweissicherungen im Vorfeld der Arbeiten. Hierbei war der Aufbau des ‚Kabelfernsehens’ kein unwesentliches Vorhaben. Bis zu seinem 70. Lebensjahr erhielt Walter Drewes immer wieder Anfragen der Gerichte auch zur Berufung als Obergutachter in streitigen Angelegenheiten.

Technisches Hilfswerk

1974 übernahm Walter Drewes das Amt des Ortsbeauftragten des Technischen Hilfswerks in Heide, seinerzeit noch gegenüber dem Bahnhof in der Rüsdorfer Straße beheimatet.

Walter Drewes ältester Sohn Wolfgang trat auch schon früh in das THW ein und wurde später Ortsbeauftragter vom OV Meldorf und OV Tönning.

In der 3. Generation der Familie folgt Markus Drewes, Wolfgangs ältester Sohn, dem Engagement in einer Freiwilligen-Organisation und ist im THW OV Heide aktiv.


Witz, Charme und Esprit

Sein persönliches Umfeld, Familie, Freunde und gute Bekannte mussten immer mit dem Besonderen rechnen. Ein Beispiel: Schon gleich nach der Gründung seiner Familie begann er zu jedem Silvesterfest einen Cartoon zu jedem Familienmitglied zu zeichnen. Die aufbereiteten Themen waren vielfältig, so hielt er anderen und sich selbst den Spiegel vor. Manch einer hat wie das Kind auf den Weihnachtsmann gewartet mit welchem mit Kreide auf Tonpapier gezeichneten Thema man überrascht wurde. In seinen späten Lebensjahren hat er die bunte Kreide jedoch zur Seite gelegt, gab noch seine Ideen vor, überließ das zeichnen jedoch einem seiner Söhne. Das gesamte Lebenswerk dieser Cartoons wurde vor wenigen Jahren gescannt und zur Erinnerung in insgesamt fünf gebundenen Fotobüchern dokumentiert.

90. Geburtstag

Seinen 90. Geburtstag am 12.10.2011 feierte Walter Drewes im heimischen Umfeld im Kreise seiner Familie. Zu diesem Ehrentag wurde allen Familienmitgliedern und guten Freunden und Bekannten eine reichhaltig bebilderte und illustrierte 90-seitige Biografie seiner Jahre von 1921 bis 1949 überreicht, die in weiten Zügen auf seinen seit 1990 auf einer alten Olympia-Schreibmaschine seines ehemaligen Architekturbüros nieder geschriebenen Lebenserinnerungen beruht.

Die Dithmarscher Landeszeitung berichtete am gleichen Tag. Eine Würdigung seines Wirkens als Architekt in Heide und Umland erfolgte wenige Tage später durch den Heider Bürgervorsteher Franz Helmut Pohlmann bei einem privaten Besuch. In diesem Zusammenhang wurde auch der Ehrenpokal der Stadt Heide überreicht.

Fragen & Antworten

Bei Fragen und für Antworten wenden sich Interessierte bitte an die Autoren dieses Dithmarschne-Wiki-Eintrags, Rolf Drewes und Markus Drewes, erreichbar unter rolf.drewes(at)kartenwerk.de .

Literatur

-Schurath, Dr.-Ing. (Vorwort): Festschrift 100 Jahre Staatshochbauschule für Hoch- und Tiefbau Leipzig. 1838 – 1938, Leipzig 1938, Druck: Peschel & Trepte, o.J.

-Walter Drewes: Bauen in Norderdithmarschen, Imagebroschüre des Architekturbüros Walter Drewes und Handwerksbetriebe aus Norderdithmarschen. Heide 1967, Eigenverlag

-Rolf Drewes (Hrsg.): Walter Drewes 1921 bis 1949 Autobiografie, Eigenverlag, Dortmund 2011

-Dithmarscher Landszeitung (DLZ): Zeitungsausschnittssammlung über Berichte an Projekten und über Objekte an denen das Architekturbüro Walter Drewes beteiligt war. Pressearchiv Architekturbüro Drewes.. Alle Berichte erschienen in der Dithmarscher Landszeitung (DLZ), Heide 1950er bis Ende 1970er Jahre.

Weblinks

Baugewerkeschule (Wikipedia)

Rentnerwohnheimverband Norderdithmarschen

Kirche zu Wöhdern

Stadt Heide (Wikipedia)

Leipzig (Wikipedia)

Leipzig-Wahren (Wikipedia)


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