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Waldfriedhöfe

Aus Dithmarschen-Wiki

In Erwartung jener Stunde

Friedhof contra FriedWald

Bernhard von Oberg

Die Bestattungsgepflogenheiten passen sich der deutschen Ablebenswirklichkeit an: Immer mehr Singles, immer mehr Mobilität, keine gesicherte Grabpflege durch die folgenden Generationen. Dazu kommt der zunehmende Wunsch beim Versterbenden nach postumer individueller Freiheit, das heißt keine Eingrenzung durch Friedhofsmauern und Grabfeldern. Sein Traum: Zurück in den natürlichen Kreislauf über das florale Wurzelwerk durch die Blattzellen via Fotosynthese in die Atmosphäre. Der Weg dahin führt über den Friedwald.


Ein altes indianisches Sprichwort vergleicht Menschen und Bäume: Menschen seien wie Bäume heißt es da, einige leben lang, andere sterben jung. So komme der Tod zu Menschen jeden Alters, wie bei den Bäumen, und niemand lebt sehr lange.

Die Vorstellung einer Auferstehung als Düngerstäbchen oder garantiert biologisch abbaubares Pellet klingt in den Ohren eines naturverbundenen Friedwaldkunden wie der Glockenschlag vom Dom des Ulmer Münsters für eine fromme Seele. Den Durchgang seiner feuerbestatteten Hinterlassenschaft durch den Magen eines Wildschweins jedoch fürchtet er wie der Teufel das Weihwasser. Daher die schriftliche Versicherung der kommerziellen Friedwaldbetreiber, dass die Urnen in einer sauensicheren Mindesttiefe versenkt würden.

Wer sich schon zu Lebzeiten in Urnenplätzchen im Wurzelwerk seines Lieblingsbaumes für die garantiert kommenden 99 Jahre reservieren kann, sieht der Ewigkeit gelassen entgegen. Die Natur schmückt den Stammbaum. Hier bedarf es keiner Grabsteine und keiner Wachslichter, keiner Kränze, aber auch keiner Ermahnungen seitens der Friedhofsverwaltung wegen der unpassenden Optik. Schlägt einmal der Blitz ein in das Baumgrab, wird auf Wunsch der Hinterbliebenen umgebettet an einen neu gepflanzten Baum.

Wieder natürlich begraben zu werden mit den Überresten von neun Bekannten oder Unbekannten unter einem Baum heißt Abschied nehmen vom Erdmöbel Typ Gelsenkirchener Barock-Sarg. Voluminöse Platzverschwendung gehöre – so verlautet es aus Korea, wo ein Prozent der Landesfläche Friedhofsfläche ist (das Zehnfache im Vergleich zu Deutschland) – der Vergangenheit an.

Auch auf Dithmarscher Friedhöfen bleiben immer mehr Plätze nach Ablauf der Grabpflegezeit unbelegt. Der Naturschutz hat sie entdeckt als Kulturfläche für bedrohte Blumenarten. Vielleicht entwickelt sich so mancher Gottesacker auf diese Weise automatisch zu Friedhöfen mit naturbelassener Friedfeldanmutung und wird mit einem entsprechend grünen Marketing wieder attraktiv für Urnenbeisetzungen im blühenden Staudenensemble.

„Ich würde ein Apfelbäumchen pflanzen, wenn ich wüsste, dass heute der letzte Tag wäre, formulierte der Herr Luther in Erwartung jener Stunde. Eine alte Frau bekennt sich 450 Jahre nach dem Reformator freimütig zum Friedwald mit dem Credo, sie wolle einen Apfelbaum düngen, damit er Reiche Blüten trägt. Armes Mönchlein.

Das Kräuterbonbon Ricola wurde von den Schweizern erfunden. Den FriedWald haben sie sich gleichfalls als Idee patentieren lassen in den 90er Jahren. Dass Dithmarschen den Gedanken einer Urnenbegräbnisstätte unter Bäumen schon Jahrzehnte vorher kannte und umgesetzt hatte, beweisen die Bilder von Reimer Stecher.


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