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Volkszählung

Aus Dithmarschen-Wiki

Beispiel > Kopf der Erfassungsliste 1803 Landschaft Süderdithmarschen

Inhaltsverzeichnis

Volkszählungen in Schleswig-Holstein

sind erstmals am 15. August 1769 durchgeführt worden (nur königlicher Anteil und ohne 'Militärpersonen'). Dienten die Erfassungen ursprünglich administrativen und statistischen Zwecken erweisen sie sich heute für den genealogisch oder sozialgeschichtlich Interessierten als eine wahre Fundgrube, ähnlich den Kirchenbüchern, Schuld- und Pfandprotokollen oder Grundbüchern aus vergleichbarer Zeit.


Volkszählungen in Dithmarschen

lassen sich unterscheiden in

  • Volkszählungen in der Dänischen Regentschaft
  • Volkszählungen in Preußen
  • Volkszählungen im Deutschen Reich
  • Volkszählungen in der Bundesrepublik Deutschland


Volkszählungen in der Dänischen Regentschaft

Allgemeine Volkszählungen fanden in den Landschaften Norderdithmarschen und Süderdithmarschen wie in den sonstigen Teilen der Herzogtümer in den Jahren 1803, 1835, 1840, 1845, 1855, 1860 statt; nach dem Wiener Frieden eine Zählung im Rahmen des Deutsche Zollverein im Jahre 1864.


Organisation der Volkszählungen

Volkszählungen erfolgten zunächst an einem Sonntag in der Winterzeit, um eine möglichst große Anzahl der Bevölkerung anzutreffen (Wanderarbeiter, Seefahrer,...). Später war der Stichtag für lange Zeit der 1. Februar, unabhängig vom Wochentag.

Die Organisation erfolgte kaskadierend:
Landschaft > Jurisdiktion > Ort > Gebäude > Haushalt > Person


Erfassung der Daten

Alle Erfassungen erfolgen pro Person handschriftlich in standardisierten, gedruckten Listen. Zusätzlich zu den Erfassungslisten wurden hieraus aggregierte Tabellen mit Verteilungen nach Geschlecht, Alter und Familienstand sowie nach Erwerbstätigkeiten erstellt. Die Listen und Tabellen waren von einem Verantwortlichen zu unterzeichnen und an das das Königliche Rentamt in Kopenhagen zu expedieren. Üblicherweise wurde diese Sendung begleitet von einem Schreiben zu Besonderheiten der jeweiligen Erfassung (Pro Memoria).


In der Volkszählung 1803 wurden erhoben (Original Tabellentexte):

  • Zahl der Familien
  • Voller Name eines jeden in der Familie
  • Was ein jeder in der Familie ist
  • Alter eines jeden, das laufende Jahr des Alters für voll gerechnet
  • Verheirathet oder unverheirathet, und wie oft jeder vereheligt oder verwittwet gewesen
  • Eines jeden Titel, Amt, Gewerbe, Handwerk oder wovon er sonst lebt

Ab dem Jahr 1845 wurden zusätzlich erhoben:

  • Anzahl der Familien in jedem Hause und jeder Wohnstelle
  • Geburtsort
  • Hinweis ob des Verstandes beraubt, blödsinnig oder wahnsinnig und Dauer der Krankheit


Bedingt durch die Aufnahme der Daten durch verschiedene Personen weichen die erhobenen Angaben qualitativ stark voneinander ab, trotz formularmäßger Vorgabe. Ebenso variiert die Qualität der Schrift zwangsläufig.


Zu den getätigten Eintragungen in die Erfassungslisten ist festzustellen:

  • Familien

Hier variieren die Eintragung von einer einfachen Ziffer (z.B. 7 = 7. Familie im Dorf) bis zu detaillierten Hinweisen (z.B. 1. Kathengebäude, einzelstehendes Haus)
Zu beachten ist, daß der Begriff Familie unserem heutigen nicht vergleichbar ist. Angemessen wäre unser Ausdruck Haushalt = alle Mitglieder eines Haushalts als selbständige wirtschaftliche Einheit.
Als Familie in diesem Sinne wurden so genannt: Eltern, Kinder, Verwandte, Altentheiler, Knechte, Mägde, Pflegekinder, ….
Die Zahl der Familien pro Gebäude variiert sehr stark. In Katen überwiegend nur eine Familie, in Armenhäusern durchaus auch 10 Familien.

  • Name

Hier differieren die Einträge von Abkürzungen des Vornamens (z.B. Joh.H.Casp.) bis zu detaillierten Hinweisen (Maria Elsabe Catharina Nottelmann, verw. Claußen, geb. Kock) Eine geschlechtliche Zuordnung ist nicht immer möglich: Hr. = Heinrich oder =Henriette

  • Was ein jeder in der Familie ist

Hier sind die genalogisch bedeutsamen Beziehungen erfaßt. So finden sich üblicherweise Hinweise wie Mann, Hausvater, dessen Ehefrau, ihre Kinder, ein Pflegekind, ….
Nicht immer eindeutig sind die Kinderbeziehungen: ihr Kind = gemeinsames Kind oder Kind der Frau.
Auch hier variieren sparsame Einträge (Kind) und detaillreiche (uneheliches Kind der Ehefrau, Sohn der Frau erster Ehe, Kind der Tochter Catharina….)

  • Alter

Diese Eintragungen sind zwangsläufig einheitlich. Ungetaufte Kinder sind teilweise eingetragen, z.T. ohne Altersangabe.

  • Familienstand

Die Häufigkeit wurde nicht immer stringent erfaßt

  • Eines jeden Titel, Amt, Gewerbe, Handwerk oder wovon er sonst lebt

Hier finden sich sowohl Angaben zum eigentlichen Broterwerb, Altenteil, Unterstützungen, häufig aber auch Zusatzinformationen zu Funktionen wie Bauervogt oder Besitzverhältnissen wie Käthner, Inste,….

  • Geburtsort

Hier werden fremde Orte überwiegend mit Hinweisen auf das zugehörige Amt, Kirchspiel,... aufgeführt. Sehr gute Quelle zur Ermittlung von Wanderungen bei landwirtschaftlichem und häuslichem Dienstpersonal, Lehrern, Pastoren,...

  • Geisteskrankheiten

Die betreffenden Personen wurden in den Erfassungen zusätzlich gekennzeichnet und auch in den Statistiken separat aufgeführt.


Originalauszug der VZ1803
für das Dorf Fedderingen, Kirchspiel Hemmingstedt, Landschaft Süderdithmarschen.
Hier alle Daten für den Haushalt des Vaters von Hans Reimer Claussen, der ein Jahr später geboren wurde.
Vergleiche hierzu unter obigem link auch die Daten in desssen Taufeintrag.

VZ Fedd 1803 Claussen.jpg

37te Familie
1. Hans Reimer Claußen, Mann, 32, Käthner mit Land
2. Gretje Thode, deßen Frau, 29, Beide zum 1ten Mahl verheiratet
3. Claus Thode Claußen, Ihr Sohn, 2

Hier ein MUSTER Datenbankauszug dieser Volkszählung, in dem sich diese 37te Familie wiederfindet
Danke dem Arbeitskreis Volkszahlregister (AKVZ) [siehe nachstehend] für den link in seine Volkszählungsdatenbank

Genealogische und sozialgeschichtliche Forschungsmöglichkeiten

Die Originallisten der Zähljahre 1803, 1860 und 1864 befinden sich im Landesarchiv Schleswig-Holstein, die Originallisten der sonstigen Zähljahre ab 1835 im Reichsarchiv Kopenhagen. Kopien aller Originalisten liegen im Landesarchiv photokopiert/mikroverfilmt vor und können kostenfrei eingesehen werden.

Beispiel > VZ1845 Dellstedt


Mikroverfilmungen der Originallisten befinden sich ebenfalls im Bestand der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ (LDS), auch Mormonen genannt. Die Verfilmungen können auch von Nichtmitgliedern dieser Glaubensgemeinschaft in den „Familiengeschichtlichen Forschungssstellen“ gegen eine geringe Lesegebühr eingesehen werden. Die Dithmarschen nächstgelegenen Forschungsstellen befinden sich in Kiel, Neumünster und Elmshorn.



Der Arbeitskreis Volkszahlregister
> AKVZ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Volkszählungen durch ehrenamtliche Mitarbeiter in auswertbare Dateien zu transkribieren.
Die Mitglieder des AKVZ haben per 1.12.2018 bereits über 2.050.000 Personeneinträge erfaßt und in die Datenbank eingestellt. Ein Register aller Volkszählungen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Schwerin erschließt dem Forschenden den Zugang; für Dithmarschen nach den Ordnungsbegriffen Region (hier Holstein), Jahrgang und District (hier Norderdithmarschen/Süderdithmarschen Landschaft) bis hin zur Jurisdiktion (=Kirchspiel im verwaltungsmäßigen Sinn). Alternativ ist eine direkte Suche nach Ortsnamen möglich

Beispiel > Ergebnis Datenbanksuche Fedderingen 1803 HR Claußen

Sehr übersichtlich ist im genannten Register nachvollziehbar, welche VZn bereits fertiggestellt wurden. Hieraus ist auch erkennbar, daß alle Daten durch Erfasser und Korrekturleser qualitätsgesichert sind. Als Zusatznutzen werden die Archivnummern des LAS sowie Filmnummern der LDS aufgeführt.

Die nach diversen Kriterien durchsuchbare Datenbank ist frei zugänglich nutzbar. > Homepage

Als 'Nebenprodukt' hat der AKVZ die einzige online durchsuchbare Topographie von Schleswig, Holstein und Lauenburg (Schröder-Biernatzki 1856) eingestellt.


Transkriptionen von Volkszählungen sind darüber hinaus eine ehrenamtliche Teilaktivität der Arbeitsgemeinschaft Genealogie Schleswig Holstein > AGGSH .
Die Zahl der bisher erfaßten Personen beträgt per 10.7.2013 rd 195.000. Die Volkszählungen erschließen sich dem Forschenden über ein alphabetisches Ortsverzeichnis aller Jahrgänge.Zum Qualitätsstandard lassen sich keine Aussagen treffen.
Die AGGSH bietet eine Mailingsliste an > Liste; der Betreiber behält sich aber eine Aufnahme in den Verteiler nur für aktive Mitarbeiter vor. Die Datenbank ist ohne Anmeldung kostenfrei nutzbar.


Beide Vereinigungen sind gern bereit, neue Mitarbeiter in die Transkription von Volkszahlregistern einzuweisen, um so eine aktive Mitarbeit zu ermöglichen.



Literaturtip
Ingwer E. Momsen | Die allgemeinen Volkszählungen in Schleswig-Holstein in dänischer Zeit (1769-1860) | Geschichte ihrer Organisation und ihrer Dokumente | Neumünster 1974


Spätere Volkszählungen

Volkszählungen im Deutschen Reich wurden durchgeführt 1867, 1871 und 1875, danach alle fünf Jahre bis 1910.
Es folgten zwei Kriegsvolkszählungen 1916 und 1917 zum Zwecke der Lebensmittelverteilung.
Die nächsten allgemeinen Volkszählungen 1919 und 1925


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