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Vehling, Andree

Aus Dithmarschen-Wiki

Auswanderer: Andree Vehling ist ein Dithmarscher, der in Namibia/Afrika ein "Gästehaus Dithmarschen" aufbaut.


Gaestehaus.jpg


BIOGRAPHIE: Am 16. März 1966 wurde Andree Vehling in Heide geboren und hat bis zu seinem 13. Lebensjahr (Dezember 1979) in Hemmingstedt gewohnt. Dort besuchte er von 1972-1976 auch die Grundschule, anschließend wechselte er zur Meldorfer Gelehrtenschule, die Vehling 1982 mit dem Abschluß der Mittleren Reife verließ. Von 1979 bis zum Tage seiner Auswanderung (05. August 2008) wohnte der Auswanderer in Sarzbüttel, wo er 1994 sein eigenes Haus baute. Dieses hat Vehling 2008 verkauft, um sein Vorhaben in Namibia zu finanzieren.

Beruflich begann Andree Vehling 1982 eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Raiffeisenbank in Meldorf, die bis 1985 andauerte. Bis zum Einzug zum Grundwehrdienst am 01. Oktober 1986 arbeitete er dort noch im Angestelltenverhältnis. Nach 15 Monaten Bundeswehr folgte eine Zeit bei der Citibank (damals KKB Bank) in Neumünster, Husum und Schleswig. Dies dauerte vom 01. Januar 1988 bis 31. März 1991. Parallel absolvierte er eine Weiterbildung zum Bankfachwirt. Von April bis September 1991 reiste Vehling durch Australien. Wohlbehalten zurück fand er wieder den Weg in seinen Beruf und war von November 1991 bis März 1993 bei der Dithmarscher Volks- und Raiffeisenbank in Wesselburen tätig. Anschließend nutze er die Gelegenheit zur beruflichen Weiterentwicklung und begann am 01. Mai 1993 bei der Raiffeisenbank Itzehoe als Zweigstellenleiter der Filiale Wacken, wo er bis 30. Juni 2001 tätig war. Daraufhin wechselte Vehling zurück nach Dithmarschen in die Geschäftsstelle Albersdorf der Raiffeisenbank Heide, wo er bis 31. März 2008 angestellt war. Aufgrund der beruflichen Veränderungen in der Bankenlandschaft (die sich entwickelnden personalpolitischen und führungstechnischen Gegebenheiten konnte Vehling für sich nicht mehr akzeptieren) hat er parallel seit 2006 seine Auswanderung nach Namibia Schritt für Schritt vorbereitet, so dass der Auswanderer dies dann im August 2008 umsetzen konnte.

Seitdem beißt sich Andree Vehling in Namibia in Sachen Existenzgründung durch, hat die größten Hürden geschafft und freut sich jeden Tag über die Baufortschritte am Gästehaus Dithmarschen. Eine Fertigstellung ist für ca. Mai/Juni 2009 geplant. Vehling freut sich sehr, wenn auch zahlreiche Dithmarscher den Weg in dieses wunderschöne Land finden und seine Gäste werden. Alles Weitere zu seiner Unternehmensphilosophie und den Urlaubsmöglichkeiten finden Interessierte auf seiner Homepage www.kamaku-guesthouse.com

DITHMARSCHEN ist und bleibt Vehling´s Heimat an der Nordseeküste mit seinen Marsch- und Geestlandschaften, der Weite und im Gegensatz die Knicklandschaften. Hiermit ist er tief verwurzelt. Seine Entscheidung zur Auswanderung hat er aus verschiedenen Gründen getroffen, die ihm mehr Lebensqualität ermöglichen (u.a. beruflich und gesundheitlich).

Die Erhaltung seiner Kontakte in die alte Heimat DITHMARSCHEN ist ihm dauerhaft sehr wichtig.

Otjiwarongo ist ein zentraler Ort im nördlichen Namibia mit knapp 25.000 Einwohnern. Vehling´s Entscheidung für diesen Standort traf er aufgrund der vorhandenen, gut entwickelten Infrastruktur sowie der hervorragenden, strategischen Lage hinsichtlich der Unterbringung und auf Wunsch auch Betreuung von Urlaubsgästen. Etosha-Nationalpark, Waterberg-Plateau-Park, Gepardenprojekte, versteinerter Wald bei Khorixas, versteinerte Dinosaurier-Fußspuren und Vingerklip befinden sich in guter Erreichbarkeit und können mittels Tagesausflügen erkundet werden, so dass abends wieder in die Gemütlichkeit der sehr privat gestalteten Unterkunft im Gästehaus Dithmarschen eingekehrt werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Galerie "Afrika"

Pressespiegel

August 2008:

Ab nach Namibia

Andree Vehling bricht am Dienstag auf in sein neues afrikanisches Leben

Von Stefan Carl

Sarzbüttel: Das Haus ist verkauft, das Auto ebenfalls. Die verbliebenen Möbel, Kleidung sowie die Jagdausrüstung sind in einem Container verstaut. In wenigen Tagen bricht Andree Vehling aus seiner alten Dithmarscher Heimat auf, um sich in Namibia eine neue aufzubauen.

Der 42-Jährige ist ein Auswanderer. Wöchentlich kann man im Fernsehen Leuten dabei zusehen, wie sie von Deutschland 'rübermachen nach Australien, Neuseeland oder Afrika nicht wenige wollen sich einen Traum verwirklichen und verlieren dabei die Realität aus den Augen.

Das scheint bei dem gebürtigen Hemmingstedter, der schon seit 1979 in Sarzbüttel lebt, nicht der Fall zu sein. Schon seit langem befasst er sich mit seinem "Projekt Namibia", hat das Land seit 2002 mehrfach besucht, meistens zur Jagd, denn Vehling ist ein passionierter Waidmann.

"Im vergangenen Jahr bin ich dann für ein Vierteljahr auf einer Farm gewesen, um den Alltag besser kennenzulernen und mir drüber klar zu werden, ob ich den Schritt wirklich wagen soll." Seine Gastgeber rieten ihm, nichts übers Knie zu brechen, nach Deutschland zurück zu kehren und sich die Sache in aller Ruhe zu überlegen. Doch selbst die Hilflosigkeit, die er bei einem Unfall vor der Farm verspürte, hat ihn nicht umstimmen können. Bei dem Unglück starben drei Menschen deshalb, weil eben nicht alle zwölf Autominuten entfernt eine Rettungswache darauf wartet, Leben zu retten.

"Doch ich war kaum wieder zu Hause, da stand mein Entschluss fest: Ich wollte zurück." Die zwischenzeitliche Überlegung, als Zwischenhändler für Möbel im afrikanischen Stil zu arbeiten und so zumindest zeitweise ins Land seiner Träume zu gelangen, verwarf er wieder.

Seitdem treibt Vehling seine Auswanderung konsequent voran: Er hat seinen Job bei der Raiffeisenbank Heide an den Nagel gehängt, Haus und Auto verkauft und so den Einstieg in den Ausstieg vorbereitet.

Um die erforderliche Aufenthaltsgenehmigung (zunächst auf ein Jahr befristet) sowie eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, schickte der Sarzbütteler die entsprechenden Unterlagen an ein Büro in Windhoek, das sich um Fälle wie den seinen kümmert. "Da ist die Sache aber ein Vierteljahr liegen geblieben. Als es zeitlich langsam eng wurde, habe ich alle möglichen Stellen angemailt, auch die Botschaft und das Innenministerium. Und siehe da: Plötzlich ging alles ganz schnell, und ich hatte das Permit, die Erlaubnis."

Mit dieser Erlaubnis konnte Vehling ein Konto in Namibia, genauer gesagt in der Stadt Otjiwarongo, eröffnen. "Ich hatte bei meinem Besuch im vergangenen April dort eine Blanko-Kontoeröffnung unterschrieben und jetzt das Permit hingefaxt, so dass das Konto auch tatsächlich eröffnet werden kann."

Zuvor hatte er schon sein Barvermögen in Namibia-Dollar transferiert. Sein Geld will der Ex-Banker in ein Gästehaus in Otjiwarongo investieren. Ein entsprechendes Objekt hat Vehling bei seinem Besuch vor einigen Wochen gefunden. "Es ist ein Haus mit mehreren Zimmern, einem Palmengarten, einem Nebengebäude und einem Pool. Ich werde noch einen Teil anbauen und die Zimmer umbauen müssen, bevor ich im Dezember den Betrieb aufnehmen kann." So weit der Plan.

Mit dem Verkäufer in Otjiwarongo war sich Vehling auch schon handelseinig. Doch nun sei ein anderer Interessent aufgetaucht und Vehling hängt bezüglich des Hauses in der Luft, wenige Tage vor dem Abflug "macht das nicht eben froh". Eine Unterkunft hätte er in der Nähe von Windhoek aber schon. Und den Kopf in den Sand stecken will er ebenfalls nicht: "Ich habe schon einige blöde Sachen bei dieser Auswanderungsgeschichte erlebt, aber irgendwie hat sich immer alles wieder zurecht gelaufen. Das wird auch dieses Mal so sein."

Seine Idee ist es, in einem Gästehaus in Otjiwarongo Durchreisenden eine Übernachtungsmöglichkeit, aber auch geführte Touren anzubieten. Die Stadt liegt eineinhalb Autostunden vom Etosha National-Park entfernt, es ist nicht weit zu einem versteinerten Wald sowie zu einem markanten Felsen, dem Vingerklip. Und zum bekannten Waterberg ist es nur eine halbstündige Fahrt. "Der Ort liegt aus touristischer Sicht strategisch günstig", ist Vehling deshalb überzeugt.

Er selbst ist frühzeitig vom Reisefieber gepackt worden, unternahm schon als junger Mann Reisen quer durch Europa. 1991 zog es ihn dann erstmals so richtig in die weite Welt, nach Australien. 2002 besuchte er erstmals Namibia, der Staat an der Westküste Afrikas, der seinen Namen der Wüste Namib verdankt. "Seitdem bin ich sechsmal dort gewesen", so Vehling, ein offensichtlicher Fall von Afrika-Fieber. "Aber es geht mir auch gesundheitlich in der südlichen Hemisphäre besser. Ich sitze hier viel mit den Knochen zu, aber da unten merke ich nichts davon."

Von seinen Bekannten hat Vehling sich schon verabschiedet, enge Freunde trifft er in den letzten Tagen vor der Abreise noch einmal. Und dann geht es los. "Ich freue mich darauf, etwas eigenes aufzubauen. Da bin ich richtig heiß drauf, denn ich will einfach nur da unten sein"

Galerie "Sarzbüttel"


Dezember 2008:

Europa hat die Uhr, Afrika die Zeit

Namibia-Auswanderer Andree Vehling übersteht zahlreiche Geduldsprüfungen



Von Stefan Carl

Dithmarschen – Seit Anfang August baut sich der gebürtige Hemmingstedter Andree Vehling (42) in dem Ort Otjiwarongo in Namibia eine neue Existenz auf. Im Gegensatz zu vielen Auswanderern, die man im TV in ihrer teilweise erschreckenden Naivität beim Neustart in der fremden Welt bestaunen kann, hat sich Vehling bei vielen, über mehrere Jahre verteilten Besuchen mit Land und Leuten vertraut gemacht. Und dennoch erlebt auch er so manch unliebsame Überraschung.


Seit seiner Abreise aus Sarzbüttel, wo Vehling seit 1979 lebte, führt er ein Tagebuch. Die Einträge sind eine Achterbahnfahrt der Gefühle – von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt reicht die Palette.

Zunächst richtet sich der Afrika-Fiebrige in einer Unterkunft nahe Windhoek ein. Die ersten Tage stehen ganz im Zeichen der zahlreichen Formalitäten, die zu erledigen sind: Lizenz für die Jagdwaffe beantragen (die für Monate von der Flughafen-Polizei verwahrt wird), namibischen Führerschein beantragen, Suche nach einem geeigneten Auto und vieles mehr.

Die ersten Tage verlaufen überwiegend gut. Doch schnell wird Vehling bewusst: „Ohne Menschen, die einem hilfreich zur Seite stehen, geht hier nicht gerade viel.“ Wobei es dem 42-Jährigen, der es in all den Jahren zuvor gewohnt gewesen ist, auf eigenen Beinen zu stehen, zunächst schwer fällt, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Schon vor seiner Abreise ist Vehling bewusst, dass es mit dem Haus, das er kaufen und zur Guestlodge umbauen will, problematisch wird. Der Verkäufer hat einen weiteren Interessenten aufgetan.

Also sieht sich der Dithmarscher nach weiteren Immobilien um. Mittlerweile kutschiert er im VW-Bus umher und hat eine Wohnung direkt in der Stadt Otjiwarongo bezogen.

Ende August finden sich in seinem Tagebuch die ersten negativen Einträge: „Alles läuft sehr zäh und kompliziert.“ Mittlerweile denkt Vehling darüber nach, ein neues Gebäude zu errichten. Außerdem hat er herausgefunden, dass eine Klassifierung für ein Gästehaus schwer zu erhalten ist. Der Ausweg: Er macht auf Bed and Breakfeast (B&B). Dann greift ein wesentlich einfacheres Verfahren. Denkt er.

Ende September – mittlerweile laufen die Planungen für einen Neubau – erfährt Vehling, dass die direkten Nachbarn eines B&B-Hauses diesem Vorhaben schriftlich zustimmen müssen. Einer seiner Nachbarn versagt die Zustimmung. „Das war der Tag, an dem ich schon vor meinem Koffer stand und packen wollte, weil mich der Mut verließ“, vertraut Vehling seinem Tagebuch an.

Mit Hilfe des Stadtingenieurs und des Maklers gelingt es doch noch, die Zustimmung des Nachbarn zu erhalten. Wenige Tage später gibt Vehling die Bauzeichnung bei dem deutschen Bauunternehmer Alexander Both in Auftrag, der schon vor acht Jahren nach Namibia ausgewandert ist.

Alles scheint in Sack und Tüten. Doch kurz vor der Unterzeichnung des Grundstückskaufvertrages fällt Vehling eine Baubestimmung auf, die zuvor nie erwähnt worden sei. Jedes Gebäudeteil muss mindestens fünf Meter Abstand zur Grundstücksgrenze haben. „Kaufvertrag auf Eis, alles in Panik, zuständige Stellen nicht erreichbar, bitte einen Baum und ein dickes Seil“, notiert Vehling.

Doch wieder gibt es Hoffnung. Der Abstand kann per Antrag reduziert werden. Das macht Vehling, doch die Entscheidung lässt auf sich warten. Ebenso diejenigen über seinen Bauantrag als solchen sowie den B&B-Gewerbeantrag.

Zwischenzeitlich stellt Vehling fest, dass die Bank seiner Wahl nichts davon weiß, dass er dort Kunde ist. Die Folge: Das Kreditinstitut hat die für den Kaufvertrag wichtigen Bankgarantien zurückgezogen. Eine Woche kostet es ihn, die Sache zu bereinigen. Trotz der ersten Bauarbeiten, die Both auf dem Grundstück erledigt, ist Vehlings Stimmung im Keller, er trägt sich mit Rückwanderungsgedanken.

Eine Woche später ist er zwar endlich offiziell Grundstückseigentümer. Doch der Bau wird stillgelegt, weil die endgültige Genehmigung nicht vorliegt und sich irgendwer darüber beschwert hat. Zu allem Überdruss montieren Diebe eines nachts von Vehlings Wagen alle Räder ab. Ein Gefühl der Unsicherheit lässt ihn in den folgenden Wochen nicht mehr los.

Im November geht es dann endlich wieder besser voran. Dass die Ankunft seiner Möbel sich wieder verzögert, nimmt der Auswanderer mittlerweile mit Gelassenheit: „Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner die Zeit“, schreibt er in sein Tagebuch.

Und dann endlich liegt die Genehmigung für sein Bauvorhaben vor. „Jetzt können wir mit Vollgas das Gästehaus Dithmarschen aus dem Boden stampfen. Es wird eine schöne Anlage, versprochen“, mailt Vehling in die alte Heimat.

Im Dezember ist dann nach erneuten Katastrophen – drei Blitzeinschläge innerhalb von vier Tagen mit erheblichem Sachschaden und einem vom Blitz erschlagenen Nachbarn – wieder Ruhe eingekehrt. Auf dem Bau soll noch heute gearbeitet werden, dann haben die Arbeiter zwei Wochen Urlaubspause. Und Vehling nimmt sich über die Weihnachtstage eine Auszeit.

Maerz 2009

Dithmarscher schaffen das, auch in Namibia

Namibia-Auswanderer Andree Vehling verzeichnet den ersten Teilerfolg beim Bau des Gaestehauses Dithmarschen



Von Stefan Carl

Dithmarschen – Seit sieben Monaten baut sich der gebürtige Hemmingstedter Andree Vehling in dem Ort Otjiwarongo in Namibia eine neue Existenz auf. Zahlreiche Geduldsprüfungen hat er bis zum Ende des vergangenen Jahres überstanden – sei es wegen langatmiger Genehmigungsverfahren oder dem Container mit seinem Hab und Gut, der lange auf den sieben Weltmeeren herumgeondelte, bevor sich Vehling endlich mal wieder in sein eigenes Bett legen konnte.

Doch Schlaf ist ohnehin eine Sache, von der Vehling seit seiner Einwanderung in Namibia nicht im Überfluss hatte. Immerhin stampft Vehling in dem afrikanischen Land ein Gästehaus aus dem Boden, das Gästehaus Dithmarschen.

Erst Ende 2008 liefen die Bauarbeiten so richtig an, nachdem es problematisch gewesen war, überhaupt Baustoffe wie Zement oder Steine zu bekommen. Da der Bau über die Weihnachtstage ruhte, nahm Vehling sich eine Auszeit und besuchte Familie und Freunde in Dithmarschen. Sein erster Eintrag in sein Tagebuch datiert daheim vom 23. Dezember: „Das Wetter ist mir zu kalt. Gut, dass ich ein Rückflugticket habe.“

Eine Woche später, am 31. Dezember, heißt es dann: „Das Jahr geht zuende ... was für ein Jahr. Nichts ist mehr wie es war. Ich hoffe weiterhin auf genügend Kraft und Energie, meine Pläne umzusetzen ... Dithmarscher schaffen das“, macht er sich Mut.

Anfang Januar ist er dann wieder zurück in Otjiwarongo. Mittlerweile geht es auf dem Bau zügig voran. Die Hälfte der knapp 140 Meter langen Außenmauer ist auf einen Meter hochgemauert. Vehling gönnt sich daher Mitte des Monats einen Ausflug in die Etosha – als Anbieter begleiteter Reisen muss er sich schließlich in seiner neuen Umgebung gut ausgekennen. In einem Touristengeschäft im Rastlager Okaukuejo traut er dann seinen Augen nicht: Ein Aufkleber strahlt ihn an, versehen mit dem Schriftzug: „Heide grüßt den Rest der Welt. Bäckermeister Ulrich Wiedemann, Schuhmacherort, Heide.“ Der Heider hatte weit über einen Monat zuvor bei Vehling Station gemacht, die Männer kennen sich. Dennoch fällt Vehling beim Anblick des Klebers nur ein: „Kleine Welt.“

Ende Januar ist der Dachstuhl des Haupthauses gerichtet, die erste Außenwand ist verputzt, die Elektriker verlegen Leerrohre für ihre Leitungen, und auch der Pool wird gemauert.

Waren es in den ersten Monaten die schwierigen Genehmigungsverfahren beim Bau, die Vehling belasteten, schreiten die Arbeiten im Januar und Februar unvermindert voran. Der Zeitpunkt des Einzugs rückt in greifbare Nähe. Wären da bloß nicht der ungewöhnlich starke Regen, die Gewitter und die namibische Gelassenheit.

Doch im Gegensatz zu den ersten Schüben der Enttäuschung, geht Vehling die Sache inzwischen gelassener an. Zudem interessieren sich so langsam die ersten Medien für den Auswanderer. Ein Interview lief schon auf Radio Schleswig-Holstein. Und ein Redakteur von Janus TV hat sich für eine Reportage über das Gästehaus Dithmarschen angemeldet – allerdings erst zur Eröffnung.

Auch geschäftlich bahnen sich die ersten Beziehungen an. Gemeinsame Vermarktungsideen mit benachbarten Farmern. Am 4. März ist es dann endlich so weit: Die erste Buchung ist perfekt, eine weitere mündlich zugesagt.

Seit gut zwei Wochen ist nun schon das Haupthaus fertig und Vehling hat schon Teile seiner Möbel aufgestellt. Der Einzug naht und Vehling schreibt: „Ein großer Schritt in der Entstehungsgeschichte vom Gästehaus Dithmarschen und noch größer für mich persönlich.“


Juli 2009

Das KaMaKu Gästehaus Dithmarschen ist eröffnet

Von Stefan Carl

Dithmarschen – Seit fast einem Jahr lebt der aus Dithmarschen stammende Andree Vehling in Otjiwarongo in Namibia und erfüllt sich dort seinen Traum von einem Gästehaus. Dieses trägt den Namen KaMaKu Guesthouse Dithmarschen und ist jetzt bezugsfertig. Endlich, könnte man hinzufügen.


Der Weg dorthin war nicht eben das, was man ein Zuckerschlecken nennt. Immer wieder musste sich Vehling mit Behörden herumärgern, bevor er endlich seine Baugenehmigung in Händen hielt. Letztendlich geht aber doch immer wieder alles gut und der Dithmarscher, so kann man es seinen Tagebuchaufzeichnungen entnehmen, gewöhnt sich allmählich an den namibischen Rhythmus.

Die vergangenen drei Monate waren vor allem damit geprägt, den Bau des Gästehauses voranzutreiben und parallel dazu weitere für den Betrieb des Hauses erforderliche Genehmigungen von den namibischen Behörden in Windhoek einzuholen. Bevor Vehling beispielsweise die Lizenz zum Alkoholausschank erhielt, tingelte er zwischen den verschiedensten Behörden hin und her, von denen keine sich zuständig fühlte. Er sei „ein völlig Genervter, weil keiner weiß, wie es geht“, schreibt Vehling in seinen stummen Begleiter.


Auch auf der Baustelle hakt es immer wieder. Mal fehlt das Material, so dass die Arbeiter nicht weitermachen können. Mal haben sie fleißig zwei Giebel hochgezogen – allerdings an einer Stelle, an der keine Giebel geplant waren.

Doch auch das erträgt Vehling mittlerweile mit erfahrener Gelassenheit und dem Vertrauen darauf, dass am Ende doch noch alles klappt.

Nicht geklappt hat es indes mit dem ersten Gärtner, den er eingestellt hatte. „Zwei Tage leistete er gute Arbeit“, schreibt Vehling. Doch dann sei der junge Mann offenbar von seiner Freundin so verrückt gemacht worden, dass er direkt von der Baustelle in deren Arme geflohen sei. „Selbst seine privaten Sachen hat er hier gelassen“, wundert sich Vehling.

Im Mai und Juni wird die Belastung für den Auswanderer spürbar größer. Immer wieder unterlaufen bei den Bauarbeiten Fehler, so dass Arbeiten doppelt verrichtet werden müssen. Mal funktioniert die Solaranlage nicht, dann sind sämtliche Laken kürzer als die Matratzen und schließlich verliert der Pool Nacht für Nacht 1500 Liter Wasser. „Manchmal müsste ich mich dreiteilen, um alles zu schaffen. Der Tag hat zehn Stunden zu wenig“, ächzt Vehling unter der zunehmenden Belastung. Zum Glück gibt es die „Telefonseelsorge“ aus der Heimat, die ihn oft vor völliger Verzweiflung bewahrt hätten. „Dank an die Freunde“, schreibt er.

Gleichwohl macht Vehling sich auf zu einer 900-Kilometer-Reise quer durchs Land, um landestypische Einrichtungsgegenstände zu erwerben. „Es soll ja alles schön werden.“ Und es gibt positive Nachrichten: Die Ausschankgenehmigung liegt vor und die namibische Tourismusbehörde kündigt ihm die Erlaubnis an, das Gästehaus eröffnen zu dürfen.

Am 17. Juni, einem Mittwoch, trägt Vehling die vermeintlich letzten Notizen vor der wenige Tage später geplanten Eröffnung des Gästehauses in sein Tagebuch ein: „Es ist verdammt viel Zeit vergangen, unheimlich viel Ärger und Probleme waren zu bewältigen. Meine (kaum vorhandene) Geduld ist immer wieder an ihre Grenzen gestoßen, hat mir aber auch gezeigt, dass irgendwann alles so sein wird, wie es soll. Es dauert oft nur länger. Daraus ergibt sich mein Schlusswort: Alles wird gut, Dithmarscher schaffen das.“


Nächster Eintrag, Donnerstag, 18. Juni: „Von wegen.“ Die Tourismusbehörde verweigert Vehling aus Gründen, die er als pure Schikane empfindet, die Genehmigung, sein Gästehaus zu öffnen. Ein tagelanges Tauziehen beginnt. Selbst am Tag der Eröffnungsparty, dem 21. Juni, weiß Vehling nicht, ob ihm nicht doch noch der Boden unter den Füßen weggerissen wird. „Existenzängste, ich bibbere und zittere“, schreibt er.

Nach fünf Tagen der Ungewissheit erteilt die Tourismusbehörde ihm schließlich die so wichtige Betriebserlaubnis. Am 23. Juni um 16 Uhr trägt Vehling die letzten Sätze in sein Tagebuch ein: „KaMaKu Gästehaus Dithmarschen ist geöffnet.“

Übrigens: Gäste hat Andree Vehling schon vor der Eröffnung gehabt. Freunde aus der alten Heimat, aber auch Namibier auf der Durchreise nutzten seine Unterkunft. Und Ende Juni ist die erste Gruppe, die Vehling eine Woche lang samt Ausflügen nach Swakopmund und Windhoek betreut hat, eingetroffen – gemessen an den aufreibenden Aufbauarbeiten dürfte das Alltagsgeschäft ihm nun kaum noch Sorgen bereiten …

Links

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