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Schneider, Christian Jacob von

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Am Sonnabend, dem 2. Januar 1875, erschien die erste „Marner Zeitung“ bei der Buchhandlung und Buchdruckerei von Ludwig Altmüller in Marne. Am Freitag, dem 2. Januar 1925, kam aus diesem Anlass eine Jubiläumsausgabe der Zeitung heraus, die ganz der Geschichte des Blattes und auch des Dithmarscher Zeitungswesens im Allgemeinen gewidmet war. Aus dieser Jubiläumsausgabe stammt der folgende Text. Die Zwischenüberschriften wurden nachträglich hinzugefügt.

Inhaltsverzeichnis

Christian Jacob von Schneider, ein Marner Zeitungsmann vor hundert Jahren

Von Heinrich Bülck in Preetz.

Vor etwa hundert Jahren beherbergte Marne in seinen Mauern eine Persönlichkeit, die nicht von überragender Bedeutung gewesen ist, aber doch durch die Art ihrer Betätigung einige Zeilen der Betrachtung verdient. Gerade die 50jährige Feier des Bestehens der Marner Zeitung scheint mir ein günstiger Augenblick zu sein, daran zu erinnern, daß vor mehr als einem Jahrhundert, nämlich 1815/16, bereits in Marne eine Zeitung herausgegeben wurde. Ich bemerke besonders, daß nur der Herausgeber in Marne seinen Sitz hatte, gedruckt wurde sie in Meldorf. Es handelt sich um die „Gemeinnützigen Blätter für Dithmarschen“, einem ganz außerordentlich selten gewordenen Blatt. Weder die Universitätsbibliothek in Kiel noch die Landesbibliothek der Provinz, die eine reichhaltige Sammlung schleswig-holsteinischer Literatur besitzt, zählen die „Gemeinnützigen Blätter“ zu ihrem Bestande. Hätte sich nicht ein Exemplar in der Sammlung des Buchdruckereibesitzers Altmüller in Marne erhalten, so hätten wir nur Kunde von ihm aus gelegentlichen spärlichen Notizen in der Literatur.

Leben und Wirken

Ueber den Charakter der Zeitung, sein Erscheinen usw. unterrichtet uns ein in dieser Nummer gleichzeitig erscheinender Aufsatz; ich möchte nur noch von dem Herausgeber der Blätter, Christian Jacob von Schneider etwas berichten. Schneider hat sich vielfach als Schriftsteller betätigt und zahlreiche Werke hinterlassen. Er war am 29. August 1772 als Sohn eines Oberbaurats in Berlin geboren, besuchte das Friedrich-Werdersche Gymnasium dort und studierte von 1794-1797 Theologie und „schöne Wissenschaften“ in Halle. er war ein recht unruhvoller Geist, der von einem Ort zum andern zog und sich nirgends lange aufhielt. Das ernste Studium scheint ihm nicht behagt zu haben und bald vertauschte er die Feder mit dem Säbel; 1799 trat er in den dänischen Militärdienst ein, den er jedoch schon 1801 wieder verließ. Hier scheint er auch den Adel erworben zu haben. Vermutlich handelt es sich um einen persönlichen Adelstitel, wie er damals mit der Stellung eines jeden dänischen Offiziers verknüpft war. Er hielt sich später in Itzehoe, Kiel und Glückstadt auf, wo er eine Buchhandlung gründete und nun eine reiche literarische Tätigkeit entfaltete. Unter dem Pseudonym „Julius Stendro“ gab er im Laufe der Jahre eine Fülle von Erzählungen aller Art heraus. Ob er später nochmals Heeresdienste nahm, konnte ich nicht feststellen, jedenfalls erhielt er 1815 eine Militärpension und zog nach Marne, und zwar auf Veranlassung seines Freundes, des Rektors Matthias Harmsen. Gemeinsame Interessen und vielfache Zusammenarbeit in Zeitschriften hatten eine rege Freundschaft zwischen den beiden herbeigeführt, die zu einer Uebersiedlung Schneiders nach Marne Veranlassung gab. Schneider änderte nun seinen Schriftstellernamen in „Sänger von Marne“ um. Seine erste Tat in Marne war die Herausgabe der oben erwähnten „Gemeinnützigen Blätter für Dithmarschen“, die aber bereits nach einem Jahre ihr Erscheinen wegen mangelnder Unterstützung einstellen mußten. Seine wirtschaftliche Lage scheint nicht sehr glänzend gewesen zu sein, denn 1825 versuchte er durch Verträge in holsteinischen und mecklenburgischen Städten sein Einkommen zu vergrößern. Er erhielt damals von dem Statthalter der Herzogtümer die Erlaubnis, als „Deutscher Improvisator“ aufzutreten. Am 11. März 1829 ist Schneider in Marne gestorben.

Wie ich bereits erwähnt habe, war S. ein sehr fleißiger Schriftsteller, der sich auf den verschiedensten Wissensgebieten betätigte. Seinen zahlreichen Werken können wir aber jetzt nur noch wenig Geschmack abgewinnen, sie sind von einem uns heutigen unangenehmen sentimentalen Geist erfüllt und wirken durch ihre übertriebene Lehrhaftigkeit und weit ausholende Darstellungsweise langweilig und nüchtern. Ich begnüge mich damit, einige Titel seiner bekannteren Werke aufzuführen, denen wir noch ab und zu in den Antiquariatskatalogen begegnen. 1804 erschien „August von Heidenthal, eine Geschichte“ und „Das Menschenleben in seinen interessanten Verhältnissen“, 1806 „Udallos Kinder“, und 1808 „Konrad Medardus Nothrecht“ und „Komische Erzählungen aus den Kreisen guter Menschen“. Bei dem Einfluß, den Napoleon I. auf alle Verhältnisse Europas ausübte, nimmt es nicht Wunder, wenn Schneider auch hierzu 1805 in einer Schrift „Was hat Napoleon zu hoffen, Moreau zu fürchten?“ Stellung nimmt.

Frühere Zeitungsprojekte

Schneiders „Gemeinnützige Blätter“ waren nicht die einzige Zeitung´, die er herausgab. Schon 1798 versuchte er in Hildesheim sein Glück und 1802 erschien die von ihm geleitete „Schleswig-Holsteinische Zeitschrift für alle Stände zur Verbreitung reeller Grundsätze“, die es auf drei Jahrgänge brachte. In Altona gab er 1805 „Golgatha und Tabor, Zeitschrift für das wichtigste Bedürfnis unserer Zeit“ heraus, von der wir aber kaum mehr als den Titel kennen. 1805 vereinigte er sich mit dem bereits erwähnten Rektor Harmsen in Marne zur Herausgabe einer Wochenschrift „Der Freund des Landmannes“, die aber nach 1 ½ Jahren ihr Erscheinen einstellte. Diese Zeitschrift war wohl die erste Fachzeitung des Landwirts in Schleswig-Holstein. Seine Mißerfolge ließen Schneider nicht ruhen, denn 1806 versuchte er es mit einer „Vierstädter Novitätenstafette“, die es aber auch nicht über 24 Nummern brachte. Noch kurz vor seinem Tode kehrte er zu seiner alten Liebe zurück und versuchte 1827 mit einer Monatsschrift „Mannigfaltigkeiten“ seine Gedanken dem Publikum zu offenbaren. Schneider war eifriger Mitarbeiter des „Itzehoer Wochenblatts“ und des „Dithmarser und Eiderstedter Boten“. Sein Leben schilderte er in 2 Bänden „Meine Wanderung nach Norden“, die 1801 und 1803 bei C. F. Mohr in Kiel erschienen. Er soll eine vollständige Autobiographe im Manuskript hinterlassen haben. Ob sie noch irgendwo aufzufinden ist?

Leben und Wirken seines Freundes, des Rektors Harmsen

Es ist wohl hier der Platz, gleichzeitig kurz von Schneiders Freund, dem Rektor Matthias Harmsen in Marne zu sprechen. Harmsen war am 10. Oktober 1762 in Rantrum geboren, besuchte in Husum die Gelehrtenschule, studierte seit 1783 in Kiel und Kopenhagen Theologie, bestand 1791 das theologische Amtsexamen und wurde 1794 Rektor in Marne. Diese Stelle hat er bis Ostern 1833 bekleidet. Er war verheiratet mit einer Tochter des Pastors Ch. Gottlieb Petersen. H. verzichtete auf die Anstellung als Pastor, da er sich in seiner Stellung als Marner Rektor geliebt und geschätzt fühlte. Er zog nach seinem Uebertritt in den Ruhestand zu seinem Sohn nach Oberndorf an der Oste, wo er 1843 starb.

Schriftstellerisch ist auch Harmsen mehrmals hervorgetreten; seine Arbeiten bewegten sich häufig auf heimatkundlichem Gebiete. So veröffentlichte er in Niemanns Vaterlandskunde „Nachrichten vom Marner Roland“, in Gutsmuths Zeitschrift für Pädagogik 1807 „Vorschläge zur Verbesserung des Schulwesens in Marne“ und in dem Historischen Taschenbuch für Prediger und Schullehrer, Schleswig 1803, schrieb er über die „Rektorschule in Marne“. Er gibt da eine kurze Darstellung der Unterrichtsfächer, spricht über die Stundenzahl und sagt, daß körperliche Züchtigungen bei Knaben von 8 Jahren an fast unnötig seien, er hofft, in Zukunft mit dem Zuruf „Pferd und Esel treibt man nur“ auszukommen. (Unsere Lehrer können uns vielleicht verraten, ob sie nach 120 Jahren schon dieses Ziel erreicht haben)

Daß Harmsen sich bei seinem regen Geist mit einer Schrift an den von Claus Harms aufgeworfenen Fragen beteiligte, darf uns nicht Wunder nehmen. 1819 ließ er in Itzehoe erscheinen: „Sendschreiben an Claus Harms mit Beziehung auf die Schrift, „Daß es mit der Vernunftreligion nichts ist“ und 1825 in Altona „Schulmeisterverse auf Vernunft und Bibel.“ Viele Beiträge ließ er anonym in den „Schlesw.-Holst. Provinzialberichten“ und anderen Blättern erscheinen; so verdanken wir ihm auch den sehr sehenswerten Aufsatz in Niemanns Vaterlandskunde über „Landwirtschaftliche Nachrichten aus Dithmarschen“.


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