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Schmidt, Rainer

Aus Dithmarschen-Wiki

Brillenschafe

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Geb.1944

Die Lehr- und Wanderjahre führten ihn als Zoologischen Präparator und Dermoplastiker über Hamburg und Köln nach Basel/Schweiz.

In Basel widmete er sich als Zoologischer Präparator und Dermoplastiker am Naturhistorischen Museum auch dem Studium der Malerei an der Fachhochschule für Kunst und Gewerbe.

Von 1964 - 1984 als freiberuflicher Künstler, Dermoplastiker, Ausstellungsgestalter u.a. für den Landesjagdverband tätig. Erstellung von Großdioramen, Tiergroßplastiken und Wandgestaltung für die Weltjagdausstellung Budapest, sowie diverse Museen und für die Filmindustrie. Ungezählte Einzelausstellungen in Schleswig-Holstein, Berlin, Hamburg und München. Beteiligt an internationalen Ausstellungen u.a. in Belgien, Österreich und Frankreich.

Von 1984 - 2004 Mitarbeiter an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel als Museums- und Ausstellungsgestalter und Illustrator für verschiedene Einrichtungen und Institute.

Galerie Tierstudien und Impressionen

Die großen Themen Rainer Schmidts sind neben der Portraitmalerei die Tier – Darstellungen und Impressionen nach der Natur. Die Größen der Arbeiten: 80 x 100 cm, 60 x 80 cm, 40 x 50 cm.

Portraits

Portraits.jpg

Der Künstler Rainer Schmidt, der zur Zeit des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1944 geboren wurde, im Nachkriegsdeutschland in Dithmarschen aufgewachsen ist und dessen Vätergenerationen sich in den Kriegen und Schlachtfeldern Europas töteten, sieht seine Ausstellung als einen Beitrag eines Europäers zur europäischen Staatengemeinschaft. In Form seiner Ausstellung möchte er den Gedanken der Zusammengehörigkeit der Staaten der Europäischen Union in Freundschaft vermitteln, in Hinblick auf die lebenden und nachgeborenen Generationen.

In den Fotos der Staatsoberhäupter, die ihm durch die Präsidial- und Hofämter sowie die Botschaften der 15 Nationen, in teils wohlwollender bis herzlicher Antwort, überlassen wurden, fand er die Vorlagen für seine Interpretationen.

Alle Arbeiten sind in Acryl / Öl auf Leinwand, im Format 70 x 90 cm, entstanden.

Links

Schmidt-Arkebek Website der Galerie Schmidt in Arkebek

Kontakt

  • Rainer Schmidt
  • 25767 Arkebek
  • Tel. 04835 - 287
  • E-Mail: info@schmidt-arkebek.de
  • Homepage: www.schmidt-arkebek.de

Laudatio

Von Bernhard von Oberg


Als ich vor etlichen Jahren in die Dithmarscher Museumsgeschichte eintauchte, da fand ich im alten Heider Museum für Vor- und Frühgeschichte – damals noch in der ehemaligen Bank an der Brahmsstraße unter Leitung von Dr. Volker Arnold – ein bemerkenswertes Dokument. Bemerkenswert deswegen, weil es zeigte, schon zu Kaisers Zeiten hatten sich die Museumsleiter Gedanken gemacht über ein Thema, das heute unter den modernen Oberbegriff Marketing fällt.

Seinerzeit wurden Ausstellungen grundsätzlich erst dann eröffnet, wenn die – ich zitiere – „Honoratioren der Stadt“ ihr Mittagsschläfchen beendet hatten. Dann kam die Zeit, als der Museumsbesuch für alle Schulen Pflichtfach wurde. Die Rücksichtnahme auf die Mitglieder des Magistrats entfiel. Abgelöst wurde diese Phase vom Zeitalter der Medien. Plötzlich bestimmte die Presse die Zeiten einer Ausstellungseröffnung.


Meine Damen und Herren, lieber Rainer, lieber Rainer, liebe Kolleginnen und Kollegen von der berichtenden Zunft, seien Sie willkommen.

Danke, dass Sie so zahlreich erschienen sind und so Rainer Schmidt und seiner Arbeit den Respekt erweisen, der ihm von Rainer Klose erwiesen wird, der diese Ausstellung in seiner liebenswerten all-inclusive Art organisiert hat. D.h. einschließlich der Laudatio.

Tempora mutantur et nos mutamur in illis. Nicht nur die Besuchszeiten ändern sich. Auch wir ändern uns mit ihnen.

Auch Nicht-Lateiner wissen, dass es ja bekanntlich mehrere Sorten der Lingua Latina gibt: für Angler und Jäger, Ärzte, Prediger und – Köche.

Jedes Fach hat sein Latein.

Um es gleich vorweg zu sagen, hier und heute geht es nicht um Wörter und Sätze, die zwar furchtbar lateinisch aussehen, im Grunde aber völliger Blödsinn sind wie:

„Mors certa. Hora incerta.“ Das könnte man übersetzen mit “Todsicher geht die Uhr falsch.“

Hier und heute ist das Thema vorgegeben vom Arkebeker Rainer Schmidt, seinen (und unseren) Mitgeschöpfen und dem „königlichen Glanz“.

Begleiten Sie mich auf den Schnepfenstrich.

Als ich nach dem herkömmlichen Abitur das sogenannte Grüne Abitur ablegte, meine Damen und Herren, da träumte ich so manche Nacht von Tarzan – ob Sie es glauben oder nicht.

Mir träumte – um es in wenigen Worten im Latein der Jäger zu sagen -, wie der Sohn von Lord Greystock aufbaumte und fortholzte.

Der alte Müllenhoff, der über Marne hinaus ein Begriff ist wie die Beugelbuddel, erzählte (Die Räuber in der Engelsborg): Zwischen Nindorf, Bargenstede und Varenwinkel bei Meldorf ist aber das Land hier vor Alters voller Hölzungen und Wald gewesen, also dass ein Eichhörnchen von der Singel in Meldorf an bis zu Osten an des Landes Grenze auf eitel Bäumen springen konnte, ohne den Boden zu berühren.

Der „Kateiker“ baumte einmal auf und holzte fort – wie Tarzan in meinem Traum.

Die Waidmansprache gilt als eine der ältesten Fach- oder Sondersprachen. Da fliegen einem die Löffel, Lauscher, Teller und Gehöre um die Ohren, dass einem zunächst einmal „Vernehmen“ und „Äugen“ vergeht.

Dennoch ist das Wichtigste für einen Waidmann die korrekte „Ansprache“. Einfach übersetzt: Was der Jäger nicht kennt, dass streckt er nicht. Da bleibt der Finger grundsätzlich gerade.

Eine Jagd und eine Vernissage haben gewisse Ähnlichkeiten: Erst kommt die Ansprache... ... entspricht das, was man gesehen hat dem, was man suchte?

Dieser Anblick in der Natur, dieses Erkennen ist dem Jäger vorbehalten. Er trägt eine gewaltige Verantwortung. Ist er doch schließlich der Mensch, der das Tier als letzter lebend sieht.

Meine Damen und Herren,

Rainer Schmidt trägt diese Verantwortung seit über 50 Jahren.

Die Ansprache des verantwortungsvollen Waidmanns ist eine Grenzsituation im wahrsten Sinne des Wortes.

Hirsch und Hase, Sau und Fuchs, Schnepfe und Fasan sind „has beens“, wenn ihnen das traditionelle Halali geblasen wird.

In seiner lesenswerten Anweisung, wie man einen Ausstellungskatalog bevorwortet, verweist Umberto Eco 1980 (im Namen der Rose) auf die Magie eines Malers, die genau in der treffenden Darstellung dieser Grenzsituation liegt.

Bei Eco geht es um ein Stilleben in dem die Flaschen auf jener äußersten Schwelle des Gleichgewichts dargestellt sind, hinter welcher sich ihre natürlichen Formen jählings und außer sich verkehren würden und klirrend zerbrächen wie ein vom Knall des Ultraschalljägers prall getroffenes Kristall.

Peng!

Eco empfiehlt das Spiel mit der englischen Übersetzung von Stilleben: still life = noch Leben, aber bis wann? – Still-Until: Magische Differenz zwischen Noch-Sein und Sein-Danach ...

Gemessen an Umberto Ecos Stilvorgabe ist Rainer Schmidt ein Magier.

In seinen Jagdbildern gelingt es ihm immer wieder, jenen magischen Augenblick der Ansprache festzuhalten, den nur der Jäger und Naturbeobachter kennt.

„Pirschen gehen, heißt Pirschen stehen“, sagt ein alter Jägerspruch. Der Jäger geht leise und aufmerksam durch das Revier und legt immer wieder Beobachtungspausen ein.

Um die Bilder und Botschaften von Rainer Schmidt zu verstehen, muss niemand ein klassisches oder Grünes Abitur erwerben.

Egal, ob er aus Tensbüttel-Röst kommt und bereits als achtjähriger Bub in übergroßen Gummistiefeln und mit speckiger Mütze jeden Tag für zwölf Stunden aufs Feld musste, während die anderen zur Schule durften, oder auf einem Schloss erzogen wurde, die Tierbilder von Rainer Schmidt sprechen jeden und jede an.

Rainer Schmidt versteht es meisterhaft, den Tieren ein Stück Unsterblichkeit zu geben, und zwar so wie sie sind.

Wer Schmidts gastliches Haus in Arkebek betritt fühlt sich wie in der Walhalla von Regensburg. Bei Schmidt hat jedes Tier seinen Platz, ob Federwild, oder Haarwild, jagdbares Wild oder domestiziertes. Platz bleibt auch für die Familie. Bei Schmidt macht man es sich kommodig.

Bambi-Sentimentalitäten sind Rainer Schmidt fremd. Schmidt gibt die Natur wieder, wie der liebe Gott sie geschaffen hat.

Ihm ist es gelungen, das Latein und die Welt des Waidwerks in eine allgemeinverständliche Weltsprache zu übersetzen. Luther hat dem Volk aufs Maul geschaut und ihm die Bibel aus dem Lateinischen übersetzt. Schmidt hat der Schöpfung ins Auge geschaut und das Latein der Jäger übersetzt.

Schmidt ist der Luther des Waidwerks.

Waidmannsheil.

Königlicher Glanz im Schatten des Waldes. Auch hierzu noch ein Wort: Für Rainer Schmidt endet die Schöpfung nicht bei Boviden und Cerviden, Rindern und Hirschen.

Auch der Mensch ist Teil seiner Botschaft in Acryl. Seine Portraits sind ein politisches Bekenntnis zum friedlichen Miteinander. Stand und Stellung spielen hier keine Rolle.

Der große Verhaltensforscher Conrad Lorenz hat davor gewarnt, die Tiere mehr zu lieben als die Menschen. Das sei, so Lorenz, soziale Sodomie.

Rainer Schmidt hat ein ausgeglichenes Verhältnis zu Mensch und Tier, zu Altphilologen und Nicht-Lateinern, zu Gott und der Welt.

Rainer Schmidt öffnet unsere Augen für diese Erde, mit ihren unzähligen Geschöpfen, Tieren und Pflanzen.

Rainer Schmidt erreicht die Köpfe und die Herzen – und das ist gut so.

Übrigens:

Heute, am 14. September, ist der Geburtstag des Deutschen Naturforschers Alexander von Humboldt.

Goethe über Humboldt:

„Was ist das für ein Mann! Ich kenne ihn so lange und bin doch von neuem über ihn in Erstaunen. Man kann sagen, er hat an Kenntnissen und lebendigem Wissen nicht seinesgleichen. Und eine Vielseitigkeit wie sie mir gleichfalls noch nicht vorgekommen ist. Wohin man rührt, er ist überall zuhause und überschüttet uns mit geistigen Schätzen. Er gleicht einem Brunnen mit vielen Röhren, wo man überall Gefäße unterzuhalten braucht und wo es immer erquicklich und unerschöpflich entgegenströmt.“

Rainer Schmidt wandelt trittsicher in den Fußstapfen Humboldts. Oberg cum sermone latino suo in fino est. Aber: Schmidt ist die Übersetzung des Lateins mit anderen Mitteln.

Carpe Rainer!

Magische Orte

Wenn der Hirsch den Einstand wechselt, sprechen wir von Kirchgang. Ich möchte Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, mitnehmen, nein, nicht zur Kirche. Wir besuchen gemeinsam die Kathedralen der Vorzeit. Jene magischen Orte, das souterraine Walhalla gewissermaßen, in denen zu Zeiten der Cro-Magnon und Neandertaler die Tiergötter hausten und heute der Teufel los wäre, wenn man ihn ließe. Nicht bocksbeinig und gehörnt, sondern mit Handykamera und Straßenschuhen. Die Kathedralen der Vorzeit stehen als Teil des Welt-Kulturerbes bei Touristen hoch im Kurs und streng unter Schutz bei den Paläanthropologen.

Ich möchte Ihnen die Arbeiten meines Freundes Rainer Schmidt vorstellen, Tiermaler und –präparator aus Arkebek. Durch die Kunst der Medizin – er bekam eine neue Hüfte – ist er derzeit ein wenig schwach auf den Läufen. Seine Ansprache ist nach wie vor stark. Schmidt gewährt uns einen ressourcenschonenden Einblick in jene unterirdischen Orte.

Mein Name ist Bernhard von Oberg, Schmidts Homo laudator.

Schmidt knipst das Licht an und der Betrachter staunt. Fiat lux. Die Tiere der Vorzeit, oft schemenhaft in den Untergrund geritzt und vor Jahrzehntausenden immer wieder übermalt, Rainer Schmidt macht sie sichtbar, indem er die Tierdarstellung auf jene Koordinaten setzt, so wie er es gesehen hat, in Natur und im Höhlenbild. Schicht auf Schicht.

Die erste Dimension bildet die Struktur des felsigen Untergrunds, die von den Vorzeitmalern ausgenutzt wurde. Darauf malte Cro-Magnon etwa im Stil der alten Ägypter, zweite Dimension. Schmidt schafft die dritte Dimension bei den Tierstudien. Redivivus. Was für eine Vorzeitreise.

Der neuzeitliche Betrachter wird zum Cro-Magnon, Rainer Schmidt zum Brückenbauer. Die Bilder der Cro-Magnon beginnen mit uns zu sprechen. Spectaculum mundi.

Beutekunst nach Cro-Magnonart ist Schmidts Thema, ist unser Thema. Glück auf!



Horrido, Cro-Magnon

Bernhard von Oberg

Pirschgang durch die Jahrtausende / Vom Holozän ins Pleistozän / Die mit Abstand älteste Speisekarte der Welt


ARKEBEK. Spätestens mit Beginn der Bauernsteinzeit, so die allgemeine Lesart, habe der Mensch aufgehört, die Jagd als reine Lebensnotwendigkeit zu betreiben und eine Kultur daraus gemacht. Der Arkebeker Tiermaler und Tierpräparator Rainer Schmidt (50 Jagdjahre) datiert das Welt-Jagdkulturerbe weit früher. Für ihn setzt die Jagdkultur ein mit den 30.000 Jahre alten Höhlenzeichnungen, der Beutekunst nach Cro-Magnonart. Schmidt: "Der jagdausübende Cro-Magnon hat uns seine Bruchzeichen hinterlassen. Wir müssen sie nur lesen."

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Mit Dinte und Saufeder

So wie mit einem passenden Wort von Goethe so manches Grußwort, so beginnt mit der Jagd die Kulturgeschichte des Menschen. Bekannt ist, dass der Altmeister aus Weimar ein sehr aktives jagdliches Leben geführt hat. Der tägliche Umgang mit der "Dinte" war ihm ebenso vertraut wie die waidmännische Handhabung einer Saufeder.

Ansonsten hätte er sich, so Goethe über Goethe, "mit dem Weltanscheuungshorizont einer Seidenraupe an einem mitteldeutschen Provinzfürstenhof eingesponnen". Erst das Waidwerk lässt die Persönlichkeit reifen. War für Heraklit "Krieg der Vater aller Dinge" identifiziert der große Dichter und Denker die "Jagd als Mutter der Kultur".

Ohne zu zögern ging Goethe mit beiden Händen am Fangeisenstiel auf einen starken Keiler zu, der ihn sofort annahm. Der adelige Waidmann zielte mit dem kalten Eisen zwischen Hals und Blatt nach der Herzkammer. Er kannte den Adrenalinstoß, wenn das Eisen in einem angehenden Schwein unter der Feder weg bricht. Für Goethe gilt: "Jagd ist Leitkultur."

Für Jäger-Goethe-Kenner Professor Dr. Gerd Rohmann ist die Sache klar: Die Jagd, sagt er, hat unser aller Denken kulturevolutiv geformt.

Die ersten Künstler waren Jäger

Gemessen an den rund 350.000 Jagdscheininhabern in Deutschland bildeten die hominiden Steinzeitjäger als "Teil einer tierischen Randpopulation" eine verhältnismäßig kleine Gruppe in einer menschenfeindlichen Umwelt. Hunger diktierte das Geschehen. Nur der Jagderfolg bedeutete Überleben.

In seinem bemerkenswerten Aufsatz über den Mammut-Blitzkrieg vermutet Hubert Suter ("Kampf der Rivalen"), der Urzeitmensch habe wohl eher seinen Nachbarn auf die Speisekarte gesetzt als ein wehrhaftes Mammut; denn schlussendlich führe Hunger zu einer Taubheit der Emotionen.

Wenn Hunger die Emotionen betäubt, ist auch der Umkehrschluss zulässig, meint Rainer Schmidt: "Jagdglück bewirkt das Gegenteil. Waidmannsheil ist die Wurzel der Kultur." Der Cro-Magnon war ein erfolgreicher Jäger. Er war kein Hungerkünstler. Er war ein Künstler, weil er nicht hungerte. Die ersten Künstler waren Jäger.

Leitbruch vom Pleistozän zum Holozän

Die Cro-Magnon lebten von der Jagd. Jederzeit liefen sie Gefahr, selbst zur Beute zu werden. Rainer Schmidt: "Selbst unter der Prämisse eines Durchschnittsalters von allenfalls 30 Jahren kommen bei einem täglichen Laufpensum von 40 Kilometern auf der Pirsch und bei Treibjagden bei Cro-Magnons mehr Strecke zusammen als der Herr Goethe in seinem langen Leben per Postkutsche, zu Pferd oder per pedes absolviert hat: magere 30.000."

Ihre jagdlichen Erfahrungen und ihr Jagdwissen verarbeiteten sie in den Tiefen geeigneter Höhlen: Natürliche Galerieräume ohne Heizung und Tageslicht. Die ersten Cro-Magnon Höhlenbilder hielten die Entdecker für zu echt, um keine Fälschung zu sein. Doch die Cro-Magnon waren gute Jäger. Sie waren gute Beobachter. Und sie verstanden es, ihre Beutetiere auf die Höhlenleinwände zu bringen – ganz wie im wahren Leben. Jagdmalerei war ein entscheidender Schritt in Richtung Kultur.

Vielleicht war der erste Strich an einer Höhlenwand mit einem Stück Holzkohle zunächst ein kleiner Schritt für den unbekannten Künstler. Bestimmt war es ein großer Schritt für die Menschheit. Die Höhle von Lascaux ist durchaus vergleichbar mit den großen Kathedralen des Mittelalters. Das erste Ren, das Cromagnon auf seiner Höhlenwand verewigte, markierte als Leitbruch jene Stelle, die vom Pleistozän zum Holozän und zu den ursprünglichen Jagdbildern von Rainer Schmidt führt. Von der Kunst, Beute zu machen, zur Beutekunst Wer malt erzählt. Hier werden Netzwerke geknüpft. Netzwerke sind notwendig für die Jagd, die Kunst, Beute zu machen. Sie sind aber auch notwendig für die Beutekunst: Einer konnte malen, ein anderer musste das Licht halten. Viele mussten das Gerüst erstellen, auf dem der Künstler unter der Höhlendecke arbeiten konnte. Die Farben gab es nicht an Ort und Stelle. Sie mussten transportiert und wahrscheinlich eingetauscht werden. Schon im Pleistozän gilt das genossenschaftliche Wir. Gespräch unter Künstlern Natürlich fragt sich jeder, so Schmidt, was diese Zeichnungen von Pferd bis Fisch, Bär bis Bison, Mammut oder Ren zu bedeuten haben. Und da stehen viele Antworten im Raum: Das Alphabet reicht von A wie Anschauungsunterricht – hier gab es die ersten Jagdschulen – bis Z zum Jagdzauber. Wer seine Beutetiere magisch bannt, hat Jagderfolg. Andererseits zeigt der Maler auch Respekt vor dem Geschöpf.

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"Menschen reagieren auf fiktionale Ereignisse ebenso emotional wie auf das wirkliche Leben." Das hat die Wissenschaft herausgefunden. Das zeigen auch die aktuellen Tierstudien nach Art der Cro-Magnonkünstler von Rainer Schmidt: Die jagdliche Ansprache stimmt. Sie sprechen emotional an.

Wagen Sie einen Blick, meine Damen und Heren.

Doch was empfanden Herr und Frau Cro-Magnon, wenn sie in ihrer Höhle im Schein der Fackeln und Fettlampen die Tierbilder sinnlich erlebten? Schmidt: "Zweifellos haben sie die Tiere erkannt, die sich etwa hochflüchtig bewegten, und auf sie reagiert. Sie spürten Gefühle wie im richtigen Jagdleben."

Geballte Emotion. Gefühle wie im richtigen Jagdleben.

Die älteste Wildspeisekarte der Welt

Der Jagdschriftsteller Hans von Gaudecker spricht von Jagdzauber. Er ist davon überzeugt, dass die Jäger der Eiszeit in ihren Kultstätten etwa den Bärentanz tanzten, um das Zotteltier zu ehren und den Segen der Götter für eine glückliche Jagd herabflehten; denn davon hing es ab, ob die Sippe satt wurde.

Die Jünglinge des Stammes ahmten auch die Bewegungen des Bisons nach: Im Rhythmus des Tanzes stampften sie mit den Hacken wie die riesigen Steppenrinder. An dieser Stelle verweist von Gaudecker auf "die Bauernburschen in Süddeutschland", die mit ihrem Schuhplattler die Bewegung balzender Birkhähne nachahmten.

Rainer Schmidt vermutet: "Diese Bilder waren nicht nur jagdpädagogisch wertvoll. Für uns ist dies die mit Abstand älteste Wildspeisekarte der Welt."

Vielleicht sicherte Beutekunst nach Cro-Magnonart auch das Fortbestehen der Sippe; denn nur ein guter Jäger konnte solche lebendigen Bilder aus dem Kopf ohne Tageslicht auf den Felsen malen. Ein guter Maler musste ein verträglicher Mensch sein, um die notwendige Hilfe der Gruppe für seine Kunst zu bekommen.

Schmidt: "Gab es für Fräulein Cro-Magnon bessere Argumente als dieses gemalte Liebesgedicht, ihn zum Versorger und zum Vater ihrer Kinder zu machen?"

Wir alle, liebe Freunde, sind Cro-Magnons Urenkel.

Waidmannsdank!

Chapeau!

Nicht die Dinge ändern sich, sondern die Sicht auf die Dinge.

Ich hoffe, ich habe Ihre Sicht auf die Dinge da unten ein wenig geändert.

Weitere Bilder aus der Ausstellung.


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