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Kirsch, Sarah

(Weitergeleitet von Sarah Kirsch)

"... Inzwischen hänge ich sehr an dieser merkwürdigen Gegend. Ich muss das jetzt alles hier beschreiben, das ist wie ein Auftrag, den ich übernommen habe. Ich grase das hier ab wie ein Schaf, fresse das, bis alles gefressen ist."

Zeichnung: Jens Rusch

Sarah Kirsch (* 16. April 1935 in Limlingerode, Kreis Nordhausen, gest. am 05. Mai 2013 in Heide; eigentlich: Ingrid Hella Irmelinde Kirsch, geb. Bernstein), war eine deutsche Schriftstellerin. Sie lebte in Tielenhemme an der Eider.

Foto: Jens Rusch. Copyright beachten!
Foto: Jens Rusch. Copyright beachten !


Nach Aussage von Marcel Reich-Ranicky ist Sarah Kirsch die bedeutendste deutsche Lyrikerin der Gegenwart.


Aquarell-Arbeitsplatz von Sarah Kirsch Ölgemälde von Jens Rusch

Inhaltsverzeichnis

Preise

  • 1965 Erich-Weinert-Medaille (Kunstpreis der FDJ), gemeinsam mit Rainer Kirsch
  • 1973 Heinrich-Heine-Preis des Ministeriums für Kultur der DDR
  • 1976 Petrarca-Preis, zusammen mit Ernst Meister
  • 1978 Stipendium der Villa Massimo, Rom
  • 1981 Österreichischer Staatspreis für Literatur
  • 1984 Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg
  • 1988 Mainzer Stadtschreiber (Literaturpreis der Fernsehsender ZDF, 3sat und der Stadt Mainz)
  • 1988 Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein
  • 1992 Ida-Dehmel-Literaturpreis der GEDOK e.V.
  • 1993 Peter-Huchel-Preis
  • 1996 Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung
  • 1997 Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
  • 2000 Kulturpreis des Kreises Dithmarschen
  • 2005 Jean-Paul-Preis des Freistaates Bayern
  • 2006 Johann-Heinrich-Voß-Preis für Literatur der Stadt Otterndorf
  • 2007 Samuel-Bogumil-Linde-Preis

Ehrenprofessur für Sarah Kirsch

Die Schriftstellerin und Lyrikerin Sarah Kirsch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) mit einer Ehrenprofessur ausgezeichnet worden. "Ich bin stolz darauf, daß sich eine so sprachmächtige Lyrikerin unser Land ausgesucht hat, um hier Wurzeln zu schlagen und es in Literatur zu verwandeln", sagte Carstensen. Ebenso wie Siegfried Lenz und vor ihm Theodor Storm mache Kirsch Schleswig-Holstein "zu einer literarischen Landschaft".

Sarah Kirsch lebt seit 1983 in Tielenhemme (Kreis Dithmarschen). Aufgewachsen in Halberstadt in der damaligen DDR, durfte sie nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns 1977 in die Bundesrepublik ausreisen. Sie erhielt zahlreiche Preise, u. a. den Büchner-Preis, den Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein und den Kulturpreis des Kreises Dithmarschen. Der Ehrentitel "Professorin" bzw. "Professor" ist eine der höchsten Auszeichnungen des Landes für Leistungen im kulturell-künstlerischen Bereich. Quelle: HA

erschienen am 17. Juni 2006


Werke

  • Die betrunkene Sonne (1962), Kinderhörspiel, zusammen mit Rainer Kirsch
  • Berlin -- Sonnenseite. Deutschlandtreffen der Jugend in der Hauptstadt der DDR (1964), Bildreportage, zusammen mit Thomas Billhardt und Rainer Kirsch
  • Gespräch mit dem Saurier (1965), Gedichtband, gemeinsam mit Rainer Kirsch
  • Landaufenthalt (1967), Gedichtband
  • Zaubersprüche (1973), Gedichtband
  • Trauriger Tag
  • Die Pantherfrau. Fünf unfrisierte Erzählungen aus dem Kassettenrecorder (1973), Prosaband
  • Die ungeheuren bergehohen Wellen auf See (1973), Prosaband
  • Es war dieser merkwürdige Sommer (1974), Gedichtauswahl
  • Caroline im Wassertropfen (1975), Kinderbuch, mit Illustrationen von Erdmut Oelschläger
  • Zwischen Herbst und Winter (1975), Kinderbuch, zusammen mit Ingrid Schuppan
  • Rückenwind. Gedichte (1976), dieser Gedichtband ist geprägt von den Motiven der Liebe, Trennung und Einsamkeit, aufgrund der Trennung von Kirschs Geliebten Christoph Meckel, der durch die Mauer von ihr getrennt in Westberlin lebte.
  • Musik auf dem Wasser (1977), Auswahlband
  • Wintergedichte (1978)
  • Katzenkopfpflaster (1978), Gedichtauswahl
  • Sieben Häute. Gedichte 1962-1979 (1979)
  • Drachensteigen (1979), Gedichte
  • Wind und Schatten, zusammen mit dem Künstler Kota Tamiuchi
  • La Pagerie (1980), Prosagedichte
  • Geschlechtertausch (1980), zusammen mit Irmtraut Morgner und Christa Wolf
  • Hans mein Igel (1980), Kinderbuch nach den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, mit Illustrationen von Paula Schmidt
  • Papiersterne (1981), vertont von Wolfgang von Schweinitz
  • Erdreich (1982), Gedichte
  • Katzenleben (1984), Gedichte
  • Landwege. Eine Auswahl 1980-1985 (1985), mit einem Nachwort von Günter Kunert
  • Reisezehrung (1986), Prosa
  • Irrstern (1987), Prosaband
  • Buch mit Gedichten von Sarah Kirsch und Zeichnungen von A. R. Penck in der Berliner "Edition Malerbücher" (1987)
  • Allerlei-Rauh. Eine Chronik (1988), Prosaband
  • Luft und Wasser. Gedichte (1988), mit Bildern von Ingo Kühl
  • Schneewärme. Gedichte (1989)
  • Wintermusik (1989)
  • Die Flut (1990), Auswahl, zusammengestellt von Gerhard Wolf
  • Schwingrasen (1991), Prosa
  • Spreu (1991), Bilder-Tagebuch
  • Erlkönigs Tochter (1992), Gedichte
  • Das simple Leben (1994), Prosaminiaturen und Gedichte
  • Bodenlos (1996)
  • Gesamtausgabe, 5 Bände im Schuber. (1999), gleichzeitig in der Deutschen Verlags-Anstalt München/Stuttgart (DVA) und im Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv)
  • Sarah Kirsch. Beim Malen bin ich weggetreten (2000), Kunstband
  • Schwanenliebe. Zeilen und Wunder (2001), lyrische Miniaturen
  • Islandhoch, Tagebruchstücke (2002), Prosa
  • Kommt der Schnee im Sturm geflogen (2005), Prosa
  • Regenkatze (2007), Prosaband (Lyrisches Tagebuch)


Die Rede zur Verleihung der Ehrenprofessur

Ehrenprofessur für Sarah Kirsch

Rede von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen zur Verleihung des Ehrentitels "Professorin" an Sarah Kirsch am 16. Juni 2006:

Ich freue mich, dass Sie, verehrte Gäste, den alljährlichen Kieler-Woche-Parcours, der schon Tage vor der Eröffnung mit Straßensperrungen, Einbahnregelungen und vielen Aufbauten auf öffentlichen Plätzen kunstvoll gestaltet wird, gemeistert haben und den Weg hierher gefunden haben. Ich begrüße Sie zu dieser feierlichen Ehrung sehr herzlich. Auf dem Wege in den Saal sind Sie bereits mit Kunst empfangen und auf ein weiteres Kunsterlebnis eingestimmt worden - die gestern eröffnete Ausstellung im Foyer zeigt Bilder des in Gelting lebenden Professors Klaus Fußmann.

Der Ehrentitel "Professor" beziehungsweise "Professorin" wird heute zum 44. Male verliehen. Er ist also eine ganz besondere, eine hohe Auszeichnung des Landes Schleswig-Holstein für - wie es in den Grundsätzen zur Verleihung heißt - "ganz hervorragende Leistungen im kulturell-künstlerischen Bereich".

Empfangen wird ihn heute Sarah Kirsch, und es ist überflüssig zu erwähnen, dass sie das Kriterium zweifelsfrei erfüllt. Ich freue mich von Herzen, sehr geehrte Frau Kirsch, dass Sie heute zu uns gekommen, Ihnen gilt mein ganz besonderes Willkommen!

Sarah Kirsch ist eine der bedeutendsten Lyrikerinnen deutscher Sprache des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts. Zahlreiche Preise, darunter der bedeutende Büchner-Preis, aber auch der Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein und der Kulturpreis des Kreises Dithmarschen, zeugen von der einhelligen Anerkennung und Würdigung ihres Schaffens. "Sie ist die Größte", befand knapp und bündig der Kritiker Joachim Kaiser. Und Bayerns Kunstminister Thomas Goppel erklärte Sarah Kirsch bei der Verleihung des Jean-Paul-Preises 2005 zur Klassikerin zu Lebzeiten, die die Lyrik der letzten Jahre entscheidend geprägt habe.

Menschliche Grunderfahrungen wie Liebe, Einsamkeit, Altern und Vergänglichkeit und - immer wiederkehrend - der Blick auf Mensch und Natur in bedrohter Balance, der Prozess des allmählichen Wandels, dem unsere Umwelt unterworfen ist, all das sind die Themen von Sarah Kirschs Dichtung.

Die direkte und unmittelbare Anschauung und die Stimmung, aus der solche Texte entstehen, findet sie vor der Haustür in der ländlichen Umgebung Dithmarschens, von der sie selbst in einem Interview mit Iris Radisch in der ZEIT (14. April 2005) sagte:

"... Inzwischen hänge ich sehr an dieser merkwürdigen Gegend. Ich muss das jetzt alles hier beschreiben, das ist wie ein Auftrag, den ich übernommen habe. Ich grase das hier ab wie ein Schaf, fresse das, bis alles gefressen ist."

Es war nicht immer so, dass Sarah Kirsch Landschaft, Himmel, Wolken, Meer besondere Aufmerksamkeit schenkte und die Natur und das Naturgeschehen so bilderreich und mit solcher Sprachmacht porträtierte, wie wir es kennen.

In dem eben erwähnten Interview sagte sie: "Früher wollte ich mich mit diesem Naturkram nicht zu viel einlassen." Früher, das waren die Jahre in der DDR, die ihr zunehmend unerträglich wurde: 1976 protestierte Sarah Kirsch gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann: Sie wurde aus dem Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen und durch die Stasi überwacht.

Früher, das war das Stadtleben in West-Berlin, wo sie seit 1977 lebte. 1983 zog sie sich nachdrücklich - nicht in die Weltabgeschiedenheit - aber ins Private, nämlich in eine alte Dorfschule in Tielenhemme zurück, die ihr Refugium und ihr neues Zuhause wurde. Seitdem hat sie das, was sie immer wollte, denn sie sagte einmal: "Seit ich zehn bin, weiß ich, dass ich in einer schönen Landschaft wohnen muss."

Und auf die Frage, für welche Genüsse sie alles stehen und liegen ließe, antwortete sie: "Für mich ist Schleswig-Holstein eine wunderschöne Landschaft."

Ich bin froh und - das gebe ich offen und ehrlich zu: ich bin auch stolz darauf, dass eine so sprachmächtige Lyrikerin sich unser Land ausgesucht hat:
  • um hier Wurzeln zu schlagen,
  • um es wieder und wieder lyrisch zu verarbeiten
  • und auf diese Weise zauberisch in Literatur zu verwandeln!

Als unser Ehrenbürger Siegfried Lenz vor einem viertel Jahr seinen achtzigsten Geburtstag feierte und sein Verlag und der Norddeutsche Rundfunk ihm zu Ehren eine bewegende Matinee veranstalteten, sagte ich in meinem Glückwunsch: Siegfried Lenz hat an Landschaft, Orten und Menschen bei uns Maß genommen und sie literarisch verwandelt. Damit hat er Schleswig-Holstein, wie vor ihm etwa Theodor Storm, zu einer literarischen Landschaft gemacht.

Gleiches trifft auf Sarah Kirsch zu.

Sie ist mit ihren Gedichten - wie übrigens auch Klaus Fußmann mit seinen Bildern - zur Botschafterin der "wunderschönen Landschaft im Norden" geworden, für die sie alles stehen und liegen ließe.

Sie spiegelt seit mehr als zwanzig Jahren die Natur an der Nordsee und an der Eider und die Menschen unter dem weiten, wolkenbefahrenen Himmel, prahlt manches Mal gern ein wenig mit ihrem Norden und sagt dabei doch die Wahrheit! Sie wünscht sich nichts mehr - so sagte sie es selbst einmal - als ...noch schön lange da am Rand der Welt, wo sie jetzt wohnt, weiter(zu)leben und was in Bücher (zu) schreiben, (zu) zeichnen und dabei (zu) sein, aber doch so entfernt, dass der Tag ellenlang ist und man nicht viele Verpflichtungen hat (Interview mit FIGARO - Das Kulturradio des MDR).

Ich kann Sie nur ermuntern:

Tun Sie das, verehrte Frau Kirsch, schreiben und malen Sie weiter, tragen Sie die Schönheit und den Reiz unseres Landes auch künftig und noch lange hinaus in die Welt.

Ich freue mich sehr, dass Doris Runge, selbst eine bedeutende Lyrikerin, heute unser Gast ist und gleich über die Lyrikerin Sarah Kirsch sprechen wird, mit der sie ein freundschaftliches Verhältnis verbindet. Hier im Saal zeigt unsere Landesbibliothek heute noch eine kleine, feine Ausstellung mit Bildern und Büchern von Sarah Kirsch.

Sehr geehrte Frau Kirsch, das Land ist sparsam mit dem Ehrentitel "Professor" bzw. "Professorin" umgegangen: In gut 38 Jahren wurde er bisher 43mal verliehen, darunter neun Mal an aktive Künstler und Künstlerinnen aus den Sparten Musik, Bildende Kunst, Literatur und Film. Der Kreis der Geehrten ist also klein, aber sehr fein.

Leider verbindet sich mit dem Titel kein monatliches Salär, es werden keine Talare und Professoren-Hüte ausgehändigt, es gibt nur eine schlichte Urkunde. Verehrte Frau Kirsch, ich darf Sie nun bitten, die Urkunde zur Verleihung des Titels "Professorin" entgegenzunehmen.

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