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Peter Swyn

Aus Dithmarschen-Wiki

Peter Swyn, der vornehmste Achtundvierziger zu seiner Zeit, ein Mann fein im Rat und frech in der Tat, brachte es dahin, daß auf den Morgen Land ein Sechsling Schatzung mehr gelegt ward, die vorhin nur ein Schilling gewesen. Deswegen wurden alle Leute auf ihn erbittert und ein ganzes Jahr lang hat er sich in seinem Hause zu Großlehe verborgen gehalten. Eines Tages aber wagte er sich zu seinen Kleiern aufs Feld, setzte sich aber aus Vorsicht zu Pferde. Doch kaum kam er auf den Acker, so sprangen die Kerle aus dem Graben und ermordeten ihn. Der Acker ist der, der zwei Wreden östlich von Lehe an dem Quer- und Gooswege rechter Hand liegt, und wo noch bis auf diesen Tag der große Stein steht, da ist die Stätte.


Quelle: Karl Müllenhoff: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Kiel 1845, S. 65. Lizenz: Gemeinfrei

Inhaltsverzeichnis

Biographie

  • Geboren vermutlich 1481 oder 1482 in Lunden
  • Erschlagen 1537, laut Sühnestein im Alter von 57 Jahren
  • Die Swyns zählten zu dem in den Kirchspielen Hemme und Lunden ansässigen Wurtmannengeschlecht.
  • Beteiligung an der Gründung einer Pantaleonsbruderschaft in Lunden
  • Peter Swyn gehörte zu den wohlhabendsten Bauern Dithmarschens
  • Spätestens seit 1512 Mitglied im Kreis der Achtundvierziger

Grabstein-Inschrift

He is dussem Lande so ratlick truwe gewesen,
alse bi velen heren, steden, landen uterlesen
de vriheit dusses landes so vri bewart,
darumme liff un levent nicht gespart.
Der "Sühnestein" auf dem Geschlechterfriedhof in Lunden. ...

Der Name als Metapher

  • Der Name leitet sich von "Swehn" oder "Sven" ab, nicht vom plattdeutschen Wort für Schwein. In Dithmarschen ist die Vorstellung geläufig, der Name Peter Swyns sei für das landläufige Zitat "Dat kann keen Schwien lesen" (Das kann kein Schwein lesen) der Ursprung gewesen. Da Swyn des Lesens und Schreibens zu einer Zeit kundig war, in der noch über 85% Analphabetentum die Regel war, ist diese Vorstellung nicht abwegig.

Das Scharmützel von Hemme

1508 Das Scharmützel von Hemme: Weil ein Lundener Mädchen, das im Kirchspiel Neuenkirchen diente, ein uneheliches Kind gebar, zog Peter Swyn gemeinsam mit Bojen Herring aus, um diese Schande zu rächen. Sie verbrannten Mutter und Kind, die in einer Scheune schliefen. Diese Gewalttat weckte den Zorn der sog. Westerdöfft und der Kirchspiele Heide und Hemmingstedt. Es kam zu einer blutigen Fehde. Die Lundener verschanzten sich hinter den Mauern des Hemmer Kirchhofs. In dem folgenden Gefecht wurde u.a. einem Prediger aus Neuenkirchen ein Fuß abgeschossen. Dieser starb kurze Zeit später an seiner Verletzung. Nach einem weiteren blutigen Kampf auf der Flehder Feldmark, bei dem zwei Tote und zahlreiche Verletzte zu beklagen waren, gingen die Lundener als Sieger hervor. Es kam schließlich zu einem Vergleich. Quelle: Wikipedia

Die Schlacht bei Hemmingstedt

Über die Jugend Peter Swyns ist nichts bekannt. Er erscheint als Neunzehnjähriger auf einer Liste von Verletzten, denen Hamburg eine Entschädigung zahlen sollte. Daß er im jahre 1500 an der Schlacht bei Hemmingstedt, und zwar an der Schanze >>Dusent duvels warff<< teilgenommen hatte, gilt als sicher. Aber Peter Swyn gehörte auch zu jenem Verbande der Sulemannen und Wurtmannen, der 1508 auszog, um ein "verunehrtes" Mädchen in einer Scheune zu verbrennen, weil sich zu ihm kein Kindsvater bekennen wollte oder konnte. Diese Handlung war keineswegs Unrecht; sie erfolgte gemäß dem jüngeren Landrecht von 1478. Quelle: Heinz Stoob / Eckardt Opitz

48er Regenten

  • Peter Swyn gehörte vermutlich spätestens seit 1512 Mitglied dem Kreis der "Achtundvierziger-Regenten" an. Sein Einsatz für eine eigene Landeskirche Dithmarschens leitete sein Verhängnis ein. Er sprach Sonntag für Sonntag im ganzen Land im Anschluss an die Gottesdienste und auf Kirchhöfen, um die Landesordnung (Landesbeschluss vom 14. Juli 1537) abzukündigen. Zeitgleich gab es eine Fehde zwischen den Russebolingmannen (St. Annen) und den den Wurtmannen, denen Peter Swyn angehörte. Quelle: Eckardt Opitz

Laut Eckardt Opitz ist es eine Tatsache, daß Swyn offenbar auf dem Heimwege von einer der Kirchspielsversammlungen, das Opfer eines Blutracheaktes wurde.

  • 1529 Unter dem Einfluss der Achtundvierziger Peter Swyn und Peter Nanne erlangt Lunden das Stadtrecht.

1537 Peter Swyn setzt sich für Reformen in Dithmarschen ein. Das einflussreiche Geschlecht der Russebollingmannen waren entschiedene Gegner dieser Neuordnungen. Darüber hinaus bestanden verdeckte aber auch offene Streitigkeiten zwischen den beiden Geschlechtern, die schließlich in einer blutigen Fehde gipfelten. Die Morde und Blutrachen forderten vierzehn Menschenleben. Am 14. August wurde Peter Swyn das prominenteste Opfer. Als er mit seinem Pferd ausritt, wurde er am Goosweg in Lehe von bezahlten Mördern, den drei Bahren, von seinem Pferd heruntergerissen und erstochen. Peter Swyn wurde einen Tag später auf dem Lundener Geschlechterfriedhof beigesetzt. Ihm zu Ehren wurden drei Gedenksteine gesetzt, u.a. eine Sandsteinstele, die im Relief seine Ermordung darstellt. Die drei Bahren wurden als Mörder überführt und hingerichtet. Quelle: Wikipedia

Heinrich von Zütphen

1524 Ermordung des Reformators Heinrich von Zütphen. Obwohl Peter Swyn von einer voreiligen Verurteilung abrät, kommt es zu einer Verschwörung. Maßgeblich beteiligt ist neben dem Wurthmannen Peter Nanne auch Peter Swyns Sohn Henning. Am 9. Dezember wird Heinrich aus Meldorf entführt und im Zuge der Aktion schwer misshandelt. Einen Tag später wird er als Ketzer verurteilt, in Heide gefoltert und schließlich verbrannt. Die Ermordung des Reformators veranlasst Martin Luther, eine Schmähschrift gegen die Dithmarscher zu verfassen.

Geschlechterfriedhof

Ein Sühnestein auf dem Geschlechterfriedhof Lunden erinnert an Peter Swyn, der im Jahre 1537 ermordet wurde. Die Inschrift "Pater Patriae" ( Vater des vaterlandes ) weist auf die herausragende Bedeutung Peter Swyns hin. Als einer der 48 "Regenten" vertrat er die Bauernrepublik im politischen Kontext. Quelle: Evangelisch-Litherische Kirchengemeinde Lunden

Müllenhoff

In dem Kriege des Jahres 1500 machten die Dithmarschen große Beute. Zu keiner Zeit waren die Holsten mit so viel Kleinoden und Edelsteinen geschmückt und in so prächtigen Kleidern und kostbaren Rüstungen in den Krieg gezogen. So kriegten die Dithmarschen so viel Geld und Gut, als sie nie zuvor begehrt noch gewünscht hatten, also daß sie nicht groß darauf achteten, noch es ordentlich probieren ließen. Güldene Ketten, dieweil sie schwarz geworden waren, hielt man für Eisen und legte die Hunde daran, bis man sie erst beim Abschleißen erkannte.

Aus der Beute hatte Peter Swyn in Lunden, einer der achtundvierzig Regenten des Landes, ein kostbares sammetnes Wams gewonnen. Damit erschien er auf einem Fürstentage in Itzehoe und trug dabei ein paar weiße Webbeshosen. Ihn begleitete Junge Johanns Detlef; beide waren ein paar beredte scharfsinnige Männer von geschwindem Wort. Als die holsteinischen Herren den wunderlichen Anzug sahen, lachten sie darüber; aber Junge Johanns Detlef sprach alsobald zu ihnen: »Lachet doch nicht; denn wo der Wams geholt ward, hätte man auch wohl die Hosen kriegen können, hätte Ehre und Zucht das nicht gehindert.« Auch erzählt man, man habe Peter Swyn selbst um seine Kleidung gefragt, worauf er geantwortet: »Das sammetne Wams trage ich, dieweil ich ein Landesherr bin; die Webbeshosen aber, weil ich ein Hausmann.«

Neocorus (und Hans Detleff) I, 229, 230. Quelle: Karl Müllenhoff: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Kiel 1845, S. 64-65. Lizenz: Gemeinfrei

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