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Nicolai Möller Trischen-Befestiger und Deichbauer

Aus Dithmarschen-Wiki

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Daten und Fotos von Hans-Peter Möller, Enkel des Deichbauers Nicolai Möller
Email: hp.moeller@gmx.de
Äußeres Erscheinungsbild Uwe Möller

Nicolai Möller war im Wasser- und Deichbau ein hervorragender und umtriebiger Kenner der Materie. Unter seiner Federführung sind viele hundert Hektar Neuland dem Wasser abgerungen worden. Er verfolgte z.B. mit außerordentlicher Zähigkeit die Verwirklichung der Eindeichung des Neufelderkooges. Sein Dienstbereich erstreckte sich von Pinneberg bis Tönning.

Inhaltsverzeichnis

Nicolai Möller

Aus Geburts-und Taufregister

Nicolai Möller wurde als siebtes von elf Kindern am 7. Oktober 1873 in Weesby im Kreise Tondern geboren. Seinem Vater, der Landmann und Bauhandwerker war, fehlte es an Mitteln, dem begabten Sohn eine kostspielige Ausbildung geben zu lassen.
So kam er nach der Schulentlassung zunächst 1 ½ Jahre lang in die Landwirtschaft. Danach kam er zu einem Bauhandwerker in die Lehre, wo ihm Dank seiner Leistungen nach zwei Jahren ohne Entschädigung das dritte Lehrjahr geschenkt wurde.
Nach Absolvierung der Baugewerkschule Eckernförde trat der junge Möller 1891 bei dem Dombaumeister Ehrhardt in Schleswig in Stellung. Er bearbeitete dort neben anderem den Bauplan der Kirche zu Blankenese. Als das Büro aufgelöst wurde, fand Möller bei dem Wasserbauamt in Husum eine neue Stellung.

Fotos von Familie und Wohnung

Nicolai Möller

Am 24. Mai 1902 wurde Nicolai Möller – nach der Pensionierung des Domänenrates Müllenhoff – die kommissarische Verwaltung des Dömänenrentamtes in Friedrichskoog übertragen. Am 1. Januar 1903 erfolgte schließlich die Ernennung zum Domänenrentmeister. Nun begann er mit der Landgewinnung an der Dithmarscher Küste in vergrößertem Maßstabe nach neuen, von ihm selbst entworfenen Plänen.

Das Bauamt in Marne

Der Dienstbezirk reichte damals vom Reck bei Nordhusen bis an die Kreisgrenze vor dem Wöhrdener Sommerkoog. Im Kreise Norderdithmarschen und an der Elbe wurde vom Fiskus das Anwachsrecht und das Landgewinnungsrecht erworben und schließlich wurden die Elbsanddomänen bei Wedel im Kreise Pinneberg, sowie die fiskalischen Deiche bei Glückstadt dem Domänenrentamt, das Möller leitete, zugewiesen. So erstreckte sich nun der Dienstbezirk vom Kreis Pinneberg bis zur Tönninger Fähre. Die fiskalische Küstenstrecke war von 60 km auf 127 km gewachsen. Bedingt durch diese starke Erweiterung des Bezirks wurde der Amtssitz 1908 von dem entlegenen Friedrichskoog nach Marne verlegt.

Chronologische Auflistung einiger wichtiger Arbeiten des Deichbauers

• 1905/1906 – Bau der Buhnen vor der Friedrichskoogspitze in einer Länge von 3500 Metern

• 1906/1907 – Damm in der Wasserscheide nach dem Franzosensand in einer Länge von 1800 Metern.

• 1908 – Begradigung des Hafenstromes vor dem Friedrichskoog

• 1919 – Ausbau des Hafens vor dem Friedrichskoog

• 1923-1925 – Planung und Aufsichtsführung eines Deichbaus (durchgeführt von der Neufelder Deichbaugenossenschaft-einer Vereinigung Dithmarscher Bauern). Der 5973 m lange Deich schützte 700 Hektar Land.

• 1923-1925 – Der 83 ha große Trischenkoog wird eingedeicht, Deichlänge 1710 m

• 1926/1927 – Begradigung der Außenmiele bei Meldorf auf einer Länge von 3,5 km

• 1928 – Bau des Dammes zur Insel Helmsand, Länge 3,4 km

• 1928 – Begradigung des Außenpriels vor Trischen auf einer Länge von 2,4 km

• 1928-1930 – Bau einer Steindecke an der Eider, Länge 1713 m

• 1928-1930 – Bau von Buhnen an der Eider, 1560 m

• 1929/1930 – Bau eines Deiches hinter der Düne auf Trischen auf einer Länge von 400 m

• 1930 – Bau eiserner Buhnen auf Trischen

• 1930 – Bau eines Dammes an der Wasserscheide westlich Friedrichskooghafen, Länge 1650 m


Parzellen in den Kögen

Nicolai Möller war nahezu ständig mit der planmäßigen Landgewinnung beschäftigt. Durch Festlegung der Wasserscheiden und Überspannung weiter Wattflächen mit einem quadratischen Netz von Buschdämmen wurden mit dem Flutwasser hereinkommende Sinkstoffe bei Ebbe festgehalten. So erhöhte sich allmählich durch Ausnutzung der Naturgewalten der Boden. Schließlich stellte sich als erste Pflanze der Queller ein, dem bald auch niedriges Gras folgte was letztendlich das Watt in eine Weidefläche verwandelte.

Als Nicolai Möller sein Amt antrat, wurde auf 200 ha Landgewinnungsarbeit betrieben, als er es 1930 verließ, auf ca. 6800 ha. Von weit her kamen Männer aus Politik, Wissenschaft und der Praxis, um diese Landgewinnungsarbeiten zu sehen, wie z.B. der Haushaltsausschuß des Preußischen Landtags sowie Mitglieder des Reichsrats.
Die Schlickfänge wuchsen in seiner Amtszeit von 6,2 km auf 252 km. Die Gesamtgröße der Streuparzellen und Vorländereien, ursprünglich 2644 ha, waren jetzt - außer den 700 verkauften - auf 4669 ha angewachsen. Dem Meere waren 1642 ha Land abgewonnen, obwohl die Arbeiten während des Krieges und auch noch in der Nachkriegszeit hatten ruhen müssen.
Das Land war an 485 Pächter vergeben, die Pacht war von 146 000 Mark im Jahre 1902 auf 347 000 Mark im Jahre 1930 gestiegen. Auch die Zahl der beschäftigten Arbeiter nahm zu. Am 1. August 1902 waren 88, am 1. August 1930 377 Arbeiter tätig. Der preußische Staat hatte 1902 für Landgewinnung 74 000 Mark zur Verfügung gestellt, 1930 dagegen 979 000 Mark.

In dem von Möller geschaffenen, erweiterten Friedrichskooger Hafen konnte nun anstelle von 15 Fahrzeugen eine Flotte von 50 Schiffen den Hafen anlaufen. Trotz aller Erfolge bei der Landgewinnung und dem Deichbau war Trischen seine Lieblingsschöpfung.
Nicolai Möller wurde nach 28 1/2 Jahren Tätigkeit in Dithmarschen im Jahre 1930 nach Frankfurt a. O. und von dort später nach Aurich versetzt.
Dithmarschen wird ihn nicht vergessen.

Brief des Landrats Dr.Pauly an Nicolai Möller

Meldorf, den 4.2.1932
Sehr geehrter Herr Möller,
Meinen herzlichsten Dank für Ihren Brief und Ihre Karte; ich hatte immer gehofft, Sie einmal hier bei mir zu sehen, aber nachher hörte ich, dass Sie Marne schon wieder verlassen hatten.
Ich denke noch oft an die Zeiten einmütigen Zusammenarbeitens zurück, besonders auf Trischen geht Ihr Geist noch um. Ich hatte neulich meiner Deichschaugesellschaft auf Trischen von Ihnen und Ihrer verdienstvollen Tätigkeit erzählt; da schrieb mir nachher eine der eingeladenen jungen Damen, sie habe von Ihnen geträumt als von einem rübezahlartigen Schutzgeist der Insel, der ihr barfuss und mit Strandstock erschienen ist.
Die alten schönen Tage von Trischen kehren in der alten Art nicht wieder. Dazu fehlen Sie doch zu sehr. Bei dem neulichen Besuch des Herrn Regierungspräsidenten habe ich Gelegenheit genommen, meine Anschauung und Ansicht von Ihrer Arbeit vorzutragen.
Wir haben ja früher schon darüber gesprochen, dass das Dithmarscher Jahrbuch gerne Ihr Bild u. eine kurze Darstellung Ihrer Tätigkeit in Dithmarschen bringen würde. Das Jahrbuch ist z. Zt. im Druck. Grösste Eile ist daher geboten. Vielleicht schicken Sie mir möglichst umgehend eine Fotografie und eine kurze Zusammenfassung Ihrer Hauptarbeiten, die hier dann ja endgültig reduziert und umschrieben werden könnte.
Eine Karte der Uferarbeiten kann ich hier ja im kleinen Maßstab nach Ihrer großen Karte zeichnen lassen.
Die Einsendungen müssen aber möglichst umgehend erfolgen.
Sollten Sie einmal wieder nach Dithmarschen kommen, so geben Sie mir doch davon Nachricht, ich würde dann auch gerne nach Marne herüberfahren.
Mit den besten Wünschen für Ihre ostfriesischen Arbeiten bin ich mit
freundlichen Grüßen Ihr ganz ergebener
gez. Dr. Pauly, Landrat

Brief vom Dithmarscher Landesmuseum

Jahrbuch Dithmarscher Landeskunde 1932

Meldorf, den 22.2.1932
Herrn
Domänenrent- und Bauoberinspektor Möller
in A u r i c h Emderstr. 25
Sehr geehrter Herr Möller,
Herr Landrat Dr. Pauly übermittelte mir Ihr Schreiben vom 10. des Monats zur Erledigung. Es war unsere Absicht, im Jahrbuch des Vereins für Dithmarscher Landeskunde Ihnen eine gebührende Ehrung zu bereiten
Leider müssen Sie aus dem Schreiben des Herrn Landrats Dr.Pauly ein etwas verschobenes Bild von den Absichten erhalten haben. Es handelt sich nicht um einen Aufsatz über die Landgewinnung in Dithmarschen, sondern wir möchten Ihr Bild und einige Lebensdaten haben, um sie zur Veröffentlichung zu bringen.
Infolge des schon übergroßen Umfangs des Jahrbuchs des Vereins und seines baldigen Erscheinens ebenso in finanzieller Beziehung wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mir umgehend eine Fotografie von Ihnen, die sich zur Reproduktion eignet, senden könnten und Ihre Lebensdaten und die Bedeutung Ihrer Tätigkeit hier für Dithmarschen mitteilten in der Form, dass vielleicht 1-2 Seiten Text herauskämen.
Es soll sich also nicht um einen Aufsatz handeln, trotzdem wir auch einen solchen bei Gelegenheit sehr gern veröffentlichen möchten, sondern lediglich um eine Ehrung Ihrer Person.
In der Hoffnung, recht bald von Ihnen die erbetenen Unterlagen zu erhalten, bin ich mit dem Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung
Ihr sehr ergebener
gez. Dr. Kamphausen

Auszug aus der Chronik “100 Jahre Friedrichskoog“

Da mit dem Bahnanschluß gleichzeitig der Rückgang des Frachtschiffsverkehrs einsetzte, wäre der Friedrichskooger Hafen jetzt wohl verfallen, wenn er nicht das Glück gehabt hätte, daß die Preußische Domänenverwaltung ihn zum Stützpunkt für ihre Landgewinnungsarbeiten bestimmte. Sie legte an der Nordwestseite des Hafens ein Stichbecken für ihre Fahrzeuge und einen Lagerplatz an und sicherte beides durch einen Schirmdeich, von dem auch der Hafen Nutzen hatte. Die Domänenverwaltung war es auch, die im Jahre 1908 durch einen Faschinendamm, der zugleich der Landgewinnung diente, den immer gewundener und flacher gewordenen Schleusenpriel bis zum heutigen Leitdammkopf festlegte und begradigte. Diese Verbesserungen, die leichtere Abfuhr der Fänge und die zunehmende Größe der Fahrzeuge, die nicht mehr einfach auf den Deich gezogen werden konnten, veranlaßten nach und nach viele Fischer des Kaiser Wilhelm Kooges, ihre Kutter in den Hafen zu verlegen. Das bei seiner Anlage erbaute, inzwischen abgängig gewordene Bohlwerk reichte nicht mehr aus. Es wurde 1916-18 von der Domänenverwaltung durch einen Neubau ersetzt und um 40m verlängert, gleichzeitig an der Südostseite ein weiteres Bohlwerk von 30m Länge angelegt. 1928, als die Zahl der Kutter schon auf 27 gestiegen war, kamen weitere 30m hölzerne Kaje an der Nordwestseite hinzu. Daneben wurde der Betriebshafen der Domänenverwaltung mit Bohlenwerken eingefaßt.

Artikel zum 50-jährigen Jubiläum der Besiedelung des Neufelderkooges 1975

Dithmarscher Landeszeitung 31.01.1975 03.jpg

Fotos von Trischen - dem Lieblingskind von Nicolai Möller

Trischen-Wikipedia.JPG

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