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Meldorf - Gesicht und Wandel einer alten Stadt

Aus Dithmarschen-Wiki

Alfred Kamphausen, Meldorf - Gesicht und Wandel einer alten Stadt, Heide 1953

Zusammenfassung: Beginn bis 1559: Gelegentlich wird man überrascht. So kann es einem bei Alfred Kamphausens Buch über Meldorf (Heide 1953) gehen. Unscheinbar kommt Kamphausens inzwischen schon antiquarische Schrift daher und ist doch – sieht man einmal von kleineren Längen ab – gut und teilweise amüsant zu lesen. Kamphausen zieht einen weiten Bogen mir einem Blick auf das Wesentliche: Meldorf taucht vor uns auf, als es noch Thingpaltz der nordelbischen Sachsen im Gau Dithmarschen war. Es war wohl die Lage auf einer nach Westen ragenden Geestzunge (zu dieser Zeit waren die Marschen wohl noch nicht besiedelt), die Melinthorp wie es damals wohl geheißen haben mag für einen solchen Versammlungsplatz prädestinierte. In dieser Zeit brandete wohl im Westen noch die Nordsee an die Geestzunge und ein kleiner Hafen mag eine gute Anbindung gewährleistet haben. Dieses Melinthorp wird nicht groß gewesen sein, vielleicht mit einigen Hütten, wie man sie heute in Haithabu veranschaulicht bekommt und noch ohne Kirche.

In dieser Zeit rückt Meldorf in den Fokus christlicher Missionare nachdem die Franken unter Karl dem Großen sich das Reich der nordelbischen Sachsen bis zur Eider einverleibt hatten. Etwa um diese Zeit Mag die erste Kirche in Meldorf und Dithmarschen entstanden sein, an der Stelle, an dem heute der im 13. Jahrhundert begonnene Bau des Meldorfer Doms steht. Damals war es ein für heutige Verhältnisse wohl überschaubarer Bau von 32 mal 12 Metern Fläche aus Feldsteinen und dennoch wohl für die damaligen Dithmarscher ein beeindruckendes Bauwerk, das dem Machtanspruch des christlichen Glaubens nachhaltigen Eindruck verschafft hat. Diese Kirche wird wohl das ganze Mittelalter hindurch die wichtigste Kirche in Dithmarschen und damit geistiges Zentrum gewesen sein. Groß war Meldorf aber dennoch nicht; Kamphausen schätzt die Einwohner Meldorfs für das 13. Jahrhundert auf nicht mehr als 700 Einwohner.

Im 14. und 15. Jahrhundert ist die politische Lage in Dithmarschen unübersichtlich. Meldorf, welches inzwischen als Stadt auftritt und gleichzeitig ein Kirchspiel ist, steht neben vielen weiteren Kirchspielen und jedes von ihnen verfolgt seine eigene Politik. So erscheint Dithmarschen wohl zu dieser Zeit als eine ‚Konföderation’ von Kirchspielen nebst eigener Organisation und darüber der Vogt als Vertreter des Bremer Erzbischof dem Dithmarschen zu dieser Zeit formal untersteht, dessen Einfluss zunehmend zu schwinden scheint. Schließlich beherrschen die Geschlechterverbände die Szenerie, die mit ihren Eigeninteressen genug eine einheitliche Politik nahezu unmöglich machten. Und auch die Gegner Dithmarschens mussten dies zu nutzen und so paktierte jeder gegen jeden, die Stadt Hamburg mit den Kirchspielen und die holsteinischen Grafen mit einzelnen Geschlechtern und wohl auch umgekehrt und jeder gerade so wie es passte. In Meldorf tagte zwar die Dithmarscher Landesversammlung, es war aber wohl nicht Hauptstadt Dithmarschens, sondern nur Versammlungsort und geriet mehr und mehr in die Gegensätze zwischen nördlichen und südlichen Kirchspielen.

Rückblick auf das Jahr 1890: Hohe Sterblichkeit. Siehe auch: Kanal-Zeitung 1890

Ein beredetes Beispiel für diese Streitigkeiten zwischen dem Norden und Süden ist die Kaperfahrt des Vogtes Ralf Carstens aus Norddeich nach Hamburg und die anschließende Vergeltung Hamburgs, bei dem das Middeldorf in Büsum in Brand gesetzt worden war. Schließlich sorgten die Dithmarscher selbst für Ordnung, indem Kruse Johann aus Wöhrden in einem Verbund der nördlichen Kirchspiele gegen Ralf Carstens vorging und diesen aus dem Lande verdrängte. Der anschließende Friedensvertrag der Kirchspiele im Jahre 1434 mit Hamburg aber fand bereits ‚op der Heide’ statt und nicht in Meldorf und ohne Meldorf (siehe auch Heider Marktfrieden).

Immerhin sollte in dieser Zeit ein Meldorfer Bürgermeister, Jakob Polleke, noch einmal eine glänzende Rolle spielen. Für Dithmarschen Selbständigkeit nämlich wurde die Großwetterlage zunehmend bedrohlicher als Christian I. von Dänemark auch zum Herzog von Holstein und Schleswig ernannt wurde und nun seine Hand nach Dithmarschen ausstreckte. Polleke agierte äußert umsichtig und geschickt und konnte so den Krieg fürs erste abwenden, zugleich aber bestärkte er die Einsicht nach zentraler Führung in Dithmarschen. Auch mag man sich veranlasst gesehen haben besser für den Fall vorzusorgen, wenn die Diplomatie einmal versagen sollte.

Auszug aus Braun Hogenberg Städteansichten Band 5, 1598, Meldorf um 1560 nach Daniel Frese

Dieser Fall ließ nicht lange auf sich warten und bereits in den Februartagen 1500 kam es zum Krieg, mit dem glücklichen Ausgang mit der Schlacht bei Hemmingstedt. Zuvor jedoch wurde am 13. Februar 1500 Meldorf von den feindlichen Truppen genommen und besetzt. Scheußliche Szenen müssen sich dann unter den Einwohnern, die nicht fliehen konnten, abgespielt haben und unter den ermordeten Frauen und Kindern war auch die Witwe des Bürgermeisters Polleke. Nach dem Sieg von Hemmingstedt war Dithmarschen stolz und reich geworden und Meldorf selbst wurde befestigt und bewehrt. Doch all dies nützte nichts, denn 1559 fiel Meldorf und auch die Eigenständigkeit Dithmarschens hatte ein Ende. Abermals wütete die Soldateska in Meldorf. Unter den Toten diesmal: Johann Russe, Achtundvierziger und Chronist von Dithmarschen.

Vieles änderte sich nun und Meldorfs Bedeutung schwand zusehends wie auch Dithmarschen nunmehr nur ein Bestandteil der großen Politik war. Aus der Stadt Meldorf wurde im Jahr 1598 wieder der Flecken Meldorf, ungerecht vielleicht aber doch auch beredetes Beispiel. Immerhin kennen wir das damalige Aussehen Meldorfs durch die Zeichnung des in Meldorf geboren Malers und Kartographen Daniel Frese.

Meldorf erlebte nun in der Zeit nach der Kapitulation 1559 bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts so etwas wie eine erste wirtschaftliche Blütephase und während ganz Deutschland im Dreißigjährigen Krieg im Chaos versank, so hatte Meldorf wie überhaupt ganz Dithmarschen im Großen und Ganzen – sieht man von einer Pestepidemie und gelegentlichen Einquartierungen einmal ab - verhältnismäßig wenig auszustehen. Gelegentlich hat es eben auch Vorteile etwas abseits des Weltgeschehens zu liegen.

Doch nichts ist so beständig wie der Wandel und Krieg und Chaos folgten mit den beiden Nordischen Kriegen in denen der Herzog von Gottorf sich mit Schweden gegen Dänemark verbündete, damit wurden auch aus Dithmarschen Feinde denn längst identifizierten sich diese mit ihren jeweiligen Herren, Norderdithmarschen mit dem Herzog von Schleswig-Holstein und Süderdithmarschen, zu dem auch Meldorf gehörte mit dem König von Dänemark.

Insbesondere im Zusammenhang mit dem zweiten Nordischen Krieg 1700 kam es zu unzähligen Einquartierungen von dänischen, schwedischen und dann wieder dänischen und verbündeten Soldaten in Meldorf. Und was die Soldaten nicht besorgten, das besorgte das Pestjahr 1712, eine Viehseuche 1713 und zwei schwere Sturmfluten in Folge in den Jahren 1717 und 1718. Als endlich Frieden geschlossen wurde im Jahr 1720, war Meldorf wie Dithmarschen insgesamt ausgesogen und schwer gezeichnet. Für Meldorf schlugen sich die Ereignisse auch ganz konkret nieder, in was man später das Scharmützel von Ketelsbüttel genannt hat (siehe dort).

Doch das Leben geht weiter. Meldorf entwickelte sich, wenn es das denn nicht schon immer war, zu einer Handwerkerstadt – zwischen 1675 und 1775 allein lassen sich in Meldorf über 20 Goldschmiede nachweisen und es wird dies nur möglich gewesen sein, weil es eine entsprechende Nachfrage der näheren Umgebung gab. Kamphausen selbst beschreibt diese Zeit wohl recht treffend, wenn er sagt: „Die Meldorfer waren anspruchslose Leute geworden, lebten und werkten, wie die liebe Sonne es ihnen gut scheinen ließ.“ Vielleicht trifft ja diese Beschreibung auch heute noch zu.

Dennoch oder vielleicht deswegen, wer weiß das schon zu sagen, hat Meldorf erstaunliche Menschen angezogen und auch hervorgebracht, neben Carsten Niebuhr, dem Arabienreisenden, ist hier wohl an erster Stelle der Hainbund-Dichter und spätere Landvogt Heinrich Christian Boie zu nennen.


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