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Lass, Eduard

Aus Dithmarschen-Wiki

Brachte den Kohl nach Dithmarschen: Eduard Lass (1859-1924)


Inhaltsverzeichnis

Biographie

Als der Wesselburener Gärtner Eduard Lass am 27. Dezember 1924 im Alter von 65 Jahren stirbt, hat der Sohn eines Gärtners viel erreicht: Lass ist mehrfacher Familienvater, erfolgreicher Unternehmer und stolzer Villenbesitzer. Als Pionier der Forschung im Gemüseanbau entdeckt der Dithmarscher Anfang der 1890er Jahre in einer schwierigen Zeit für die Landwirtschaft einen Ausweg aus der Absatzkrise: den Anbau und die Vermarktung von Industriekohl in großem Stil.

Verheiratet mit dem Gründer des Kohlanbaus: Emma Lass (1859-1941)


Landrat Dr. Jörn Klimant: "Eduard Lass bewies Erfolg durch Weitsicht. Sein Dithmarscher Kohl-Start-up, das auf bescheidenen drei Morgen begann, entwickelte sich vom inhabergeführten innovativen mittelständischen Unternehmen zum 20 Millionen Euro-Geschäft im größten geschlossenen Kohlanbaugebiet Europas. Wir ernten, was Lass gesät hat."

"Mein Urgroßvater Eduard, Jahrgang 1859, war ein Pionier mit Visionen", erinnert sich der Wesselburener Rainer Crantz. "Er heiratet Emma Junge und macht sich 1885 selbständig. Am 12. März 1886 wird nach seinem Bruder Wilhelm der Max Lass (mein Großvater) geboren. Am 25. März 1913 heiratet Sohn Max." Von diesem Tag an heißt der neue Chef des "Ältesten Versandgeschäftes und der Gründungsfirma im Gemüseanbau Dithmarschen Ed. Lass und Söhne" Max Lass. "In der Wesselburener Villa bei Max Lass", weiß Crantz, "gaben sich große Sauerkrautfabrikanten wie Hengstenberg und andere gewissermaßen die Klinke in die Hand, um persönlich die Lieferverträge für Dithmarscher Kohl abzuschließen. Eduard Lass war ein Begriff in Deutschland."

Kohlzucht

Mit Kohlsamen, der, so vermutet Rainer Crantz, wohl aus holländischer Zucht stammte und über Glückstadt nach Dithmarschen kam, stellte Eduard Lass die ersten Zuchtversuche an. Das gärtnerische Wissen aus der Gemüse- und Blumenzucht kam ihm zugute. Die hervorragenden klimatischen Bedingungen sowie die Bodenqualität begünstigten die Entwicklung der Kohlpflanzen. Größe und Qualität des Dithmarscher Kohls weckten das Interesse der Sauerkrautindustrie. Die Ergebnisse überzeugten auch Gutsbesitzer Schröder vom Büsumer Osterhof, der Eduard Lass ein Versuchsfeld für seine Anbauexperimente zur Verfügung gestellt hatte. Gärtner Lass forschte auf eigene Rechnung.

Nach drei Jahren wagten Lass und Schröder den entscheidenden Schritt. Sie pflanzten ihren Kohl auf 50 Hektar an. Rainer Crantz: "So mancher Dithmarscher, der den Kohl nur aus dem eigenen Garten kannte, schüttelte seinen Kopf über dieses gewaltige Wagnis, Kohl großflächig in Handarbeit anzubauen." Als am Ende die Rechnung mit den großen Kohlköpfen aufging, sich ein neuer Absatzmarkt auftat und Industriekohl aus Dithmarschen mit viel Gewinn abgesetzt werden konnte, horchten die Landwirte auf. "Über Nacht herrschte Goldgräberstimmung."

Das grüne Gold

Eduard Lass, der die Ader mit dem "grünen Gold" entdeckt hatte, machte mit seiner bahnbrechenden Idee 1892 zum "Schicksalsjahr im Dithmarscher Gemüseanbau". Als Gärtner beim Osterhof (bei Büsum) war er mit fünf Prozent am Bruttoumsatz beteiligt. Jetzt stieg er persönlich ins Gemüseversandgeschäft ein. Er schloss Verträge mit Landwirten und Sauerkrautfabriken. Viel Geld floss in die Region. Der Handel blühte. Noch war der moderne Begriff des "Change Managers" nicht geboren, da reagierte Lass auf die Veränderungen im Markt und verwandelte binnen weniger Jahre die Korn- und Zuckerrübenanbauregion Dithmarschen zum Kohlgarten Eden.


Vom Mistbeet in die Fischkiste

Rainer Crantz: "Zu einem erfolgreichen Unternehmen gehört neben einem Quäntchen Glück immer auch viel persönlicher Einsatz." Der lebensgroße Sämann, den sich der Urgroßvater auf seine Familiengrabstätte hatte setzen lassen, weist darauf hin: "Du musst wirken, so lange es Tag ist." Das Grab von Eduard Lass bietet Platz für 24 Personen. Crantz: "Mein Urgroßvater kaufte die Zeit aus. Sein Sohn Max musste schon mit zehn Jahren mit aufs Feld. Bei Opa Max habe ich auch als kleiner Bub gelernt, den Spaten in die Erde zu stoßen, einen Spalt zu machen, die Pflanze hinein zu setzen und anzudrücken mit dem Fuß."

Bevor die jungen Kohlpflanzen von Hand gesetzt werden konnten, wurden sie bei Lass im Mistbeet gezogen. Crantz: "Man vermengte die Samenkörner mit ein wenig Sand und säte sie großflächig ins Mistbeet. Die Sandspur zeigte, wo sich bereits Samen befand. Übrigens hat hier die Skulptur des Sämanns seinen Ursprung." Das Wachstum war eine Frage der Lüftung mit halben oder ganzen Ziegelsteinen unter dem Glasdach. Crantz: "Hier zählte die Erfahrung."

Per Lastwagen trafen dann regelmäßig gebrauchte Fischkisten aus Cuxhaven und Bremerhaven ein. Da die Holzkisten genormt waren, konnten sich die Gärtner ihre Arbeit erleichtern. Jede Kiste fasste 2.000 Kohlsetzlinge. Kistenweise gingen sie an die Vertragsbauern in Süder- und Norderdithmarschen.


Von Dithmarschen durch Deutschland

Von Dithmarschen durch Deutschland wurde der geschnittene Kohl auf der Schiene transportiert. Tage im voraus wurde eine entsprechende Anzahl von Güterwagen geordert und an den Verladestationen abgestellt. Crantz: "War es kalt, isolierten wir den Waggon mit Wellpappe. Der Kohl wurde Stück für Stück schonend von Hand gestapelt. Ware Meister dafür waren die so genannten Kohlverladerinnen. Kohlpyramiden und Kohlkisten waren unbekannt. Hier wurde Quader auf Quader gebaut - ohne jede Stütze."


Von der Idee zum Event

Verglichen mit der Erfolgsgeschichte des Dithmarscher Kohls sind die Dithmarscher Kohltage mit ihren 22 Jahren jüngeren Datums. Zu Zeiten seiner Groß- und Urgroßeltern gab es außer dem traditionellen Erntedank kein Fest für den Kohl, weiß Crantz: "Wie Kohle und Koks ging Kohl damals in großem Stil vom Anbauer über den Großhändler an die Lebensmittelindustrie. Als Dithmarschen die 'Kohlkammer Deutschlands' wurde, glaubten unsere Abnehmer, der Agrar-Pionier Eduard Lass sei der 'König von Dithmarschen'. " Landrat Dr. Jörn Klimant: "Eduard Lass, das ist ein Leben für die Landwirtschaft. Mit seiner Idee hat er als erfolgreicher Unternehmer im hohen Norden den Markt Deutschland erobert."


22. Dithmarscher Kohltage

(im September 2008)

Noch finden sich einige Spuren von Eduard Lass in seiner Geburtsstadt Wesselburen, im Kohlmuseum und auf dem Friedhof. Seine Urenkel sind im Rentenalter. Die zahlreichen Familienmitglieder leben in aller Welt. Bei den 22. Dithmarscher Kohltagen, dem herbstlichen Event in der Metropolregion Hamburg, ist der Endverbraucher König. Großküchen und Frischemärkte bestimmen die Nachfrage. Drei Kohlregentinnen geleiten die Gäste durch den bunten Veranstaltungsreigen. Gleichzeitig werben sie bundesweit für den Dithmarscher Kohl.

Landrat Dr. Jörn Klimant: "Im Tourismus gilt der Westküstenkreis Dithmarschen gerade zur Kohlerntezeit als attraktives Reiseziel. Im September bedeutet 'Destination Dithmarschen' kulinarischer Abstecher in den ursprünglichen Kohlgarten Eden."

Quelle: Pressestelle Kreis Dithmarschen

Info: Dithmarschen Tourismus, Markt 10, 25746 Heide, Telefon: 0481/2122-555, Fax: 0481/2122-550, info@dithmarschen-tourismus.de

www.kohltage-dithmarschen.de

Erntereif. Foto: Jens Rusch

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