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Landvolkbewegung

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Die Landvolkbewegung ist eine bäuerliche Protestbewegung, die ihren Höhepunke zwischen 1928 und 1930 hatte. Einer ihrer bekanntesten Vertreter war Claus Heim(24.3.1884-1.1.1968).

Landvolkbewegung

Überwiegend artikulierte die Landvolkbewegung ihren Protest in Kundgebungen, gegenseitigen Hilfeleistungen und passiven Widerstand, etwa durch Steuerboykott. So erschien etwa im Herbst 1928 im ‚Heider Anzeiger’ ein Leserbrief Heims in dem dieser verkündet: „Von heute an zahle ich keine Steuern mehr“. Aus der Landvolkbewegung heraus radikalisierte sich ein kleinerer Teil der Bauernschaft unter Führung von Claus Heim weiter, so dass es ab 1929 zu einer Serie von Bombenanschlägen in Schleswig-Holstein kam, z.B. auf Finanz- und Landratsämter in Schleswig und Niebüll. Es werden bei diesen Bombenanschlägen keine Menschen verletzt.

Großer Bombenlegerprozeß

Claus Heim wird, verursacht durch die Unvorsichtigkeit eines Mittäters, im September 1929 gefasst und zusammen mit weiteren Mittätern im sog. Großen Bombenlegerprozess von Altona am 31. Oktober 1930 zu 7 Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Jahre 1932 wird Heim jedoch bereits wieder aufgrund einer Amnestie vorzeitig entlassen, die der Reichstag insbesondere mit Unterstützung von NSDAP und KPD für die Mitglieder der Landvolksbewegung beschloss. Auch andere Wortführer der Landvolkbewegung werden zu dieser Zeit durch die Staatsanwaltschaften gezielt strafrechtlich verfolgt, so dass die Kräfte und Strukturen der rebellierenden Bauern schließlich weitestgehend zum Erliegen gebracht werden. Die straff und effektiv organisierten Nationalsozialisten übernehmen spätestens von nun an das Erbe der Landvolkbewegung.

Gegenüber den Nationalsozialisten nahm Heim während und nach seiner Haft eine distanzierte Stellung ein und gerät dadurch selbst ins Visier der Staatspolizei. Noch im Januar des Jahres 1933 unternimmt Heim den Versuch, die Landvolkbewegung wiederzubeleben und gründet die Wochenzeitung Dusenddüwelswarf, die bis zu ihrem Verbot 1933 erscheint. Im Jahre 1939 lässt der örtliche Gauleiter Heim verhaften und nur durch Intervention seines Schwagers, eines NSDAP-Mitgliedes, entgeht Heim dem Konzentrationslager.

Nach dem zweiten Weltkrieg und vor seinem Tod (1.1.1968) veröffentlich Heim seine Erinnerungen in der Zeitung „Bauernruf“ in den Jahren 1965 bis 1966. Heims Enkelin Susanne Heim veröffentlicht weitere Informationen zu Claus Heim in ihrer Diplomarbeit.

Literatur und Links

Wichtige Medien der Bewegung waren Das Landvolk mit der Unterzeile Lewwer duad üs Slaaw!, das 1930/1931 mit einer Auflage von bis zu 10.000 Stück erschien. Chefredakteur war Bruno von Salomon, der kommunistische Bruder des Schriftstellers Ernst von Salomon, der Komplize bei dem Attentat an Walter Rathenau gewesen war. Er begründete seine Arbeit in der Landvolksbewegung aber mehr aus Abenteuerlust denn aus politischen Motiven: Ich kann Ihnen sagen, in Schleswig-Holstein macht es Spaß, Putschist zu sein! Donnerwetter ja, das ist doch eine ganz andere Gesellschaft als diese Salon-Putschisten in den Städten. In alter Frische mit einem kräftigen Putschheil!

Claus Heim veröffentlichte von nach seiner Haftentlassung bis zum Verbot 1933 die Dusenddüwelswarf, die an die Schlacht bei Hemmingstedt erinnerte, in der die Bauernrepublik Dithmarschen 1500 die vereinigten dänischen und Holsteiner Truppen geschlagen hatte. Beide Zeitungen argumentierten national-völkisch und bauten auf der „Blut und Boden“-Ideologie auf.

Die Landvolkbewegung ist der Gegenstand von Hans Falladas Buch Bauern, Bonzen und Bomben (1931). Es handelt davon, wie Ehrhardt-Leute und Stahlhelm-Aktivisten sich bemühen, die Aktionen der Landvolkbewegung in ihr Modell einer konservativen Revolution umzudeuten.

Ernst von Salomon schilderte die Geschichte der Landvolkbewegung in seinem semi-dokumentarischen Roman Die Stadt (1932). In seinem späteren Werk Der Fragebogen (1951) berichtet der Autor innerhalb mehrerer Kapitel über seine eigene Tätigkeit für die Zeitung der Bewegung. Quelle: Wikipedia


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