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Kronprinzenkoog

Aus Dithmarschen-Wiki

Kronprinzenkoog ist eine Gemeinde im Kreis Dithmarschen.

Inhaltsverzeichnis

Basisdaten

  • Höhe: 2 m ü. NHN
  • Fläche: 28,85 km²
  • Wie viele Einwohner hat Kronprinzenkoog?
Kronprinzenkoog hat 816 Einwohner. (Stand: 30. September 2018)

Bevölkerungsstand am 31. Dezember:

Jahr Einwohner
2000 990
2001 957
2002 947
2003 966
2004 952
2005 950
2006 923
2007 886
2008 879
2009 888
2010 892
2011 823
2012 813
2013 827
2014 816
2015 814
2016 823
2017 811
  • Postleitzahl (PLZ): 25709
  • Vorwahlen: 04856, 04857 und 04851
  • Kfz-Kennzeichen: HEI, MED
  • Bürgermeister: Alwin Sals sen. (FKW)

Statistik: Zensus 2011 für die Gemeinde Kronprinzenkoog

  • Gemeindeschlüssel: 01051062
  • Regionalschlüssel: 010515166062

Hebesätze der Realsteuern 2017 unter Berücksichtigung der Änderungen vom 1. Halbjahr 2018

  • Grundsteuer A: 330
  • Grundsteuer B: 300
  • Gewerbesteuer: 380
  • Breitengrad: 53,97171° N
  • Längengrad: 8,964528° O
  • wahre Ortszeit: UTC+0:35:51

Wappen

Wappen von Kronprinzenkoog
  • Wappengenehmigung/ -annahme: 18.02.1990
  • Flaggengenehmigung/ -annahme: 29.08.1995
  • Entwurfsautoren:
* Kühne, Hans Frieder, Barsbüttel
* Schwindrazheim, Oskar, Hamburg
  • Wappenfiguren:
* Mensch
* Sämann

Wappenbeschreibung

Auf schwarzem Boden in Gold ein bärtiger, mit grünem Hut, grünem Hemd, grüner Weste, grüner Hose und grünen Stiefeln bekleideter Sämann, der aus einem silbernen, um die Schulter zu einem Sack gebundenen Tuch goldene Körner ausstreut.

Historische Begründung

Das Motiv des Wappens der Gemeinde Kronprinzenkoog geht auf ein Bildfenster im Sitzungssaal des 1895-99 errichteten Kreishauses in Meldorf zurück. Vor Baubeginn forderte der Kreis Süderdithmarschen alle Gemeinden im Kreisgebiet auf, ein Wappenfenster zu stiften. Die 1901 fertiggestellten Bildfenster entsprachen zwar nicht den Anforderungen strenger Heraldik, verschafften aber den Gemeinden ein Bildmotiv, mit welchem sie sich darstellen konnten. So ist der Sämann für die Gemeinde Kronprinzenkoog ein Teil ihrer Identität geworden. Die heraldische Umarbeitung und offizielle Genehmigung des Wahrzeichens erfolgte 90 Jahre später. Der Koog wurde zwischen 1785 und 1787 auf Staatskosten eingedeicht. Er wurde deshalb nach dem damaligen Kronprinzen und späteren dänischen König Friedrich VI. benannt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, Interessenten für das neue Land zu finden, machten günstige Niederlassungsbedingungen und die Gewährung kommunaler Rechte die Ansiedlung im Koog interessant. Der sehr fruchtbare Marschboden und der gewohnte Ablauf der bäuerlichen Arbeit werden die Wahl des Wappenmotivs bestimmt haben. Die Schildfarbe Schwarz bezieht sich auf den Marschboden, die Farbe Gold auf den Ernteertrag.

Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein

Wetter in Kronprinzenkoog

Aktuell

Wetterarchiv

Unwetterwarnungen


Geografie

Wo liegt Kronprinzenkoog?

Kronprinzenkoog befindet sich im Südwesten von Dithmarschen und ist nur wenige Kilometer von der Nordsee entfernt. Das Gemeindezentrum ist der Dorfkern des Mittelkoogs, in dem sich die Kirche und der Friedhof befinden.

Nachbargemeinden


Angemessene Miete in Kronprinzenkoog

Da die Gemeinde Kronprinzenkoog zum Amt Marne-Nordsee gehört beträgt die angemessene Miete (Kaltmiete inkl. Betriebskosten ohne Heizkosten) für

1 Person 314.00 €
2 Personen 372,60 €
3 Personen 429,00 €
4 Personen 501,50 €
5 Personen 551,00 €
jede weitere Person 58,00 €

Stand: 2019

Quelle


Politik

Bei den Kommunalwahlen am 26. Mai 2013 erhielt die CDU 24,0 Prozent der abgegebenen Stimmen und damit drei Sitze. Die Wählergemeinschaften FKW mit 46,2 Prozent und sechs Sitzen sowie die UWK mit 29,8 Prozent und vier Sitzen vervollständigen die Gemeindevertretung. Die Wahlbeteiligung betrug 73,6 Prozent.


Ergebnisse der Kommunalwahl am 6. Mai 2018

  • FKW 46,3% (5 Sitze)
  • UKW 16,1% (2 Sitze)
  • CDU 37,6% (4 Sitze)

Landtagswahlen

Die Ergebnisse der Landtagswahlen in Kronprinzenkoog ab 2005 befinden sich außerhalb dieser Seite. Es werden alle Erststimmen und Zweitstimmen aufgelistet.


Vereine und Organisationen


Geschichte

  • Der Koog entstand in drei Abschnitten: 1718 wurde der Sophienkoog eingedeicht, der später der Gemeinde zugeschlagen wurde.
  • In den Jahren 1785 - 1787 wurde der Koog gewonnen und nach Kronprinz Friedrich benannt. Nach der Bedeichung wurde der Koog anfangs in Parzellen von je 10 Morgen Größe aufgeteilt, diese konnten jedoch nicht zum Verkauf gebracht werden, so dass der ganze Koog 1790 in zwei Teilen an eine Privatgesellschaft verkauft wurde. Zu den Verkaufsbedingungen gehörten damals u. a.:
* dass der Koog von allen künftigen Steuern und Abgaben befreit bleiben sollte;
* dass die Bewohner freie Jagd und Fischerei und völlige Gewerbefreiheit,
* die Zoll- und Licentfreiheit bis 1810 unentgeltlich und von da an gegen eine jährliche Recognition (Anerkennung) von 26 Schillinge Reichsmünze für den Morgen,
* ferner die Befreiung vom Landausschuß,
* der Recrutenlieferung,
* der Pferdestellung,
* der Einquartierung und dem gewöhnlichen Magazinkorne haben sollten;
* ferner die Befreiung vom Militärdienst für die ersten Käufer und ihre Söhne,
* die Befreiung von Donativen (Geldgeschenke) bei Regierungswechseln
* und die Freiheit sich eine eigene Kirche zu erbauen.
  • 1845 ergab eine Volkszählung, dass es in Kronprinzenkoog 1.156 Einwohner gab und es im Koog 3 Schulen gab:
* Süderschule (90 Kinder)
* Mittelschule (90 Kinder)
* Norderschule 150 Kinder)
Die einzelnen Höfe und Wohnungen lagen im Koog sehr zerstreut; die größeren Anhäufungen derselben sind außer
* Rathjensdorf und
* Schaafstedt noch folgende:
* Norderdeichstrich, eine Reihe Häuser hinter dem Seedeich im nördlichen Theil des Koogs;
* Schmoltek, eine Reihe Häuser hinter dem Seedeich beim nördlichen Anschluß des letzteren an den neuen Seedeich des Dieksanderkoogs;
* Klein-Dieksand, eine Reihe Häuser am Seedeich in der Mitte des Koogs;
* Schadendorf, eine Häuserreihe südlich von Klein-Dieksand in der Mitte des Koogs, und
* Große-Reihe, eine Menge Höfe am Hauptlängenwege etwas im Süden des Koogs mit einem Wirthshause, einer Schmiede, der Mittelschule und dem Kirchhofe des Koogs. Der Boden ist sehr fruchtbarer Marschboden.
Als weiteres Gewerbe in Kronprinzenkoog wurde damals aufgenommen:
* eine Kalkbrennerei,
* mehrere Krüger,
* Höker,
* Gewerbetreibende und Handwerker,
* Wirthshaus,
* eine Schmiede und
* zwei holländische Mühlen die in den Jahren 1791 und 1797 erbaut wurden und in der Mitte sowie im Norden von Kronprinzenkoog stehen.
  • 1855 ergab eine Volkszählung, dass es im Sophienkoog 51 Einwohner gab. Im Koog gab es noch eine Windmühle auf dem Koogsdeich.
  • 1883 wurde die Koogskirche erbaut und eingeweiht.
  • 1884 wurde Kronprinzenkoog an die Marschenbahn angeschlossen.
  • 1954 wurde der Personenverkehr der Marschenbahn zwischen Marne und Friedrichskoog III eingestellt.
  • Als der Speicherkoog 1978 eingedeicht wurde, wurde ebenfalls ein Teil des Kooggebietes dem Kronprinzenkoog zugeschlagen.
  • 1984 wurde der Gütervekehr der Marschenbahn von Marne - Kronprinzenkoog Nord eingestellt.


Aus der Kronprinzenkooger Chronik 1987 und Zeitungsberichten 1967

Der Mittelhof „ Sophienhof“

Die Geschichte dieses Hofes, den der König für seine angetraute Ehefrau Anna Sophia von Reventlow errichten ließ und auf dem er selbst gewohnt hat, ist dadurch besonders interessant geworden.
In der alten Beschreibung heißt es, dass der Hof nahe am Deich liegt und einen beträchtlichen Baum- und Küchengarten besitzt. Zum Hof gehörten das Wohnhaus mit Keller, Kornboden, Dreschtenne, Kuh- und Pferdestall, erbaut mit Brandmauern und mit Stroh gedeckt. Weiterhin eine Scheune aus Holz mit Strohdach, in der sich Räume für ungedroschenes Korn und Viehställe befanden.
Im Jahre 1854 wurde ein Teil an den alten Haustrakt angebaut. Später wurden dann die Wirtschaftsgebäude etwa 100 Meter vom Haus errichtet.
Nach Fertigstellung der Bahnlinie Marne- Friedrichskoog befand sich hier eine Bushaltestelle.
Um den „Sophienhof“, wie er weit über die Grenzen Dithmarschens bekannt ist, wurde schon oft berichtet. Werfen wir einen Blick auf die Aufzeichnungen über die unglückliche Königin Anna Sophia von Reventlow und Friedrich dem IV. ihren Gemahl. Sie war die jüngste Tochter aus der letzten Ehe von Conrad Reventlow, (Foto) einem der angesehensten und reichsten Männer seiner Zeit in Dänemark. Nach dem Tode ihres Vaters lebte sie auf Schloß Clausholm in Jütland. In der Schlosskapelle zu Skaderborg wurde sie im Jahre 1712 dem dänischen König Friedrich IV. zur linken angetraut. Sie soll von unvergleichlicher Schönheit gewesen sein. Zu Lebzeiten ihres Vaters, der als Großkanzler am Königshofe einen entscheidenden Einfluß ausübte, wagte der König es nicht, sie als seine 2. Frau zu ehelichen. Nach den damaligen Gesetzen war es dem König möglich, sich eine 2. Frau antrauen zu lassen, obwohl man es nicht gern sah. Mit der vollzogenen Trauung wurde Anna Sophia zur Herzogin von Schleswig erhoben. Nach dem Tod der rechtmäßigen Königin Luise im Jahre 1722 wurde sie als Gattin anerkannt und als Königin gekrönt.
Im gleichen Jahr besuchte sie auch wieder den Sophienkoog. Das Anwesen des Mittelhofs war nicht so groß, denn das Gefolge musste im Zelt schlafen. Gespeist wurde unter freiem Himmel. Die Sage erzählt dass sich während der Mahlzeit ein Storch der Königin näherte. Darüber geriet der König in die übermütigste Laune und überschüttete seine Frau mit allerlei Neckereien. Mit den Kindern hatte das königliche Paar wenig Glück. Prinz Carl und die anderen Geschwister verstarben kurz nach der Geburt.
In dieser Ehe sah der König die Erfüllung seines Lebens. Anna Sophia war es, die den einsam gewordenen Menschen wieder den Glauben an die Menschheit und an das Gute zurückbrachte.
Darum wurde sie sehr gehasst, besonders von dem Sohn des Königs, Christian VI. Als der König Friedrich der IV. im Jahre 1730 starb, begann sein Sohn sofort als neuer König mit Demütigungen. Alle Einkünfte wurden der Witwe entzogen, nur das väterliche Gut Clausholm blieb ihr erhalten. Es müssen für die Frau furchtbare Jahre gewesen sein, bis auch sie 1743 an Blattern verstarb.
Eine Sage berichtet, dass Christian der VI, um sie zu kränken, eine Zigeunerin, die mit den Blattern behaftet war, nach Clausholm schickte. Sie sollte Anna Sophia mit der damals stets tödlichen Krankheit anstecken. Weiterhin, so glaubte der König, würde ihr Gesicht so entstellt werden, dass ihr verstorbener Gemahl sie im Himmel nicht wieder erkennen würde, wie er es einst versprochen hatte. Vielleicht hat diese Sage auch Anlass zu einem Gemälde gegeben, das sich in den Sammlungen von Rosenborg Slot in Kopenhagen befindet. Es trägt den Titel „Anna- Sophie Reventlows Apotheose“ und stellt ihre Ankunft im Himmel, wo sie von König Friedrich IV. mit offenen Armen empfangen wird, dar.
Der Sophienkoog wird westlich von Kronprinzenkoog und östlich von Marne begrenzt. Nachdem die süderdithmarscher Außendeiche im Lauf der Zeit ein herrschaftliches Pachtstück geworden waren, räumte König Friedrich IV. diesen Besitz seiner Gemahlin, der Fürstin Anna Sophie von Schleswig, geb. Gräfin v. Reventlow zu beständigem Lehen ein. Nachdem in der Sturmflut von 1717 der Deich des Kirchspiels Marne zerstört worden und in der früheren Weise nicht wieder hergestellt werden konnte, wurde ein Stück Außendeichsland von ca. 200 Morgen mit bedeicht. Der entstandene Sophienkoog wurde der Besitzerin reserviert. Nach dem Tode Friedrichs IV. trat die verwitwete Königin alle besessenen Gründe an König Christian VI. ab. Der Sophienkoog war aber vorher durch Kaufbrief vom 20. April 1725 von der Königin Anna Sophie dem Kammerrat Jebens eigentümlich übertragen und ist auch später nicht Staatseigentum geworden.Es entstanden 3 Höfe, welche in ganzen 54 Parzellen umfassten.

Der Norderhof

ca. 69 Morgen, der Mittelhof ca. 49 Morgen und der Süderhof mit ca. 67 Morgen. Die Höfe blieben aber gemeinsamer Besitz. Auf Jebens und seinen Sohn folgte J. F. Hansen, 1838 Konrad Hinrich Donner, dann Claus Olde, Salomon Heine und H. L. Hesse; 1844 kaufte ihn F. Trummer auf Projensdorf und parzellierte das Land. Bei welcher Veranlassung der Koog in kommunale Beziehung, auch rücksichtlich des Kirchenwesens dem Kronprinzenkoog zugewiesen wurde.- Der NorderhofNach der Karte von 1795 gehörten zum Norderhof die Parzellen 1…19, zum Mittelhof die Parzellen 20…31, und zum Süderhof die Parzellen 32…54. Auch in der Beschreibung die fürdie „öffentliche Licitation“ im Jahre 1853 angefertigt wurde, sind drei Höfe ausgewiesen. Im Paragraph drei dieser Beschreibung wird die Beschaffenheit des Bodens wie folgt beschrieben: „Der Boden des Sophienkooges gehört zu demjenigen Marschenboden, der vorzugsweise sich zum Kornbau eignet.“Im Jahre 1854 wurde der Hof von Boje Schoof aus Wettern erworben,der ihn wieder an Hans Jakob Höhnk, dem Vater der Heimatkundlerin Helene Höhnk, weiterverkaufte. Von diesem wurde Besitz von Franz Jessen erworben. Er befindet sich noch im Besitz der Familie Jessen.Nach der alten Beschreibung war das Hauptgebäude mit Brandmauern errichtet und mit Stroh gedeckt. Neben der Wohnung befand sich eine Dreschtenne, der Kornraum, Kornböden, Pferde und Viehställe. Weiterhin gehörte dazu eine Scheune mit Viehställen, ein Backhaus, ein Torfstall mit Wagenremise. Umgeben war das Anwesen mit einem Baum- und Küchengarten.

Der Süderhof

Claus Ibs zu Fahrstedt erwarb am 23. Februar 1854 den Süderhof von Ferdinand Trummer. Nach einer aus dem Jahre 1838 Aufstellung gehörte zu diesem Hof das Hauptgebäude mit Wohnung, Keller, Kornboden, Dreschtenne, Kuh und Pferdestall. Weiterhin eine große Scheune im Nordosten vom Hause. Alles mit Brandmauern erbaut und mit Stroh gedeckt. Dann befand sich im Hofbereich noch ein Backhaus mit Ziegeln gedeckt, von dessen Boden ein hoher hölzener Steg zu der auf dem Deiche stehenden Kornmühle führte, die im Jahre 1800 neu errichtet worden war. Die Mühle nach Holländer Art erbaut, achteckig mit je einem Schell-, Mehl- und Graupengang versehen, wurde auch viel von den Bauern der Kronprinzenkooges in Anspruch genommen.Im Jahre 1844 brannte der Süderhof ab, auch die Mühle wurde ein Raub der Flammen. Beim Neubau des Hofes wurde die Mühle auf halbem Wege nach Marne gebaut. Bereits 1845 war der Hof wieder errichtet, denn er wurde als „Neuer Süderhof“ bezeichnet, und war das größte Bauernhaus auf deutschem Boden, bis zum 11.September 1977 wieder Feuer alles vernichtet.

Unsere vier Schmieden

(aus der Chronik von 1987)
War es früher Hauptaufgabe des Schmiedes, die Pferde zu beschlagen, oder Geräte die auf den Höfen benötigt wurden herzustellen, hat sich ein Wandel vollzogen. Durch die Technisierung waren Landmaschinenschlosser gefragt.
1900 hatte Kronprinzenkoog noch 4 Schmieden, von denen heute noch die eine von Robert Quade übrig ist. Die Vorbesitzer waren August Jürgens (1898…1905) Hermann Meyn (1905…1908) Johannes Wesselhöft (hatte auch einen Steinkohlehandel,) Hans Brocks (1928…1957). Im Norderkoog war noch bis 1974 eine Schmiede auf dem Schulweg, die Peter Hoops 1932 von seinem Schwiegervater Joh. Hinr. Nickels übernommen hatte. Nickels hat damals vom Reimers Hof Land gekauft und die Schmiede neu gebaut. Im Mittelkoog Mittelstraße/ Kirchenstraße war eine weitere Schmiede. Der Besitzer war ab 1893 Johann Mahlen. 1920 übernahm Ernst Willers den Betrieb, der mit einer Schankwitschaft verbunden war. Als Hinr. Hamann 1925 diesen Besitz übernahm, hat Max Vox die Gastwirtschaft geführt, bevor er in den Kaiser- Wilhelm- Koog zog (Maxqueller). Hinr. Hamann hat dann 1931 die Wirtschaft weiter geführt. 1949/50 war Reimer Hamann Besitzer der Schmiede, die er von seinem Vater übernommen hatte. Die Schmiede mit Wohnhaus brannte 1956 ab. Max Sjut hat sich dort ein Wohnhaus errichtet und eine DEA- Tankstelle betrieben – die es aber seit 1981 nicht mehr gibt. Im Süderkoog Süderquerweg war Walter Holm bis 1985 als Schmied tätig. Er hatte die Schmiede von seinem Vater Heinrich Holm übernommen, der sie von Johann Hermann Reinhard Wichmann gekauft hatte. Bernhard Eilert Wichmann war der erste Schmied im Süderkoog. Seinen Alterssitz hatte er im Süderquerweg Nr.8

Geschichten aus Kronprinzenkoog

Ouelle: Ortszeitung Kronprinzenkoog "Niede Tied vertellt ut de ole Tied" aus dem Lesebüchlein „Was der Großvater vom Koog erzählt“ von Hermann Helmers (1937), Lehrer im Ort.

Von der Schule

Das Weihnachtsfest ist vorüber. Heini spielt in der Stube mit seinen neuen Sachen. Das macht zuviel Spaß. Den ganzen Tag hat er jetzt Zeit, denn es sind ja Ferien.
„Opa,“ fragt der Bursche da seinen Großvater, „wie lange ist es noch bis zum 5.Januar?“ „Warum willst du das wissen?“ meint dieser etwas erstaunt. „Ja, an dem Tag sollen wir wieder zur Schule kommen, hat unser Lehrer gesagt.“ „Na, dann rechne es dir mal aus,“ rät Opa. „Ich denke, das hast du in der Rechenstunde gelernt.“
Heini denkt angestrengt nach. „Heute ist der 28.Dezember, da steht es auf dem Kalender. Im alten Jahr sind es noch drei volle Tage. Dazu kommen vier volle Tage im neuen Jahr. Also 7 volle Tage. „Noch eine ganze Woche Ferien,“ jubelt der Kleine. „Das ist fein.“ Der Großvater lächelt. „Ja, du hast es gut. In meiner Kinderzeit war es anders.“ „Anders?“ Heini ist sehr erstaunt. „Ist es denn in der Schule nicht immer so gewesen wie heute?“
„O, nein, mein Junge,“ erzählt nun der alte Mann, „lange nicht. Vor etwa 130 Jahren gab es überhaupt keine Schule im Koog. Es wohnten nicht genug Leute hier. Die wenigen Kinder gingen nach Marnerneuenkoogsdeich und Marnerdeich zur Schule. Das war ein langer und beschwerlicher Schulweg. Später wurde dann ein Lehrer angenommen. Er unterrichtete in einem kleinen Hause am Deich. Aber nur die Kinder der Arbeiter lernten hier Schreiben, Rechnen und Lesen. Die Bauern hielten sich Hauslehrer. Doch mit der Zeit siedelten sich mehr Leute im Koog an. Es wurde darum 1816 eine Schule gebaut, an derselben Stelle, wo heute die Schule steht. (alte Schule Süd ) Das Haus brannte aber am 3.November 1845 ab. Man baute sofort wieder ein neues. Es gab auch nur ein Klassenzimmer. Wir waren eine Menge Kinder. Du glaubst gar nicht, was das oft für ein Lärm war. Der Lehrer musste den Stock tüchtig gebrauchen. Später ist dann eine Wand gezogen worden. So machte man 2 Klassen aus dem großen Raum. Von da an haben meistens zwei Lehrer unterrichtet. Wir hatten nur in der Erntezeit 4 bis 8 Wochen Ferien. Außerdem einen Tag vor und nach den hohen Festtagen. Die Schule dauerte im Sommer vormittags von 7 bis 10 Uhr, nachmittags von 2 bis 5 Uhr. Im Winter von 8 bis 11 und 1 bis 4 Uhr. Manche Kinder kamen aber im Sommer gar nicht. Sie mussten bei den Bauern auf dem Felde arbeiten und ihren Eltern Geld verdienen helfen.“
Nun schweigt Opa. Es ist still in der Stube. Im Schornstein singt der Wind. Heini hört den Großvater zu gern vom Koog und aus der Vergangenheit erzählen. „Wenn ich groß bin,“ denkt er, „will ich auch solche Geschichten erzählen.“

Eine Sturmflut vor 60 Jahren

Heini und Opa gehen spazieren. Opa ist sehr schweigsam geworden. Er denkt wohl an alte Zeiten. Nach einer Weile sagt er: „ Mir fällt eben ein Erlebnis aus meiner Kinderzeit ein. Die Geschichte will ich dir erzählen. Heini fasst Opa an. Wissbegierig spitzt er die Ohren.
„Das ist nun lange, lange her, über 60 Jahre schon.“ Beginnt der Großvater. „ Ich war ein stämmiger Junge, aber bereits ein paar Jahre älter als du. An einem Sommerabend standen mein Vater und ich auf dem Deich. Es hatte schon einige Tage tüchtig geweht. Nun drehte der Wind von Westen nach Nordwesten. „ Paß auf,“ sagte Vater. „ Der Sturm nimmt zu. Das ganze Außendeichsland läuft sicher voll Wasser. Hoffentlich passt der Hirte auf.“
In der Nacht tobte und heulte der Nordwest wie toll. Als wir am andern Morgen zur Schule gingen, war viel Vieh schon im Sommerkoog. Aber ein großer Teil weidete noch weit hinten im Außendeichsland. „Watt meenst, Claus,“ stieß ich meinen Freund Claus Grimmsmann an, „ob wi hüt woll Ossen drieben möt? Kiek, dar ritt he all!“ Auf dem Sommerdeich ritt nämlich der Hirte. Ich behielt wirklich recht.
Die Schule hatte eben begonnen. Unser Lehrer Greve (von 1865 - 1899) sah gerade die Schularbeiten nach. Da sprengte der Hirte auf seinem Rappen auf den Spielplatz. Ein paar rasche Worte mit dem Lehrer durch das offene Fenster. Wir großen Jungen bekamen frei. Im Hui lag unser Zeug auf der Erde. Nur die Hose behielten wir an. Dann ging`s in großen Sprüngen in das Außendeichsland hinein. Heidi, das war eine Luft! Das mochten wir lieber als Sprüche aufsagen. Claus Grimmsmann lief neben mir. Es war nicht leicht, vorwärts zu kommen. Der Sturm warf sich uns entgegen und packte uns hart an. Dazu stand schon viel Wasser in den Prielen. In langer Linie wurde das Weideland umstellt. Nun ging das Treiben los. Ho! Ho! Ho! Wir schrie`n wie die Wilden und machten einen Höllenlärm. Erschreckt nahmen die Ochsen Reißaus. Du kannst dir denken, wie sie brüllten. Wir trieben die Tiere auf die Tränke zu. Auf einmal versperrte uns ein Priel den Weg. Er war jetzt ganz voll. Das tiefe Wasser schlug ordentlich Wellen. Was nun? Viel Zeit hatten wir nicht. Die Flut kam hinter uns. „ Jungs, griep`n Steert!“ schrie da der Hirte durch den Lärm. Wir griffen zu. Jeder packte einen Ochsenschwanz. So ließen wir uns durch das Wasser ziehen. Als letzter schwamm der Reiter durch den Priel. Dann trieben wir das Vieh über den Deich und brachten es in Sicherheit.“
„Junge, Junge, war das ein Spaß!“ lächelt der Alte in der Erinnerung. „Das waren schöne Zeiten.“ Doch nun müssen sie sich beeilen. Über den Koog zieht schon die Nacht herauf, und auf der Elbe blitzen die Lichter der Leuchttürme und Schiffe.

In der Mühle

Heute hat Herr Bull von dem Müller und der Mühle gesprochen. Heini staunte. Als Großstadtjunge kannte er nicht viel davon. So musste er schweigen, während die anderen Kinder eifrig erzählten. Das ärgerte den kleinen Mann. „Ich will mir doch eine Mühle von drinnen ansehen,“ denkt er, „vielleicht geht Opa bald einmal hin. Richtig er hat Glück.
Der Großvater muß nachmittags bei Müller Grothusen Schrot für das Schwein besorgen. So marschiert sein Enkel mit ihm. Ein frischer Wind weht aus Südwesten und lässt die Mühlenflügel lustig kreisen. Wie klein scheinen diese aus der Ferne. Wie groß und schwer sind sie aber, wenn man dicht davor steht. Der Müller steht vor der Tür und schaut in den Wind. O je, wie sieht es in dem großen Mühlenraum aus; Heini guckt sich verwundert um. Da stehen pralle Kornsäcke an den Wänden. Staub wirbelt durch die Luft. Alles ist grauweiß überzogen.
Jetzt hebt der Müller mit dem Aufzug einen großen Sack hoch. Goldgelb rinnt das Korn in einen weiten Trichter. Aber was ist das? Wo bleibt die Gerste? Sie sickert langsam weg. „O,“ ruft Heini, „der Trichter hat ja unten ein Loch.“ Schnell bückt er sich und sucht. Aber nichts ist zu sehen. Da lacht der Müllersmann und klappt eine Holzröhre auf. Hallo, auf einem Riemen sitzen Eimerchen, die wandern auf und ab und tragen das Korn in die Höhe. Merkwürdig! Das muß Heini näher untersuchen. Er stürmt die schmale Treppe empor und steckt seine Nase neugierig in einen anderen großen Trichter. Wirklich, da fließt die gelbe Flut zwischen die Mühlsteine. Donner und Doria! Das sind doch gewaltige Kerle. Wie schnell sich der obere dreht. „Der untere Stein liegt fest,“ erklärt der Müller. Beide aber sind geschärft. „Mann in de Tünn!“ denkt Heini, „wenn de mi aber in de Kniep kreegen!“ Er schaut sich weiter um. Da ist ja noch eine Stiege. Schon klimmt er hinan. O, welch ein Lärm! Rrrr---,Rrrr---,Rrrr---. Das knarrt und quitscht und klappert. Mit offenem Mund starrt der Hamburger auf die mächtige Walze, an der draußen die vier Flügel sitzen. Nun wird dem Kleinen vieles klar. Aber ihm ist beinah wirr im Kopf von all dem Neuen. Langsam steigt er wieder nach unten. Opa ist auch fertig. Sein Enkelkind guckt noch schnell einmal nach, wie das Mehl in die Säcke läuft. Dann wandern die beiden durch den milden Herbsttag nach Hause zurück.
Durch Heinis Gedanken dreht sich immer noch das große Mühlenrad, und ein Lied fällt ihm ein, das sie in der Schule sangen. Flink laufen die Räder und drehen den Stein, klipp klapp, und mahlen den Weizen zu Mehl und so fein, klipp klapp.

Wie Opas Schwein fett gemacht wurde

In der Pause erzählten die Kinder vom Schlachten. Heini hört neugierig zu. Das ist wieder etwas Neues für ihn. Ob Opas Schwein auch schön fett ist? Nach der Schule läuft er gleich in den Schweinestall und sieht nach. Das Schwein steht am Trog und frisst. Es grunzt dabei vor Behagen. „Wie dick und fett bist du, altes Borstenvieh,“ sagt der Junge. Er klopft ihm die prallen Seiten.
Das Tier scheuerte sich an Heinis Bein und legt sich platt auf den Boden. Es kennt seinen Freund ganz genau. Der denkt daran, wie er es mit Opa als kleines Ferkel von Hermann Sjut geholt hat. Damals trug Heini es auf dem Arm. Wie ein Marzipanschweinchen sah es aus. Jetzt kann Heini auf seinem breiten Rücken sitzen. Opa hat ihn schon oft reiten lassen. Der Kleine sorgte gut für seinen vierbeinigen Freund. Das machte ihm als Großstadtjungen viel Spaß. Dreimal am Tag brachte er ihm Futter. Er guckte es Opa bald ab, wie es angerührt wurde. „Du hast aber eine Menge Schrot aufgefressen,“ sagt er. „Opa hat es neulich ausgerechnet. Wir sind achtmal zur Mühle gewesen. Jedes mal schleppten wir 100 Pfund nach Hause. Weißt du auch, wie viel Geld wir dafür gaben? Opa meint, du bist uns teuer geworden.“ Oma ruft zum Essen. „Wann feiern wir Schlachtfest?“ fragt ihr Enkelkind. „Nächsten Sonnabend,“ antwortet sie. „Ich habe gar keinen Speck mehr zum Mehlbeutel.“ Schlachtfest, O wie fein! Heini freut sich. In der Nacht träumt er schon von dicken Mettwürsten und der Dithmarscher Leberwurst.

Abschied

Nun ist der Winter vorüber. Es will Ostern werden. Der Osterhase sitzt schon bei der Arbeit und malt fleißig. Heini kann diesmal aber nicht in Opas Garten Nester mit bunten Eiern suchen. Das Jahr im Koog ist um. Vater hat neulich geschrieben. Die Eltern möchten nun ihren Jungen gern wieder in Hamburg haben. Da heißt es Abschied nehmen. Und heute ist der letzte Tag bei den Großeltern in Schadendorf.
Die drei sitzen in der Stube. Oma strickt, und Opa raucht wie immer seine Pfeife in der Ofenecke. Der Kleine ist ordentlich ein wenig traurig, wenn er auch gern nach der Großstadt zurückgeht. Es war doch eine schöne Zeit hier in der Marsch. Noch einmal muss er an alles denken, was er in den langen Monaten und Wochen erlebte. Wie er Opa im Garten half und mit ihm zum Fischen im Außendeich war. Wie er mit Helmut Hansen zusammen Kohl pflanzte und später bei Thadens in der Kohlernte half. Junge, und dann das Hockentreiben und das Dreschen mit dem großen Dampfer. Ach, Heini hat so viel gesehen und erlebt: Jahrmarkt und Vogelschießen, Schlachtfest und noch manches andere. Wie lustig war es oft in der Schule! Wie fein spielten sie in den Pausen!


Schade, dass er seine Spielkameraden nicht mitnehmen und ihnen Hamburg zeigen kann. Heini seufzt! Nein, so ein Abschied ist nicht schön. Opa und Oma denken sicher ebenso. Sie sind recht schweigsam. Vielleicht weilen Großvaters Gedanken auch bei den gemütlichen Winterabenden, an denen er seinem Enkel vom Koog und aus der Vergangenheit erzählte. Am andern Morgen muss Heini früh aus den Federn. Die beiden Alten bringen ihn zur Autohaltestelle. Opa will den Jungen bis Sankt Michaelisdonn begleiten und in den Hamburger Zug setzen.
Der kleine Reisende sieht sich oft um und winkt. Die Freunde stehen dort hinten. Da brummt schon das Auto heran. Heini umarmt die Großmutter noch schnell einmal. „Vielen, vielen Dank, Oma!“ „Adjüs, min Jung. Kumm got henn und bliv gesund!“ Der Wagen fährt wieder an. Zum letzten Mal schaut unser Junge zurück. Da liegt der Kronprinzen Koog friedlich in der hellen Frühlingssonne. Dann verschwindet das schöne Bild.

Wie Leute aus Ostfriesland in den Koog kamen.

Opa hatte am Nachmittag wieder Besuch. Diesmal kamen sogar noch mehr Kinder. Wer möchte auch nicht gern Geschichten hören? Oma ist ausgegangen. Das trifft sich gut. Sie würde sonst sicher schelten, daß all die kleinen Füße ihr die Stube voll Schmutz treten. Der Großvater sucht nach seiner Pfeife. „Was wollte ich doch erzählen?“ meint er. „Wie sich hier Leute anbauten.“ schallt es ihm entgegen. Er schmunzelt ein bisschen. „Ach ja, richtig!
Also hört zu: „Ihr wißt: zwei Dithmarscher und zwei Ostfriesen hatten den neuen Koog für sich und andere gekauft. Nun mußten sie umziehen. Die Dithmarscher wohnten auf dem Löwenhof am Westerdeich und in Brunsbüttel. Sie konnten also leicht in ihre neue Heimat gelangen. Aber die Ostfriesen, die kamen von weit her. Wenn wir dahin wollen, müssen wir einen ganzen Tag mit dem Auto fahren.“ „Haben die aber lange mit dem Vieh treiben müssen,“ meinte Heini. „und es gab damals noch keine Straßen,“ ruft Heinrich Stoffers. „Sie sind doch mit der Eisenbahn gekommen und in Marne ausgestiegen,“ behauptet der schlaue Ernst Mall.
„Eisenbahnen gab es damals auch noch nicht,“ erklärte Opa lachend. „Das haben sie ganz anders gemacht. Die Ostfriesen wohnten an der Nordsee wie wir. Sie luden ihre Pferde, Kühe, Ochsen, Wagen, ihr Korn und die Hausstandssachen in Schiffe. Natürlich waren viele Fahrzeuge nötig. Dann begann die Seereise. Eines Morgens nun stand der Hirte hier auf dem Deich und schaute über die Elbe nach Cuxhaven. Was gab es denn dort zu sehen? Viele Segelschiffe kamen langsam mit der Flut den Strom herauf, immer eines hinter dem anderen. Ihre Segel glänzten in der Morgensonne. Bei Neufeld legten sie an. War das aber auf einmal ein Leben und Treiben dort am Hafen. Pferde wieherten, Ochsen brüllten und Schweine grunzten. Die Kälber sprangen übermütig hin und her. Sie freuten sich über den festen Boden unter ihren Beinen. Plötzlich sauste eines in den Hafen. Da gabs aber ein Hallo. Rasch zog man den Ausreißer wieder ans Land. Der war schnell vernünftig geworden. Die Angekommenen luden jetzt ihren Hausrat und das Korn auf Wagen. Das Vieh wurde zusammengetrieben. So zogen die Ostfriesen von Neufeld her mit Sack und Pack in den Koog. Bei Wilhelm Feil hielt ein Trupp an. Hier hatte man vorher schon ein Haus gebaut. Das steht noch heute, ihr kennt es ja. Ein zweiter Haufen bog bei Hans Reimers ab. Auch hier stand schon ein Haus. Der Rest zog weiter nach dem Norden.“ Als Opa aufhört, atmen alle Kinder auf. „Junge, Junge,“ meint Ernst Mall, „ ich hätte dabei sein mögen, fein war das!“ Die andern Zuhörer nicken. Sie sind mit ihren Gedanken noch ganz bei den Ansiedlern aus dem fremden Land.

Helene Höhnk: Aus dem Leben des Vollmacht Hans Hanssen

Dieser Mann vertritt sozusagen den Dithmarscher Typ in der Übergangszeit vom 18. zum 19. Jahrhundert, die für Dithmarschen und Schleswig-Holstein ganz ähnlich war wie die Nachkriegszeit im 20. Jahrhundert. Das Gegenstück zu unserer Inflation war der dänische Staatsbankrott. Damals erlebten die Menschen, was wir erlebt haben. Ihr gutes Geld, das sie in den Bettschränken verwahrten, war auf den halben Wert herabgesunken oder hatte keinen Wert mehr. Vollmacht Hanssen meinte die Zeit zu verstehen, indem er der Gläubiger des Königs geworden war. Diese Rechnung ging nicht auf.
Der König und sein Reich machten Bankrott, die Herzogtümer mussten sich selbst helfen. Sie gründeten auf eigene Hand die Speziesbank in Altona und verbürgten sich mit Grund und Boden. Es war ein ähnliches Verfahren im kleinen, wie Helfferich die neue Rentenmark in Deutschland stabilisierte. Vollmacht Hans Hanssen beteiligte sich auch an dem vaterländischen Unternehmen, aber seine Vermögensverhältnisse waren durch den Staatsbankrott und unglückliche Spekulationen, die er in der Hoffnung auf Gewinn wagte, allmählich so missliche geworden, dass er einen Besitz nach dem anderen veräußern musste. Zuerst kam das adelige Gut Ascheberg in Holstein dran, das er mit erheblichem Schaden abgab.
Dann ging der Hof zu Kronprinzenkoog in andere Hände über, den er mit einem stattlichen Dwerhuus von dem in Altona lebenden Kopenhagener Architekten Hanssen hatte versehen lassen. Das künstlerisch ausgestattete Wohnzimmer ist in einem sehr hübschen Gouachemalerei(mit deckenden Wasserfarben) festgehalten, das noch in der Familie existiert.
Klaus Groth hat Hans Hanssen in dem Gedicht „De Vullmacht“ verherrlicht. Es geschah das allerdings, wie der Dichter selbst zugibt, mit der weitgehendsten poetischen Freiheit. Klaus Groth berichtet dabei in einer Fußnote, dass Hans Hanssen 1826 am Westerdeich starb. Das Totenregister zu Marne meldet dagegen seinen Tod erst am 2.Februar 1829, und dass er in Marne gestorben ist. Geboren wurde Hans Hanssen 1758 zu Harsemenhusen. Seine Eltern waren Jacob Hanssen und Anna Christine Piehl. Seine Stammreihe ist bis 1500 zurückgeführt. Zu Volsemenhusen ging Hans Hanssen zur Schule. Sein Lehrer Paul Moritz muß ungewöhnlich begabt gewesen sein, denn Hans Hanssen war für seine Zeit ein sehr gebildeter Mann. Er schrieb nicht nur eine schöne leserliche Hand, sondern wusste sich auch gut auszudrücken. 1782 heiratete er die 6 Jahre ältere Witwe Elsabea Catharina Hedde am Westerdeich. Sie war als Tochter des Landesgevollmächtigten Peter Meyn in Marne geboren. Es wird erzählt, dass er, um mit ihr anzuknüpfen, beim „Schepen“, das heißt beim Getreideabliefern zum Verschiffen am Neufelder Hafen nach Hamburg, vor ihrem Hof am Westerdeich die Pfeife ausgehen ließ und abstieg, um sich eine Kohle zu erbitten, damit die Pfeife wieder in Brand gesetzt würde. Zündhölzer kannte man damals noch nicht. Die heimliche Liebe, die heißer brennen soll als Feuer und Kohle, sollte hier bald zum Siege verhelfen. Hans Hanssen führte allerdings die stattliche Witwe nicht heim, sondern setzte sich zu ihr auf den Heddischen Hof am Westerdeich. Da die Heddischen Kinder starben, erbten sie den Besitz und konnten 1787 massive Gebäude im Geschmack der damaligen Zeit aufführen lassen. Hans Hanssen muß ein Mann von seltener Begabung und großer Unternehmungslust gewesen sein. Klaus Groth lässt ihn als Herrenmensch und großen Mann auftreten, der in der Öffentlichkeit Ansehen genießt. Hans Hanssen ließ sich auf die waghalsigsten Unternehmungen ein, wobei ihn die empfindlichsten Verluste trafen. Er hatte in Getreidelieferungen für die napoleonischen Armeen spekuliert und dabei viel Geld verloren. 1827 wurde über das Hanssensche Besitztum, das noch in dem Sophienkoog und dem Hof zu Westerdeich bestand, der Konkurs erklärt. Die 1796 zu Westerdeich angelegte Ölmühle ging wegen rückständiger Steuern an die Königliche Kasse über. Der Sohn aber konnte aus dem Konkurs des Vaters außer den Hof zu Westerdeich noch den Sophienkoog retten. Er bemühte sich allen Gläubigern seines Vaters gerecht zu werden. Er war ein Muster von Ordnung und Ehrbarkeit. Obwohl er als ausgesprochener Herrenmensch dem Vater glich, äußerte sich seine Eigenschaft nach der guten Seite hin. Er hinterließ sechs Töchter, da der einzige Sohn als kleines Kind starb. Von den Töchtern ist eine zahlreiche Nachkommenschaft vorhanden, die das Erbteil des Großvaters und Urgroßvaters, nicht nur an Porzellan und Silber, sondern auch als Seelenerbe bewahren.

Persönlichkeiten

  • Boie, Heinrich (* 26.02.1882 in Kronprinzenkoog), pharm.
  • Ibs, Peter (* 17.02.1895 in Kronprinzenkoog), studierte Cameralia
  • Jessen, Otto (* 18.02.1891 in Kronprinzenkoog; † 09.06.1951 in München) war ein deutscher Geograph.
  • Johannssen, Friedrich (* 11.01.1871 in Kronprinzenkoog), studierte Chemie
  • Schröder, Friedrich (* 28.02.1862 in Epenwöhrden Feld), 1888 Pastor in Lunden, 1890 im Kronprinzenkoog
  • Thaden, Ude (* 20.03.1812 in Kronprinzenkoog), Pastor in Tönning und Arnis
  • Voß, Karin (* 9. November 1923 in Kronprinzenkoog) ist eine Politikerin der extrem rechten DVU und der DLVH.
  • Wiborg, Georg (* 28. März 1890 in Kronprinzenkoog; † 25. Juni 1962 in Karolinenkoog) war ein deutscher Politiker (CDU).
  • Wiborg, Walter (* 22. August 1904 in Kronprinzenkoog; † 28. Januar 1969 in Rendsburg) war plattdeutscher Autor und viele Jahre Leiter, Darsteller und Spielleiter bei der Niederdeutschen Bühne Rendsburg.

Wirtschaft und Infrastruktur

Egal, woher Sie kommen und nach Dithmarschen hineinfahren, Sie entdecken sofort die herrliche Natur dieser einmaligen Meereslandschaft. Grüne Marschwiesen wechseln mit ausgedehnten Kohlfeldern, endlose Deichlinien begrenzen den westlichen Horizont, weite Blicke wandern über Watten und Fluten. Hier, auf Böden, die in jahrhunderten mühseligen Kampfes dem "Blanken Hans", der oft stürmischen Nordsee, abgerungen wurden, liegt auch der Kronprinzenkoog. Das Gemeindegebiet Kronprinzenkoog ist Bestandteil der "Jungen Marsch". Es wurde in drei Abschnitten dem Meer abgerungen. Die Gemeinde ist nach Fläche und Einwohnerzahl die größte im Amt Kirchspielslandgemeinde Marne-Land. Die Wirtschaftskraft hat sich durch die Installation und den Betrieb zahlreicher Windkraftanlagen merklich erhöht. Gemeindlicher Mittelpunkt ist der so genannte Mittelkoog, in dem nach Erschließung eines Baugebietes eine große Anzahl von Neubauten errichtet wurden. In ihm befindet sich eine Grundschule mit dem Eigennamen "Dörpschool", die das dörfliche Leben bereichert, ein Kindergarten, eine Kirche und ein Friedhof.

Gute Einkaufsmöglichkeiten sowie weiterführende Schulen befinden sich im rund 7 km entfernten Marne.

Nachfolgendes Gewerbe hat sich in Kronprinzenkoog angesiedelt:

Kirchengemeinde Kronprinzenkoog

Pastor Herbert Jeute Kirchenstr.35 25709 Kronprinzenkoog Tel. (04856) 391 Fax (04856) 904493 E-Mail: kronprinzenkoog@kirche-dithmarschen.de

Kirche Kronprinzenkoog

Neugotischer Bau 1883 eingeweiht.1956 wurden die Fenster im Altarraum durch ein Mosaikbild ersetzt. Die Orgel wurde 1966 von der Preetzer Firma Tolle gebaut. Die Kirche besitzt ein zweistimmiges Geläut, gebaut 1983.

Pressemitteilung der Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises Süderdithmarschen vom 31.3.2000:

Bugenhagen-Medaille für Heinz Klinger
Der Kirchenvorsteher Heinz Klinger, ehemaliger Grundschulleiter und Bürgermeister von Kronprinzenkoog, ist mit der Bugenhagen-Medaille der Nordelbischen Kirche ausgezeichnet worden. Klinger wurde für mehr als 20 Jahre vorbildlichen Einsatzes für die Kirchengemeinde geehrt.
Er ist Lektor, war Kirchenvorstandsvorsitzender und Mitglied der Kirchenkreissynode

Marschenschool

Schulleiter: Gerd Brast Mittelstr. 33 25709 Kronprinzenkoog Tel: 04856 - 233 Fax: 04856 - 90 43 50 www.doerpschool.lernnetz.de E-Mail: doerpschool@t-online.de Schule, das ist heute viel mehr als Lesen-, Schreiben-, Rechnen lernen; und der Name DÖRPSCHOOL verpflichtet beinahe zu vielen Aktivitäten und Extras rund ums Jahr. Die geht natürlich nur im Miteinander von Schule und "Dörp", durch Unterstützung und Hilfe von Eltern, Freunden der Schule, Vereinen und Institutionen.

Sielverband Kronprinzenkoog

  • Vorsteher: Jürgen Huesmann
  • Stellv. Vorsteher: Claus Rudolf Claußen

Ev. Kindergarten Kronprinzenkoog

Leitung: Annegrete Witt
Mittelstr. 34
25709 Kronprinzenkoog
Tel: 04856 - 818
Fax: 04856 - 904493
E-Mail: kronprinzenkoog@kirche-dithmarschen.de
Öffnungszeiten: Montag - Freitag 8:00 - 12:00 Uhr
An der Nordseeküste inmitten von Kohlfeldern und Windmühlen liegt die Gemeinde Kronprinzenkoog. Ein Teil dieser Gemeinde ist der ev. Kindergarten "Lütte Köger".
Hier treffen sich von Montag bis Freitag 38 Kinder, 2 Erzieherinnen und eine Kinderpflegerin in zwei Gruppen von 8:00 bis 12:00 Uhr. In der Gemeinschaft mit anderen Kindern geben wir ihnen Raum und Zeit zum Ausprobieren, Erfahren und Lernen. Die Eltern begleiten und unterstützen wir in der christlichen Erziehung ihrer Kinder.

Immobilien

Aufteilung der Kaufverträge pro Jahr

Jahr Anzahl Umsatz in 1.000 €
1997 16 734
1998 20 2.631
1999 14 1.190
2000 17 993
2001 13 1.800
2002 19 1.256
2003 16 644
2004 9 332
2005 19 1.381
2006 18 879
2007 14 655
2008 15 1.169
2009 18 1.916
2010 13 748
2011 5 556
2012 15 880
2013 18 929
2014 16 1.447
2015 16 2.303
2016 14 1.792
2017 14 1.235
2018 16 2.199

Quelle: Grundstücksmarktbericht 2018


Sehenswürdigkeiten

Kirche zu Kronprinzenkoog

  • Die evangelisch-lutherische Dorfkirche, auch Koogskirche genannt, wurde 1883 nach einem Entwurf des Berliner Architekten Johannes Vollmer erbaut und steht als einziges Bauwerk in Kronprinzenkoog unter Denkmalschutz. Sie ist, aufgrund ihres 40 m hohen Kirchturmes, bereits von weitem gut in der Marsch zu erkennen.
  • In den Jahren 1932/33 fiel die Kirchengemeinde in eine schwere Krise. Als das Kirchenamt einen kommissarischen Pastor einziehen wollte, war der Kirchenvorstand entsetzt und berief sich auf sein Selbstbestimmungsrecht. Einstimmig erklärte das Gremium am 04.05.1932 seinen Austritt aus der Landeskirche und gründete die „Freie Kirchengemeinde der Vereinigten Süderdithmarscher Köge“. Dies ist ein einmaliges Ereignis in der jahrhundertealten Kirchengeschichte der Kirche in Schleswig-Holstein! Die Kirchensteuern erhoben sie nun für sich selbst und bezahlten davon ihren Pastor. 1933 wurde der Streit mit einem deutsch-christlichem Kirchenvorstand "leise" beigelegt und die Amtshandlungen der Jahre 1932/33 wurden für ungültig erklärt.
  • 1980 erfolgte eine Neueindeckung des Daches mit Kupferblech, wobei der Turmhelm um 2 Meter erhöht wurde. An die Südseite des Chors wurde ein Anbau angefügt, im Inneren ist nach einigen Veränderungen ein Teil der ursprünglichen Ausstattung vorhanden.

Polizeiliche Lagemeldung


Weblinks


Karten


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