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Kippel-Kappel

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Was ist Kippel-Kappel?

Kippel-Kappel (auch Kibbel-Kabbel oder Kippelakapp) ist ein norddeutsches Kinderspiel der Vorkriegs-, Kriegs – hauptsächlich aber der Nachkriegszeit. Es wurde bis in die 60er-Jahre hauptsächlich auf der Straße von Kindern im Alter von ca. 9 bis 14 oder auch 15 Jahren gespielt (damals ließ der Straßenverkehr dies noch zu). Durch die zunehmende Asphaltierung der Verkehrswege wurde dem Spiel immer mehr Raum genommen.

Was braucht man dafür?

So konnte ein Kippel aussehen Sammlung Uwe Möller
Aber meistens sah er so aus (Wikipedia)


Man benötigte – außer einer wenig befahrenen Straße – ein ca. 10 bis 15cm langes, an beiden Enden zugespitztes Stück Holz von wenigen Zentimetern Durchmesser (Größe und Durchmesser richtete sich etwas nach dem Alter der Spieler und oder des Bastlers). Dies war dann der Kippel. Er war rund oder mehreckig, je nach Geschick des Herstellers. Der Kappel war ein möglichst runder, harter und gerader Knüppel von ca. 0,5 bis 1m Länge und einem Durchmesser, der gut in einer Kinderhand lag. (Ein kleiner Ast vom Kirschbaum tat´s auch – man durfte sich nur nicht erwischen lassen.)

Artikel aus der Brunsbüttelkooger Zeitung 1953 Quelle:Stadtarchiv Brunsbüttel

Wie spielt man es?

Foto aus früheren Zeiten

Die Spielregeln waren – je nach Gegend – leicht unterschiedlich, aber im groben Ganzen doch sehr ähnlich. Die folgende Beschreibung kennzeichnet das Spiel, wie es im Brunsbütteler Beamtenviertel meistens gespielt wurde.
Die Straßen des Beamtenviertels waren, wie die älteren von uns sich noch gut erinnern, hochkant gepflastert mit Ziegelsteinen. Da die Pflasterung der Straßen schon einige Jahre zurücklag, (sie wurden mit dem Beamtenviertel Brunsbüttel zusammen zwischen 1908 und 1910 gebaut), bildeten sich trotz häufiger Ausbesserungsarbeiten an vielen Stellen große Zwischenräume zwischen den Ziegeln. Dieser Abstand (er wurde hin und wieder auch von den Spielern etwas vergrößert) wurde ausgekratzt und dann als Spielloch auserkoren.
Nachdem die beiden Mannschaften ausgelost waren (gespielt wurde meist mit 1 bis 3 oder 4 Spielern pro Mannschaft), wurde die beginnende Mannschaft ermittelt. Dann folgte das eigentliche Spiel. Der erste Spieler legte den Kippel über das Loch. Dann schob er den Kappel (Knüppel) ins Loch unter den Kippel und versuchte ihn so weit wie möglich „wegzuhebeln“. Die gegnerische Mannschaft, die in etwa 3-5m Entfernung Aufstellung genommen und sich etwas verteilt hatte, versuchte den Kippel zu fangen oder gar zu köpfen, was natürlich schmerzhaft sein konnte und oftmals eine Beule nach sich zog, aber 50 Punkte brachte. Für das Fangen gab es ebenfalls Punkte, mit einer Hand 20 oder mit beiden Händen 10. Wurde der Kippel auf diese Weise gefangen oder „geköppt“, konnte derjenige für den jetzt folgenden Abwurf entsprechend näher an das Loch gehen.

Foto aus Zeitschrift "Landlust"


Der Spieler mußte jetzt den Kappel quer über das Loch legen. Danach versuchte ein Gegner von der Stelle aus, wo der Kippel gelandet ist (bzw von der durch Fangen oder Köpfen verkürzten Stelle), mit diesem den Kappel zu treffen. Gelang ihm das, wurde gewechselt und die anderen kamen an die Reihe. Klappte es nicht, begann der zweite Teil des Spieles.
Der Spieler schlug mit dem Kappel an der Stelle, wo der Kippel gelandet ist, auf dessen spitze Seite; der Kippel schnellte hoch und mit einem Treibschlag wurde er so weit wie möglich vom Loch weggeschlagen. Das konnte von ihm noch zweimal wiederholt werden. Bei drei Treffern wurde schon mal eine Entfernung von 100m vom Loch erreicht. Jetzt wurde mit großen Schritten der Abstand bis zum Loch ermittelt und jeder Schritt war ein Punkt. Wer schon geübter war, versuchte vor dem Treibschlag den Kippel noch mehrmals zu „unterschlagen“, dann zählten die Schritte – je nach Anzahl der Schläge – zwei oder gar dreifach. (Es soll vorgekommen sein, daß Kinder jeden Schritt mit 5 multiplizieren durften.) Nach dieser Prozedur kam der nächste Spieler der Mannschaft an die Reihe und das Spiel begann von vorn.
Unnötig zu sagen, daß es nicht immer ganz einfach war, den Kippel dem Verlauf der Straße folgen zu lassen. Das geringste Problem war, wenn er im Vorgarten landete, es hat allerdings auch mal Fensterscheiben „gekostet“.
Übrigens wurde dieses Spiel in anderen Gegenden auch „Ostfriesen-Baseball“ genannt.

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