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Urbahns, Johann Peter Hugo

(Weitergeleitet von Hugo Urbahns)

(* 18. Februar 1890 in Lieth; † 16. November 1946 bei Stockholm) war ein kommunistischer Politiker.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

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Johann Peter Hugo Urbahns wurde am 18. Februar 1890 in Lieth als Sohn des Müllers und Bäckers Johann Urbahns (*ca. 1863 in Lohe;† 08.12.1901 Lohe) und seiner Frau Wiebke Margaretha Maria von Levern (*ca. 1858 in Wesseln,† 27.05.1900 in Lohe) geboren. Demnach war Hugo Urbahns erst 11 Jahre alt, als er bereits beide Eltern verloren hatte. Sein Großvater väterlicherseits, der Hausmann Johann Urbahns (*27.08.1923 Tensbüttel;† 07.02.1911 Heide), war sicherlich bereits zu alt, um den Enkel aufzunehmen. Wahrscheinlich ist daher, dass er bei einer Tante oder einem Onkel der Familie Urbahns oder ggf. von Levern aufgewachsen ist.

Urbahns absolvierte eine Ausbildung als Volksschullehrer in Tondern und Bad Segeberg und war später zunächst im Schuldienst in Schleswig-Holstein und Hamburg tätig. Im Jahre 1914, als 24-jähriger, entschloss er sich freiwillig zur Teilnahme am ersten Weltkrieg, aus dem er später aus gesundheitlichen Gründen ausscheiden musste. Urbahns soll mit Emilie Spielberg verheiratet gewesen sein; weitere Informationen zu dieser Ehe fehlen aber.

Radikalisiert durch seine Kriegserlebnisse schloss sich Hugo Urbahns zunächst der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD), die als Reaktion auf die Zustimmung der SPD-Reichstagfraktion zu den Kriegskrediten 1914 gegründet worden war an und 1918 dem Spartakusbund. Der Spartakusbund war eine Vereinigung von marxistischen Sozialisten, die während des Ersten Weltkriegs am Ziel einer internationalen Revolution des Proletariats festhielten. Während der Novemberrevolution 1918 war der Spartakusbund parteiunabhängig und strebte eine deutsche Räterepublik an. Am 1. Januar 1919 ging er in der neu gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) auf.

In dieser Zeit agiert Urbahns zunächst als radikaler Wanderredner und perfektioniert sein rhetorisches Talent. Im Jahre 1921 wird er Führer der Freien kommunistischen Jugend und 1. Sekretär des Bezirks Wasserkante der KPD. Urbahns nimmt in den Anfangsjahren an praktisch an allen wichtigen Parteitagen der KPD Deutschlands teil. Neben Ernst Thälmann gilt er fortan als eine zentrale Figur innerhalb der Hamburger KPD und dem Bezirk ‚Wasserkante’. Seit 1921 bis 1927 ist Hugo Urbahns Mitglied der Hamburger Bürgerschaft und seit 1924 bis 1928 auch Mitglied des Reichstages in Berlin.

Urbahns ist 1922 nachweislich ein Vertreter der deutschen Delegation beim IV. Komintern Kongress in Moskau (sog. Kongress der 'Kommunistische Internationalen', die als Zielerreichung die kommunistischen Weltrevolution anstrebte). Es kann als nicht ganz unwahrscheinlich gelten, dass auf diesem Kongress bereits Vorüberlegungen für einen kommunistischen Putschversuch in Deutschland angestellt worden sind.

Hugo Urbahns, wie auch andere Kommunisten, deuteten die kommenden gewaltätigen Auseinandersetzungen im Herbst 1923 an. So sagte Urbahns in der Hamburger Bürgerschaft mit Blick auf die Anhängerschaft der SPD, die für die 'kommunistische Sache' gewonnen werden sollten: ". . .in dieser Auseinandersetzung wird die Arbeiterschaft sagen: Um endlich das Recht wirtschaftlich und politisch in die Hände zu nehmen, das heißt die Macht zu haben, wollen wir lieber im Feuer der Revolution verbrennen, als auf dem Misthaufen der Demokratie verfaulen." (Quelle: Stenographischer Bericht der 41. Sitzung der Hamburger Bürgerschaft am 28.09.1923)

Hamburger Aufstand

Der sog. Hamburger Aufstand war der letzte kommunistische Putschversuch gegen die Weimarer Republik. Der Aufstand war insbesondere durch die verheerende wirtschaftliche Situation im Herbst 1923 begünstigt. Hierzu schreibt treffend die sozialdemokratische Zeitung 'Hamburger Echo' am 21. Oktober 1923: "Die ungeheuren Preissteigerungen während der letzten Tage, . . . , haben eine tiefgreifende Erregung in der Bevölkerung hervorgerufen. Ist es Lohn- und Gehaltsempfängern durch die oft unregelmäßige Entlohnung schon schwer gemacht, sich mit den notdürftigsten Lebensmitteln zu versorgen, so stehen Erwerbslose und Kleinrentner einfach vor dem Verhungern, wenn ihnen nicht schnelle Hilfe zuteil wird. Besonders der Brotpreis, der von einem zum anderen Tage um das Dreifache stieg, hat eine tiefe Erbitterung erzeugt". Dennoch fand die KPD in der Bevölkerung für ihren Aufstand - entgegen eigener Einschätzung -kaum Unterstützung, diese hielt überwiegend zur regierenden SPD.

Im Verlauf des Hamburger Aufstandes griffen am Morgen des 23. Oktober 1923 meist schlecht bewaffnete KPD-Trupps 26 von insgesamt 50 Hamburger Polizeiwachen an und besetzen diese zum Teil. In den nachfolgenden zum Teil heftigen Straßenkämpfen konnte die Hamburger Ordnungspolizei unterstützt durch die SPD-nahe „Vereinigung Republik“ alle Polizeiwachen in kurzer Zeit wieder unter ihre Kontrolle bringen. Der Hamburger Aufstand forderte nach den höchsten Schätzungen zirka 90 Todesopfer (die meisten davon unbeteiligte Zivilisten) und etwa 300 Verletze.

Hugo Urbahns, der am 4.5.1924 in den Reichtag als Abgeordneter des Wahlkreises 13 (Schleswig-Holstein) gewählt wurde, wird noch im gleichen Jahr für seine Teilnahme am Hamburger Aufstand in Hamburg in Untersuchungshaft genommen und schließlich im Jahre 1925 zu 10 Jahren Festungshaft und Geldstrafe verurteilt, jedoch bereits im selben Jahr aufgrund Beschlusses des Hanseatischen Oberlandesgerichtes wegen seiner parlamentarischen Immunität wieder entlassen.

In den folgenden Jahren entbrennt ein Streit um die Frage, wem letztlich die Führungsrolle im Rahmen des Hamburger Aufstandes zukam. Diese Frage wurde teils überlagert durch die aufkeimenden Flügelkämpfe innerhalb der kommunistischen Gruppen. Im Verlauf dieser Streitigkeiten wurde Urbahns am 5.11.1926 aus der KPD ausgeschlossen.

Vermutlich bestand insoweit ein Interesse der KPD, Ernst Thälmann zur Führungsfigur des Hamburger Aufstandes zu stilisieren, was dieser selbst krätig förderte, um dies schließlich zu DDR Zeiten in der Thälmann-Legende fortzuführen: "300 Mann standen im Schnell- und Trommelfeuer von 6000 Söldnern der Polizei, der Reichswehr . . (usw)". So behauptete Thälmann bereits 1927, dass Urbahns während des Hamburger Aufstandes ‚in den Betten gelegen’ habe (Hamburger Nachrichten v. 6.12.1927). Viele Hinweise deuten jedoch tatsächlich auf eine führende Rolle Urbahns, der im Prozess selbst die Verantwortung übernommen hat ohne, wie alle anderen Beschuldigten auch, weitere Angaben zum Tathergang zu machen.

So erklärt etwa Emma Biermann in einem Gespräch mit Wolf Biermann (abgedruckt in ‚Die Zeit’ v. 12.01.1979): „ . . . Ja, wir hatten einen Lehrer dabei, Hugo Urbahns, der hat übrigens, fällt mir jetzt ein, den Hamburger Aufstand geleitet. Das war so’n rothaariger Blonder, so’n rothaariger langer Kerl. Und das kann schon sein, dass Thälmann da gar nicht war, denn dann war es mir ins Bewußtsein gegangen. Thälmann war ja keine unauffällige Person. . .“.

Innerparteiliche Opposition & Bekämpfung des Nationalsozialismus

Urbahns gilt fortan als einer der führenden Vertreter der sog. Linken Opposition und als Mitbegründer der kommunistischen Splitterpartei des Leninbundes, den er von 1928 bis 1933 leitete. Die sog. ‚Linke Opposition’ hat versucht sich insbesondere von den zunehmenden stalinistischen Tendenzen innerhalb der Kommunistischen Partei abzugrenzen und unterstütze Positionen Leo Trotzkis. So setzt sich Urbahns nachweislich im Jahre 1929 für ein politisches Asyl Leo Trotzkies in Deutschland ein, überwarf sich mit Trotzki jedoch kurze Zeit später.

Sein Hauptaugenmerk richtete Urbahns seit 1929 auf die Bekämpfung des Nationalsozialismus und trat trotz zunehmender Gefahren als Redner bei zahlreichen Veranstaltungen auf. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 traf Hugo Urbahns das Los eines politischen Immigranten. Er verließ Deutschland und fand schließlich Aufnahme in Schweden, wo er sich durch unterschiedliche Arbeiten einen bescheidenden Lebensunterhalt ermöglichte. Im März 1934 wurde Urbahns schließlich durch die Nationalsozialisten aus Deutschland ‚ausgebürgert’. Zu dieser Zeit war Hugo Urbahns bereits Persona non grata für die kommunistische Sowjetunion Stalins, die die letzten Reste innerparteilicher Opposition in den Jahren 1936 bis 1938 in den sog. 'Moskauer Prozessen' ausschaltete, was Urbahns scharf kritisierte.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lehnte Urbahns eine Rückkehr nach Deutschland ab und verstarb wenig später am 16. November 1946 im schwedischen Exil.

Publikationen

  • Die Fälschung der Geschichte der russischen Revolution Trockij, Lev D.. - Berlin SO 36, Adalbertstr. 22 "Volkswille", 1928
  • Entwurf einer Plattform der leninistischen Bolschewiki (Opposition) Berlin : Verlag "Fahne des Kommunismus, um 1928
  • Die 21 Bedingungen der Leninschen Komintern Zinovʹev, Grigorij E- [Berlin] : Verlag d. "Fahne d. Kommunismus,um 1927
  • Wie die chinesische Revolution zugrunde gerichtet wurde Berlin : Verlag d. "Fahne d. Kommunismus", 1927
  • Die Wahrheit über die Verhandlungen mit der deutschen Opposition in Moskau Berlin : W. Iszdonat, 1927
  • Der Kampf um die kommunistische Partei Berlin : M. Noster, o. J. Vorhanden in Leipzig
  • Der Kampf um die kommunistische Internationale Berlin : Verlag d. Fahne d. Kommunismus, o. J.

Literatur zum Thema

  • Lothar Danner, Ordnungspolizei Hamburg - Betrachtungen zu Ihrer Geschichte 1918 bis 1933, Verlag Deutsche Polizei, Hamburg 1958, hier zum Hamburger Aufstand.
  • Uwe Bahnsen, 100 Jahre Hamburger Rathaus, Nr. 7, in ‚Die Welt’ v. 28 Juni 1997, eine Zusammenfassung der Ereignisse zum Hamburger Austand.
  • Hamburger Abendblatt , Vor 70 Jahren kam es zum Hamburger Aufstand der Kommunisten, vom 22.10.1993
  • A.T. Lane, Biographical Dictionary of European Labour Leaders, 1995
  • Der Hamburger Aufstand Oktober 1923. Dreiteiliger Dokumentarfilm: Co-Autorin, Kamera, Schnitt: Gisela Tuchtenhagen 40, 45, 40 min., 1971
  • „Er war anders als Ulbricht“ – Wolf Biermann spricht mit Emma Biermann, Hamburger Kommunistin, Die Zeit v. 12.01.1979
  • International Institut of Social History: Albert Grzesinski Papers, Vermerk über eine Besprechung des Führers des Lenin-Bundes Hugo Urbahns mit Grzesinski betr. Aufenthaltsgenehmigung für Trotzki. 2.2.1929. Mschr. 2 S. Beigefügt: Abschrift von Eintragungen im Archiv der Abteilung IA und im Registerblatt des Einwohnermeldeamtes über Hugo Urbahns; 1929; mschr. 3 S.
  • Ulrich Pfeil, Die KPD im ländlichen Raum, Aus: Demokratische Geschichte, Bd. 10 Artikel als PDF
  • Angelika Voß, Ursula Büttner, Hermann Weber, Vom Hamburger Austand zur politischen Isolierung - Kommunistische Politik 1923 - 1933 in Hamburg und im Dritten Reich, Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg 1983

Links

Artikel über Hugo Urbahns bei Wikipedia

Artikel über den Hamburger Aufstandes bei Wikipedia

Abbildung Hugo Urbahns 1924, Bayrische Staatsbibliothek


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