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Heim, Claus

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Claus Heim (* 24.3.1884 in Sankt Annen-Österfeld; † 1.1. 1968) war ein zentrale Figur der sog. Landvolkbewegung in Dithmarschen in den Jahren 1928 bis 1930. ki-Commons]]

1931 Bauernproteste in Schleswig-Holstein

Biographie

Kurzform

Claus Heim entstammte einer alten Dithmarscher Familie. Diese gehört zu einem der Dithmarscher Geschlechterverbände, nämlich den Russebellingern. Nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung und Wanderjahren in Skandinavien bewirtschaftete Heim einen Teil des väterlichen Hofes, den er von seinem Vater gepachtet hatte. Im Jahre 1909 kam es zu einem Zerwürfnis mit der Familie, in dessen Folge er Dithmarschen den Rücken kehrte und nach Südamerika auswanderte.

In Paraguay erwarb Heim gemeinsam mit einem Kompagnon eine Farm, die er gegen Bürgerkriegstruppen verteidigen musste, und widmete sich der Tierzucht. Auf Besuch in Deutschland 1914 wurde er vom Kriegsausbruch überrascht und zum Kriegsdienst in die kaiserliche Armee eingezogen. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges kehrte er nach Paraguay zurück. Er bewirtschaftete dort mehrere Jahre seine Farm, die während seiner fünf Jahre währenden Abwesenheit vom Geschäftspartner vernachlässigt worden war. 1923 kehrte seine Frau, die auf Dauer das subtropische Klima nicht vertrug und sich um ihre betagten Eltern in Deutschland kümmern wollte, mit den beiden Töchtern nach Deutschland zurück. Heim übernahm die Bewirtschaftung des väterlichen Hofes in Dithmarschen, behielt aber zunächst noch das landwirtschaftliche Unternehmen in Südamerika bei. Dieses umfasste letzlich drei Farmen und wurde 1925 noch um eine Baumwollentkernungsanlage erweitert. Da die Verwaltung der verschiedenen Unternehmungen während seiner teils längeren Abwesenheit nicht funktionierte und es zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten kam, beschlossen die beiden Partner die Liquidation, und Claus Heim kehrte endgültig nach Deutschland zurück.

Wieder in Dithmarschen angekommen betrieb Heim den elterlichen Hof in Österfeld, den er 1923 noch durch Landzukauf auf 129 Hektar vergrößert hatte. Zur Deckung seiner überseeischen Schulden musste Heim 1927 rund 40 Hektar des Hofes wieder verkaufen. Aus unterschiedlichen Gründen waren viele landwirtschaftliche Betriebe ab 1926 in eine wirtschaftliche Schieflage geraten, was zum Teil Konkurse und Pfändungen nach sich zog. Dies war einer der Gründe für das Entstehen einer bäuerlichen Protestbewegung, der sog. Landvolkbewegung, die ihren Höhepunkt in den Jahren 1928 bis 1930 hatte .

Claus Heim beteiligte sich an den Protestdemonstrationen und gab im "Heider Anzeiger" ein Inserat auf mit dem Text: "Von heute ab bezahle ich keine Steuern mehr." Die Bauern versuchten damals, mit Aufmärschen und Aktionen die Zwangsversteigerungen und Pfändungen durch Steuereinziehungsbeamte zu verhindern. Um den Protesten mehr Nachdruck zu verleihen, organisierte ein Teil der Landvolkbewegung unter Führung von Claus Heim ab 1929 eine Reihe von Sprengstoffanschlägen gegen Finanzämter, Landratsämter und andere Einrichtungen. Die Anschläge hatten teils große Sachschäden zur Folge, es wurden jedoch keine Personen verletzt.

Am 11.9.1929 wurden Claus Heim und zahlreiche andere Verdächtige verhaftet. Nach Untersuchungshaft in Altona und Berlin-Moabit wurde Heim dann im sog. großen Bombenlegerprozess am 30.10.1930 zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Strafen für die übrigen Angeklagten beliefen sich auf anderthalb bis sieben Jahren Haft, mit Ausnahme von Wilhelm Hamkens, für den es bei 500 RM Geldstrafe blieb.

Aufgrund einer Amnestie für die Bombenleger, die der preußische Landtag mit den Stimmen der NSDP, der Deutschnationalen und der Kommunisten beschlossen hatte, wurde Heim am 16.6.1932 aus dem Zuchthaus in Celle vorzeitig entlassen. Zuvor hatte er 1930 ein Angebot der Nazis abgelehnt, ihrer Partei beizutreten und die Spitzenkandidatur in Schleswig-Holstein zu übernehmen. Hitler wollte die Popularität der Bombenleger für den Stimmenfang bei der Reichstagswahl nutzen. Heim, der damals in Altona in Haft saß, hätte mit einem Reichstagsmandat seine Haftentlassung erreichen können, lehnte aber das von Hinrich Lose überbrachte Angebot der Nazis ab. Er würde das Gefängnis als Anführer der Bombenleger nicht als Erster, sondern als Letzter verlassen, erklärte er.

Die Haftzeit nutzte Heim zu ausgedehnter Korrespondenz mit zahlreichen Persönlichkeiten, Lektüre usw., und er durfte auch diverse Besucher empfangen.

Nach seiner Entlassung 1932 gründete er noch die Zeitung "Dusendüwelswarft", die ihr Erscheinen jedoch schon bald wieder einstellte.

Nach dem allgemeinen Verbot der Landvolkbewegung seit der Machtübernahme Hitlers trat Heim im öffentlichen Leben nicht mehr hervor. Zu den Nationalsozialisten, die in Dithmarschen schnell an Boden gewannen, hielt er Abstand. Dennoch soll der Gauleiter Hinrich Lohse mehrfach versucht haben, Claus Heim in ein Konzentrationslager zu bringen, was wohl mit der Kandidaturablehnung 1930 zusammenhing. Als kurz vor Beginn des zweiten Weltkriegs alle der Partei missliebigen Personen verhaftet wurden, ließ Lohse am 26.8.1939 auch Heim festnehmen und in das Gestapo-Gefängnis nach Kiel bringen. Durch Intervention einflussreicher Fürsprecher wurde er jedoch sofort wieder entlassen und nach Hause zurück gebracht.

Die letzten Jahrzehnte seines Lebens verbrachte Claus Heim mit seiner Familie auf seinem Hof, auf dem er neben Viehzucht und Obstanbau auch Hühnerzucht und Imkerei betrieb. Er verfasste seine Lebenserinnerungen, blieb politisch interessiert, trat aber nicht mehr mit besonderen Aktivitäten hervor. Am 1.1.1968 verstarb er im Alter von 83 Jahren.

Literatur

  • Claus Heim: Lebenswogen , unveröffentlichtes Manuscript (Nachlass)
  • Autorenkollektiv: Bauern und Bomben: Claus Heim in der schleswig-holsteinischen Landvolkbewegung. In: Autonomie, Nr. 12, September 1978, S.46 –73.
  • Susanne Heim: Die Landvolkbewegung in Schlesig-Holstein 1928/29 - Eine Analyse ihrer sozialökoniomischen Entstehungsbedingungen und politischen Aktionsformen (Diplomarbeit 1980, Universität Hamburg, Fachbereich PolitischeWissenschaften
  • Hans Fallada: Bauern,Bomben, Bonzen

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