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Hartmann, Rudolf Gotthilf

Aus Dithmarschen-Wiki

Andere Schreibweise: Ernst Gotthilf Rudolph Hartmann

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Inhaltsverzeichnis

Biographie

v.l. Dr. Heinsohn Dr.Bargum Dr. Hartmann j Dr. Eggers

Ernst Gotthilf Rudolph Hartmann wurde am 1. Dezember 1816 in Plön geboren. geboren.

Sein Vater Friedrich August Hartmann war dort Hofapotheker, zwischen 1808 und 1813 hatte er in Marne die Sonnen-Apotheke betrieben. 1811 ehelichte er in Marne Marina, des Landesgevollmächtigter Jacob Jochim Jochims Tochter.

Zu seinen Brüdern gehörte der Heimatforscher Hartmann, Rudolph und der Soldat und Autor Hartmann, Nicolaus Carl Magdalus.

Kinder J C (1904) Die Apotheke in Plön ein wendischer Fürstensitz. Die Errichtung der Hofapotheke. In: Plön. Beiträge zur Stadtgeschichte von Bürgermeister Kinder. Seite 13-28, 176-185:

Dem Großvater Leberecht Gotthilf Hartmann (1749 - 1826) gehörte die 1686 von Herzog Johann (Hans) Adolf (08.04.1634 Ahrensbök - 02.07.1704 Ruhleben) gegründete Hofapotheke in Plön. Dieser hatte 1782 die junge Witwe des 1780 verstorbenen Apothekers Johann Christian Herrmann in Plön geheiratet, bei welchem er als Provisor gearbeitet hatte und mit der Frau die Apotheke erlangte, nachdem die Apotheke in der Plöner Neustadt über drei Generationen im Besitze der Familie Herrmann war. Leberecht Gotthilf Hartmann kaufte 1803 das ehemalige Waisenhaus und späteren Witwensitz der Herzoginmutter Dorothea Christine in der Plöner Neustadt und errichtete dort die Hofapotheke (seit 1985 Kreis-Museum Plön).

Als die Bürger von Plön von der Notwendigkeit der Vereinigung beider Kirchengemeinden (Nikolaikirche (Altstadt) und Johanniskirche (Neustadt)) und dem Abriss der leicht reparaturbedürftigen Johanniskirche in der Plöner Neustadt vom Amtmann August Adolf Friedrich von Hennings (19.07.1746 Pinneberg -17.05.1826; war von 1786 bis 1807 Amtmann in Plön) überzeugt werden sollten, konnte eine Gruppe von Bürgern der Plöner Neustadt unter der Führung vom Apotheker Leberecht Gotthilf Hartmann erreichen, dass die Johanniskirche nicht abgerissen wurde.

Krankenhaus Marne

Ernst Gotthilf Rudolph Hartmann studierte Medizin und begründete in Marne seine Ordination in der Österstraße die er bis kurz vor seinem Tode 1892 betreute.

Dr. Hartmann sen. setzte sich schon 1872 für Bau des Marner Krankenhauses ein und wurde 1888 bei der Bauplanung zu dessen ärztlichen Beirat berufen.

Dr. Ernst Gotthilf Rudolph Hartmann vermählt sich im Sommer 1845 standesgemäß mit Sophie Frederike Gerling, Tochter des Großgrundbesitzes im Sophienkoog.


Kinder

Der Ehe entspringen zehn Kinder, die Tochter Clara Amalia Henriette Marie heiratet 1872 den Richter und Diplomaten Carl Gottlieb Bünz. Sein Sohn Dr. Walter Hartmann übernahm die Praxis des Vaters in Marne und wurde 1922 geschäftsführender Arzt im Marner Krankenhaus.


Zitat: /"Als ich nun an meinem Geburtstag, 1. Dezember 1840, auf einem Ball bei Söhl am Markt zum ersten Mal meine künftige herrliche Frau, Fräulein Sophie Gerling aus dem Sophienkoog, von der meine Schwester Elonore mir schon so viel Gutes erzählt hatte, sah, verliebte ich mich nach 4-maligem Tanzen mit ihr dermaßen in sie, dass ich mich sogleich entschloss, wenn auch nicht in Marne, doch in dessen Nähe zu bleiben um sie näher kennen zu lernernen."/

Sammler und Heimatforscher

Dr. Ernst Gotthilf Rudolph Hartmann wird in der Literatur „tüchtiger Landvermesser und Heimatforscher“ genannt. Zahlreiche Funde die er als Archäologe in und um Marne machte sorgten für großes Interesse in Forscherkreisen seiner Zeit dennoch misslang das Angebot die gesamte Sammlung an das Königliche Museum für Völkerkunde in Berlin zu verkaufen. Den abschlägigen Bescheid hat er selbst nicht mehr erlebt, so dass eine Aufteilung der großen Sammlung durch seine Erben drohte.


Skatclub-Museum

In dieser Phase kaufte sein Schwiegersohn Carl Bünz, den anderen Erben ihre Anrechte ab, um 1910 die Sammlung seiner Vaterstadt Marne mit deren Einverständnis und unter Auflagen zu schenken. Teile der Sammlung sind heute im Marner Skatclub-Museum zu bewundern.


Zeitschrift Dithmarschen

Die numerierten Abbildungen folgen.

„Als ich erfuhr, dass...in der schweren Marsch bei Eddelack eine große Menge Urnen ausgegraben wurde...“

von Jens Martensen, Eddelak, und Dirk Meier, Wesselburen


Ein Marner Arzt als erster Marschenarchäologe "Als ich Ende November vorigen Jahres zufällig erfuhr, daß auf einem Krug mitten in der schweren Marsch bei Eddelack eine große Menge Urnen ausgegraben wurde, die aber fast alle zerbrächen, fuhr ich selbst dorthin, um mich von der Wahrheit des Gehörten zu überzeugen."

Mit diesen Worten beginnt der auch in Eddelak praktizierende Arzt Dr. med. Ernst Gotthilf Rudolph Hartmann aus Marne seinen "Bericht über den Alterthumsfund bei Eddelack in Süderdithmarschen" in den Itzehoer Nachrichten von 1878 (Abb. 1). Das war vor 126 Jahren (HARTMANN 1878b). Dieser lieferte die Beschreibung eines für Dithmarschen beispiellosen Fundes. Etwa 800 m westlich des auf einer Nehrung liegenden Ortes Eddelak erfolgte, ausgelöst durch die marschentypische Drainage und Melioration eines Ackers auf dem Grundbesitz von Herrmann Claußen (Abb. 2-5), durch Gewinnung von kalkhaltigem Klei aus Gräben ("Pütten"), eine der ersten Aufdeckungen einer prähistorischen Siedlung in Schleswig-Holstein (Abb.4). In dem 2,80 m breiten und 210 m langen Graben fanden sich mehrere Pfosten. An einem Ende des Grabens waren diese halbkreisförmig angeordnet, am anderen Ende standen diese in zwei parallel laufenden Reihen etwa 3 m weit auseinander. In der Mitte befand sich ein Einzelpfosten (Abb. 6). Nach Ansicht von Hartmann lag die „Wohnstätte“ auf einer Insel, die von einem tiefen, breiten Graben mit einer Palisadenwand umgeben war. Diese Anlage sollte die „Wohnstätte“ vor Angriffen schützen. Nach heutigem archäologischen Kenntnisstand könnte Hartmann den Rand von Zäunen erfasst haben, die die Wohnplätze umgaben (vgl. MEIER 2001b, 76 ff.). Die Auswertung der Fundstelle gab erstmals einen Einblick in eine eisenzeitliche Marschensiedlung und erlaubte darüber hinaus folgende Feststellungen:

1. In der späten Eisenzeit war es im Raum Eddelak in der römischen Kaiserzeit möglich, auf höheren Uferwällen entlang der Binnenpriele ohne Wurten zu siedeln. Darauf deuten die 1877 in Eddelak, Ortsteil Behmhusen, gemachten Funde hin.

2. Die Tierknochenfunde von Haustieren (Rind), Wildtieren (Hirsch) und Fischen (Stör) sowie zahlreiche archäologische Funde wie Keramik, Webgewichte aus Ton sowie Reste von verbranntem Wandlehm erlaubten einen Einblick in die Lebens- und Wirtschaftsweise der Marschensiedlung. Erhaltene, ausgestellte Geweihreste aus dem Eddelaker Fund im Skatclubmuseum Marne lassen den Schluss zu, dass tatsächlich Rothirsche im Fundmaterial belegt sind. Vermutlich erfolgten Jagdzüge bis auf die bewaldete Geest, denn Hirsche sind im Unterschied zu Rehen reine Waldtiere. Aus den zusammengesetzten Töpfen ragten solche heraus, die später von F. TISCHLER (1939) als aufgrund ihrer charakteristischen Form als „Eddelaker Töpfe“ bezeichnet wurden. Die ersten Funde aus dem Jahr 1877 erhielten die Kieler Sammlungsnummer (K.S.-Nr.) 4236. Weitere Funde mit der K.S.-Nr. 14500 gehören ebenfalls zur alten Fundstelle. Diese Funde waren lange Zeit im privaten Besitz von Hartmann und gelangten dann in das Museum für Vaterländische Altertümer nach Kiel, heute Stiftung Archäologisches Landesmuseum Schleswig. http://www.dithmarschen-wiki.de/skins/common/images/button_link.png

Ein Fräulein Professor schaltet sich ein...

Während die archäologischen Funde im Rahmen einer Magisterarbeit am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Kiel in neuerer Zeit ausgewertet wurden (NIELSEN 1989), geriet die Lage des eigentlichen Fundortes in Vergessenheit. Zwar hat HARTMANN (1878a) eine Vielzahl geographischer Informationen in seinen Bericht eingebaut, doch sind diese widersprüchlich, wie der am Archäologischen Landesmuseum in Schleswig archivierte Nachlass zeigt. Auch die Eddelaker Chronik irrt im personenbezogenen Detail (Eddelak 1994, 23, 75). Bereits die Aufdeckung der Fundstelle hatte 1878 zu einer Diskussion zwischen den Fachleuten geführt, so insbesondere mit Prof. Johanna Mestorf, der späteren ersten Professorin in Deutschland und Leiterin des Museums Vaterländischer Altertümer. Sie besuchte zweimals den Fundplatz mit Mitgliedern des Anthropologischen Vereins.

Ihre Beschreibung der Fundstelle sei im folgenden wörtlich an Hand eines Zeitungsberichtes aus den Itzehoer Nachrichten von 1878 wiedergegeben:

Zu dem Funde bei Eddelack von J. Mestorf.

Der Bericht des Herrn Dr. med. H a r t m a n n in Marne in den Nummern 60 bis 62 der "Itzehoer Nachr." über die Aufdeckung einer vorhistorischen Ansiedelung bei Eddelack in Süderdithmarschen hat den Lesern zur Genüge gezeigt, daß wir die Kenntniß dieser nicht nur archäologisch, sondern auch historisch wichtigen Erscheinung lediglich den Beobachtungen des Berichterstatters an Ort und Stelle verdanken. Ich habe deshalb Herrn Dr. H a r t m a n n 's Mittheilungen über diesen interessanten Fund nicht vorgreifen wollen und mich darauf beschränkt, die Ergebnisse der vom Vorstande des anthropologischen Vereins vollzogenen Ortsuntersuchung in der "Kieler Ztg." zur weiteren Kunde zu bringen. Herr Dr. H a r t m a n n hat, wie aus seiner Erklärung des Fundes hervorgeht, meine Bestimmungen im Allgemeinen, wie in den Einzelheiten großentheils angenommen und äußert nur über einige Puncte abweichende Meinung. Es scheint mir deshalb wünschenswerth, meine Ansichten über die räthselhaften Bodenerscheinungen hier zu begründen.

Daß mitten in der Marsch, als sie vor der Eindeichung noch täglich den Einwirkungen der Ebbe und Fluth ausgesetzt war, eine größere Ansiedelung, und zwar nicht auf Wurthen, sondern auf dem gewachsenen flachen Boden bestehen konnte, ist, so weit ich die Verhältnisse der Gegend zu beurtheilen vermag, nur durch spätere Niveauveränderungen des Bodens zu erklären. Sahen die Einwohner sich in Folge einer solchen, d. h. einer Senkung des Bodens, wegen dadurch herbeigeführter Ueberschwemmung, gemüssigt, ihre zerstörten Wohnungen zu verlassen und sich auf die nahe gelegene Geest zu flüchten, da war eine Wiederherstellung derselben ausgeschlossen. Wäre sie dahingegen, wie Herr Dr. H a r t m a n n annimmt, durch eine Feuersbrunst eingeäschert, da hätte ihrem Wiederaufbau kein natürliches Hinderniß im Wege gelegen. Angenommen also, daß in Folge einer Bodensenkung das Gebiet unter Wasser gesetzt worden, da bildete sich durch Niederschlag in demselben die Erdschicht, welche gegenwärtig zu Tage tritt. Durch eine Aenderung im Laufe der Ebbe oder ähnliche Vorgänge, die sich unserer Beobachtung entziehen, wurde das Land wieder trocken gelegt und später durch Eindeichung abermals bewohnbar. Die Ueberreste der älteren Ansiedelung waren durch die überlagernde Ackerkrume den Augen entzogen und ebenso spurlos, wie die Merkmale von der Oberfläche des Terrains, waren aus der Erinnerung der Landesbewohner die Erzählungen von dem Vorhandensein und dem Untergange derselben verschwunden. Gegen eine Zerstörung durch Feuer spricht nach meiner Meinung noch manches Andere.

Herr Dr. H a r t m a n n stützt seine Ansicht hauptsächlich auf die ziegelrothen Gefäßscherben und Wandbewurf-Ueberbleibsel. Was erstere betrifft, so sind sie in bedeutender Minderzahl gegen diejenigen, welche keinem Feuer ausgesetzt gewesen, und obendrein wurden die rothgebrannten Scherben, welche die Vorstandsmiglieder des anthropologischen Vereins bei ihrer Anwesenheit am 20. und 21. März auflasen, an e i n e r Stelle beisammen gefunden, die sich an der senkrechten Grabenwand wie eine ziegelrothe Mulde abzeichnete und in Gestalt einer Rinne unter dem Boden hinlief. Leider war die Strecke, die wir verfolgen konnten, zu gering, um eine Erklärung für die seltsame Erscheinung zu finden; beachtenswerth ist indessen, daß diese Mulde oder Rinne, die offenbar der Einwirkung eines starken Feuers ausgesetzt gewesen war, längs dem äußeren Rande jenes Grabens hinlief, von dem Herr Dr. H a r t m a n n annimmt, daß er die Ansiedelung rings umflossen habe.

Die formlosen Thongebilde, welche ich, gestützt auf Beobachtungen in anderen Ländern, als Ueberreste von dem Wandbewurf der Häuser auffasse, sind so spärlich vertreten, daß sie nicht ausreichen würden für eine einzige Wand. Dies ist um so auffälliger, als die Trümmer des irdenen Hausgeräthes zahllos sind. Es scheint mir deshalb glaubwürdig, daß die Lehmplatten sich in dem feuchten Erdboden, bezw. im Wasser aufgelöst und nur solche Stücke sich erhalten haben, welche der Gluth des Herdfeuers ausgesetzt gewesen, welches auch die als Estrich gedeuteten Flächen ziegelroth gefärbt hatte. Im Uebrigen ist nicht ausgeschlossen, daß dann und wann einzelne Hütten durch Feuer zerstört wurden. Wäre aber die ganze Ortschaft von solchem Unglück betroffen, so würden die Ueberreste der im Feuer gehärteten Wandbekleidungen kaum minder zahlreich vertreten sein, als die irdenen Scherben.

Im Hinblick auf die große Mannichfaltigkeit der Gefäße bezüglich der Formen, der Ornamente, der Verschiedenheit des Thones und der Bearbeitung desselben, theile ich durchaus die Meinung des Herrn Dr. H a r t m a n n, daß die Ansicht, es sei dort eine große Töpferei der Vorzeit aufgedeckt, jeder Begründung ermangelt. Ich halte indessen für ebenso wenig glaubwürdig, daß die verschiedenen Gefäße, welche gleichzeitig in den Dwog eingebettet wurden, sämmtlich das Erzeugniß einer örtlichen Industrie gewesen, vielmehr nehme ich an, daß die feineren, mit Strichen und Tupfen schön verzierten und sauber geglätteten Gefäße den Colonisten von auswärts zugeführt worden sind. Die von mir seiner Zeit hingeworfene Aeußerung, die alten Eddelacker schienen Viehzucht und Milchwirthschaft betrieben zu haben, dürfte ihre Berechtigung finden. Unter den animalischen Ueberresten sind nämlich die Rinderknochen am zahlreichsten vertreten. Doch kann ich nicht umhin, zu bemerken, daß Herr Professor M ö b i u s, wenn er diese Knochen als vom bos primigenius [Ur] bestimmte, nicht damit aussprechen wollte, daß sie die ausgestorbene Art vertreten, sondern nur, daß unser Rind dem bos primigenius am meisten ähnele. Vielleicht waren Vieh, Butter und Käse (und Bernstein?) die Handelsartikel, welche einen Verkehr nach auswärts anbahnten, durch welchen den Einwohnern mancherlei Waaren zugeführt wurden.

Ob die Niederlassung eine durch einen Pfahlgraben verschanzte Insel gebildet, ist wohl schwer zu beweisen. Gewiß hat Herr Dr. H a r t m a n n bei n e u n z e h n m a l i g e m Besuch der Fundstätte Gelegenheit zu eingehenderen Beobachtungen gehabt, als wir während eines zweitägigen Aufenthaltes. Was wir gesehen, genügte nicht, um das einstmalige Vorhandensein eines rings um die mit Scherben durchsetzte Fläche fließenden Grabens außer Zweifel zu stellen. Wir hatten nur Gelegenheit, uns von dem Vorhandensein von Pfählen in einem verschütteten Graben zu überzeugen, zwischen welchen unzählige irdene Scherben und Thierknochen lagen, aber nur auf einer Strecke von einigen Meter Länge. Auch die Arbeiter schienen d a m a l s von dem Verlauf des Grabens keine Vorstellung zu haben.

Herr Dr. H a r t m a n n vergleicht diese Spuren einer in vorgeschichtlicher Zeit untergegangenen Wohnstätte mit den Norditalischen terramaren, und zwar mit Recht. Mehr noch erinnerte mich die Gegend an eine ähnliche Oertlichkeit auf der Mälarinsel Björkö, wo vor einigen Jahren der Platz nachgewiesen wurde, auf welchem die gegen Ende des 11. Jahrhunderts untergegangene Stadt Birka gelegen war, wo einst A n s g a r beim König B j ö r n gastliche Aufnahme gefunden hatte. Ueber die Lage dieser Stadt war vielfach gestritten worden, jetzt ist sie außer Zweifel gestellt, und in dem Königl. Museum in S t o c k h o l m findet man die überreiche Ausbeute der auf Kosten der Regierung von sachkundigster Hand geleiteten Ausgrabungen. Centnerweise wurden die ausgehobenen Thierknochen untersucht und zugleich der Küchenzettel der alten Birkaer ausgestellt, welche z. B. verschiedenes Geflügel zu ihren Schmäusen weit her aus den Scheren bezogen hatten. Vergrabene Silberschätze zeugten von dem Antheil, den Birka an jenem Handel nach dem fernen Osten gehabt, welcher auch unser Land berührte und uns Kufische Münzen und orientalischen Silberschmuck zuführte. Irdene Scherben, mancherlei Geräth von Metall, Holz und Knochen, Perlen und anderer Schmuck, bieten ein reiches Material, um die Cultur- und Verkehrsverhältnisse der weit berühmten Handelsstadt zu erforschen. Und alle diese Dinge lagen verborgen unter einem flachen Kartoffelfelde, welches sich nur durch ein auffallend dunkles Erdreich von den angränzenden Feldern unterschied und deshalb von den Insulanern "die schwarze Erde" genannt wurde. Die dunkle Farbe rührte von Kohlentheilchen her, mit welchen das Erdreich durchsetzt war, und es liegt nahe, daß auch dort die Ansicht, die Stadt sei durch Feuer zerstört worden, sich geltend machte. Herr Dr. S t o l p e, welcher die Ausgrabungen leitete, hat indessen nachgewiesen, daß diese Kohlen lediglich von den Rückständen der Kamin- und Herdfeuer herrühren, zumal eine Feuersbrunst, welche so viel Nahrung gefunden, daß sie nach achthundert Jahren noch den Boden mehrere Fuß tief schwarz färbt, auch die in denselben eingebetteten Holz- und Metallgeräthe zerstört oder mehr oder minder angegriffen haben würde. Diese schwarze Erde auf der Insel Björkö, wo gleichfalls tiefe Gräben gezogen waren, an deren Wandungen mehr oder minder schadhafte Gefäße, Knochen und andere Dinge hervorsteckten, trat mir auf der Eddelacker Fundstätte lebhaft vor Augen. Leider konnte hier von einer methodischen Untersuchung nicht die Rede sein. Die Erdarbeiten waren im landwirthschaftlichen Interesse unternommen und fortgeführt, die wissenschaftlichen Beobachtungen waren Nebensache und beschränkten sich auf zufällige Wahrnehmungen. Sie konnten deshalb nur oberflächlich sein, weshalb bei den daraus gezogenen Schlüssen die größte Vorsicht geboten ist. Trotzdem liegt e i n bestimmtes Ergebniß vor.

Wir haben nicht wegzuläugnende Belege dafür, daß mitten in der Marsch vor Eindeichung derselben eine größere Ansiedelung bestanden hat, nicht auf Wurthen, sondern auf dem flachen Boden, deren Bewohner im Besitz unserer heutigen Hausthiere waren und folglich wohl durch V i e h z u c h t und damit verbundene M i l c h w i r t h s c h a f t ihren Unterhalt fanden. Sie besaßen ferner mancherlei Hausgeräth und verschiedene Putzartikel, die sie auf dem Wege des H a n d e l s sich erwerben mußten; die Frauen s p a n n e n und w e b t e n, wonach zu vermuthen, daß ihre Kleidung sich nicht auf Thierfelle oder Pelzröcke beschränkte. Hiernach dürfte der Satz in unseren Geschichtsbüchern, daß "die Bewohner der Marschen erst nach der Eindeichung, etwa im 12. Jahrhundert, Viehzucht und Ackerbau treiben konnten, bis dahin auf Wurthen wohnend, durch Jagd und Fischfang kümmerlich ihr Leben fristeten," - fortan eine Berichtigung fordern.

Freilich wissen wir bis jetzt nur von einer einzigen derartigen Ansiedelung aus den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung; allein es ist kaum anzunehmen, daß sie die einzige gewesen sei. Die Beweise hierfür sind von künftigen ähnlichen Beobachtungen zu hoffen. Die Kunde von einem vorgeschichtlichen E d d e l a c k verdanken wir, wie oben gesagt, den unermüdlichen Nachforschungen des Herrn Dr. H a r t m a n n - Marne, d. h. in zweiter Linie; in erster Linie gebührt unser Dank den Arbeitern E r l i n g und K u h l m a n n Gebr. (und noch einem vierten, dessen Name mir entfallen), welchen die seltsamen Erscheinungen auffallend genug dünkten, um darüber zu reden, und nicht sobald die Bedeutung derselben erfahren hatten, als sie mit lebhaftem Interesse und vielem Verständniß beobachteten, was der Spaten aufwarf, und mit scharfem Blick oft äußerst zarte Gegenstände in dem zähen Schlick entdeckten und mit Sorgfalt aushoben.

Mir war dies eine erfreuliche Bestätigung des oft von mir ausgesprochenen Satzes, daß der Archäologe unter den Arbeitern auf dem Lande seine schätzenswerthesten Mitarbeiter suchen und finden soll. Da zu erwarten, daß die genannten braven Männer noch manchen Krug "pütten" (tief graben) werden, so dürfen wir hoffen, daß wann und wo ähnliche Funde an Ueberresten aus der Vorzeit zu Tage treten, sie nicht ermangeln werden, uns rechtzeitig davon in Kenntniß zu setzen. Kiel, im Juni 1878. J. Mestorf.


Itzehoer Nachrichten, 1878, Nr. 72 (25.06.1878), S. 3, Spalten 10-11 Quelle: Kreisarchiv Steinburg / Stadtarchiv Itzehoe.

Über einige Jahre lässt sich der Disput über die Eddelaker Funde nicht nur in der Fachliteratur, sondern auch in der Tagespresse verfolgen. Von einem Urnenfeld, einer reinen Grabstätte also, war darin ebenso die Rede wie von einem saisonalen Töpfereibetrieb. Doch dieser Disput endete bald mit der Überzeugung, dass hier eine Wohnsiedlung aus der römischen Kaiserzeit, somit der Zeit zwischen Chr. Geb. und 400 n.Chr., vorlag.

Weiterhin offen ist die Frage, welche Ausdehnung diese Wohnstätte nach einer archäologisch aus dem Fundmaterial erschließbaren Siedelzeit von 200 bis 250 Jahren erreicht hatte. Hartmann selbst wagte eine erste Schätzung mit "2 5/6 Hectar oder reichlich 28.000 Quadratmeter", somit 2,8 ha (HARTMANN 1878a). Anhand der nur archivalisch überlieferten Fundstreuung ist es ohne neuere Ausgrabungen aber schwierig, sich ein genaues Bild von der Ausdehnung der Siedlung zu machen. Mit Hilfe der im westlichsten "Püttloch" gefundenen Pfähle, deren exakte Funktion letztlich nicht geklärt werden konnte, ist ein einfacher Flächenabgleich möglich. Unter der Annahme, dass die Pfähle die Ausdehnung eines Kernbereichs begrenzt haben können, folgt eine eingeschlossene Fläche von 3 ha. Diesen Gedanken hat Hartmann aber auf Grund der Befunde verworfen.

Hartmann konnte sich dabei auf die Tatsache stützen, dass in den Vorjahren bei gleichen Erdarbeiten auf den seitlichen Nachbarkrügen ebenfalls reichlich "Scherben" festgestellt worden waren, die nicht bekannt wurden (Abb. 5). Alle Versuche, vollständig erhaltene Tongefäße unversehrt zu bergen, waren fehlgeschlagen und hatten mit Zerstörung und Vernichtung geendet..

Seine fachliche Mentorin Johanna Mestorf überzeugte ihn und bestärkte ihn in vielen seiner Analysen. Seine im Nachlass mehrmals genannte, eigene Schätzung nimmt sich so vorsichtig aus, dass er daraufhin in seinen Bericht mit 5 bis 6 ha einen Kompromiss angesetzt hat, wenn hier von der Existenz eines der von HARTMANN (1878a) später gegenüber Mestorf ausdrücklich beklagten Druck- und Setzfehler abgesehen wird. Schon wenig später nimmt Mestorf selbst eine größere Ausdehnung ("von über 10“ [ha]) als erwiesen an, nachdem 1879 nun auch das nördliche Flurstück beim "Pütten" kaum bekannte archäologische Funde freigegeben hatte (MESTORF 1881). Was den Scherbenfundbereich angeht, so bleibt die Ausdehnung nach Süden bei Hartmann als nicht erwähnt offen (Abb. 5). Lediglich in seinem Nachlass finden sich Hinweise, dass er von Funden in der Gemarkung Westerbüttel Kenntnis gehabt, einen Zusammenhang aber nicht gesehen oder nur nicht beschrieben hat (HARTMANN 1878a)

Hartmanns Berichterstattung hat eine breite Aufmerksamkeit ausgelöst, die zu ergänzenden Meldungen führten. Auf diese Weise wurde bekannt, dass im Jahre 1860 im fraglichen Nachbarbereich aufrecht stehende Tongefäße dicht unter der Oberfläche gefunden worden waren (Abb. 5). Dieser Zufall wiederholte sich nun 1878 beim "Grabenkleien" auf dem gleichen Krug (CARLAU 1878). Aufgrund der nicht erhaltenen Funde ist eine gesicherte Zuordnung zu den Eddelaker Funden Hartmanns nicht mehr möglich, aber viele Details sprechen für einen Zusammenhang, vielleicht auch für eine Zusammengehörigkeit. Der unmittelbare Süden scheint ebenfalls zum Bereich der Eddelaker Siedlung zu gehören. Damit lässt sich eine Scherbenstreuung von mehr als 10 ha annehmen.

Nicht zutreffend erwies sich jedoch seine Deutung, dass die Siedlung auf einer befestigten Insel lag. Wenn er – wie Johanna Mestorf in ihrem Zeitungsartikel andeutet – die Eddelaker Befunde mit den norditalischen „Terramaren“ vergleicht, so ist dazu eine kurze Erläuterung notwendig. „Terramaren“ werden jene befestigten Siedlungen genannt, die während der mittleren Bronzezeit, zwischen 1600 und 1200 v.Chr. in der mittleren Poebene existierten (BERNABÒ BREA 1997, 63 ff.). Ihre wissenschaftliche Erforschung begann um 1860 im Zusammenhang mit den Untersuchungen der zirkumalpinen Pfahlbausiedlungen. Diese übten einen großen Einfluss auf die europäische Archäologie aus. Es gab Versuche, die alten Wurten in den Niederlanden als Überreste von Pfahlbausiedlungen zu deuten. Mit den Beobachtungen bei den Abgrabungen der Wurt von Fahrstedt 1881 bei Marne hat sich HARTMANN (1883) aber dann von diesen Vermutungen distanziert und erstmals einen Wurtenaufbau beschrieben.


Frühe planmäßige Forschungen

Die planmäßige Erforschung der Wurten in Deutschland wurde von dem Kieler Universitätsprofessor Gustav Schwantes im Jahre 1935 eingeleitet. Er beauftragte Dr. Werner Haarnagel, einen Geologen und siedlungsarchäologisch geschulten Geographen, mit Kartierungen, Bohrungen und systematischen Grabungen schleswig-holsteinischer Wurten. Haarnagel war 1932 als junger Student Schüler und Mitarbeiter Heinrich Schüttes in Oldenburg gewesen und brachte daher Erfahrungen in der Kombination geologischer und archäologischer Forschungen mit. Seine Untersuchungen im Jahre 1935 erstreckten sich von der Elbmarsch über Dithmarschen bis hin nach Eiderstedt und Nordfriesland. Aufgrund der bescheidenen Finanzierung wurden nur Bohrungen und kleine Sondagen in den Marschensiedlungen Hodorf in der Störmarsch, Eddelak und Tofting bei Tönning durchgeführt. Die dabei erzielten Ergebnisse bewirkten, dass 1936 zwischen der Provinzialverwaltung Hannover für die Provinzialstelle für Urgeschichte im Landesmuseum Hannover und dem wissenschaftlichen Sachbearbeiter Haarnagel ein Vertrag geschlossen wurde, nach der er die im niedersächsischen Küstengebiet gelegenen Wurten erfassen sollte, während in Schleswig-Holstein zwischen 1942 und 1944 erstmals Karl Burk alle Warften kartierte. Damit wurde auch eine überregionale gemeinschaftliche Forschungsarbeit zwischen den Landesmuseen in Kiel und Hannover ermöglicht, die mit Hodorf 1936/37 auch eine größere Flachabdeckung der in der Störmarsch gelegenen Flachsiedlung erlaubte (BEHRE U. SCHMID 1998, 9 ff.). Diese erste systematische Siedlungsgrabung im deutschen Küstengebiet führte zur vollständigen Freilegung gut erhaltener Wohnstallhäuser. Noch bevor Hodorf als Platz für eine größere Grabung ausgewählt wurde, legte Haarnagel 1935 in Eddelak einen Suchgraben an. Nach 1945 entstand aus der 1938 gegründeten Provinzialstelle für Wurtenforschung in Hannover das Institut für Marschen- und Wurtenforschung in Wilhelmshaven, das zunächst von Haarnagel geleitet wurde. In Schleswig-Holstein wurden küstenarchäologische Untersuchungen nach 1945 vor allem durch die ehemalige Abteilung Marschenforschung am Archäologischen Landesamt unter Leitung von Dr. Albert Bantelmann durchgeführt, zwischen 1989 bis 2002 dann von der Arbeitsgruppe Küstenarchäologie des Forschungs- und Technologiezentrums Westküste unter Leitung von Dr. Dirk Meier. Mit der Schaffung der Arbeitsgruppe Küstenarchäologie wurde dann die nationale und internationale Kooperation im Nordseeküstengebiet fortgesetzt und erheblich erweitert. Die moderne küstenarchäologische Forschung verdankt Albert Bantelmann und Werner Haarnagel viel, waren sie es doch, die die ersten systematischen Ausgrabungen von Wurten durchführten. Da die 1936 eingeleiteten Ausgrabungen in Hodorf alle seinerzeitigen Kräfte banden, unterblieben systematische Untersuchungen in Eddelak. Auch der Bericht von Haarnagel ist bezüglich der Funde von Eddelak nicht widerspruchsfrei und es ist fraglich, ob er genau an der Fundstelle von Hartmann untersucht hat. Da die Unterlagen vermutlich im Landesmuseum von Hannover während des zweiten Weltkrieges verloren gingen, lassen sich zu den Ausgrabungen von Haarnagel keine weiteren Angaben machen. Die Zeitungsberichte besagen im wesentlichen, dass beiderseits der (aus 1931 stammenden Trasse der) K 3, also auf den alten Flurstücken 90 und 98, vielleicht auch 91, eine "Unmenge von Scherben" gefunden wurden (Abb. 5; Abb. 8). Die Berichte kündigten für 1936 Anschlussuntersuchungen an, die wahrscheinlich aber nicht erfolgten. Vermutlich dürften die nun von Haarnagel in Hodorf in der Störmarsch eingeleiteten intensiven Untersuchungen Vorrang gehabt haben. Im Unterschied zu Mestorf ging Haarnagel von einer geringeren Größe der Siedlung mit einer Ausdehnung von etwa 2 ha aus (HAARNAGEL 1935, 249; 1940, 90). Möglicherweise sind seine Bohr- und Grabungsergebnisse aus dem Jahre 1935 in diese Vermutung eingeflossen. Die mit dieser Festlegung verbundenen Überlegungen sind jedoch nicht bekannt, so dass hier der Versuch gemacht wird, zwischen der Scherbenstreuung und dem eigentlichen Wohnstättenbereich, der hauptsächlich durch die gefundenen Estriche identifiziert ist, zu differenzieren, um so zu einer Erklärung für die geringere Fläche zu kommen. Estriche wurden von Hartmann nur auf der Nordseite und mit kleineren Einheiten in der Mitte des bearbeiteten Flurstücks festgestellt Auf dieser Grundlage ergibt sich für den reinen Wohnstättenbereich eine Fläche von deutlich weniger als 2 ha, so dass die Frage letztlich offen bleiben muss. Wie Hartmann bezeichnet auch Haarnagel Eddelak als Flachsiedlung, deren mit Mist und Brandschutt durchsetzte Siedlungsschicht in einer Mächtigkeit von 0,20 bis 0,50 m dicht unter dem Humus angetroffen wurde. Umso bedauerlicher ist es, dass nach der Entdeckung der Fundstelle von Eddelak mehr zerstört als gesichert wurde und neuere archäologische Untersuchungen fehlen. Vielleicht könnten diese zu einer Neubewertung der Fundstelle führen. Bleibt abschließend zu fragen, in welchen Zusammenhang die Funde von Eddelak heute gesehen werden müssen.

Eddelak im Spiegel der heutigen archäologischen Forschung

Die landschafts- und siedlungsgeschichtlichen Untersuchungen der Arbeitsgruppe Küstenarchäologie des Forschungs- und Technolgiezentrums Westküste (MEIER 2001a.b) erlauben diesbezügliche Aussagen. Nach den Ausgrabungen in Süderbusenwurth (MEIER 2001b; 2003) kann man annehmen, dass spätestens seit der Mitte des 1. Jahrhunderts n.Chr. die Seemarschen mit ihren ausgedehnten Salzwiesen im Westen des Süderdithmarscher Küstengebietes besiedelt wurden. Zu den in dieser Zeit existierenden zu Wurten aufgehöhten Marschensiedlungen gehören nach Aussage von Bohrsondierungen neben Süderbusenwurth auch die Kerne der Wurtendörfer Trennewurth und vermutlich Darenwurth (Abb. 2). So datierte eine Mistschicht an der Basis der Dorfwurt Trennewurth in die ältere römische Kaiserzeit, vielleicht auch ausgehende vorrömische Eisenzeit (KI-3982 2060±55 BP, kalibriert 200 v.Chr. – 55 n.Chr.). Wie Süderbusenwurth und Trennewurth besteht auch die Dorwurt Darenwurth aus einer Folge von Mistschichten, abdeckenden Kleilagen und Brandschichten, wie sie typisch für die Wurten des 1. nachchristlichen Jahrtausends ist. Hingegen scheint nach den Funden von Muschelgruskeramik zu schließen, die Wurt von Fahrstedt bei Marne erst im frühen Mittelalter entstanden zu sein. Bei einem Anschnitt während des Straßenbaus 1881 hatte HARTMANN (1883) hier erstmals in Deutschland einen Wurtenaufbau dokumentiert, die Wurt anhand der Funde aber fälschlich in die Eisenzeit datiert. Bei Krumwehl westlich von Helse kamen in kleiner Sondage ferner Reste einer überschwemmten Flachsiedlung der römischen Kaiserzeit zu Tage. Auch die mehr landwärts gelegenen Bereiche der Seemarschen, wie im Gebiet von Ostermenghusen, waren in der römischen Kaiserzeit besiedelt.

Ausgehend von den bereits von Hartmann 1883 erwähnten Funden von Keramik, Webgewichten, Resten von Mahlsteinen, Eisenschlacken und Holzresten der römischen Kaiserzeit erfolgten hier durch die Arbeitsgruppe Küstenarchäologie 1999 Bohruntersuchungen, die Siedlungs- und Mistschichten des 1. nachchristlichen Jahrtausends dokumentierten. Leider war es nicht möglich, die Wurt zu untersuchen, da der Besitzer einer Ausgrabung mit Entschädigung nicht zustimmte (Abb. 2).

Ostermenghusen liegt bereits am Rand zu dem während des 1. Jahrtausends n.Chr. vermoorten Sietland. Reste von Torfen sind hier meist nur unter mittelalterlichen Hofwurten, wie in Barlt, Volsemenhusen und Westerbüttel erfasst (Abb. 2). Während der hoch- und spätmittelalterlichen Bedeichung und Entwässerung des Sietlandes verschwanden die Moordecken. Während der römischen Kaiserzeit bildete der innere Teil der alten Marsch Süderdithmarschens somit eine besiedlungsfeindliche Landschaft aus Mooren, Schilfdickichten und Restseen.

Die Anlage von Siedlungen musste sich somit auf die Uferwälle entlang der das Sietland durchziehenden Priele beschränken. Das umgebende zumindest stauwasserreiche, wenn nicht vermoorte Sietland begrenzte jedoch die Ausdehnung der Wirtschafts- und Siedelflächen. Somit war auch in Eddelak keine über Jahrhunderte platzkonstante Besiedlung möglich. Wahrscheinlich verlagerten sich auf dem Uferwall die Häuser, was die Ausdehnung der Scherbenstreuung andeuten könnte. Möglicherweise waren die nahe gelegenen höher gelegenen Sandwälle bereits besetzt, so dass die Siedler hier auf die Uferwälle in der vermoorten Sietlandsmarsch ausweichen mussten. Wie die Analyse der archäologischen Funde zeigt, fällt die Hauptsiedlungszeit in das 2. und 3. Jahrhundert n.Chr.. Einige Elemente der Keramik weisen ihrer Tradition nach aber auch in das 1. und 4. Jahrhundert n.Chr. (NIELSEN 1989, 53 ff.).

Die Siedlung ging wohl nicht aufgrund einer Feuersbrunst zugrunde, wie Hartmann annahm, sondern aufgrund der durch den Naturraum eingeschränkten Wirtschaftsflächen. Bereits Mestorf hatte nicht an ein Ende der Siedlung durch einen Brand geglaubt. Sie nahm vielmehr eine Senkung der Marsch an, die dadurch eine Überflutung durch das Meer erleichterte. Es sollte noch bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts dauern, bis sich nach einer intensiven, teilweise polemischen Diskussion bewahrheitete, dass nicht das „Land sank“, sondern der Meeresspiegel seit der römischen Kaiserzeit angestiegen war.

Ein Vergleichsbeispiel zu Eddelak stellt die in Ausgrabungen von Albert Bantelmann gut untersuchte Marschensiedlung Ostermoor bei Brunsbüttel dar (Abb. 2; Abb. 10). Hier bestanden im 1. und 2. Jahrhundert in reihenförmiger Anlage zu ebener Erde mehrere Wohnstallhäuser, die aufgrund der Ausdehnung der Sietlandsvermoorung früh aufgegeben wurde (BANTELMANN 1957/58). Ohne neuere Untersuchungen aber, die dringend erforderlich sind, lässt sich die Siedlungsgeschichte Eddelaks und des Süderdithmarscher Küstengebiets nicht klären.

Die zwischen 1989 und 2002 durchgeführten interdisziplinären Untersuchungen der Arbeitsgruppe Küstenarchäologie haben nicht nur wissenschaftlich hochwertige Ergebnisse geliefert, sondern bilden ergänzt um eine Erfassung der Kulturlandschaft auch die Basis für eine nachhaltige Entwicklung des Tourismus, wie das Touristische Leitsystem Dithmarschen zeigt (TOURISTIKZENTRALE DITHMARSCHEN U. VEREIN FÜR DITHMARSCHER LANDESKUNDE 2003). Wenn, wie geplant, im Westküstenpark von St. Peter-Ording, Wohnstallhäuser der frühen Marschenbesiedlung in einer nachempfundenen Umwelt als Nachbauten wieder entstehen, wird die Vergangenheit anschaulich dargestellt werden können (Abb. 11). Eine zeitgemäße erlebnishafte Präsentation der eng miteinander verbundenen Landschaftsentwicklung und Siedlungsgeschichte der Nordseeküste ist bis heute ein Desiderat. Mit der detektivischen Arbeit von Jens Martensen sind aber erstmals die Funde von Eddelak dem Vergessen entrissen.

Anhang: Auszüge aus Presseberichten und Dokumenten

Hartmann erwähnt in seinen Berichten mehrfach das Vorhandsein von Knochen des Ur (bos primigenius). Dies bedarf einer näheren Erläuterung.

Behmhusen bei Eddelak: „... eine große Menge der verschiedensten theils ganzer, theils zerschlagener Knochen von verschiedenen Hausthieren und vom Urstier, Bos primigenius“. Itzehoer Nachrichten 1878.

„... mehrere Zähne und Unterkieferstücke vom Bos primigenius“. Itzehoer Nachrichten 1878.

„Arm- und Beinknochen, Ober- und Unterkiefer, Stirnzapfen und Backenzähne vom Bos primigenius.“ Nachlass Hartmann (Korrespondenz) 1/1878 D, S. 1.

"Mönkenkarkhof" in Westerbüttel: „... außerdem der vollständige Oberschenkelknochen von Bos primigenius, den ich vor einigen Jahren an Prof. Möbius schickte“.

1878, Nachlass (Korrespondenz) 1/1878 A, S. 8: „Ferner wurde vor mehreren Jahren ein Oberschenkelknochen von 40 cm Länge und bedeutender Dicke ... südlich von Eddelack gefunden...“ Dithmarscher Wurthen und ihr Packwerkbau 1883.

Dabei handelt es sich jedoch um Rinderknochen. Die Rinder der römischen Kaiserzeit waren kleiner als die heutigen Mastkühe. Alle Knochenbestimmungen Ernst Gotthilf Rudolph Hartmanns wurden von Prof. Möbius durchgeführt. Ob diese Funde noch erhalten sind, ist unklar. Obwohl bereits Mestorf in den Itzehoer Nachrichten 1878 Abstand von der Bestimmung des Urstiers nimmt blieb Hartmann bei der Katalogisierung seiner Sammlung für das Marner Scatclubmuseum bei dieser falschen Beschreibung.

"Unter den animalischen Ueberresten sind nämlich die Rinderknochen am zahlreichsten vertreten. Doch kann ich nicht umhin, zu bemerken, daß Herr Professor Möbius, wenn er diese Knochen als vom bos primigenius bestimmte, nicht damit aussprechen wollte, daß sie die ausgestorbene Art vertreten, sondern nur, daß unser Rind dem bos primigenius am meisten ähnele." J. Mestorf, Itzehoer Nachrichten 1878.


Literatur

Behre u. Schmid 1998: K.E. Behre u. P. Schmid, Das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung. 90 Jahre Forschungsintensität im Küstengebiet (Wilhelmshaven 1998).

Bernabò Brea 1997: M. Bernabò Brea, Die Terramaren der Poebene. In: H. Schlichterle (Hg.), Pfahlbauten rund um die Alpen. Sonderband zur Archäologie in Deutschland (Stuttgart 1997) 63-70.

Carlau 1878: B. Carlau, Das eigentliche Urnenfeld bei Eddelack in Süderdithmarschen, Itzehoer Nachrichten, Itzehoe 1878, Nr.150. Eddelak 1994: Eddelak gestern und heute, Chronik der Gemeinde Eddelak (Eddelak 1994).

Hartmann 1878 a: R. Hartmann, Nachlass, 1878. In: Archäologisches Landesmuseum Schleswig-Holstein. Ortsakte Eddelak.

Hartmann 1878 b: Ders., Bericht über den Alterthumsfund bei Eddelack in Süderdithmarschen, Itzehoer Nachrichten, Itzehoe 1878, Nr. 60 – 62.

Hartmann 1883: Über die alten Dithmarscher Wurthen und ihren Packwerkbau. Zeitschr. Ges. Geschichte Schleswig-Holstein-Lauenburg 13, 1883, 261-266.

Mestorf 1878: J. Mestorf, Zu dem Funde bei Eddelack. Itzehoer Nachrichten 1878, Nr. 72.

Mestorf 1881: Dies., Die Fundstätte bei Eddelack, Heider Zeitung 1881, 11.-13. August.

Haarnagel 1935: W. Haarnagel, Untersuchungen von Marschsiedlungen in Schleswig-Holstein. Nachrichtenblatt für Deutsche Vorzeit 11, 1935, 246-250.

Haarnagel 1940: Ders., Die Marschsiedlungen in Schleswig-Holstein und im linkselbischen Küstengebiet, Problem der Küstenforschung 1, 1940, 87-98.

Meier 2000: Dirk Meier, Landschaftsgeschichte, Siedlungs- und Wirtschaftsweise der Marsch, in: Geschichte Dithmarschens, Boyens, Heide 2000, 71-92.

Meier 2001a: Dirk Meier, Landschaftsentwicklung und Siedlungsgeschichte des Eiderstedter und Dithmarscher Küstengebietes als Teilregionen des Nordseeküstenraumes. Untersuchungen der Arbeitsgruppe Küstenarchäologie des FTZ-Westküste. Teil 1 Die Siedlungen; Teil 2 Der Siedlungsraum. Untersuchungen zur prähist. Archäologie 79 (Bonn 2001).

Meier 2001b: Süderbusenwurth – eine Marschensiedlung der römischen Kaiserzeit. Dithmarschen. Landeskunde – Kultur – Natur 3, 2001, 76-84.

Meier 2003: Siedeln und Leben am Rande der Welt. Von der Steinzeit bis in das Mittelalter. Sonderband Archäologie in Deutschland (Stuttgart 2003).

Nielsen 1989: J. Nielsen, Das Fundmaterial der kaiserzeitlichen Siedlungen von Eddelak und Rickelshof, Dithmarschen. Unveröffentl. Magisterarbeit Universität Kiel Kiel 1989).

Tischler 1939: F. Tischler, Der Topf vom Eddelaker Typ. Ein Beitrag zur Sachsen-Chaukenfrage. Darstellungen aus Niedersachsens Urgeschichte 4, 1939, 307-322.


Anschriften der Autoren:

Dr. Jens Martensen Kampweg 87 25715 Eddelak Telefon: (0 48 55) 13 62

Privat-Dozent Dr. Dirk Meier Nordstrander Str. 3 25764 Wesselburen Email: MeierDrk@aol.com


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