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Hademarschen

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Das Gebiet um Hademarschen war seit der Jungsteinzeit (um 2000 v. Chr.) besiedelt, wie Grabhügel beweisen. Das Dorf selbst mag sich um Christi Geburt entwickelt haben. Um 1200 / 1250 wurde hier eine Kirche zu Ehren des Heiligen Severin erbaut, Reste eines hölzernen Vorgängerbaus wurden unter ihren Fundamenten gefunden.

Von Hademarschen nach Albersdorf führt einer der wenigen gut passierbaren Landwege nach Dithmarschen. Gegen Ende des zwölften Jahrhunderts lies Graf Adolf III. von Holstein die Burg Hanerau als Befestigung der Grenze zu Dithmarschen, als Gut und als Verwaltungssitz für Hademarschen errichten. Mit der Zeit wuchsen Dorf und Gutsbezirk zusammen und bilden heute den Ort Hanerau-Hademarschen.

Bereits im 14. Jahrhundert war der Zoll ein entscheidendes Handelshemmnis, und die Dithmarscher versuchten insbesondere in Verhandlungen mit den Schauenburgern, Zollfreiheit im Handel mit Schleswig und Holstein zu erhalten. Die Person Gerhards des Großen stellt sich dar als die „des nur von den Dithmarschern einmal 1319 im Feld blutig abgeschlagenen Eine erste Zusagen erhielten die Dithmarscher 1323 von Gerhard d. Gr. dem Reichsverweser von Dänemark, Herzog von Schleswig und Grafen von Holstein-Rendsburg (Stoob 1994, S. 164). Nach einer militärischen Niederlage musst Graf Gerhard im Vertrag von Hanerau, einem Friedensschluss, Elbe, Eider, Trenne und Sorge als für die Dithmarscher zollfrei erklärte. Der Meldorfer Gymnasialprofessor Robert Chalybaeus fasst 1888 diesen Friedensschluss so zusammen: „An diesem Tage [dem 21. Juli 1323] schlossen unter Vermittlung Erichs, Herzog von Jütland, Graf Gerhard und seine Bundesgenossen, unter anderen Johann, Bischof von Schleswig, mit den Dithmarschern Frieden auf die Bedingungen hin, 1, daß die Elbe, Eider, Trene (Trea) und Sorge für alle Kaufleut und Schiffende frei sein sollen von allen Hemmnissen und Gewaltthätigkeiten der Dithmarscher, ferner sollen 2, die Tylenburg und das Schloß Hanerau außer aller Gefahr sein; 3, sollen der Graf und seine Erben die Güter, welche ihnen in Dithmarschen zustehen, ohne Widerspruch fernerhin besitzen, wie auch die Dithmarscher die ihrigen in Holstein.“ (Chalybaeus 1888, S. 115)

Kaiser Friedrich III. belehnte am 26. Mai 1473 den Dänischen König Christian I. mit Dithmarschen – zu Unrecht, wie die Dithmarscher meinten: Sie wären seit je dem Bremer Erzbischof untertan und könnten nicht ohne dessen und ihre eigene Zustimmung an einen neuen Herren vergeben werden. Im Zuge dieses Konflikts schlossen der Kö-nig und Dithmarschen zum 1. Mai 1475 einen Waffenstillstand, „was der König unter Vorbehalt seiner Rechte bestätigte, obgleich es, wie er bemerkte, eines solchen nicht bedürfe, da er sich mit den Dithmarschern weder im Kriege noch in einer Fehde noch in einem ausgehenden Frieden befinde. Seine Gerechtsame aber suchte der König dadurch zu wahren, dass die Dithmarscher zu Hanerau wieder Zoll bezahlen mussten.“ (Marten & Mäckelmann 1927, S. 114) So wurde bei Hanerau-Hademarschen, an der wichtigsten Handelsstraße von und nach Dithmarschen, wurde eine Zollstation errichtet und der Zoll am 1. Mai 1475 an den Amtmann Klaus Ratlau verpfändet (Stoob 1959). 1547 gelangt Hanerau mit seiner Zollstation an Kay Rantzau und seinen Sohn Moritz. Als ein Verhandlungserfolg nach der letzten Fehde 1559 kann gelten, dass Dithmarschen den benachbarten Marschlandschaften zollrechtlich gleichgestellt wurde, die bereits Zollfreiheit erhalten hatten (Stoob 1559).

Ein aktenkundiger und immer wieder erscheinender Konflikt um Zollfragen bestand mit den Eigentümern des Gutes Hanerau, Moritz und Detlef Rantzau. Dies Gut lag am Hauptweg von Dithmarschen nach Osten, dies war der einzige Weg von Norder-dithmarschen nach Holstein. Für diesen Weg forderten die Rantzau ebenso Zoll wie für den Nebenweg über den weiter südlich gelegenen Querslippen. Dabei handelten sie im Einvernehmen mit dem Steinburger Amtmann und Gouverneur. Norder- und Süderdithmarschen protestierten, waren jedoch nach der letzten Fehde zunächst zu schwach für wirksame Maßnahmen. Endlich, im Jahr 1577, bauten beide Dithmarschen gemeinsam den südlichen Weg von Schafstedt durch das Eggstedter Holz über Hohenhörn in das Kirchspiel Schenefeld aus. Damit konnte man das Hanerauer Gebiet umgehen. Die Dithmarscher versicherten, diesen Weg auf alle Zeit zu unterhalten, daraufhin ge-währten ihnen die Landesherren die Abgaben- und Zollfreiheit auf diesem Weg. Die Hanerauer Gutsherren und Pächter stellten immer wieder Schlagbäume auf, doch die Dithmarscher wehrten sich und konnten ihre Zollfreiheit, auch durch königliche wie herzogliche Bestätigungen von 1589, 1593, 1601 und 1610, erhalten. Die Besitzer des Gutes Hanerau, Moritz und Detlef Rantzau, waren mutmaßlich aber nicht allzu sehr beeindruckt von diesen Bestätigungen. (Witt 2000, S. 193). Ein Argument der Rantzau und ihrer Pächter war, dass die Zollfreiheit nur für Dithmarscher gelte, doch auch andere Händler den Weg passierten. Besonders für Güter, die nur durch Dithmarschen transportiert wurden und nicht dort verkauft wurden, stehe den Rantzaus ein Zoll zu. „Nach langem Hader mußten sie [die Dithmarscher] sich beque-men, beim Passieren der Zollstätte Namen und Wohnort anzugeben, worauf sie ungehindert weiterfahren konnten. Der damals angelegte Weg ist bis 1857 die Hauptlandstraße von Dithmarschen nach Holstein geblieben.“ (Marten & Mäckelmann 1927, S. 236) Im 19. Jahrhundert waren die kriegerischen Auseinandersetzungen um den Zoll lange Vergangenheit, doch Hanerau-Hademarschen noch einmal für Dithmarschen bedeut-sam, und wieder ging es um die Wirtschaft. In den 1830er Jahren webten Heimarbeiter aus dem nördlichen Dithmarschen im Verlagssystem für die Hanerauer Ellenwarenfabrik (Hansen & Lorenzen-Schmidt 1989). Mit Beginn der Industrialisierung in ausländi-schen Lieferantenländern im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde die Weberei im Verlagssystem praktisch verdrängt. In Hademarschen starb 1888 Theodor Strom, der seit 1880 hier lebte und sein letztes Werk, den „Schimmelreiter“ schrieb. An diese Zeit wird im Heimatmuseum erinnert.

Literatur Chalybaeus, Robert 1888: Geschichte Ditmarschens bis zur Eroberung des Landes im Jahre 1559. Kiel und Leipzig (Lipsius & Tischer) Zitiert wird der uneränderte Nachdruck 1973, Leer (Schuster). Hansen, Hinrich & Lorenzen-Schmidt, Klaus J. 1989: Die Hanerauer Ellenwarenfabrik 1803-1858. In: Brockstedt, Jürgen (Hg.) 1989: Gewerbliche Entwicklung in Schleswig-Holstein, anderen norddeutschen Ländern und Dänemark von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Übergang ins Kaiserreich. Neumünster (Wachholtz). Seiten 95 – 122. Marten, Georg & Mäckelmann, Karl 1927: Dithmarschen. Geschichte und Landeskun-de Dithmarschens. Heide i. Holst. (Westholsteinische Verlagsdruckerei Heider Anzei-ger, G. m. b. H.) Stoob, Heinz 1959: Geschichte Dithmarschens im Regentenzeitalter. Heide (Westhol-steinische Verlagsanstalt Boyens & Co). Zugleich Habilitationsschrift der Philosophi-schen Fakultät der Hanseatischen Universität Hamburg. Stoob, Heinz 1994: Die Hanse. Graz, Wien, Köln (Styria). Witt, Reimer 2000: Dithmarschen unter der Fürstenherrschaft (1559-1773). In: Verein für Dithmarscher Landeskunde e. V. (Hg.): Gesichte Dithmarschens. Heide (Westhol-steinische Verlagsanstalt Boyens & Co.). Seiten 179 bis 216.


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