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Höhnk, Gesche Helene

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Gesche Helene Höhnk (* 3.2.1859, † 27.3.1944) war eine dithmarscher Heimatpflegerin.

Gesche Helene Höhnk



Inhaltsverzeichnis

Posthume Ehrungen

Weitgehend unbekannt ist bislang Helene Höhnk, die 1904 als Katalogisierungshilfskraft beim Aufbau der Warburg-Bibliothek in Hamburg angestellt wurde. Höhnk, die als Bibliothekarin und Genealogin beachtliche Qualifikationen vorweisen konnte, gab später nach Differenzen mit Warburg die Stellung auf; doch ist die Korrespondenz in dieser Auseinandersetzung, für Charakter und Umfang der Sammlung zu dieser Zeit höchst aufschlußreich.

http://www.warburg-haus.de/

http://warburg.sas.ac.uk/mnemosyne/Gateway.htm


Abraham Moritz Warburg, (Aby Warburg), 1866 -1929 in Hamburg war Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler sowie Begründer der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg. Gegenstand seiner Forschung war das Nachleben der Antike in den unterschiedlichsten Bereichen der abendländischen Kultur bis in die Renaissance. Von ihm wurde die Ikonologie als eigenständige Disziplin der Kunstwissenschaft etablie. Warburg gilt neben Freud, Nietzsche und Max Weber als einer der bedeutenden Anreger der Geisteswissenschaften im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert .Seit 1980 verleiht die Stadt Hamburg den hochdotierten, Warburg Preis und vergibt ein Stipendium an Wissenschaftler, die disziplinenübergreifend Themen aus dem Bereich der europäischen Kulturgeschichte bearbeiten. 1926 wurde neben Warburgs Privathaus, das die Bibliothek seit 1909 beherbergte, ein moderner Neubau bezogen.

Lebensweg

1865 wurde Helene Höhnk in Helserdeich eingeschult. Von 1870 bis 1874 besuchte sie die „Privatschule“ von Dr. Hartmann in Marne. Nach einer Ausbildung in ländlicher und städtischer Haushaltsführung zog sie 1881 nach Dresden, besuchte Museen, Theater und Vorträge. Dort hat sie sich wohl selbst das Fundament ihrer historischen, künstlerischen und literarischen Bildung gelegt.

Helene Höhnk ging 1883 nach London, um Englisch zu lernen. Ein Jahr später besuchte sie ein katholisches Klosterinstitut in Paris. Noch 1884 begann sie in Genf zu studieren; das wäre damals an keiner Hochschule in Deutschland möglich gewesen.

1885 kehrte Helene Höhnk nach Marne zurück, reiste dann zwei Jahre später nach Kopenhagen.

Hans Staack schrieb 1964 über ihren weiteren Lebensweg:
“Außerdem war es von 1889 bis 1894 ihr Obliegen, Mutterstelle an ihrem jüngeren Bruder zu vertreten, der vom Gymnasium in Glückstadt beinahe relegiert wurde, weil er Marx und Lassalle gelesen und anderen Mitschülern zu dieser vergifteten Lektüre verholfen hatte.“

1894 lernte Helene Höhnk in Berlin die Ziele der Frauenbewegung kennen. Sie reiste nach Stockholm, Lund und Upsala, besuchte 1899 in Jena einen Kursus für Bibliothekswissenschaft und galt „als erste wissenschaftliche Bibliothekarin in Deutschland“.

Zurückgekehrt nach Schleswig-Holstein schrieb sie eine Reihe von Familiengeschichten und Stammbäume. Sie ordnete auf vielen adligen Gütern die Archive, arbeitete etwa in Itzehoe und Heide, sortierte die Archive vieler Kirchspiele und des Dithmarscher Landesmuseums. In der Lokalpresse veröffentlichte sie landeskundliche Beiträge ebenso wie in der Zeitschrift Dithmarschen des von ihr mitbegründeten Vereins für Dithmarscher Landeskunde. Bis zur Gleichschaltung durch den Nationalsozialisten im Jahre 1933 war sie Schriftleiterin der Zeitschrift.

Trotz ihrer weltläufigen Ausbildung und ihrer Berührung mit den Ideen des Sozialismus und der Frauenbewegung waren ihre Motive für ihre heimatkundliche Arbeit der völkisch-nationalen Richtung zuzuordnen, wenn sie sich auch nicht kritiklos für Hitler und die Nationalsozialisten begeisterte. Nachdem sie seit 1926 wieder in Marne lebte, musste sie Anfang 1944 in ein Altersheim nach Büsum umziehen, wo sie noch im März des gleichen Jahres starb. Beerdigt wurde Helene Höhnk auf dem Friedhof in Kronprinzenkoog.

Quelle: Chronik des Amtes Kirchspielslandgemeinde Marne-Land mit seinen elf Gemeinden 1995 Marne
Husum Druck ISBN 3-88042-713-5 Seite 293/294 Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers: Beitrag von Frank Trende.

Eine Dithmarscher Archivarin und Heimatforscherin

Von Hans S t a a c k - 1964

Helene Höhnk ist den Dithmarscher Geschichtsfreunden als Verfasserin vieler heute noch unentbehrlicher Beiträge und Veröffentlichungen zur Dithmarscher Farnilien- und allgemeinen Landeskunde und als Ordnerin von Kreis- und Kirchspielsarchiven wohlbekannt. Weniger bekannt dürfte sein, daß sie zu den Gründern des Vereins für Dithmarscher Landeskunde gehört hat und eines der tätigsten Mitglieder in den ersten drei Jahrzehnten seines Bestehens gewesen ist. Beim Jubiläum des Vereins mag es zudem angebracht sein, eine Frau zu würdigen, die als eine typische Vertreterin jener ersten Generation von Mitgliedern gelten darf, denen Mitgliedschaft selbsttätige Teilnahme an den Aufgaben des Vereins bedeutete.

Gesche Helene Höhnk, die als echte Schleswig-Holsteinerin bezeichnet wird, war eine Tochter der Dithmarscher Südermarsch. Hinter den Deichen des Nordseegestades, der Heimat Jörn Uhl’s, wurde sie am 3. Februar 1859 als Tochter des Hofbesitzers oder, wie es damals hieß, des Hausmannes Hans Jakob Höhnk und seiner Ehefrau Rebekka Margaretha Elisabeth Ufen in Sophienkoog geboren. Hier, nahe der Stadt Marne, stand in einem der stattlichsten Bauernhäuser des 1717-18 eingedeichten Kooges ihre Wiege, umrauscht von hohen Ulmen und umgeben von einem jener üppigen, düfteschweren Gärten des reichen Marschenlandes. Sie war das älteste von sieben Kindern. Ein Band inniger Liebe umschloss die große Familie, und aus Helene Höhnks Lebenserinnerungen, von der sich Bruchstücke in meinem Besitz befinden, wissen wir, daß ihr trotz zerrütteter Familienverhältnisse eine sorglose, sonnige Kindheit beschieden war.

Die väterlichen Vorfahren, die Hüick, Hüncke, Höhncke, Höhnk, wie sie sich nannten und schrieben, lebten schon vor 1700 "auff’n Donn", wohin sie aus Isensee im Kirchspiel Osten an der Oste, jenseits der EIbe, gekommen waren. Einer der Vorfahren gehörte zu den dreizehn Gemeindevertretern, die 1611 die Abtretung des Ortes St. Michaelisdonn vom Kirchspiel Marne und die Gründung einer eigenen Kirche befürworteten. Der Ururgroßvater Barteid Hüick kam 1757 durch Einheirat in den Besitz eines Hofes in Westdorf. Er wurde Kirchenbaumeister der Kirche in Süderhastedt und bekleidete außerdem auch noch weitere Ehrenämter in der neuen Gemeinde. Er ist auch Landesbevollmächtigter gewesen und hat ein reichgesegnetes Leben gehabt, denn er gehörte zu den wenigen Familienangehörigen, die das biblische Höchstalter erreichten. Barteld Hünck war mit Telsche Peters, einer Tochter des Hausmannes Hans Peters und der Gretje Martens in Westdorf verheiratet und hatte mit ihr sieben Kinder, von denen die Söhne Hans und Peter den Stamm fortsetzten.

Der Urgroßvater Hans Höhncke starb im Jahre 1806 an der Schwindsucht, dem Erbübel der Familie. Er war mit Abel Lorenz, einer Tochter des Hausmannes Jacob Lorenz und der Wiebcke Wriedt in Hopen verheiratet und wohnte als Hausmann auf dem Norderdonn. Beide hinterließen nur einen Sohn, den Großvater Jacob Höhncke. Er war drei Jahre alt, als sein Vater starb, und sechs Jahre, als er seine Mutter, die in zweiter Ehe mit dem Hausmann Boje Schoof verheiratet war, verlor. Das väterliche Vermögen ging im dänischen Staatsbankrott verloren; mit dem mütterlichen Erbteil rettete sich der Onkel Lorenz nach Amerika. Jacob Höhncke, der anfangs auf dem Dingen wohnte, lebte hernach auf dem Hofe Wetternwall im Kirchspiel Eddelak, jenem alten Hofe, der schon im Jahre 1187 in einer Schenkungsurkunde an das Hamburger Domkapitel genannt wird und im Jahre 1444 im Besitze des angesehenen Erbgesessenen und Achtundvierzigers Clas Peters war. Dieser stattliche Hof kam in den Besitz des Hausmannes Claus Ehlers aus Wewelsfleth, der mit Wiebcke Witt aus der Wilstermarsch verheiratet war. Claus EhIers und Wiebcke Witt sollen 14 Kinder gehabt haben, von denen die Tochter Gesche mit dem oben genannten Jacob Höhncke verheiratet wurde, die die Großmutter von Helene Höhnk war. Großmutter Ehlers war nach den Aufzeichnungen von Helene Höhnk eine ebenso schöne wie temperamentvolle Frau, rasch mit dem Wort und rasch mit der Tat. In praktischer Hinsicht sollen weder Claus Ehlers noch Wiebcke Witt begabt gewesen sein. Die einfachste Lebensführung war damals Gewohnheit, und Sparsamkeit [war] keine Tugend des Einzelnen. Vergeudet habe auch sie nichts, aber ihnen fehlte die Kunst des Zusammenhaltens. Die hat auf Wetternwall erst Boje Schoof eingeführt und in Sophienkoog die Mutter, nachdem Boje Schoof im Jahre 1864 den Norderhof in Sophienkoog erworben hatte.

Hans Jacob Höhnk, der Vater, hatte diesen Hof seit 1867 in Besitz. Aber er hatte schon während seiner Pachtzeit im Jahre 1863 ein neues Wohnhaus bauen lassen, nachdem das alte am 22. Oktober 1862 durch Blitzschlag eingeäschert worden war, ein stattlicher Neubau, mit zwei Dielen, die Vorderhaus und Hinterhaus voneinander trennten, mit drei großen Wohnzimmern und zwei Kellerstuben ausgestattet. Ein vollständiges Mobiliar konnte jedoch erst angeschafft werden, als die Eltern einen namhaften Betrag in der Flensburger Industrielotterie gewonnen hatten.

Hans Jacob Höhnk war mit Rebekka Ufen, 1838 in Kronprinzenkoog geboren, verheiratet. Ihre Vorfahren waren, bevor sie nach Dithmarschen kamen, in Oldendorf bei Esens in Ostfriesland, als Pächter oder Theelachter eines Hofes im sogenannten großen Armenland, das der Kirche in Esens gehörte, zu Hause gewesen. Das Harlingerland in Ostfriesland ist so recht eigentlich das Land der Deiche und der Deichbauer. Hier gelten von jeher die Worte der Väter und Enkel "Gott schuf das Meer und die Friesen den Deich" und "Wer ni will dieken, de mutt wieken". So ist es also kein Wunder, wenn aus diesem Land im Jahre 1786 Bedeicher nach Süderdithmarschen kamen, um sich in dem eingedeichten Kronprinzenkoog anzusiedeln. Unter den Kriegesmanns, den Hillrichs, den Bleys, den von Halems, den Siebeis, den Sjudts und anderen Bauern und Tagelöhnern aus dem Harlingerland befanden sich auch die Ufen aus Oldendorf. Tjark Peters Ufen, 1765 in Oldendorf als Sohn des Hausmannes Ufe Eilts Ufen und der Becke Foltjen geboren, war derjenige, der in der neuen Heimat festen Fuß fasste, sich mit der Bauerntochter Beeke Möller in Kronprinzenkoog verheiratete und Kinder zeugte, während der Bruder wieder in die Heimat seiner Väter zurückkehrte. Tjark Peters Ufen, der anfangs als Tagelöhner bei dem Großbauern Kriegesmann arbeitete, hatte sich in der neuen Heimat bald einen geachteten Namen erworben und "etwas vor sich gebracht", das heißt, er hatte sich durch Sparsamkeit und Fleiß ein gutes Stück Geld verdient, das ihn bald in die Lage versetzte, den Hof des Bauern Hinrichs zu pachten, den sein Sohn Ufe Eilts Ufen 1838 als Eigentum erwarb, wozu er von seinem Schwiegervater, dem Hausmann und Strandmeister Hinrich Hintz, das erforderliche Geld (Kaufsumme) bekam. Großvater Ufe Eilts Ufen wird von Helene Höhnk als "ein großer, hagerer und sehr blaß aussehender Mann" geschildert, der zwar ein tüchtiger und strebsamer Bauer, aber immer ein kranker Mann gewesen sei. Es heißt, daß auch er 1861 an der Schwindsucht gestorben sei. Großmutter Magdalene Ufen, geborene Hintz, war von "stärkerer Natur" und war ihrem Lebensgefährten allzeit eine verständige Hausfrau und den Kindern eine immer hilfsbereite und liebende Mutter gewesen. "In der großen Familie ist sie mit ihrem strahlenden Blick immer der Mittelpunkt gewesen." Helene Höhnk hat sie wie die eigene Mutter geliebt, und es scheint so, als wenn sie Großmutters Lieblingskind gewesen ist. Von ihr dürfte sie auch "den besten Teil des Ahnen-Erbes" erhalten haben. Helene Höhnks Mutter, Rebekka Höhnk, geborene Ufen, 1838 geboren, hat nach der Geburt ihres dritten Kindes nur "Dulden und Darben" gekannt und ein "bejammernswertes Schicksal" gehabt. Sie, die von Geburt an eine zarte und feine Frau gewesen war, war ihrem Manne Hans Jacob Höhnk, der seinem Wesen nach ein Herrenmensch war und zur Trunksucht neigte, nicht gewachsen, sondern nur zum Dienen und nicht zum Aufbäumen gegen "dunkle Gewalten" geschaffen. Hans Jacob Höhnk hatte die Neigung zum Trinken mit aus dem Kriege heimgebracht und war trotz seines Herrentums nicht der Mann, um sich gegen das Übel zur Wehr zu setzen. Sein Herrentum und seine Schwächen waren der Mutter ebenso unverständlich und unsympathisch wie dem Vater die Passivität und Nachgiebigkeit der Mutter. So war es schließlich kein Wunder, daß Mutter und Vater sich auseinanderlebten und sich das Leben gegenseitig zur schweren Last machten. "Wenn ich an die Zeit zurückdenke, wie tragisch sich das elterliche Verhältnis und unser Eigenleben gestaltet hatte, so sitzt der Stachel noch in der Rückerinnerung wie der Pfahl im Fleisch", hat Helene Höhnk einmal bekannt. Was nütze es aber, daran erinnert zu werden. Es würde mir eine Belastung für das weitere Leben sein. War den Kindern durch die zerrütteten Familienverhältnisse der Eltern auch alles genommen worden, was gesicherte Familienverhältnisse der Jugend an harmloser Fröhlichkeit zu bieten vermögen, so waren sie doch "vor der Zeit ernste und gereifte Menschen geworden". Und das war gut. Wie hätten sie sonst auch mit dem Leben fertig werden sollen? Anders wurden die von Schicksalsmächten heraufbeschworenen mißlichen Familienverhältnisse in dem stattlichen Höhnkschen Bauerhause erst nach dem Tode des Vaters. Hans Jacob Höhnk starb nach kurzem Krankenlager am 1. 2. 1875, nur von wenigen beweint. Als er beerdigt wurde, hielt der alte Pastor Paulsen die Grabrede. Er hatte nicht viele Worte gemacht, aber was er gesagt hatte, war manchem doch "zu Herzen" gegangen. Helene Höhnk hatte nur diese wenigen Worte behalten: "Und der Tod löscht alles aus", die der Pastor, als er gemerkt hatte, daß sie zu Herzen gingen, mit besonderem Nachdruck wiederholte. Mit dem frühen Tod war für ihn die Schuld, die der Vater auf sich geladen hatte, ausgelöscht, und die Kinder, die von ihm kaum geleitet und geführt worden waren, konnten wieder aufatmen und der Mutter tatkräftig zur Hand gehen. Siebenunddreißig Jahre waren ihr noch vergönnt zu leben und für die Kinder und Enkelkinder zu wirken. Sie starb in Havinghorst am 19. April 1912, von vielen beweint und von vielen als eine tapfere und geduldige Mutter und Großmutter verehrt. - . ( Mit einer fast gleichaltrigen Schwester besuchte Helene Höhnk erst die einklassige Volksschule am Helserdeich, dann die Hartmannsche Privatschule in Marne. Die Lehrerin, eine Dänin, verstand es vortrefflich, in den Kindern Liebe zum Lernen zu wecken. Die positiven Kenntnisse waren aber beim Verlassen der Schule so niederschmetternd gering, daß beinahe mehr als Mut dazu gehörte, wenn Helene den Entschluß gefaßt hätte, Lehrerin werden zu wollen. Als der Vater im Jahre 1875 gestorben war, bat sie allen Ernstes die den Geschwistern verordneten Vormündern, sie nach Schleswig auf das Seminar gehen zu lassen. Die Lehrerin, Fräulein Starckloff, hatte dort 1872 eine Bildungsanstalt für Erzieherinnen und Lehrerinnen gegründet. Sie war Helene Höhnk als vorzügliche Lehrerin geschildert worden. Warum sollte sie es nicht wagen, nun "nach mehr Wissen und einem ernsten, selbständigen Lebensberuf zu streben?" Die Vormünder bedeuteten die Wissensdurstige aber, daß das Lehrerin spielen nur etwas für städtische Damen, aber nichts für Dithmarscher Bauerntöchter sei. Sie sollte nur den Hausstand lernen, dann würde sich schon ein Mann finden, weil sie ja nicht ohne Mitgift sei. Jedes Kind hatte nämlich nach Abzug von dem eingebrachten Gut der Mutter rund 20000 Mark erhalten. Das war für damalige Zeiten ein ganz nettes Vermögen. Helene Höhnk lernte also den Hausstand nach allen Regeln der Kunst, zuerst auf dem Lande, dann in der Stadt Kellinghusen in dem vornehmen Haushalt des geachteten nnd hochangesehenen Apothekers Behrends. Frau Behrends, die eine geistreiche und feingebildete Person und von guter Herkunft war, wußte ihren "Lehrling" gut zu nehmen, und die "gute Hausstandlernende" für viele geistige Interessen zu begeistern. Apotheker Behrends besaß auch eine wertvolle Bibliothek, in der sich neben Büchern der schöngeistigen Literatur auch solche der Geschichte und Landeskunde befanden. Helene Höhnk durfte sich in ihrer Freizeit mit den Büchern beschäftigen und hat es auch ausgiebig getan.

Obgleich Helene Höhnk an den Hausbällen bei der Familie Behrends teilnehmen durfte und auch bei anderen Familien in Kellinghusen und Umgebung, z. B. bei der Familie Ross auf Luisenberg, eingeführt wurde, wollte sich der in Aussicht gestellte Mann nicht finden.

Da trat sie, als sie 1880 mündig geworden war und die Großmutter zur Feier dieses Ereignisses die ganze Familie eingeladen hatte, vor die alte Dame hin und erklärte, daß sie nun in die Welt gehen und lernen wolle. Sie sei bereits bei dem Landespfennigmeister Maassen in Meldorf gewesen und habe einen Teil ihres Vermögens für die Bestreitung des Studiums abgehoben. Wie war die Familie über ihre Pläne erstaunt und überrascht! Als keiner etwas zu sagen wußte, hatte Großmutter Ufen das Wort genommen. Sie meinte, daß ein so ungewöhnlicher Schritt nicht übereilt werden dürfe, sondern reifliche Überlegung erfordere. Sie solle vor allen Dingen noch ein Jahr warten und sehen, ob das Schicksal nicht andere Pläne mit ihr habe. Obgleich Helene Höhnk wußte, daß sie vom Schicksal nichts zu erhoffen habe, sondern selbst ihres Glückes Schmied werden müsse, versprach sie zu warten, und hat das auch getan. Dann aber ging es in die Welt hinaus.

Mit Empfehlungen ihrer Lehrerin, Fräulein Panum, ging Helene Höhnk zunächst nach Dresden, um sich für einen regelrechten Studiengang vorzubereiten. Hier trieb sie vor allen Dingen alte und neue Sprachen und suchte sich auch im Deutschen zu vervollkommnen, da ihre grammatikalischen Kenntnisse sehr mangelhaft waren. Für ihre Allgemeinbildung halfen Vorträge über Geschichte und Philosophie bei Professor Schultz, über Literatur und historische Studien bei Professor Diestel und Kunstgeschichte bei Professor Treu. Um sich die Basis einer gründlichen wissenschaftlichen Bildung zu erwerben, lernte sie auch Lateinisch und Griechisch. Manche Anregung erhielt Helene Höhnk hier auch durch gesellige Kreise, die sich ihr erschlossen. Sie trat hier zuerst in Beziehung zu Frauen, die bewußte Vorkämpferinnen weiblicher Berufsinteressen waren, und wurde auf diese Weise in die Bestrebungen der Frauenbewegung eingeführt. Dieser hat Helene Höhnk im später im Leben stets ihre Teilnahme bewahrt, "prinzipiell und praktisch forderte sie vor allen Dingen durch ihr Beispiel, das Beispiel einer strebenden Frau, die schlicht und recht ihren Weg geht, mit gesundem Wirklichkeitssinn das Wesentliche erfassend und ohne Pose."

Von Dresden ging Helene Höhnk nach London, um die englische Sprache im Lande selbst zu erlernen, von dort 1882 nach Genf, da in Deutschland den Frauen die Hochschulen noch nicht geöffnet waren. Hier hörte sie Vorlesungen über Geschichte bei Professor Humbert, Literature comparee bei Marc Mollluer und Altfranzösisch bei Professor Ritter. Später hat sie Dänisch in Kopenhagen und Schwedisch in Stockholm getrieben.

Helene Höhnks Lehr- und Wanderjahre haben länger gedauert als bei anderen Studenten, denn inzwischen hatte sie immer wieder Familienpflichten zu erfüllen. Als eine Schwester und ein Bruder geheiratet hatten, verstand es sich von selbst, daß sie den jungen Müttern Beistand leistete und die Neffen und Nichten ins Leben pflegen mußte. Außerdem war es von 1889-92 ihr Obliegen, Mutterstelle an ihrem jüngsten Bruder zu vertreten, der vom Gymnasium in Glückstadt beinahe relegiert wurde, weil er Marx und Lasalle gelesen und anderen Mitschülern zu dieser vergifteten Lektüre verholfen hatte. Helene Höhnk und ihr Bruder kamen nach vielen vergeblichen Versuchen schließlich in Eisenach unter, wo er 1892 die Reifeprüfung glücklich bestand. Er ging von dort, da er sich für die diplomatische Laufbahn entschlossen hatte, nach Genf, wo er neben Rechtswissenschaft fremde Sprachen studierte. Als er Ostern 1895 aus Genf zurückkehrte, war er ein Todeskandidat. Der Keim des Familienerbübels, die Schwindsucht, hatte sich schnell und unheilvoll entwickelt. Es war nun Helene Höhnks nächste Aufgabe, den Kranken zu pflegen und ihn auf seinen letzten Studienreisen zu begleiten. Er studierte noch ein Jahr in Leipzig und Bonn, dann war sein kurzer Lebenslauf vollendet. Er starb am 1. August 1894 in Lübeck, wohin Helene Höhnk inzwischen gezogen war.

Von Lübeck ging Helene Höhnk nach Berlin, wo sie ihre Studien fortsetzte und literarisch tätig war. Hier knüpfte sie Freundschaft mit Fanny Lewald, Hedwig Dohm, Gabriele Reuter und anderen bedeutenden Frauen der Frauenbewegung an. Auch war sie hier für kurze Zeit im Preußischen Heroldsamt tätig, wo sie sich dem Studium der deutschen Wappenkunde widmete. Sie war in Berlin auch Mitarbeiterin an der von Professor Klein in Jena herausgegebenen Enzyklopädie des Unterrichts und Erziehungswesens. Sie lieferte namentlich zwei größere Beiträge, "Entwicklung der Jugendliteratur" und "Geschichte der Schulkomödie". Die Vorarbeiten zu diesen Themen hatte sie schon in Eisenach begonnen, wo sie den mehrjährigen Aufenthalt dazu benutzt hatte, um sich eingehend mit den theoretischen und praktischen Erziehungsideen Friedrich Fröbels bekanntzumachen. Hier hatte sie nicht allein an einem Kursus des Kindergartenwesens teilgenommen, sondern sich auch einen umfassenden Überblick über das Gebiet der pädagogischen Literatur verschafft.

Helene Höhnks schriftstellerische Tätigkeit wandte sich dann bald mehr und mehr der Familienforschung zu. Durch die baltische Familie von Sievers, die sie in Genf in dem gastlichen Hause des Dichters Marc Monnier, das ein Mittelpunkt der ein stark internationales Gepräge tragenden Genfer Gesellschaft war, kennengelernt hatte, ist sie dann endlich zu dem Lebenslauf gekommen, den sie seitdem mit Erfolg ausgeübt hat.

Die von Sievers wollten der Überlieferung nach aus Holstein stammen, und Helene Höhnk wurde mit den Nachforschungen über Abstammung und Herkunft betraut. Aus Kopenhagen und Schleswig führten die Spuren nach der Insel Fehmarn. Das Archiv in Burg war alt und inhaltsreich, aber gänzlich ungeordnet, so daß sehr bald das Ansinnen an die Forscherin gestellt wurde, es gleichzeitig zu ordnen. Das geschah und weitere Ordnungen von Archiven folgten. Die Vorarbeiten für die Geschichte der Familie von Sievers erforderten jedoch größere Reisen und umfangreichere Studien in den Archiven und Bibliotheken in Deutschland, Dänemark, Schweden und Rußland, als man angenommen hatte. Von diesen Reisen brachte Helene Höhnk eine Fülle von neuen Eindrücken und vielen anderen Gesichtspunkten mit heim. Sie band sich auch bei Ausführung von genealogischen Arbeiten grundsätzlich an keinen bestimmten Termin. Bis zur Drucklegung des Manuskriptes mußten alle Daten und Verwandtschaftsverhältnisse bis ins Kleinste aufgeklärt und urkundlich festgestellt sein. Um das bewerkstelligen zu können, wurden weder Kosten noch Mühe gescheut. Ihr war der wissenschaftliche Wert einer Arbeit mehr wert als der pekunäre Erfolg. Im Jahre 1913 brachte die Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte in Band 43 der Zeitschrift Helene Höhnks erste größere genealogische Studie, die "Nachrichten von den Vorfahren und der Familie des russischen Admirals Peter von Sievers" heraus. Diese Arbeit machte sie im Lande als berufene Familienforscherin weit bekannt. Vor dem Erscheinen dieser Familiengeschichte hatte Helene Höhnk bereits andere Familiengeschichten und Stammtafeln im Druck erscheinen lassen, so 1902 "die Stammtafel der Familie Ufen, 1909 den Stammbaum der Familie Schoof, 1910 die Stammtafel der Familie Feil und 1912 den Stammbaum der Familie Hintz", alles Genealogien, die vom Werden Dithmarscher Bauerngeschlechter Zeugnis ablegen sollten. Es würde zu weit führen, alle genealogischen Arbeiten hier aufzuführen, die Helene Höhnk zusammengestellt hat; es dürften weit über einhundert sein. In der Reihe der schleswig-holsteinischen Genealogen vor 1933 steht Helene Höhnk durch die Zahl der Veröffentlichungen mit an erster Stelle. Aber auch als Archivarin und Bibliothekarin hat Helene Höhnk sich einen Namen gemacht. Als sie im Jahre 1898 von dem Grafen zu Rantzau-Breitenburg aufgefordert wurde, die Büchersammlungen verschiedener Rantzauscher Güter auf Schloß Breitenburg zu vereinigen und in der neu eingerichteten Bibliothek aufzustellen, nahm sie, bevor sie diesen ehrenvollen Auf trag ausführte, im Frühjahr 1899 an einem mehrmonatigen Lehrkursus für Bibliothekswissenschaft in Jena teil.

Im Jahre 1904 weilte Helene Höhnk wieder in Burg auf Fehmarn, um die Ordnung des Archivs zu vollenden. Ferner wurde von ihr das Archiv in Bad Oldesloe, das [des] Klosters in Itzehoe und das der schleswig-holsteinischen Ritterschaft geordnet. Als sie sich 1908 studienhalber in Hamburg befand, gründete sie dort mit anderen Genealogen die "Zentralstelle für Niedersächsische Familienkunde".

Von 1910-14 weilte Helene Höhnk in Heide, um das alte landvogteiliche und das landschaftliche Archiv des Kreises Norderdithmarschen zu ordnen. Dieser Auftrag schien Helene Höhnk besonders ehrenvoll, weil der Prophet in seinem Vaterlande sonst meistens nichts zu gelten pflegt. Auch in Dithmarschen war sie dann bald als gewissenhafte Ordnerin bekannt, und so war es denn auch kein Wunder, daß sich die Aufträge häuften. Helene Höhnk hat nicht nur die Kreisarchive in Heide und Meldorf geordnet und katalogisiert, sondern auch viele Kirchen- und Kirchspielsarchive, so z. B. das Archiv in Wesselburen (1914), in Hedwigenkoog und Hennstedt (1915), in Büsum und Tellingstedt (1916), in Süderhastedt (1917), in Wöhrden (1918), in Albersdorf (1919) und dann weiter auch in Hemme, Neuenkirchen und in Lunden.

Als Helene Höhnk 1914 noch in Heide tätig war, regte sie die Gründung des "Vereins für Dithmarscher Landeskunde" an. Im Juni desselben Jahres, kurz vor Beginn des ersten Weltkrieges, wurde die Gründung mit weiteren landeskundlich Interessierten durchgeführt. Helene Höhnk wurde in den engeren Vorstand gewählt und hat als Schriftführerin und erste Schriftleiterin bis 1933 für den jungen Verein getan, was in ihren Kräften stand. Bereits zwei Jahre nach der Gründung des Vereins konnte sie den Mitgliedern das erste Jahrbuch mit einem wertvollen Beitrag zum Hebbel-Gedenkjahr und anderen Beiträgen vorlegen. Doch darüber mehr in einem weiteren Beitrag.

Als im Jahre 1933 die Gleichschaltung aller kulturellen Verbände und Vereinigungen seitens der NSDAP erfolgte, trat auch Helene Höhnk bescheiden zurück und legte das Amt des Schriftführers und der Schriftleitung in andere Hände. Trotz ihres vorgeschrittenen Alters und des vor Jahren erlittenen Schlaganfalls und einer rechtsseitigen Lähmung ruhten ihre Forschungsarbeiten auch dann noch nicht.

Sie hatte geglaubt, durch die Abgabe ihrer umfangreichen Bibliothek als "Helene- Höhnk- Stiftung" an die Kreise Norder- und Süderdithmarschen für den Abschluß des Lebens, für Tod und Begräbnis, gesorgt zu haben. Doch war sie mit ihrem Vermächtnis zu voreilig gewesen, auch sie verlor ihr erspartes Geld in der Inflation.

Ihr Lebensabend war ausgefüllt mit weiteren genealogischen und literarischen Arbeiten zur Dithmarscher Landeskunde. Ihr gesamter schriftlicher Nachlaß, einschließlich Sammlungen zur Dithmarscher Landeskunde, befindet sich heute im Archiv des Dithmarscher Landesmuseurns. Er harrt noch der Auswertung. Eine Bibliographie ihrer Schriften konnte bisher (Anmerkung: 1964!!!) ebenfalls noch nicht zusammengestellt werden; sie dürfte mehr als 700 Nummern umfassen, so zahlreich sind ihre Abhandlungen zur Landeskunde unserer meerumschlungenen Heimat. Darunter sind ungezählte Novellen, Skizzen, Sagen und Märchen und viele Gedichte; weiter auch ihre "Lebenserinnerungen", die der Verfasser dieses Beitrages später einmal herausgeben wird.

Ich lernte Helene Höhnk während des zweiten Weltkrieges persönlich in Meldorf und Marne kennen. Die Gespräche, die ich mit ihr über die Pflege der Dithmarscher Landeskunde führen durfte, sind mir noch heute in Erinnerung und werden mir unvergeßlich bleiben. Sie ahnte schon damals den Zusammenbruch des nationalsozialistischen Reiches und die Auflösung aller Werte voraus, doch sollte es ihr vergönnt sein, das nicht zu erleben. (Anmerkung: 1964!!!)

Am 27. März 1944 ist Helene Höhnk, Dithmarschens bedeutendste Heimatforscherin neben Reimer Hansen und Georg Marten, still von uns gegangen, kaum, daß die Öffentlichkeit es vernahm. Wenige Tage später wurde ihre Urne auf dem Kronprinzenkooger Friedhof beigesetzt, ganz in der Nähe ihres Elternhauses, von dem sie hinausgezogen war in die Welt, um sich das Rüstzeug zu erwerben für den Dienst an der Heimat, an der Heimat, die ihr Heimat geblieben ist bis zum letzten Atemzug. Kann man in einer Würdigung auf eine Wissenschaftlerin, in der das Fazit ihres Wirkens gezogen werden soll, besseres sagen, als dieses, daß ihr Werk tätiges Leben gezeugt hat - und heute noch lebt? Helene Höhnk hat in steter Treue nicht nur der Dithmarscher Landeskunde gedient, sie diente fördernd dem deutschen Volkstum selbst. Im Jahr des Jubiläums des Vereins für Dithmarscher Landeskunde wollen wir ihrer Persönlichkeit und ihrem Dienst an der Heimat in Ehren gedenken, aber nicht nur gedenken, sondern uns aufmachen, ihr Erbe zu mehren, zu mehren im Sinne von Klaus Harms:

"Schreibet, Dithmarscher, wie unsere Vorfahren gethan, unsers theuren Landes Geschichten!"

Quelle: Hans Staack 1964 "Dithmarschen, Zeitschrift für Landeskunde und Heimatpflege"

Erinnerungen in der Sprache der Dithmarscher, op Platt

Een Buurndochter ut‘n Koog geiht ehr‘n Weg

As de ol Hinnerk Hintz vun Dieksand bi sien Enkeldochter to Besöök weer, de ut de UfenFamilie stammen dcc, stunn dor een lütt Deem mit in de Kinnerreeg. He begrött sien Urenkelkinner een no‘n anner‘n un lee süm dorbi de Hand op den Kopp. Bie düt lütt Minsch is em wat opfull‘n, denn he sä to sien Enkeldochter: „ IVJien Greten, pass op dien Deern op. Se wass to rasch, Se wass di över‘n Kopp un ut dien Stand ‘rut.“

Wo recht schuh de ole Urgrotvadder behool‘n. De lütt Deern, Helene Höhnk, wuss wiet över annere weg, över sick sölben hinut. Se hett wat leisten kunt, över ehr Heimat ‘rut sick Achtung verdeent. As erste Fru hett se dat dörsett, dat se studeer‘n kunn, weer dc erste Archivarin in Dütschiand, sprook tein Sproken! Helene Höhnk! --- Een Fru mit een sagenhafte Energie, een scharpen Verstand, mit een Hart, dat warm för ehr Mitmenschen sloog. --- Geboren is se 1859 in den Sophienkoog. Se harr dat Glück, dat se op een schönen Hoff in dc Marsch opwassen kunn. Se verteilt, dat se dor in Koog een glückliche, sorglose Kinnertied tosomen mit ehr Swester Ina belevt hett. Swester Ina, dc veel liedsomer un gedülliger weer, is ümmer ehr beste Fründin ween. Twee Bröder geev dat, een grote achtbore Famile in dc Neeg, dc all god miteenanner utkeemen. Besonner‘s harr se ehr Grotmudder Ufen fast in‘t Hart sloten. — Doch mutt se ok Truur spöört hebb‘n, denn dreemol Johr op Johr hett ehr flene un wekeMudder Kinner to Welt brocht, de gliek starven mussen. Kunn in de Tied dat Lachen noch een Platz finnen in‘t Huus?

Helene un Ina keemen tosomen to School no Helserdiek, weer‘n blot een Johr in‘t Öller ut‘neen. Dat Lesen harr‘n dc beiden Deerns sick all sölben bibrocht. Se harr‘n gedüllig ut Billerböker de Riemels utwennig lehrt, de se vörseggt kreegen, denn de Bookstoben söcht un tosomen sett. Seker hebbt de beiden hellen Köpp sick veelmols langwielt in de School. - Helene Höhnk meent over, dat se mit dat Schrieven ehr Last harr, jüst se, de soveel in ehr Leven schreven hett. — Denn leep dat anners mit de School. De Lehrer muss affgoh‘n, schull doch sien Huushoolersch een Kind vun em hebb‘n, un he weer verheirodt! Swore Sünden, de hüüt mit anner Ogen seh‘n warr‘t.

Wat nu? In Marne levt Dr. Hartmann, een Minschendokter, de een ganze Reeg Deerns harr, so dat sick dat lohn mit een Privotschool. Nu keem dat so, dat dc e strenge Dokter de beiden Höhnk-Kinner in sien Halvschees mit no Marne nehm, un dor worr‘n se no een Prüfung vun de Lehrerin opnohmen. --- Veelmols weer‘t suur den Schoolweg hin un her to moken. Dat gung in Harvst un Winter blot to Peer. Een Knecht ree mit de Kinner los, de he beide vör sick op‘t Peerd harr. Mitünner geev dat ok mol‘n Malöör dorbi, dat een vun de Deerns so‘n verklomte Hannen harr, stief vun de Kühl weer‘n, dormit sick nie hool‘n kunnen un dolrutschen. Wosück nu weller op‘t Peerd komen? De Knecht harr mit de anner Deern to kriegen, de noch opseet.

Bet 1874 bleven de Höhnk - Döchter in de School in Marne, gungen denn aff, un Helene Höhnk föhl, ehr Weten weer erst een lütten Anfang. Se wull mehr, veel mehr! In de Tied worr in Schleswig een Seminor för Lehrerinnen open mokt. Se meen, dat weer wat för ehr. De Vadder weer storven, un se weer noch nie mündig. Ehr‘n Vörmund un Unkel Hinnerk Ufen hett se bedt, dat ut ehr Arvdeel to betohl‘n.

Dor harr een Uul seten!--- He sä to sien Nichte, dat weer wull wat för Fruns ut de Stadt. Een dithmarscher Buurndochter schull grot Huushool‘n lehr‘n un sick dorno verheiroden. So worr se op een Gut op de Sleswiger Kant schickt, loter noch in een Apothekerhuushool‘n.--- Keen Mann funn sick an! — Mündig weer se intwischen un meen, dat se no ehr‘n Willen wat ünnernehmen wull. Ohn‘dat de Famile wat dorvun wuss, hol se sick tweedusend Mark vun ehr Arv ut Meldörp un stell ehr Lüüd den Plön vör. - Dat weer Öl in‘t Füür! Grotmudder Ufen kunn ehr Enkelin besnacken, dat noch een Johr to överleggen. De ole Lehrerin ut Marne, de to ehr heel, vermittel ehr an een Famile no Dresden mit god Anseh‘n. Hier kunn se wohnen, hier wull man sick um de junge Dithmarscherin kümmern.

In Dresden stört all dat Niede op ehr in, de Stadt mit all de Kunst, Oper, Theoter, Schauspeel, Billergalerien, de sächsische Schweiz. Se wuss gorni, wat in de unbekannte Welt mit‘n Mol op ehr tokeem. Toerst leet se sick driven, stell sick over rasch een System op, no dat se vörgoh‘n wull, nehm Ünnerricht in Geschichte, Literatur, Kunst, in Sproken Latien un Griechisch. — In Dresden besloot se all no England to goh‘n, mokt dat wohr in Aug. 1883. Een Monat nutzt se ut, um London kennen to lehr‘n. Se dreep op den Sprokenwetenschaffier Prof. Max Müller ut Oxford, een engen Fmnd vun Klaus Groth. No dat England-Studium wull se wieter no Holland, änner over ehr‘n Plon, gung no Paris, loter no de Schweiz, wo ehr in Genf dat möglich weer, an een Universität to studeer‘n.

Överall weer‘n Fruns nie toloten, de Schweiz mokt de Utnohm. Prof. Müller harr ehr den Rot geven sick mit französische Literatur un Geschichte to befoten. Vun dat schöne Genf un dat Umfeld weer Helene Höhnk begeistert, dreep op veel ungewöhnliche Bekanntschaften. Dat weer in Dresden all so ween, as se de Königin vun Sachsen vörstellt worr. De Tied in de Schweiz leep veel to gau fbr de Buurndochter ut‘n Koog. --- Dor dacht man anners--- De Famile schreeg meist op över ehr Geld ut Finster smieten, dorbi harr se vun de 20 000 Mark blot tweedusend utgeven. Harr se dat ohnt, dat de Inflatschoon loter ehr Vermögen opfreet, harr se sick nie un nimmer dorvun afibringen loten no Holland to goh‘n.

Se worr toruch ropen, geev anners keen Utflucht. --- Nu hier in de Heimat söcht se de ole Lehrerin ut Marne op, de vun Geburt Dänin weer, ok de schwedische Sprok beherrschen dee un Helene Höhnk in beide Sproken ünnerrichten kunn. Nösten hett se dat doch dörsett, hett in Kopenhagen levt un dänische Studien bedreven, Johre loter in Stockholm un Uppsala. Nu weer se sowiet, kunn ut ehr Weten Nutzen trecken. In Genf harr se een Graf Reventlow kennen lehrt, de op ehr Influss nehm, dat se sick mit Ahnenforschung befoten much. Vun em kreeg se een groten Opdrag un hett sick mit ehr Energie in de Archive fastsett. Dor funn se een wied Feld vör. Man worr opmerksom op de junge Fru, de een Welt erobern kunn, wo Fruns nix to söken harr‘n.Ehr Lehr- un Wannerjohr‘n harr‘n länger duurt as bi anner Studenten. Ümmer weller övernehm se Familienplichten, leet sick to‘n Hebamm utbilden, wo ehr ok een Steen in Weg leeg. Een Fru, nie verheirodt, dörf keen Hebamm warr‘n!

Se, de sölben keen Kinner harr, wull over junge Müdder to Siet stoh‘n un lütte Minschenkinner to Welt hölpen. Se hett Muddersteed vertreden an ehr‘n jüngsten Broder, de ok studeer un de Diplomatenloopbohn in‘t Oog harr. He weer een Dodeskandidot, sien Swester weer an sien Siet in Genf Leipzig, Bonn, toletzt Lübeck, wo sien jung Leven een Enn nehm.Dorno fohr se no Berlin, kreeg Kontakt mit Fruns, de no vörn seh‘n un mehr Recht fordern.

Helene Höhnk arbeid in‘t Archiv vun de Breitenborg bi Itzehoe un wull ehr Doktorarbeid schrieven över de letzte Fehd in Dithmarschen, in Latien leeg den Hergang vör. Dat Schicksol sloog ehr hard, een Siaganfall reet ehr ut de Arbeid ‘rut.Se verhol sick god, muss over nu körter pedden.

In Heid keem so to Ruh, villicht harr se de ok nödig 110 dat veele Reisen. In Heid hett Helene Höhnk de dithmarscher Landeskunde mit in‘t Leven ropen, wirkt mit dorbi as Hauptkraft in den Vörstand. Ehr Lust un Freud beheel se, gönn sick keen Ruh un Rast, hett so männig Archiv dörarbeiden kunt, so männig Familienchronik in de Reeg brocht. Se hett Sagen un Geschichten opschreven, um de sick sunst wull nie kümmert worr‘n weer.

Veel Ehr hett man ehr brocht, so kreeg se to‘n 70. Geburtsdag as erste Studentin in Dütschland vun de Universität Jena een Reis no Rom schenkt. Helene Höhnk worr 85 Johr old. Bet 1944 hett se in Marne wohnt, denn muss se de letzten Weken noch in een Heim no Büsum, wo se plegt worr un dor fbr ümmer de Ogen sioten hett. Dat rieke Leven vun Helene Höhnk harr een Enn funnen, dat Leven vun een Fru, de vun deNowelt Achtung verdeent un nie vergeten warr‘n dörft. Se hett ehr‘n Steen sett kregen op dat Ufen-Familiengraff in Kronprinzenkoog, dor bi ehr Vörfohren hett sick de Levenskrink sloten. Ehr‘n umfangrieken Schrifischatz hett se dat Museum vermokt, wo he in Düstern siöppt un an‘t Licht much.

Quelle: Opschreven v. Anne-Marga Sprick Bargenstedt, Februor 2005. Mit freundlicher Genehmigung der bekannten plattdeutschen Autorin im Frühjahr 2007

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