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Geschlechterverbände

Aus Dithmarschen-Wiki

Geschichte

Dass die Landschaft Dithmarschen quasi bis ins Jahr 1559 selbstverwaltet blieb und fremde Landesherren bis zu diesem Zeitpunkt nicht nachhaltig Fuß fassen konnten, wird wohl – neben der besonderen geographischen Lage - auch der Rolle der Geschlechterverbände in Dithmarschen zuzuschreiben sein.

Die dithmarscher Geschlechterverbände sind ursprünglich wohl aus Siedlungsverbänden, die im 12. Jahrhundert entstanden sind, hervorgegangen. Diese Siedlungsverbände bildeten sich, um bisher uneingedeichtes aber fruchtbares Marschvorland durch Deich- und Sielbauten urbar zu machen. Dies war eine Aufgabe, die einzelne Familien oder Sippen überfordert hätte und häufig nur im genossenschaftlichen Verband bewirkt werden konnte, jedenfalls solange eine zentrale, lenkende Macht nicht vorhanden oder ausgeprägt genug war.

Denkmal zur Schlacht von Hemmingstedt ‚Dusenddüwelswarf’

Da solche Siedlungsverbände üblicherweise nicht nur einen gemeinsamen Zweck verfolgten, sondern, wovon wohl ausgegangen werden kann, sich auch gegenseitig Rechtsbeistand leisteten, entwickelten sie sich über ihren eigentlich Zweck hinaus. Da bis ins 16. Jahrhundert hinein das Fehderecht in Dithmarschen verbreitete war, entwickelten sie sich zu einer Waffenbrüderschaft, um Sühneleistungen oder Schutz für ihre Mitglieder ggf. mit Gewalt durchzusetzen. Die Waffenbrüderschaft wiederum bildete bis ins 16. Jahrhundert hinein das Rückrat des Dithmarscher Heeres, so wie etwa in der Schlacht bei Hemmingstedt im Jahre 1500. Weil die Geschlechterverbände, ausgehend von der Besiedlung der Marsch, so erfolgreich waren, waren letztlich alle Sippen Dithmarschen gezwungen, sich in ähnlicher Weise zu organisieren. Letztlich waren diese Geschlechter auch adligen Sippen gegenüber überlegen.

Kluftbecher der Wittemannen um 1580. Der Becher trägt am Rand eine umlaufende Inschrift: DÜSSE-BEKER-HORET-WITTEMENS-MANS-GESLECHTE-THO-BUSEN-ANNO-DOMINI-1580. Am Fuß befinden sich vier aufgelegte Kluftwappen. Die Dekoration und das Innere des Bechers tragen Reste der ursprünglichen Vergoldung. Inventarnummer: DLM 400 Quelle: Dithmarscher Landesmuseum


Für mindestens 4 Jahrhunderte lang bildeten die Geschlechter einen charakteristischen Baustein in der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung Dithmarschens zur Republik. Freilich waren die Geschlechter nicht alleinige Träger der Entwicklungen jener Zeit, sondern nur ein, wenngleich auch entscheidender Teil, der Dithmarscher Verfassungswirklichkeit neben etwa Vögten und Kirchspielen. Zum Teil haben sie sich auch gegenseitig bedingt. So sind aus den führenden Personen einzelner Geschlechter immer wieder auch führende Personen einzelner Kirchspiele hervorgegangen und aus diesen die führenden Vertreter der Landschaft Dithmarschen. Ein beredetes und gut belegtes Beispiel hierzu bietet die Familie Swyn, nämlich Peter_Swyn, Swyn,_Henning, Markus_Swin. Ihre Familiengruft findet sich, neben anderen Geschlechter bzw. Familien etwa den Nanne, auf dem Geschlechterfriedhof_Lunden rund um die St. Laurentius Kirche.

St. Laurentius Kirche in Lunden und Geschlechterfriedhof

Allerdings waren die Geschlechter auch ein erheblicher und gelegentlich einer dithmarscher Staatswerdung abträglicher Unruhefaktor, weil sie – durch Partikularinteressen bestimmt – nur schwer zu kontrollieren und zu lenken waren. Die Geschlechter befehdeten sich nicht nur untereinander permanent, sondern unternahmen auch regelmäßig Raubzüge in die nähere Umgebung, sei es nach Nordfriesland über die Eider, sei es nach Holstein, oder legten sich mit den Hansestädten an oder brachen gerade wieder eine Vereinbarung, auf der die Tinte noch nicht trocken war. Anlässe gab es - wenn man denn überhaupt eine Rechtfertigung brauchte - freilich genügend, denn auch die Nachbarn, allen voran die holsteinische Ritterschaft, waren nicht untätig wenn es galt an dem einen oder anderen Raubzug teilzuhaben, um sich an den Früchten der fetten Marschen Dithmarschens zu bereichern.

Ein dokumentiertes Beispiel findet sich etwa bei Hans Wilhelm Schwarz [Amt und Gut Hanerau von den Anfängen bis 1664, Neumünster 1977] mit den Raubzügen des „Peleken Claus und seiner Seilschaft“, der im Jahre 1416 in die Vogtei Hanerau eingefallen ist. Bei diesem Raubzug plünderten die Dithmarscher mehrere Dörfer vollständig und schreckten auch vor Mord und Brandschatzung nicht zurück. Die Aufzählung solcher Ereignisse, sieht man einmal von der eingeschränkten Quellenlage ab, ließe sich für das 15. Jahrhundert wahrscheinlich beliebig fortsetzen.


Im 15. Jahrhubdert bereits schwinden die politischen Kräfte der Geschlechterverbände, um schließlich, spätestens 1559, ganz zu versiegen. In den Vordergrund treten nunmehr wieder mehr einzelne Familien, persönlicher Ehrgeiz und das Streben des Einzelnen nach Macht und Ansehen. Es fanden jedoch – über das eigentliche historische Interesse hinaus - bis ins 20. Jahrhundert hinein Versuche statt, einzelne Geschlechterverbände wiederzubeleben.

Wappen

Ein besonderes Interesse hat auch immer wieder die Tatsache gefunden, dass die Dithmarscher Geschlechter bzw. Kluften (Unterverbände) spätestens seit dem 15. Jahrhundert eigene Wappen geführt haben. Gerade im 20. Jahrhundert sind eine Reihe von vorzüglichen Arbeiten entstanden, um dieses Thema systematisch aufzuarbeiten. An erster Stelle sind dabei sicherlich die Arbeiten von Karl Boie (Die mittelalterlichen Geschlechter Dithmarschens und ihre Wappen, Neumünster 1937) und von Wilhelm_Thiessen (Wappen und Siegel aus Dithmarschen, Heide 1964, hier ist besonders auch auf das ‚Verzeichnis der Geschlechter’ im Anhang hinzuweisen) zu nennen. Für den Familienforscher bedeutsam ist sicherlich auch noch die Arbeit Harald Thomsen (Wappenbuch der alten Dithmarscher Geschlechter, Hamburg 1932, dort teilweise mit Namensnennung einzelner Familien).

Zu einzelnen Geschlechtern

  • Sulemann

Der Name „Suleman“ geht auf den Vornamen Sul oder Suwe zurück, also den Namen des Anführers dieses Geschlechterverbandes. Das Geschlecht führte eine aufgerichtete Säule im Wappen, teilweise mit Zusätzen verwendet und ggf. als Kluftabzeichen zu verstehen. Ursprünglich waren die Sulemann vornehmlich im Kirchspiel Lunden reich begütert. Der Stammsitz lag vermutlich in Hemme, mit dem Sulemannhof zu Flehde. Dort wird das Geschlecht bereits im Jahre 1216 erwähnt. Als älteste bekannte Mitglieder des Sulemanngeschlechtes sind etwa Ekken Riquard und Rode Wiber aus Hemme, 1434 und 1442, nachweisbar. Das Säulen Wappen ist noch in späteren Jahrhunderten in Dithmarschen bis in unsere Zeit hinein verbreitet, was die zahlreichen Säulennachweise auf Siegeln aus den Kirchspielen Hemme und Lunden belegen.


(bitte gerne ergänzen)


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