Dithmarschen-Wiki

Druckversion | Impressum | Datenschutz

Rehn, Erwin

(Weitergeleitet von Erwin Rehn)

Schulbild
Weddingstedt

Inhaltsverzeichnis

Von der NS-Zeit bis zur Biederkeit des Biedermeier

Der gebürtige Heider Erwin Rehn wurde 1943 als 16-Jähriger von der Gestapo verhaftet und verbrachte die Jahre bis zum Kriegsende im sogenannten "Jugendschutzlager" in Moringen. Er hatte mit "Ausländern konspiriert". Die körperlichen und seelischen Schäden der zweijährigen Haft haben Erwin Rehn bis an sein Lebensende geprägt. Seine Tochter Marie-Elisabeth Rehn, die das Familienleben immer als schwierigen Balanceakt am Rande der Normalität empfand, hat gegen Ende der achtziger Jahre den Versuch gewagt, die Lebensgeschichte ihres Vaters aufzuschreiben und diese Biographie in den Alltag der Kleinstadt Heide einzubetten. Beim Eintauchen in die Vergangenheit ihrer Familie, die in Dithmarschen zu Hause war, ist Marie-Elisabeth Rehn auf eine Reihe von Lebensgeschichten gestoßen, die die offizielle Geschichtsschreibung bisher ausgeklammert hatte.

Biographie


Am 23. Februar 1927 in Heide geboren, mit 16 Jahren wird er verhaftet und im KZ Moringen interniert, er überlebte mit bleibenden gesundheitlichen Schäden; Erwin Rehn starb am 23. Mai 2000.

Stolperstein

Am 18.08.2011 wurde durch den Künstler Gunter Demnig zum Gedenken ein Stolperstein [[1]] in Albersdorf [[2]], Kapellenplatz verlegt. Die Inschrift lautet:

    Hier lernte
    Erwin Rehn
    Jg 1927
    verhaftet 1943
    "Landesverrat"
    KZ Moringen
    befreit/überlebt

Rede an der Gedenkstätte Moringen

„Ich bin die Tochter von ´Lagerzögling´ 933“

Von Marie-Elisabeth Rehn, Konstanz


Ich heiße Marie-Elisabeth Rehn und bin die Tochter von „Lagerzögling“ 933, Erwin Rehn aus Heide. Auch ich wurde in Heide im westlichen Schleswig-Holstein geboren, wuchs in einem kleinen Dorf in der Nähe der Kreisstadt auf und besuchte dort später das Gymnasium.

In Heide erinnerte man sich auch lange nach dem Krieg noch an die Verhaftung meines Vaters im Jahr 1943 und die nachfolgende zweijährige KZ-Haft. Noch in den fünfziger Jahren erlebte ich, dass ich in der Schule als Kind des „Zuchthäuslers“ oder „Landesverräters“ bezeichnet wurde – Begriffe, deren Sinn ich kaum verstand.

Rückblickend kann ich heute sagen, dass ich in meiner Kindheit und Jugend meinen Vater nie als gefeiertes „Opfer des Nationalsozialismus“ erlebt habe. Ich erinnere mich nur, dass er häufig krank war. Regelmäßig musste die ganze Familie zum Röntgen antreten. Die Tuberkulose, an der mein Vater bei Kriegsende erkrankt war, konnte ja wieder „aktiv“ werden. Die zahlreichen Besuche bei medizinischen Gutachtern hatten auch einen anderen Grund: Das „Amt“ in Kiel. Vor dem Landesentschädigungsamt musste mein Vater immer wieder nachweisen, dass er seine OdN-Rente (OdN = Opfer des Nationalsozialismus) zu Recht bezog. Bis an sein Lebensende ging es um die Prozente der „Erwerbsminderung“ durch die Tuberkulose und deren Folgen. Ebenfalls jahrzehntelang ging es um den Nachweis, dass es sich bei der „Konspiration mit Ausländern“, welche die Gestapo dem 16jährigen Erwin Rehn vorgeworfen hatte, tatsächlich um einen Akt des politischen Widerstandes gehandelt hatte. Eine große Hürde für die Behörden war offensichtlich der Name „Jugendschutzlager Moringen“, denn dieser klang so gar nicht nach KZ. In den sechziger Jahren gab es ein paar schreckliche Wochen, als mein Vater für den Internationalen Suchdienst des Roten Kreuzes seinen beklemmend sachlichen, völlig emotionslosen Erinnerungsbericht über das Lager in Moringen schrieb.

Die Bescheide aus Kiel füllten diverse Aktenordner und die stunden- und tagelangen Monologe, in denen mein Vater versuchte, die Entscheidungen des Landesentschädigungsamts anzufechten, sind aus meinen Erinnerungen an die Kinderzeit und Jugend nicht wegzudenken. Auch die finanzielle Not war ein ständiger Begleiter. Den chronisch Kranken stellte kein Arbeitgeber ein. Ich habe nie einen Vater gehabt, der morgens regelmäßig mit der Aktentasche das Haus verließ und ebenso regelmäßig Geld mit nach Hause brachte.

Niemand in Familie oder Bekanntenkreis – geschweige denn die mit diesem Themenkreis befasste Bürokratie - hat je nachvollziehen können, was die einstigen Gefängnis- und KZ-Insassen tatsächlich mitgemacht haben, wie sie von ihren Peinigern verletzt und erniedrigt wurden. Als Kind habe ich voll Staunen miterlebt, wie gelöst mein Vater war, wenn ein „Zigeuner“ oder Zeuge Jehovas bei seiner Runde durchs Dorf bei uns auftauchte und sich als einstiger Leidensgenosse entpuppte. Diese Nähe zu ihm habe ich selbst erst herstellen können, als ich gegen Ende der achtziger Jahre begann, das Buch über das Leben meines Vaters und seine Heimatstadt Heide zu schreiben. Als ich ihm das Kapitel über das Lager in Moringen gab, beschämte er mich nach der Lektüre mit den lobenden Worten, man könnte meinen, ich wäre dabei gewesen.

Quelle: „Ich bin die Tochter von ´Lagerzögling´ 933“

Publikationen

ErwinRehn.jpg Heet de Wiehnachtsmann Fiete? Geschichten vun een Heider Jung 1. Auflage 2005 84 S. Taschenbuch ca. 14,8x21 cm 126 g geschrieben in plattdeutsch Pro BUSINESS Verlag ISBN: 978-3-939000-30-3 ISBN(alt): 3-939000-30-2 Das Buch: ... Dat Gröttste weer obers „Café Kirschner “, ook in de Süderstroot... Dat Leib-un Mogenleed bi „Oskar...weer: “Mit meiner kleinen Laterne komm ich heut’ Abend zu Dir“. Un wenn Oskar Kirschner Sünnobendobend „gut op ’n Damm“ weer, wiel dat Lokol proppenvull weer, sung he sülben, un dat gung so: Dat Licht gung ut, in ’t Lokol woar dat düster, un achter de Servierluk vun de Köök funzel een lütt mikerig Licht rum. Denn keem de Laterne un Oskar sien Kopp döör de Luk, un he fung an to singen. Ünner dat Singen weuhl he sien tweehunnert Pund Lebendgewicht döör de Klapp, un he gung döör den Ruum bet op dat Musikpodium, wo he denn to End keem. Dat Lokol bewer vöör Begeisterung un Biefall vun de Gäst. *** ...As wi eben an de eersten Hüüs vörbi sünd, heurt wi dat achter uns luud singen un fleuten. No een Wiel öwerholt uns een flachen Buwogen, mit twee kräftige bruune Peer bespannt. De Wogen is mit een deftige Lodung witten Sand beloodt un vör op steiht een jungen Mann mit een plietsch Gesicht, in opkrempelte Hemdsmauen un West, un he is dat, de doar no Hartenslust singt un fleut. De Mann op den Wogen, dat weer Arthur Runge ut Weddinghusen. He harr een Sandkuhl un leewer den Sand för niede Hüüs un sunst noch so allerhand. Wegen sien beständigen Gesang un sien Fleuten weer he in de Stadt bloos as de „Nachtigall vun Weddinghusen“ bekannt.


Geschichten un Döntjes um min Mudder ehr Kokbook : Een lütten Klöhnsnack över Eeten un Drinken in een Börgerfamilie an de Westküst twischen de twee groten Kriege mit Rezepten. - Konstanz : Rummelpott-Verl., 1991. - 57 S. - ISBN: 3-928595-00-8 PBuB-ID: 12770 Quelle: GBV

Heet de Wiehnachtsmann Fiete? : Geschichten vun een Heider Jung. - Berlin : Pro Business, 2005. - 84 S. - ISBN: 3-939000-30-2 PBuB-ID: 12954 Quelle: GBV


Literatur über Autor und Werk (Sekundärliteratur):

Marie-Elisabeth Rehn Heider gottsleider : Kleinstadtleben unter dem Hakenkreuz ; eine Biographie. - Basel : Schweizerische Ges. für Volkskunde, 1992. - 213 S. : Ill. - ISBN: 3-908122-36-8 - Schriften der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde ; 73. PBuB-ID: 12964 Quelle: GBV


Kleinere Schriften über Autor und Werk: Erwin Rehn: Gedächtnisbericht über das SS-Sonderlager (Jugendschutzlager) Moringen/Solling und über das Außenlager Volpriehausen In: Dokumentationsstelle zur NS-Sozialpolitik : Mitteilungen. Bd. 1.1985, 9, S. 91-101. Quelle: INS


Monographien in Hochdeutsch [z.T. Auswahl]:

Die Stillschweigs. Von Ostrowo über Berlin und Peine nach Heide in Holstein bis zum Ende in Riga, Theresienstadt und Auschwitz. Eine jüdische Familiensaga 1862 - 1944 / Erwin Rehn & Marie-Elisabeth Rehn. Konstanz: Hartung-Gorre 1998. 216 S. : Ill. So is dat nu nich mehr Jehann. 1995.

Marie-Elisabeth Rehn

Marie-Elisabeth Rehn (* 1951 in Heide (Holstein)) ist promovierte Volkskundlerin und war früher Journalistin. Sie hat in Heider Gottsleider den NS-Alltag in ihrer Geburtsstadt Heide und die Leidensgeschichte ihres Vaters Erwin Rehn beschrieben, der mit 16 Jahren wegen „staatsfeindlicher Umtriebe“ von der Gestapo verhaftet wurde und zwei Jahre lang im Jugendkonzentrationslager Moringen inhaftiert war. In Die Stillschweigs versuchte sie zusammen mit ihrem Vater Erwin Rehn das Leben der jüdischen Familie Stillschweig aus Heide nachzuzeichnen. Sie hat auch dabei geholfen, Erinnerungsberichte einstiger niederländischer Zwangsarbeiter zu veröffentlichen. Quelle: Wikipedia

Links

private Homepage von Marie Elisabeth Rehn


Finden

Durchsuchen
Startseite
Vorwort
Gruppe bei Facebook
Alle Artikel
Aktuelle Ereignisse
Letzte Änderungen
Zufällige Seite
Erste Schritte
Support
Bearbeiten
Quelltext anzeigen
Bearbeitungshilfe
Seitenoptionen
Diese Seite diskutieren
Neuer Abschnitt
Druckversion
Kontext
Versionen
Links auf diese Seite
Änderungen an verlinkten Seiten
Meine Seiten
Anmelden / Benutzerkonto anlegen
Spezialseiten
Neue Seiten
Dateiliste
Statistik
Mehr …