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Weißenborn, Erna

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Inhaltsverzeichnis

Eine Frau schreibt ihren Weg: Erna Weißenborn (1898-1973)

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Herkunft und Kindheit (1898-1914)

Die Schriftstellerin, Dramatikerin und Journalistin Erna Weißenborn hat ein umfangreiches erzählerisches und dramatisches Werk hinterlassen. Sie ist in Köln geboren, seit ihrem 10. Lebensjahr wohnte sie in Heide/Holst. Ihre frühen Romane erschienen unter dem Namen"Erna Weißenborn-Dancker". 1925 heiratete sie den Journalisten Richard Spangenberg (1874-1967). Von 1927 an lautete ihr Künstlername "Erna Weißenborn". Sie ist auf dem Heider Nordfriedhof begraben. Erna Weißenborn wurde am 10. Juli 1898 in Köln geboren. Ihr Vater, der Ingenieur Hugo Weißenborn (1873-1960), stammte aus Thüringen, ihre Mutter Auguste Neukirchen (1874-1960)war Rheinländerin. Nach dem frühen Tod des Vaters, der seine kleine Familie unversorgt zurückließ, kam das kleine Mädchen zu seiner Großmutter väterlicherseits nach Eisenach, während seine Mutter in Hamburg eine Handelsschule besuchte. Durch einen Unfall verlor Erna ein Auge. Die Jahre bei ihrer Großmutter prägten das lebhafte Kind, das eine sprühende Phantasie besaß, schon früh sein Erzähltalent entfaltete, aber auch still zuhören konnte. "Die Lust zu fabulieren" hatte sie von ihrer Mutter, ihr Vater hat ihr seinen Charme und das Theaterblut vererbt, - der Familienlegende nach zählt Caroline Neuber geb. Weißenborn, die berühmte "Neuberin", die erste Prinzipalin (Theaterchefin) Deutschlands,zu den Ahnen der Weißenborns. Erna Weißenborn besaß wie sie eine für eine Frau ungewöhnliche dramatische Begabung, war wie die Neuberin, selbstbewusst und willenstark und hatte wie sie im Alter mit Armut zu kämpfen. Erna Weißenborns Mutter heiratete dann den Kaufmann Wilhelm Dancker aus Altona (1880-1954), und die Familie zog nach Heide. Auguste Dancker las viel, was die Leute in der Kleinstadt verwunderlich fanden. Sie begeisterte sich für die plattdeutsche Literatur und las im Familienkreis aus den Werken von Klaus Groth und Fritz Reuter vor. So wuchs die inzwischen sechsköpfige Familie, Vater, Mutter, zwei Töchter und zwei Söhne, in die Kleinstadt hinein. Erna Weißenborn besuchte die Höhere Töchterschule von Frl. Lola Gerds, dort wurde viel Wert auf den Literaturunterricht gelegt. Gern trug Erna Lieder und Gedichte vor, sie war zeitlebens eine hervorragende Interpretin ihrer Werke mit ihrer dunklen wandlungsfähigen Stimme. Wichtig für die zukünftige Dramatikerin war die Begegnung mit klassischen und auch ganz modernen Theaterstücken, die von der kleine Bühne des Gustav Krebs und seiner Frau im Heider "Tivoli" und im "Kaisersaal" gespielt wurden.

Die frühen Werke (1914-1930)

Die ersten Erzählungen des Schulmädchens erschienen in der Heider Tageszeitung "Heider Anzeiger", der erste Roman, "Frau Hannas Ehe", kam 1917 heraus.Erna Weißenborn hat niemals Liebesromane geschrieben,die Erzählungen beginnen mit der Hochzeit. Ihre jungen Frauen sind weder sanft noch fügsam, sind keine aufopferungsvollen Mütter, sondern kämpfen für Gleichberechtigung in der Ehe und für ein selbstbestimmtes Leben. Die kleinen Romane sind sehr spannend zu lesen und gaben vielleicht ein wenig Lebenshilfe, sie erschienen auch als Zeitungsromene, "Frau Hanna" allein über 50 Mal. In einem ganz anderen Milieu spielt Erna Weißenborns Roman "Die Mausefalle", der 1921 im Verlag von Friedrich Fontane (1864-1941) erschienen ist. Es geht um "die Geschichte des Mädchens Dela, das um des Reichtums willen einen Pakt mit dem Teufel schließt und alles wieder hergeben muss." (Erna Weißnenborn) Dieser Roman machte Geschichte: die Ufa verfilmte ihn 1922 unter dem Titel "Am Rande der Großstadt", leider ist der Stummfilm, der ein Kassenschlager war, nicht erhalten. 1928 erschien eine weitere Auflage des Romans bei Georg Müller in München, schließlich wurde daraus das Schauspiel "Destille Veit".

Am 9. Mai 1925 heiratete Erna Weißenborn den 24 Jahre älteren Richard Spangenberg (1874-1967), den neuen Chefredakteur des "Heider Anzeiger". Der Junggeselle, der nie hatte heiraten wollen, hatte sich in die kapriziöse junge Frau verliebt. - Richard Spangenberg der in Kassel geboren war, stammte aus einem weltoffenen Elternhaus. Er und seine Schwestern wurden gemeinsam mit französischen und amerikanischen Pensionären erzogen. Der Beruf des Industriekaufmanns befriedigte ihn nicht. Er entschloss sich, Journalist zu werden, und fand seinen Lebensberuf. Er war ein Allround-Könner, was das Handwerk anging, ein vorbildlicher Chef, ein scharfer Streiter , gleichzeitig ein liebenswürdiger Mensch, umfassend gebildet und ungeheuer belesen. Wegen Auswirkungen der Inflation gab er seine Stellung in Kassel auf und nahm das Angebot aus Heide an. 23 Jahre lang war er Chefredakteur. 1926 wurde die Tochter geboren. Die jungen Frau und Mutter genoss ihre neue Stellung als Ehefrau des angesehenen Redakteurs, begleitete ihn ins Theater und ins Konzert, aber es war absehbar, dass sie sich auf die Dauer nicht mit der Stellung als "Frau an seiner Seite" begnügen würde, was ihm auch sicherlich nicht recht gewesen wäre. 1927 erschien der Roman "Der Stern Kretuklar" in der Deutschen Buchgemeinschaft. Wann die Romane "Der rote Husar" und "Die Lichtträgerin" entstanden sind, lässt sich nicht sagen, sie sollten erst 1938 und 1939 erscheinen, obgleich Erna Weißenborn nicht Mitglied der Reichsschrifttumskammer war. Der "Husar" schien wohl als "Bauernroman" in die Blut-und Bodenideologie zu passen. In dem Roman "Die Lichtträgerin" verarbeitete Erna Weißenborn aus der englischen "Beggars Opera", die 1920 wiederentdeckt worden war. Bertholt Brecht hat daraus die "Dreigroschenoper" gemacht.

Das dramatische Werk (1930-1954)

Das Schauspiel "Das Haus wider Gott" wurde 1930 in Flensburg uraufgeführt. Es geht darin um das Lebensrecht von geistig und körperlich behinderten Menschen. Die Jahre zwischen1939 und 1947 erlebte Erna Weißenborn als berauschende Erfolge ihrer Theaterstücke auf den großen Bühnen Deutschlands, umso bemerkenswerter, als sie in keiner Weise der nationalsozialistischen Ideologie verpflichtet war. Zu verdanken hatte sie dies ihrer dramatischen Begabung und vor allem der Förderung durch Peter Suhrkamp (damals Fischer-Verlag) und Heinz Hilpert, dem Intendanten des Deutschen Theaters in Berlin. Aufgeführt wurden "Destille Veit", "Linna Nordmann" und "Umzug ins Altersheim", nach 1945 folgten noch die von den Nazis verbotenen "Die Kathedrale" und das Märchenspiel "Das goldene Netz". Allerdings - neben den Erfolgen gab es Enttäuschungen - nicht nur "Die Kathedrale" wurde verboten, "Destille Veit" und "Umzug ins Altersheim" durften zunächst nicht in Berlin aufgeführt werden, "Linna Nordmann" landete gar im Giftschrank der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig, wurde aber trotzdem in Hamburg aufgeführt. Geplante Aufführungen in Wien wurden verboten - Erna Weißenborn hat nie verstanden, dass ihre Stücke politisch nicht erwünscht waren und deshalb verboten wurden, ja, sie sah die Schuld bei Hilpert und Suhrkamp, ohne zu ahnen, wie gefährdet die beiden waren.(Suhrkamp wurde im April 1944 verhaftet.) Das alles harrt noch der wissenschaftlichen Aufarbeitung. - Mit Hilpert kam sie noch einmal zusammen,1954 inszenierte er ihr Drama"Nr. 228 wird aufgerufen", das Schicksal eines deutschen Soldaten in russischer Kriegsgefangenschaft.

Erna Weißenborn als freiberufliche Schriftstellerin (1945-1973)

Romane und Erzählungen

  • Erste Erzählungen ab 1913
  • Familie Hanke, Zeitungsroman
  • Frau Hannas Ehe, 1917
  • Die Sünde der Hilgenhofs, 1918
  • Die Mausefalle, 1921 ( eine weitere Auflage)
  • Wunderlich, der Gärtner, 1923
  • Der Schrei nach Leben, 1924
  • Der Stern Kretuklar,1926
  • Die Lichtträgerin, 1938
  • Der rote Husar, 1939 (mehrere Auflagen)
  • Der Umweg nach Seelau, 1948
  • Die Quelle, 1948
  • Barbarossa und der Dicke, 1950
  • Schöne holsteinische Erzählungen (deutsche Schullektüre für Japan)
  • Warten auf den Tag, 1962
  • Lillebe, 1969
  • Flitterwochenwetter, 1971
  • Abschied von den Flitterwochen, 1971
  • Glanz auf allen Wegen, 1973 (posthum)

Schauspiele und Dramen

  • Das Haus wider Gott, 1930
  • Destille Veit, 1939
  • Linna Nordmann, 1941
  • Umzug ins Alterheim, 1942
  • Das goldene Netz, 1946
  • Die Kathedrale, 1947
  • Nr. 228 wird aufgerufen, 1954
  • Een Dör sleiht to, 1971

Hörspiele

  • Eine Tür fällt zu, 1948
  • Die Sahneziege, 1948
  • Nein, Herr Gimont, 1951 mit dem bayerischen Hörspielpreis ausgezeichnet.
  • Umzug ins Altersheim, 1952
  • Kopf weg, es regnet Gold, 1957
  • Een Dör sleiht to, 1963

Film

  • Am Rande der Großstadt, 1922


Quellen

Der schriftliche Nachlass von Erna Weißenborn (jetzt in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek in Kiel) und die autobiographischen Schriften von Erna Weißenborn

Links

Das Leben von Erna Weißenborn wurde im Dokumentarfilm "Erna Weißenborn - Eine Frau schreibt ihren Weg" im Jahr 2000 unter der Regie von Martina Fluck verfilmt. Nordische Filmtage in Lübeck Zum Film von Martina Fluck.


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