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Dithmarscher Landestracht

Aus Dithmarschen-Wiki

Dieser Artikel beschreibt die Kleidung der Dithmarscher im 15./16. Jahrhundert

Braun und Hogenberg "Diversi Dithmarsorum et vicinarum gentium habitus" aus 'Civitates Orbis Terrarum'
Kolorierter Kupferstich von Braun und Hogenberg

Inhaltsverzeichnis

Aufzeichung durch Neocorus

Von der Kleidung aus dieser Epoche sind keine Originale erhalten. Es sind lediglich schriftliche Aufzeichnungen vorhanden. So hat der Büsumer Pastor, Geschichtsschreiber und Chronist Neocorus die Gewänder von Frauen und Männern recht genau beschrieben. Dazu belegte er das Aussehen der Trachten durch anschauliche Zeichnungen. So war man zum Ende des letzten Jahrhunderts in der Lage, nach diesen Informationen die heute getragenen, nachempfundenen Trachten anzufertigen.

Besonders die Frauenkleidung hat Neocorus ausführlich beschrieben. Die Tracht muß für damalige Verhältnisse übermäßig prächtig und reich verziert gewesen sein. Über die Männerkleidung verlor er in seiner Chronik hingegen verhältnismässig wenig Worte. Dieses mag auch daran gelegen haben, dass die Männertracht sich von anderen Gegenden nicht sonderlich unterschied. Sie war in erster Linie praktisch für die tägliche Arbeit.

Im Gegensatz zu anderen Regionen in Deutschland wird in Dithmarschen nicht von einer Bauerntracht gesprochen. Es handelt sich vielmehr um eine Landestracht, die über einen großen Zeitraum kaum vom Kleidungsstil anderer Regionen beeinflusst wurde.

Originalausrüstungen oder Teile davon sind aus dieser Zeit nicht erhalten geblieben.

Paar in Dithmarscher Tracht

Die Frauentracht

Neocorus hat die Frauentracht ausgiebig beschrieben. Hingegen finden sich in seinen Aufzeichnungen nur wenige Angaben zur Männertracht.

Die Frauen- wie auch die Jungmädchentracht sind vom Schnitt gleich. Doch während die Frauen zu der Tracht ein kleine Haube trugen, hatten die Mädchen, die noch nicht "unter der Haube" waren, einen Haarreifen.

Die Frauentracht bestand aus den folgenden Teilen:

  • Dat Hemd (die Bluse):
    Material: Leinen,
    Halsausschnitt und Brustschlitz waren mit einer Borte in rot, grün, lila oder goldfarben verziert
    Die Ärmelbündchen sowie der Halsausschnitt waren zum Teil aufwendig bestickt.
  • Dat Borstdock (das Brusttuch):
    Aus Samt mit schmalen und breiten Goldborten, zu hohen Feierlichkeiten auch mit silbernen Knöpfen verziert.
  • De Mauen (die Ärmel):
    Bestehend aus den eigentlichen, fest am Hemd angenähten oder selbständigen Ärmeln und den
    Vormauen (Unterärmel). Diese waren über die Hemdärmel geknöpft und bedeckten vom Handgelenk etwa bis zur Hälfte die Unterarme.
    Material: Samt mit Stickereien und Knöpfen verziert.
  • Dat Futterhemd oder Vorhemd (das eigentliche Kleid):
    In Form und Ausführung üblicherweise für Frauen und Mädchen gleiche: ein Kleid ohne Ärmel und Kragen.
    Es bestand aus:
    • Lifstück (Leibchen - oberer Teil)
    • Schort (Rock - unterer Teil)
      Material: Tuch
      Form: früher vorn und hinten je 6 Falten, später Falten ringsherum oder 14 Falten, davon an jeder Seite 2 und vorne 10
      Farben: grün, weiß, rot, später praktisch alle Farben, außer Gelb. Dieses war die Farbe der Dirnen.
  • De Hasen (die Strümpfe):
    Gestrickte Beinlinge (Strunken) oder auch vollständige Strümpfe (mit Füßlingen) Farbe unbekannt, wahrscheinlich weiß
  • De Schoen (die Schuhe)
    Schlichte ausgeschnittene Schuhe, Riemen mit Messing- oder Silberring als Verschluss
    Material: Leder, Wollzeug, Samt
  • De Gordel (der Gürtel)
    Aus Samt mit aufgenähtem Schmuck aus Silber oder Gold
    Daran befestigt ist
    • die Hofleiste befestigt, ein Stoffband, auf dem die Anzahl der Hektar des Hofs durch Knöpfe symbolisiert werden. So war sofort sichtbar, ob ein Mädchen im heiratsfähigen Alter eine "gute Partie" war.
    • der Besteckköcher aus Samt, in dem Löffel und Messer verstaut waren. Der Köcher hing an langen seidenen Bändern oder silbernen Ketten vom Gürtel herab. Das Besteck wurde bei Feierlichkeiten üblicherweise von den Gästen selbst mitgebracht.
    • dat Nesedok (das Schnupftuch)
      Ein Ziertuch, das häufig bestickt und mit Troddeln an den Spitzen verziert war.
  • De Kagel
    Eine Art Kapuze, die zweifarbig ausgeführt ist, davon eine Hälfte in Farbe der Tracht, die andere Hälfte schwarz. Sie diente in erster Linie dem Schutz vor regnerischem Wetter.
    Die Kagel war mit zwei Broschen am Schulterteil des Kleides geheftet. Bei den verheirateten Frauen zeigten Knöpfe an der rechten Seite der Kagel die Anzahl der Kinder an.

Die Männertracht

Quelle: Im Besitz der Universitätsbibliothek Kiel. Siehe auch: Beschreibung des Landes Dithmarschen

Neocorus berichtet nur sehr spärlich über die männliche Kleidung der alten Dithmarscher. Allgemein ist zu sagen, dass die Kleidung zu denen anderer Gebiete in Deutschland große Ähnlichkeiten und Parallelen aufwies.

Aufgrund der wenigen Informationen in dithmarscher Quellen musste zur Rekonstruktion auf Abbildungen und Beschreibungen auch aus benachbarten Landschaften und Regionen wie Eiderstedt und Stapelholm zurück gegriffen werden. Die beste Quelle innerhalb Dithmarschens war eine Abbildung auf dem Grabstein von Peter Swyn auf dem Lundener Geschlechterfriedhof.

Die Männertracht bestand aus:

  • einem engen Wams
  • einer scheinbar zu kurzen Hose mit "Schlag"

Das Wams wurde geknöpft und mit einer Kordel oder einem Lederriemen (Gürtel) in der Taile zusammengefasst. Sie besaß einen kurzen Stehkragen und war schlicht und schmucklos gehalten. Am Gürtel hing ein Lederbeutel für Geld und andere nützliche Dinge des Alltags sowie, auf der linken Seite die Tsake [gespr.:Zeeke], das Kurzschwert. Sie war das Symbol des freien Mannes und stand für die Freiheit Dithmarschens.

Die Hose war aus einem derben Leinenstoff gewoben. Sie hatte eine sehr kurze Beinlänge, was der Arbeit in sumpfigen und nassen Marschböden entgegenkam. Im Gegensatz zum Wams war die Form der Hose nur in Dithmarschen üblich.

Zur Tracht gehörte auch ein Hut mit Krempe, die hinten aufgestellt und vorne wie ein kurzer Schirm heruntergezogen war.

Neue Trachten

Die heute in Dithmarschen getragenen Frauentrachten orientieren sich an den Abbildungen bei Neocorus, die eine Mädchentracht und eine Frauentracht wiedergeben. Den Männertrachten lag in erster Linie die Abbildung auf dem Lundener Geschlechterfriedhof zu Grunde.

Literatur zum Thema

Grundherrschaft und bäuerliche Lebensbedingungen im Mittelalter „Tatsächlich gibt es über dieses Thema keine Schulbücher“, sagt Karl-Ludwig Necker, Lehrer am Gymnasium Kronshagen bei Kiel und Dozent am Historischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel, wo das Buch als Ergebnis eines Hauptseminars entstand. „Dieses Buch bietet Lehrern jetzt einen Pool an Ideen.“

Auf eine Einführung folgen gut 60 exemplarische Quellen sowie ein Glossar mit 84 Begriffen – von „Abgaben“ bis „Zweifelderwirtschaft“. Geleitet wurde das Buch-Projekt von dem Kieler Dozenten Prof. Dr. Arnd Reitemeier.

  • Buchtipp: Arnd Reitemeier, Grundherrschaft und bäuerliche Lebensbedingungen im Mittelalter, Verlag MV-Wissenschaft, ISBN 978-3-86582-686-2, 286 Seiten.

Trachtenbuch.jpg

Grundherrschaft und bäuerliche Lebensbedingungen im Mittelalter

Wie lebte ein Bauer im Mittelalter? Wie verwalteten im Mittelalter Könige, Fürsten oder Klöster ihre vielfach riesigen Besitztümer? Bis weit in die Neuzeit hinein lebten mehr als zwei Drittel aller Menschen auf dem Land und waren in der Landwirtschaft tätig. Ihre wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, rechtlichen und administrativen Bedingungen und Entwicklungen werden im vorliegenden Studienbuch dargestellt. Auf eine Darlegung folgen gut 60 exemplarische Quellen und ein umfangreiches Glossar sowie zahlreiche Graphiken, Tabellen und Bilder. Das Buch bietet Studierenden eine fundierte Einführung in das Thema, während LehrerInnen eine kompakte Handreichung für die Umsetzung des Themas im Unterricht erhalten.


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