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Dithmarschen-Traktate 25

Aus Dithmarschen-Wiki

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Inhaltsverzeichnis

Wenn ringsum die Baken brennen

Als Baken bezeichnet man heute im Seezeichenwesen feste Seezeichen, die unbefeuert sind oder nach ihrer Bauart oder Größe nicht die Kriterien eines Leuchtturms erfüllen. Meist werden Baken zur räumlichen Orientierung von Verkehrsteilnehmern eingesetzt.

Vorbei ist alles Dunkel: Und tschüss, Winter!

Bernhard von Oberg

Das Biiken-, Beeken- und Bakenbrennen gehört zu den Gemeinschaftsfeuern, die alljährlich abgebrannt werden und deren Bedeutung von alters her war, den Frühling zu erwecken. Bakenbrennen gibt es in Dithmarschen und auf Fehmarn. Dort wird am Vorabend des 1. Mai gebrannt. Die Mischung aus Brauchtum und Brand, Hokuspokus und Erotik ist für viele Menschen faszinierend.

Bernhard von Oberg, Foto von Mathias Sahm

Wer nach dem Ursprung des Dithmarscher Maifeuers sucht, landet – ehe er sich versieht – im England des 8. Jahrhunderts, wo Walburga, die Tochter des Königs Richard und der Wunna, im Kloster Wimborne erzogen wurde. Bald schon muss ihr Onkel, der Heilige Bonifatius, die besonderen Fähigkeiten seiner Nichte entdeckt haben und berief sie als Missionarin nach Deutschland, wo sie zahlreiche Wunder wirkte. Nach ihrem Tod folgte an einem letzten Sonntag im April mit der Heiligsprechung der Gebeine, der Kanonisation, die Einführung des Maifestes. Die Nacht vom 30. April zum 1. Mai wurde in den Dörfern zur „Walpurgisnacht“. Das Hineinfeiern vom 30. April auf den 1. Mai ist anscheinend eine Reliquie, ein Überbleibsel der Heiligengedenkung aus dem Mittelalter.

Doch der Schein trügt, fand doch ursprünglich zu diesem Zeitpunkt ein heidnisches Frühjahrsfest statt. Getreu dem Motto „Und tschüss, Winter!“ vertrieben die Feiernden durch allerlei Maßnahmen, wie reichlich Lärm, Getöse von Pfeifen, Trommeln, Schießen und großen Feuern die bösen Geister der Finsternis.

Später wurde sie vom mittelalterlichen Christentum und vom modernen Tourismus zu einer vom Teufel angeführten Hexen- und Druidennacht umgedeutet. Jugendliche hatten bei diesem Event ebenfalls ihren Spaß und „verziehen“ alles was nicht niet- und nagelfest ist aus den Gärten und Höfen und verstecken es, meist in nächster Nähe.

Die Heilige Walburga war die Patronin der Mägde und Bäuerinnen. Außerdem galt sie als Beschützerin der Zauberkünste, die die unheilvollen Aktionen der Hexen und Unholde bekämpfen sollte. Berühmt ist die Walpurgisfeier auf dem Brocken im Harz.

Ist das Feuer etwas heruntergebrannt findet in einigen Gegenden der Maisprung statt, ein Brauchtum bei dem es üblich ist, dass Verliebte gemeinsam über das Maifeuer springen. Die Mischung aus Brauchtum und Brand, Hokuspokus und Erotik ist für viele Menschen faszinierend.

Vom Mittelalter zu Müllenhoff

In Dithmarschen zündet man am Walpurgisabend, dem Abend vor dem ersten Mai, auf Hügeln und Kreuzwegen große Feuer an, die man Baken nennt. Knaben und junge Leute tragen von allen Seiten Stroh und dürre Reiser zusammen, und unter Jubeln und Springen wird der Abend bei der Flamme hingebracht. Einige größere Burschen nehmen ganze Strohbündel auf eine Forke, laufen damit umher und schwenken sie so lange, bis sie ausgebrannt sind. Ebenso feiert man auch auf Fehmarn, das von Dithmarschen aus vorzeiten ist bevölkert worden, mit Bakenbrennen den Maiabend.

Von Groth wissen wir, dass er seinen Burnout auf Fehmarn kurierte und den Quickborn verfasste. Maik Schwartau zieht es – gerade rechtzeitig zum Bakenbrennen auch in Richtung Fehmarn. Der Zug der Dithmarscher ist noch nicht abgebrochen.

Kanalzeitung vor 100 Jahren

Vor 100 Jahren, am 1. Mai 1914, erschien in der Brunsbütteler Kanalzeitung folgender Beitrag:

Brunsbüttelkoog, 1. Mai

Maifeuer. In holsteinischen Landen besteht noch heute die uralte Sitte des so genannten „Bakenbrennens“ am Maiabend. Das Maifeuer ist ein Seitenstück zum Johannisfeuer, hat aber nicht allgemein die Bedeutung als Volkssitte gefunden wie dieses. Aber geübt wird es an manchen Orten, besonders auch in der Marsch. Allerlei Gestrüpp, dürres Reisig, altes Holz geben das Brennmaterial ab, das in einem Bund Stroh und wohl gar einer Teertonne seine willkommenste Ergänzung findet. In Dithmarschen brennen am Maiabend überall Baken. Man wählt sich einen hochgelegenen Punkt, um das Feuer weithin sichtbar zu machen. Die Dorfbewohner ziehen hinaus aufs Feld, um sich das feurige Schauspiel anzusehen, wenn von den Hügeln und Höhen herab die Baken leuchten. „Der Mai ist gekommen“ wird angestimmt. Unter Scherzen und Tollen vergnügt sich die Jugend am Bakenfeuer und versucht wohl, sich gegenseitig das Gesicht zu schwärzen. Aus heidnischer Zeit stammt das holsteinische und dithmarsische Bakenbrennen. Noch heute verkünden die flackernden Flammen der lebenden Generation die Kunde, die die Altvorderen sie künden ließen: „Vorbei ist alles Dunkel und alle Winterqual! Das Licht ist da, der Mai, der liebe Mai!“


Fußnote

Lieber Kollege Behrendt, manchmal wird die Geschichte neu erfunden und bewertet. Das haben die Christen gemacht, um das Heidentum zu kaschieren. Die Heimatforscher haben auch ein Talent für moderne Interpretationen. Und heute gibt es – auch in Dithmarschen – so manches Fest aus der Retorte, von dem es heißt, es war schon immer so.

Ein Sylter Märchen: Ein Abschiedsfest für die Seefahrer

So wie in Heide die Eggenfeste wurden auch auf der Insel Sylt im 19. Jahrhundert alte Traditionen neu belebt. Anfang des 19. Jahrhunderts war das Biikebrennen auf Sylt fast in Vergessenheit geraten, so dass auch die damaligen Chronisten sich nur noch dunkel daran erinnerten. Das hing wohl auch damit zusammen, dass es seit 1808 wegen des Krieges gegen die Engländer verboten war, derartige Feuer zu Volksbelustigung abzubrennen. Woher nun aber die Festlegung auf den 21. Februar? Dieses verdanken die Sylter Christian Peter Hansen (1803-1879), dem bekannten Geschichtsschreiber von Sylt. Auch er kannte nur noch die bruchstückhafte Überlieferung dieses Brauches. Und im Geist seiner Zeit und einer, wie er selbst sagte, blühenden Phantasie, belebte er die Geschichte des Biikens neu. Er verband das Biikefeuer mit einer alten Überlieferung aus dem 18. Jahrhundert, wonach sich am 22. Februar jeden Jahres, also am Tag des Frühjahrstings (Gerichtstag), in Keitum (Sylt) die Seefahrer versammelten, um Vereinbarungen über ihre Abfahrt nach Holland zu treffen. Und somit erhielt das Biikefeuer die Bedeutung, ein Abschiedsfest für die ausfahrenden Seefahrer zu sein. Diese Auffassung wurde dann allgemein übernommen und hat sich bis heute gehalten.

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