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Dithmarschen-Traktate 10

Aus Dithmarschen-Wiki

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Bernhard von Oberg. Foto: Jörg Jahnke


Ein bedeutendes Ereignis.

Wenn es für die Dithmarscher einen Nationalfeiertag gäbe, wie etwa den 14. Juli für die Franzosen, als das Volk von Paris die Bastille stürmte und die Revolution begann, wenn es für die Dithmarscher einen solchen Tag gäbe, dann wäre das der 17. Februar. Am 17. Tag des zweiten Monats Anno 1500 ereignete sich das Wunder von Hemmingstedt. Die Dänen wurden besiegt.

War das alles, was sich am 17. Tag des zweiten Monats ereignete, meine Damen und Herren?

Nein.

Am 17. Tag des zweiten Monats endete ein Kapitel Menschheitsgeschichte, die anschließend mit Noah und seiner Familie im Zeichen des Regenbogens einen neuen Anfang nahm.

Ich zitiere: „Am 17. Tag des zweiten Monats öffneten sich die Schleusen des Himmels und die Quellen der Tiefe brachen aus der Erde hervor.“

Die große Flut kommt. Noah und seine Tiere sind geborgen in der Arche.

Der 17. Tag des zweiten Monats, meine Damen und Herren, markiert jedoch noch einen anderen Wendepunkt der Geschichte. Zwölfundeinhalb Monate später – biblisch gerechnet – öffnete Noah das Dach seiner Arche und sah, dass auf der Erde kein Wasser mehr stand. Das Jagdrecht.

Kurze Zeit darauf – nach einem Umzug dauert es eine Weile, bis man sich eingerichtet hat, nicht wahr, Pastor Hose -, stand die Großfamilie Noah auf Neuland, irgendwann im März also.

Und wie sie da stand in Gottes neuem Garten, der erst noch ein Garten Eden werden wollte, da kam der Herr und sagte (aufgezeichnet im 1. Buch Mose: 9 Vers 2): „Lieber Noah, jetzt schließe ich einen Bund mit Euch und …

„Alle Tiere werden sich vor euch fürchten müssen: Landtiere, Wassertiere und Vögel. Ich gebe sie in eure Gewalt.“

Was heißt das?


Ich fasse zusammen: Noah, 600 Jahre jung, wird zunächst oberster Tierschützer. Er schützt die durch die Flutkatastrophe bedrohten Arten und anschließend bekommt er von Gott die Lizenz zur Jagd und zum Fischfang.

Die Sintflut ist vorbei und Gott gibt den Menschen das Jagd- und Fischereirecht. Und er tut es genau zu dem Zeitpunkt, an dem unser Jagdjahr noch heute beginnt, am 1. April.

All das könnt Ihr, können Sie nachlesen, in der Bibel.

Waidmannsheil!


Die Gute Botschaft.

Die biblische Botschaft vom Umgang mit den Tieren, liebe Jagdfreunde, endet nicht an dieser Stelle. Sie endet nicht mit Nimrod, dem – wie es heißt – wohl größten aller Jäger, für den die Jagd ein Sport war. Bei den Leuten Noahs ging es um Nahrungsbeschaffung. Wilde Tiere wurden zum Selbstschutz getötet oder zum Schutz der Haustiere oder Ernten.

In der Arche galt – so stelle ich mir das vor – Burgfrieden wie zwischen Fuchs, Dachs und Brandente, die sich gelegentlich eine Adresse teilen.

• Jagdsport • Jagd zur Nahrungsbeschaffung • Jagd als Selbstschutz • Jagd zum Schutz der Tiere.

Meine Damen und Herren, das biblische Spektrum des Themas Jagd ist breit gefächert. Und es geht – man lese und staune (!) – unmittelbar nach der Sintflut noch weiter in Richtung Tierschutz:

Gewisse wildlebende Tiere – die Bibel zählt sie auf - wurden jedoch mit einem Tabu belegt. Sie kamen nicht auf die Speisekarte. Der Hase war – ich sage es modern – kein jagdbares Wild. Auch das Kamel hatte zwölf Monate Schonzeit. Für die Tiere war es ein Schutz. Magischer Tierschutz, wie er auch von anderen Jagdvölkern bekannt ist. Heutzutage treten Nationalparks an die Stelle der Magie.

Und wir finden beim Pirschen in der Bibel noch weitere Jagdbestimmungen: Da ist das Verbot, den Muttervogel mit den Jungen oder Eiern zu nehmen. Der Muttervogel sollte freigelassen werden, damit er weitere Junge aufziehen kann.

An dieser Stelle möchte ich mit Ihnen ein paar Jahrtausende Jagdgeschichte überspringen, die mit Esau und Jakob etwa, meinem Lieblingspatriarchen, oder dem Tristan, der es verstand, das Wild mit dem Hund aufzuspüren. Das alles sprengt den zeitlichen Rahmen der Hubertusmesse.

Setzen wir die kleine Meditation gemeinsam mit Martin Luther fort. Begleiten Sie mich von der Wildnis Sinai nach Wittenberg.


Martin Luther: Die Jagd, „ein ordentlich, recht Werk“

Doch was hat der Herr Luther als Botschaft zum Thema Jagd hinterlassen? Auf Luthers Fährte wurde ich fündig und überrascht:

Der große Reformator erhob die Jagd zur Pflicht quasi wie ein Elftes Gebot:

Original-Ton Luther: Die Jagd, ein ordentlich, recht Werk

Die Jagd ist „selbst nicht böse, und dass man damit umgeht, kann wohl christlich und gut sein, wenn dies nur die endliche Ursache ist, dass die Jagd dahin gerichtet werde, dass die gräulichen und schädlichen wilden Thiere, als Wölfe, Bären und wilde Schweine vertrieben werden mögen, und dass beide, Menschen und Vieh von denselben befreit, und sicher sein mögen.

Die Jagd soll also geschehen, dass dadurch die armen Schäflein und andere unschuldige Thiere geschützt werden. Denn dasselbe ist ein Fürst von amtswegen schuldig zu thun. Parcere subjectis, et debellare superbos, das ist, er soll der armen Unterthanen verschonen, dieselben schützen und schirmen und die Unruhigen und Stolzen, von denen die Unterthanen beschädigt werden, strafen und ausrotten.

Soweit der Luther. So selbstverständlich wie du Vater und Mutter ehren sollst, auf dass du lange auf der Erde lebst (4. Gebot), sollst du - als Obrigkeit – jagen, damit du recht lange regieren kannst.

Du sollst jagen! Wer seine Pflichten als Jagdherr erfüllt, der muss bei der Jagd auch kein schlechtes Gewissen haben.

Luther weiter: „Darnach ist die Lust und Ergötzung, so man zur Jagd hat, an sich selbst auch ehrlich, welche denen erlaubt ist, die derselben ohne Schaden und Nachtheil der Unterthanen gebrauchen.“


Und jetzt kommt die deutliche Warnung an alle Jäger, die ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachkommen: „Wo es aber anders zugeht, so ist es mit der Jagd ein sehr böses und schädliches Ding. Den schlechten Jagdherrn holt irgendwann der Türke!“

Und heute?

Wer sich heute unwaidmännisch benimmt, verliert seinen Jagdschein.

Halten wir fest: Jagen heißt, Verantwortung übernehmen.


Das Thema Jagd ist so alt wie die Menschheitsgeschichte. Da gab es unterschiedliche Auffassungen und Rechte und Rollen, die ganz unterschiedlich verteilt waren.

Beim Gang durch die Geschichte finden wir zahlreiche Anhaltspunkte, dass das Verhältnis von Jägern und Nicht-Jägern gespannt war. Die Fronten waren verhärtet. Heute sind wir so weit, diese Spannungen auflösen zu können. Nur: Wir müssen aufeinander zugehen.

Da heutzutage jedermann die Möglichkeit hat, das Grüne Abitur zu erwerben, können wir alle, die dazu bereit sind, Verantwortung für die Arbeit in Gottes Garten Eden übernehmen.

Der Löwe schlägt das Zebra ohne Gewissensbisse und das Zebra weidet Gras. Beide folgen ihrem Instinkt. Nur das Vernunftwesen Mensch ist in der Lage, sich um bedrohte Pflanzen, Tiere und Lebensgemeinschaften zu kümmern. Im Garten Gottes kommt Jägern und Förstern eine besonders verantwortliche Rolle zu.

Das biblische Miteinander von Mensch und Tier bildet das Fundament für den modernen Umgang mit Natur. Das Fließgleichgewicht der natürlichen Lebensgemeinschaften ist ohne Hege mit der Büchse nicht denkbar.

Niemand sollte vorschnell und schockiert den Stab über jene brechen, die sich die Hände blutig machen.

„Alle Tiere werden sich vor euch fürchten müssen: Landtiere, Wassertiere und Vögel. Ich gebe sie in eure Gewalt.“

Wer Amen sagt zu Gottes Schöpfung, sagt Amen zur ganzen Schöpfung.

Die Hubertusmesse bietet eine hervorragende Gelegenheit, in Ruhe über dieses so wichtige Thema zu meditieren.


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