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Rehbein, Franz

(Weitergeleitet von Dienstknecht in Dithmarschen)

Franz Rehbein (1867–1909)

Inhaltsverzeichnis

Das Leben eines Landarbeiters in Dithmarschen

Erstdruck: Jena (Diederichs) 1911.


Gemeinfrei

Lizenz: Gemeinfrei

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Auszug und Verweis

Aus: "Als Dienstknecht in Dithmarschen":

Am andern Morgen ging ich über Marne nach Meldorf zu. Ich war jetzt in Süderdithmarschen, und die kleinen charakteristischen Mühlen der Wilstermarsch gab es hier nicht mehr. Schon überlegte ich, ob ich mich nicht hier irgendwo nach einer Dienststelle umsehen solle, denn die Gegend gefiel mir, und aus jedem Bauernhause sprach Wohlstand und Behäbigkeit. Doch erst wollte ich mir noch mal die Nordsee aus nächster Nähe anschaun; auf einen Tag kam's ja auch nicht an. Dicht vor Meldorf schwenkte ich daher links ab nach dem großen Seedeich, der in einiger Entfernung die Landschaft abgrenzte. Ich hatte erwartet, hinter dem Deich eine wildbewegte See zu finden mit spritzendem Gischt und hohen schäumenden Wogen. Hier aber wurde ich gründlich enttäuscht. Gewiß, der ganze westliche Horizont war Wasser, doch von Schaum und Wellenschlag keine Spur. Vor mir dehnte sich in breiter Weite das Watt, das Vorland der Küste, mit seinem blaugrauen Muschelsand und seinen modrigen Schlicktümpeln. Erst in ziemlicher Ferne sah ich kurze weißköpfige Wellen tanzen: auf dem Mielstrom, wie mir ein einsamer Deicharbeiter erklärte, der mir auch gleichzeitig die Erscheinungen von Ebbe und Flut auseinandersetzte.

Nachdem ich die Nacht in Meldorf verbracht, riet mir der Herbergswirt, nach Wesselburen zu gehen, denn in den »Itzehoer Nachrichten« habe noch kürzlich gestanden, daß in Norderdithmarschen ein Mangel an Gesinde sei. Ich trollte also ab. In der Nacht war's »englisches Wetter« geworden, d.h. ein bleigrauer dichter Nebel senkte sich herab, so daß man keine hundert Schritt weit sehen konnte. Ungewiß lag das Gelände vor mir, es schien mir, als renne ich immer gegen eine Nebelwand an. Als sich der Nebel verzog, fing es an zu regnen, anfangs kleine »Dak«-Tropfen, dann Bindfaden. Jetzt hatte die Marsch ein ganz anderes Aussehen bekommen. Alles lag grau in grau, das Feld, die Höfe, die Bäume. Das Vieh stand krumm wie ein Flitzbogen auf der Weide, und den Knechten klebte beim Pflügen der schwere »Klei«boden in dicken Klumpen an den Stiefeln; sie pflügten mit vier Pferden, für mich eine Neuheit, die mich sehr interessierte.

Des Nachmittags langte ich in Wesselburen an. Zwei Türme kennzeichnen den Ort schon von weitem: der Schornstein der dortigen Zuckerfabrik und der Kirchturm, der in seinem oberen Teile aussieht wie eine umgekehrte Zuckerrübe. Die Fabrik war dieselbe, nach der ich mich einst in meiner Heimat als Ochsenjunge verdungen hatte. In dem Orte wies mich auf meine Frage jemand nach einer kleinen Gastwirtschaft, deren Inhaber auch gleichzeitig Gesindevermieter war. Solcher Wirtschaften gibt es dort eine ganze Anzahl. Mein Wirt bot mir auch sogleich eine Stelle als »Lüttknecht« zum Alleindienen bei einem Bauern in Kassenbüttel an, einem Dörfchen unweit von Wesselburen, durch das ich vorhin schon durchgekommen war. Allerdings sagte er recht bedeutsam zu mir: »De besten Städen sünd awer all weg.« Bezüglich des Lohnes meinte er, könne ich mich mit dem »Bur« ja selbst einig werden, »to väl will he ümmer ni utgäwen.«

Ich erhielt auch gleich meinen Taler »Gottsgeld«, durch den der Dienstvertrag rechtsgültig wurde; d.h. der Wirt zeigte mir den Taler nur, dann steckte er ihn nach ortsüblicher Sitte wieder ein, als Vermietergebühr.


Quelle:Zeno.org


"Das Leben eines Landarbeiters" von Franz Rehbein

Hans Christians Verlag Hamburg 1985 ISBN 3-7672-0892-X

Aus dem Klappentext: Der harte Existenzkampf der einfachen Landbevölkerung in Schleswig Holstein am Ende des 19 Jh liegt für uns schon beinahe im Dunkel der Geschichte Mit der Neuherausgabe der Lebenserinnerungen von Franz Rehbein liegt nun ein besonders anschaulicher Bericht über die Lebensumstände der Landarbeiter und ihrer Familien wieder vor. Als aufmerksamer Beobachter versteht Rehbein, der selbst bei den freien Bauern in Dithmarschen in Lohn und Brot stand mit fesselnder Lebendigkeit zu schildern.

In den Text geschaut:.. ,ich ging daher über St. Margarethen nach Brunsbüttel zu. Diese Strecke schien mir ganz besonders interessant. Von links her winkte der mächtige Elbdeich, ein eigenartiger Wassergeruch wehte einem entgegen. Wenn man auf dem Deich steht glaubt man sich in eine andere Welt versetzt. Rechts die üppige Marschenlandschaft mit ihren vielen Gehöften, den rotbunten Viehherden ….

(Anm.Rehbein was würdest du heute wohl über diese Strecke ins Tagebuch schreiben?)

Jan Gnurr, genannt der Rethbur von Kassenbüttel(Wesselburen) empfing mich mit der kühlen Gelassenheit, die mehr oder minder allen Marschbauern zu eigen ist. Er stand gerade in der „Boos“ dem am Vorderhause gelegenen Teil der Stallungen und „kek in’t Weder“ Rehbein schildert nun detailgetreu sein Alltagsleben auf diesem Hof den erst nach einem Jahr wieder verlassen kann „weil dass Gesindl für ein Jahr festgemacht“ wird. Seine nächste Stelle bei Claus Meier erlebt er den Einzug der Technik in die Landwirtschaft und die damit verbundene Verlust von Arbeitsplätzen. Zahlreiche Bilder aus der Gegend und der Zeit zeigen was Rehbein ohnehin mit seinen Worten sehr verständlich rüberbringt.

Persönliche erlebe ich in der Darstellung der Alltagswelt auf dem Dithmarscher Bauernhof, die wenigen Erlebnisse nach, die meine Eltern aus ihrer Jugend zum Besten gaben, als sie beide in Westerbehlmhusen und in Ohlen bei den großen Bauern „in Stellung waren“. (Peter Zornig)

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