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Brunsbüttel und Brunsbüttelkoog-1927

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In den 20er- und 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts sind vom Verkehrsverein Brunsbüttel-Brunsbüttelkoog Saison-Hefte für den Tourismus ausgegeben worden. Diese sollten auf sehenswerte Besonderheiten der hiesigen Gegend aufmerksam machen. Als Beispiel soll hier das Heft von 1927 dienen.
Es wurde freundlicherweise von Dagmar Delventhal aus Brunsbüttel zur Verfügung gestellt.
Um die Seite ansprechender zu gestalten wurden einige Fotos durch Postkarten des Sammlers Uwe Borchers und Fotos aus dem Fundus des WSA-Brunsbüttel ausgetauscht. Einige unwesentliche Details wurden weggelassen.

Inhaltsverzeichnis

Ein Rundgang

Brunsbüttel-Brunsbüttelkoog sind zwei politisch selbständige Gemeinden, gelegen im westlichen Holstein, dort, wo der Kaiser-Wilhelm-Kanal sich mit der Elbe verbindet und diese sich in die Nordsee ergießt. Während Brunsbüttel mindestens 700 Jahre alt ist, ist Brunsbüttelkoog eine jüngere Gemeinde, die ihre schnelle Entwicklung dem Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals zu danken hat. Der Ort Brunsbüttel zählt heute etwa 1500 Einwohner, Brunsbüttelkoog 5500. Die Gemeinde Brunsbüttelkoog wird durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal in zwei Teile zerschnitten, als Verkehrsverbindung für die beiden Ortsteile dienen große Fährdampfer.

Fähre in Brunsbüttelkoog


Die Eigenart der Lage bedingt es, daß von der sogen. Marschbahn Hamburg—Tondern zwei Zweigbahnen nach Brunsbüttelkoog geleitet sind, und zwar eine, von Wilster ausgehend, die südlich des Kanals, und eine, von St. Michaelisdonn ausgehend, die nördlich des Kanals verläuft. Für die Reisenden, die aus südlicher Richtung kommen, empfiehlt sich die Benutzung der Zweigbahn ab Wilster, und umgekehrt für diejenigen aus nördlicher Richtung ab St. Michaelisdonn. Weitere Reiseverbindungen nach Brunsbüttelkoog bestehen noch in Autolinien ab Elmshorn, Marne und Burg i. Dithm. und in Dampferlinien ab Hamburg und Cuxhaven.
Brunsbüttelkoog ist ein freundlicher, neuzeitlicher, nicht eng geschlossener Ort, der mit Vorliebe von Vereinen und Ausflüglern, jedoch auch von Badegästen aufgesucht wird. Der Kaiser-Wilhelm-Kanal mit seinen gewaltigen Schleusenanlagen gibt dem Orte naturgemäß ein besonderes Gepräge. Die Riesenschleusen, die den Durchgang der Schiffe von der Elbe in den Kaiser-Wilhelm-Kanal und umgekehrt vermitteln, sind die größten der Welt; wahre Triumphwerke der deutschen Technik.
Den reichhaltigsten Eindruck empfangen wir bei einer Ueberfahrt mit einem der Fährdampfer. Von hier aus ist der Eindruck von dem Kanalbetrieb geradezu überwältigend. Vor allem richtet man seinen Blick natürlich auf die Schleusenanlagen. Die kolossalen Ausmaße der Schleusentore setzen uns in Verwunderung. Die eine Schleusenkammer ist von Schiffen, großen und kleinen, gefüllt, darunter befindet sich ein Riesendampfer. Wie ruhig dort alles verläuft, — man vernimmt fast kein Geräusch, — nur hin und wieder läßt ein Dampfer sein Signal ertönen, oder man hört ab und zu, wie durch ein blechernes Sprachrohr Befehle erteilt werden. Dort, was ist das? Eine Schleusenkammer wird geöffnet. Eine ungeheure schwarze Wand, die bisher die Schleusenkammer unseren Augen verschlossen hat, verschiebt sich langsam seitwärts und verschwindet in der Mauer, wie eine Schnecke in ihrem Gehäuse. Das alles geschieht so geräuschlos und spielend, als wenn es garnichts wäre! Voller Überraschung stellen wir fest, daß sich eine noch größere Anzahl von Schiffen in der Schleusenkammer befindet, als wir vorhin annahmen. Dort sehen wir auch eine Anzahl kleiner Ewer und Segelyachten. Wie winzig schauen diese aus gegenüber dem großen Personendampfer, der augenblicklich die Schleusenkammer verläßt und auf unseren Fährdampfer zustrebt.
Nach und nach lösen sich die weiteren Dampfer und Boote von den Schleusenmauern und folgen dem großen Dampfer, der sich jetzt ganz nahe am Fährdampfer befindet. Welch gewaltiger Riese! Und jetzt folgen weitere Dampfer, überall ein reges Treiben an Bord. Der eine Dampfer trägt den türkischen Halbmond, ein anderer das Sternenbanner, man sieht eine ganze Anzahl verschiedener Flaggen und sieht und hört die verschiedensten Nationalitäten, auch solche, die sich noch vor wenigen Jahren im Weltkrieg im erbittertsten Kampfe gegenüberstanden und nun friedlich beieinander ihres Weges ziehen. Dort links sehen wir die alten Schleusen, die damals, als der Kanal erbaut wurde, als gewaltige Bauwerke angesehen - wurden, später aber, als mit dem Kanalerweiterungsbau die neuen Schleusen erstanden, als David gegenüber dem Goliath anmuteten. Wenden wir unsern Blick in die entgegengesetzte Richtung, so sehen wir an den beiden Kanalufern mächtige Kohlenlager. Wie Riesengiraffen schauen die großen Kohlenkräne aus, die mittels eilender sogen. Laufkatzen große Kohlenmengen in den Rumpf der bunkernden Schiffe befördern.
Wir begeben uns an Land und befinden uns im südlichen Ortsteil. Eine schattige Allee führt zum Bahnhof, doch gehen wir weiter und biegen rechts in eine Straße ein, die uns am Postamt vorbeiführt. Nach der Ortsbesichtigung begeben wir uns nach dem Schleusengebiet.

Elblotsenhaus von der alten Einfahrt aus gesehen

An den alten Schleusen entlang führt uns unser Weg zum Elblotsenhaus, einem mächtigen Bau, der vor allem den Elblotsen als Warte- und Unterkunftsraum dient. Etwas weiter gehend, bietet sich uns ein herrliches Bild: die Elbe mit ihrer erha¬benen Schönheit! Das Wasser ist leicht bewegt. Stolze Dampfer, schmucke Segler durchschneiden die Flut.
Große Scharen von Möwen mit ihrem silbernen Gefieder schaukeln auf den Wellen oder suchen Nahrung im Watt. Hin und wieder erhebt sich ein Tümmler über die Wasserfläche. In weiter Ferne erkennt man einen schmalen Streifen Land, das hannoversche Ufer. Zur Linken, soweit das Auge schaut, liegt am grünen Deich der Strand, der wahrlich beste Badegelegenheit bietet. Etwas weiter längs sehen wir ein farbenprächtiges Bild lebensfroher Menschen, die, am Deichabhang liegend, Erholung von den Mühen des Alltags suchen oder im Freibad sich am frischen Bad erquicken. Vom Deiche aus bietet sich uns landwärts ein hübscher Anblick fruchtbaren Marschlandes. Wir überschreiten jetzt die alten und anschließend die neuen Schleusen. Eine Besichtigung derselben ist jedermann dringend zu empfehlen. Nach unserer Wanderung über das Schleusengebiet gelangen wir nach dem nördlichen Teil des Ortes. An der Kanalpromenade entlang gehen wir zur Fähre und von da in das sogen. Beamtenviertel, das wegen seiner architektonischen Eigenart und Schönheit noch stets den Beifall aller Beschauer gefunden hat. Die Kirche mit dem davorliegenden Gefallenen-Denkmal fügt sich harmonisch in den Rahmen.

Kriegerdenkmal
Der Wasserturm, erbaut 1911

Rechts im Hintergrund sehen wir ein großes zylinderförmiges Bauwerk mit pilzartiger Kappe, den Wasserturm, von dem aus auch Brunsbüttelkoog mit Wasser versorgt wird.

Etwas abseits vom Beamtenviertel liegt ein schönes Gebäude, die Boje-Mittelschule. Die Straßen Brunsbüttelkoogs sind fast alle alleeartig ausgebaut, wodurch der freundliche Eindruck noch erhöht wird. Wir wenden uns nun dem sogen. Alten Hafen zu, der Mündung eines kleinen Fleetlaufes. Der Hafen liegt sehr idyllisch außerhalb des Deiches. Zahlreiche Segelboote, auch wohl einige kleine Kutter, schaukeln sich auf dem Wasser.

Badeanstalt Alter Hafen (1927-1944)

Neben dem Hafen, mit dem herrlichen Ausblick nach der Elbe, befindet sich ein Sportplatz. Etwas weiter eine hübsche Strandpartie mit idealer Badegelegenheit.
Hier sieht man wieder ein buntbewegtes Bild zahlreicher im Freibad sich tummelnder Menschenkinder. Unser Rundgang führt uns jetzt auf den Deich, dessen Krone einen schönen Spazierweg darstellt. Nach dem Passieren einer kurzen Häuserreihe haben wir wieder den schönen Blick auf den Alten Hafen und die Elbe.

Landwärts wieder ein prächtiges Panorama fruchtbaren Marschenlandes. Vereinzelt wogende Kornfelder, zumeist von Gräben durchzogene saftige Wiesen, auf denen „der Marschen Rind sich streckt". Reizvoll liegt in einiger Entfernung der baumumkränzte Ort Brunsbüttel. Inmitten des Ortes erhebt sich ein Kirchturm. Und wenn wir unsere Blicke weiter schweifen lassen über die Ebene, so sehen wir einsam gelegene Bauerngehöfte, alle umrahmt von hochgipfeligen Bäumen.

Auch die Landstraßen entbehren nicht des Schmuckes schöner Bäume. Auf Deiches Höhe erhebt sich ein weißgestrichener Leuchtturm .
Der rege Schiffsverkehr auf der Elbe erregt auch hier wieder unsere Aufmerksamkeit. Pfeilschnell schneidet sich ein kleiner Dampfer durch die Fluten seinen Weg weit auf den Strom hinaus, wo er wendet und dann einem langsam fahrenden größeren Dampfer zustrebt, den er bald erreicht hat und dem er sich zur Seite legt, um ihm einen Führer zu bringen, einen Lotsen, der mit erfahrener Hand den großen Dampfer in die Schleusen steuern soll. Weit hinaus in den Strom erstrecken sich die vier Molen. Sie sollen den Schiffen bei der Einfahrt in die Schleusen Schutz bieten gegen Strömung und Wind. Auf den Molenköpfen befinden sich hohe runde Leuchttürme, die in der Dunkelheit den Schiffen das Richtfeuer geben.
Wir schreiten weiter auf der Deichkuppe entlang, die hier eine Rundung macht. Auf einer größeren Außendeichswiese unmittelbar am Wasser vergnügen sich zahlreiche Kinder in frohem Spiel. Nach Passieren der Deichrundung schauen wir auf ein entzückendes Bild. Das Deichvorland ist hier nur von geringer Breite. Das Wasser plätschert vergnüglich an die Uferböschung. Unmittelbar am Wasser befinden sich die viel besuchten Badeanstalten.

Die Strandhalle am Elbdeich


Oben auf der Deichkuppe thront eine geräumige Strandhalle. Die großen Fenster derselben sind geöffnet. Die Klänge einer kleinen Musikkapelle dringen an unser Ohr. Wir befinden uns in Bad Brunsbüttel, das schon seit langen Jahren das Ziel vieler Erholungsbedürftiger war. Wie überall an den Deichen in Brunsbüttelkoog und Brunsbüttel, bietet der leicht abfallende Deichabhang eine ideale Lagerstätte, wie auch die auf den Deichkuppen befindlichen Bänke zum Verweilen einladen. Wir wenden uns jetzt dem Orte Brunsbüttel zu. Zur Linken sehen wir den schön angelegten, baumumrahmten Friedhof. Gar bald befinden wir uns im Zentrum des Ortes. Derselbe besitzt einen schönen idyllischen schattigen Marktplatz.

Am Brunsbütteler Marktplatz

Inmitten desselben die Kirche. Ein hübscher alter Fachwerkbau, das jetzige Gemeindehaus, erregt unsere besondere Aufmerksamkeit. (Erwähnt sei an dieser Stelle, daß die Eltern des Liederkomponisten Johannes Brahms in Brunsbüttel gewohnt haben und daß im Jahre 1784 der Dichter Voß im schönen Pfluegschen Garten an seinem Werk „Luise" gearbeitet hat.) . Unser Rundgang durch Brunsbüttelkoog und Brunsbüttel hat uns viel Interessantes und Schönes gezeigt, und doch noch lange nicht alles. Die Schleusen haben wir bei Sonnenschein gesehen. Unendlich schön und doch so ganz anders ist das Bild abends in der Dunkelheit bei künstlicher Beleuchtung. Die unzähligen Lampen schaffen eine Prachtillumination, die man sich kaum besser vorstellen kann, und jedes einzelne Licht spiegelt sich noch feenhaft glitzernd auf der Wasserfläche. Die Elbe haben wir in ruhiger Stimmung gesehen. Nicht immer herrscht jene Ruhe am grünen Deich. Aufgepeitscht durch Sturm, stürzen mit großer Heftigkeit gischtsprühende Wogen gegen den sicheren Deich, kriechen grollend zurück, um immer und immer wieder, sich über¬stürzend, aufs neue zu versuchen, unter betäubendem Ge-töse das zu erreichen, was ihren Schwestern in früheren Jahrhunderten so häufig gelungen ist. Solch Schauspiel vergißt keiner!
:Was die meisten Orte nicht bieten können, nämlich Abwechselung, das kann Brunsbüttel-Brunsbüttelkoog den Ausflüglern und Kurgästen bereiten. Großstädtische zementierte Promenaden werden die Gäste hier allerdings nicht finden. Für Zerstreuung mancherlei Art werden die hiesigen Saalbesitzer ausreichend Sorge tragen.

Ausfahrt zur Segelregatta

Mehrfach in diesem Jahre wird man Gelegenheit haben, Segelregatten der Segelvereine der Elbmündung so¬wohl vom Elbdeich als auch von Begleitdampfern aus beizuwohnen. Wie in früheren Jahren, so sind auch für dieses Jahr Strandfeste und Prachtilluminationen vorgesehen.
Jagdliebhabern ist unter guter Führung Gelegenheit zur Enten- und Gänsejagd geboten; Segelfahrten können unter kundiger Führung unternommen werden.
Badegelegenheiten sind überall reichlich vorhanden. Da während der Badezeit das Wasser direkt am Strande die zum Baden erforderliche Tiefe besitzt, ist das lästige Hinausfahren von Badekarren in das Wasser nicht nötig. Das Bad ist milde, aber erfrischend durch den Wellenschlag. Der Salzgehalt entspricht ungefähr dem der westlichen Ostsee. Die Luft ist besonders bei West- und Nordwestwinden ungemein frisch und kräftigend, sodaß ein mehrwöchiger Aufenthalt stets von besonders günstigem Einfluß auf die Gesundheit ist und eine angenehme, aber nachhaltige Abhärtung mit sich bringt. Auf Kinder übt das „Wattenlaufen", welchem die Erwachsenen mit Vergnügen zuschauen, stets eine besondere Anziehungskraft aus. Angenehm ist es, daß man hier im Gegensatz zu verschiedenen anderen Nordseebädern, wo man nur kurze Zeit täglich baden kann, 2 bis 3 Stunden vor und nach jedem Hochwasser, mindestens also 5 Stunden Gelegenheit zum Baden hat.
Gelegenheiten zu Freibädern sind reichlich vorhanden. Bei Benutzung von Badekabinen wird eine geringe Gebühr erhoben. Noch zu dieser Saison sollen neue Badeanstalten errichtet werden. Geplant ist in Brunsbüttelkoog-Süd und -Nord der Bau neuer Strandhallen. Die eigentliche Badesaison währt von Anfang Juni bis Mitte Oktober.
Es gibt hier reichlich Hotels mit teils großen, hervor¬ragend ausgestatteten Sälen und Konzertgärten, wohlfeilen Zimmern mit und ohne Pension. Möblierte Zimmer mit und ohne Pension stehen zur Verfügung. Die erforderlichen Naturalien zur Selbstbeköstigung sind stets in großer Auswahl und guter Qualität zu haben.

Kurtaxe-1927.jpg

Preise: Zimmer mit l Bett [einschl. Kaffee) von 6 bis 10,50 RM (Reichsmark) pro Woche. - In Hotels Mittagessen von 1,50 RM an. Volle Pension in Hotels und bei Privatpersonen von 4,- RM an pro Tag; für Kinder entsprechende Ermäßigung.

Der Kaiser-Wilhelm-Kanal

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Der Kaiser-Wilhelm-Kanal wurde in den Jahren 1887 bis 1895 mit einem Kostenaufwande von rund 156 000 000 Mark (ohne Erweiterung) erbaut.
Der Kanal stellt eine Verbindung der Elbe (Nordsee) bei Brunsbüttelkoog mit der Kieler Föhrde (Ostsee) bei Holtenau her und erspart somit den Schiffen den großen und oft gefährlichen Umweg um Skagen. Er durchzieht die westholsteinischen Marschen, das moorreiche Gebiet der Burg-Kudenseer Niederung, die hochgelegene Wasserscheide zwischen Elbe und Eider und die Niederungsgebiete der Gieselau, Haalerau, Luhnau und Jevenau, führt dann durch die hinter Rendsburg liegenden Obereiderseen und mündet schließlich nach Durchschneidung des meist hoch gelegenen östlichen Holsteins nördlich von Kiel in die Ostsee. Der 99 km lange Kanal hatte vor dem Erweiterungsbau 22 m Sohlenbreite. Seine Wassertiefe betrug 9 bis 10,3 m; der kleinste Querschnitt hatte bei gewöhn¬lichem Wasserstande rund 67 m Wasserspiegelbreite.
Die durch die Wasserstandsschwankungen der Elbe und der Kieler Föhrde bedingten (alten) Endschleusen sind Kammerschleusen (Doppelschleusen) mit je 150 m nutzbarer Länge, 25 m lichter Weite und 9,57 m Drempeltiefe in Holtenau bezw. wegen des tieferen Wasserabfalles in der Elbe 9,97 m Drempeltiefe in Brunsbüttelkoog. Den Verschluß gegen den Kanal sowohl wie gegen das Außenwasser bilden eiserne Stemmtore, die mittels Druckwassers bewegt werden.
Nachdem der Kaiser-Wilhelm-Kanal etwa ein Jahrzehnt lang den Ansprüchen der deutschen Kriegsmarine und Handelsschiffahrt genügt hatte, kam man zu der Erkenntnis, daß seine Einrichtungen im Vergleich zu den stetig wachsenden Anforderungen an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt seien und bald unzulänglich sein würden. Die Schiffsabmessungen hatten so sprungweise zugenommen, daß die größten Handelsschiffe den Kanal nicht mehr befahren konnten. Auch für moderne Kriegsschiffe reichten seine Abmessungen nicht mehr aus. Dazu kam, daß die Zahl der den Kanal benutzenden größeren Dampfer immer mehr zunahm.

Teilpanorama vom Schleusengebiet

So sah man sich zu einem Erweiterungsbau veranlaßt, der im Jahre 1907 die Billigung der gesetzgebenden Körperschaften des Deutschen Reiches fand und in der Zeit von 1909 bis 1914 durchgeführt wurde. Der Erweiterungsbau wurde dadurch besonders schwierig, daß der Schiffahrtsbetrieb durch den Kanal auch während der Bauausführung aufrecht erhalten werden sollte. Aus diesem Grunde kam auch kein Umbau der vorhandenen Schleusen, sondern nur der Bau neuer Schleusen in Frage, die denn auch in so gewaltigen Abmessungen gebaut wurden, daß sie für absehbare Zeiten auszureichen versprechen.

Blick in eine Schleusenkammer

Die Abmessungen der neuen Doppelschleusen betragen 330 m nutzbare Kammerlänge, 45 m lichte Weite und 14,10 m Drempel- und Sohlentiefe unter dem mittleren Kanalwasserstand, sodaß sie auch den größten Schiffen reichlich Raum bieten. Der ehemalige Schnelldampfer „Imperator" der Hamburg-Amerika-Linie hat z. B. bei einer Länge von 276 m eine Breite von 29,9 m und einen Tiefgang von etwa 11 m. Die neuen Kanalschleusen sind die größten der Welt; sie übertreffen auch die 305 m langen, 33,5 m weiten Schleusen des Panamakanals nicht unerheblich. Sie sind im wesentlichen aus Beton gebaut und werden mit elektrisch angetriebenen, 8 m breiten eisernen Schiebetoren verschlossen. Jede Schleuse hat aus Betriebsrücksichten drei Schiebetore, von denen das mittlere die 330, m lange Kammer zwischen Außen- und Binnentor in zwei kleinere Kammern von 100 m und 221 m nutzbarer Länge zerlegt. Das mittlere Tor dient außerdem als Reservetor.
Die neuen und größeren Schleusen machten auch die Anlage neuer und größerer Vorhäfen nötig, sodaß der Brunsbüttelkooger Binnenhafen heute beträchtliche Abmessungen zeigt.
Die Kanalsohle wurde von 22 auf 44 m verbreitert und um 2 m tiefer gelegt. Bei 103 m Wasserspiegelbreite beträgt die Tiefe des Wassers 11,33 m. Die Aufgaben der Kanalbauämter waren mit diesen Arbeiten jedoch noch nicht erschöpft. Erhebliche Aufwendungen erforderte die Umgestaltung der Anlagen für die Überführung des Landverkehrs über den Kanal. Außer den bestehenden 2 Hochbrücken wurden 3 weitere gebaut, die je eine lichte Höhe von 42 m und eine Spannweite der Hauptöffnung von 150 m aufweisen. Auch bei dem zeitgemäßen Ausbau der Fähren ließ man es, wie man an derjenigen von Brunsbüttelkoog erkennt, an Großzügigkeit nicht fehlen. Schließlich sei noch erwähnt, daß die Kanalerweiterung umfangreiche Hochbauten erforderlich machte. So bedingte z. B. der Bau der neuen Schleusen in Brunsbüttelkoog den Abbruch eines ganzen Wohnviertels und seinen Wiederaufbau an anderer Stelle, wobei ebenso wie bei allen anderen Neubauten auf zweckmäßige Gestaltung und ansprechendes Aussehen in Anlehnung an die heimische Bauweise Bedacht genommen wurde.

Geschichtliches

Die Geschichte des Bodens, auf dem sich die Besucher Brunsbüttel-Brunsbüttelkoogs befinden, ist verhältnismäßig jung. Die Chronisten erwähnen den Ort Brunsbüttel zuerst im 12. Jahrhundert. Die von den Bewohnern des Ortes — Friesen und Holländer — zum Schutz gegen Überschwemmungen errichteten Deiche vermochten großen Wasserfluten nicht immer genügenden Widerstand entgegenzusetzen, sodaß Brunsbüttel wiederholt durch Überschwemmungen verwüstet worden ist.
In den Jahren 1566 bis 1718 sind vom Kirchspiel Brunsbüttel etwa 250 Häuser und große Strecken Land durch die Fluten verloren gegangen. Nach dieser Zeit ist der Ort infolge des Baues eines genügend starken Deiches von den Wasserfluten verschont geblieben.
Als im Jahre 1674 das ganze Brunsbüttel unter Wasser gesetzt wurde, gaben die Einwohner den Kampf mit den Wogen an diesem, dem wilden Wasser besonders ausgesetzten Platze auf und erbauten das jetzige Brunsbüttel. Genaueres über die Lage des alten Brunsbüttel ist aus der Geschichte des Ortes nicht zu ersehen; es wird angenommen, daß es in der Nähe des „Damenbades" gelegen hat.

Mittagsstunde am Strand

Über die Stelle, wo die früheren Bewohner Brunsbüttels dem dankbaren Erdboden durch mühsames Bearbeiten reichen Segen entlockt, wo unsere Vorfahren nach des Tages Last und Mühen sich behaglicher Ruhe hingegeben, wo fröhliche Kinder sich herumgetummelt haben, fahren jetzt riesige Schiffe, getragen von rauschenden, der Ohnmacht des Menschen spottenden Meereswogen.
Wenn auch jetzt noch häufig genug vom Sturme gepeitschte gewaltige Wassermassen versuchen, ins Land zu dringen, so können die jetzigen Bewohner Brunsbüttels sich doch ruhig ihrer Beschäftigung hingeben: ein mit großen Kosten aufgeführter Deich schützt sie und läßt bei ihnen das Unsicherheitsgefühl, dessen ihre Vorfahren sich nicht erwehren konnten, gar nicht erst aufkommen. Selbst die ungeheuren Fluten von 1825 und 1881 vermochten nicht, den Deich zu durchbrechen, wenn sie auch an demselben großen Schaden anrichteten. Doch nicht allein gegen diesen Feind auf der Wasserseite mußten die Bewohner Brunsbüttels sich schützen — auch von der Landseite drangen wiederholt Feinde an, die ihnen das Leben schwer machten.
Die ersten der Nachwelt bekannt gewordenen Kämpfe haben sie allerdings selbst verschuldet. In früheren Zeiten trieben die Bewohner der Elbküste, namentlich die Brunsbütteler, nach Urkunden, welche im Hamburger Staats-Archiv noch aufbewahrt werden sollen, Seeräuberei und waren von den Hamburgischen Kaufleuten sehr gefürchtet, da sie die Hamburgischen Schiffe, welche der Ebbe wegen häufig bei Brunsbüttel vor Anker gehen mußten, ihrer wertvollen Ladung beraubten.
Diesem, dem Hamburgischen Handel so gefahrdrohenden Treiben wurde erst ein Ende gemacht, als Hamburg gegen Ende des 13. Jahrhunderts die Brunsbütteler besiegte und deren ganze Flotte vernichtete.
Doch nach einiger Zeit begannen die Brunsbütteler wieder, die Hamburgischen Schiffe zu beunruhigen und zu plündern, und es entstand 1308 ein siebenjähriger Krieg zwischen dem kleinen Brunsbüttel, dem sich einige Marner Geschlechter angeschlossen hatten, und dem schon damals mächtigen Hamburg, der — vermutlich unter Beeinflussung des Erzbischofs Johannes von Bremen — (Dithmarschen stand früher unter dem Erzstift Bremen) im Jahre 1315 beendet wurde.
Als 1559, in welchem Jahre für Dithmarschen die Unabhängigkeit verloren ging, die Truppen des Königs Friedrich II. von Dänemark und des Herzogs Adolf von Holstein Dithmarschen überschwemmten, gelangte ein großer Teil derselben nach Brunsbüttel, nahm diesen Ort und die daselbst aufgeworfene, nicht unbedeutende Schanze ein und plünderte Brunsbüttel. Von der Zeit der Einverleibung Dithmarschens in Dänemark bis zum 30-jährigen Kriege konnten die Brunsbütteler sich von den Schrecken des letzten Krieges erholen. Anfang Oktober 1627 kam ein Teil der Wallenstein'schen Truppen nach Brunsbüttel, befestigte den Ort und baute vor demselben eine Schanze; im selben Jahre kam zur Besichtigung des Schanzenbaues Wallenstein selbst nach Brunsbüttel.

Die Jugend im Freibad

Bis zum 10. Juni 1629 blieben die Truppen in Brunsbüttel; während dieser Zeit hatten die Einwohner sehr unter der Roheit der berüchtigten Soldaten zu leiden. 1645 wurde die Schanze von den Dänen geschleift.
Seit dieser Zeit ist Brunsbüttel von den mit Einzug von Kriegstruppen gewöhnlich verbunden gewesenen Greueln verschont geblieben. Die in den Jahren 1677 bis 1679 in dem neu angelegten Brunsbüttel erbaute Kirche wurde am 12. November 1719 während der Predigt vom Blitz getroffen und vollständig ein Raub der Flammen; nur Taufstein und Kanzel wurden gerettet; ersterer wurde in die jetzige 1723 und 1724 erbaute Kirche wieder hineingebracht, während über den Verbleib der Kanzel nichts bekannt ist.
Zum Kirchenbau schenkte der König Friedrich IV. von Dänemark 3400 Mark; zum Dank hierfür errichtete die Gemeinde in der Kirche einen mit dem dänischen Wappen geschmückten Königsstuhl, zu welchem eine Wendeltreppe führt. Das 1726 in der Kirche angebrachte, hübsch geschnitzte Altarblatt stammt aus der abgebrochenen Schloßkirche zu Glückstadt.

Schließlich seien noch zwei Sagen erwähnt: Als im Jahre 1674 das alte Brunsbüttel von den Wassermassen zerstört wurde, suchten die Bewohner des jenseitigen Elbufers (Land Kehdingen) auf ihren Kähnen das unter Wasser stehende Brunsbüttel auf, jedoch nicht zur Hilfeleistung, sondern um die schönen Kirchenglocken nach ihrem Lande zu entführen und in der Kirche zu Balje aufzuhängen. Den davonfahrenden Räubern soll ein Brunsbütteler in seiner gerechten Entrüstung nachgerufen haben:


Von nu an schöllen gy sülves verklaren
Wer tom hilligen Deenst ju heft erkaren;
Bet de Kehdinger eer Lant ünner Water seen
Unn int Kehdinger Lant de Dithmarscher teen,
Schöllen gy jammern unn zagen,
Schöllen gy stänen unn klagen,
Na Brunsbüttel!
Na Brunsbüttel!
Noch jetzt kann man bei ruhigem Wetter hören, wie die Baljer Glocken sehnsüchtig rufen:
„Na Brunsbüttel, na Brunsbüttel!"

Die zweite Sage ist folgende: Die Wasser hatten wieder einmal im Jahre 1685 arg bei Brunsbüttel gehaust, und ein großes Stück Deich war weg¬gerissen. Als man daran gehen wollte, den Deich wieder aus¬zubauen, wurde den Leuten erzählt, daß sie den Bruch des Deiches nicht würden stopfen können, wenn nicht ein Kind um Geld gekauft und in den Bruch des Fundaments ge¬worfen würde. Hierauf begaben sich zwei Männer, mit Geld reichlich versehen, auf die Suche nach einem solchen Kinde.
In Herzhorn trafen sie eine Witwe mit einem l 1/2-jährigen Kinde auf dem Arm. Auf die Frage, ob sie das Kind ver¬kaufen und wieviel sie dafür haben wolle, antwortete sie: Tausend Taler. Sie zahlten ihr das Geld und zogen mit dem Kinde ab. Als nun die Frau merkte, daß der Handel kein Scherz war, zog sie einen Mann zu Rate, der dann mit Hilfe eines knubberigen Stocks den Männern das Kind wieder entriß, dieselben sollen dann von einem Soldaten in Glückstadt ein Kind für 100 Taler erhandelt und in das Loch geworfen haben.

Blick auf die Elbe

B r u n s b ü t t e l k o o g ist ein recht junger Ort, über dessen Geschichte sich nicht viel sagen läßt. Wie Brunsbüttel befindet er sich auf dem durch die Fluten während der Jahrtausende angeschwemmten Marschenland. Bald nach der letzten Eindeichung entstand der Ort.
Die Reste des alten Deiches sind noch sichtbar bei Josenburg und Westerbüttel. Vor rund 50 Jahren zählte der Ort nur 400 Einwohner. Größere Bedeutung hatte um jene Zeit der Alte Hafen. Hier wurden die Landesprodukte ganz Dithmarschens auf Ewer umgeladen und durch diese zum größten Teil nach Hamburg transportiert.
Als der 1887 begonnene Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals vollendet war, hatte der Alte Hafen seine Bedeutung verloren. Der Kanalbau brachte jedoch dem Orte eine sehr schnelle Entwicklung, die mit dem 1909 begonnenen Kanalerweiterungsbau noch beschleunigt wurde.
Heute ist Brunsbüttelkoog mit etwa 5500 Einwohnern der größte Ort Süderdithmarschens.

Auf diesem Plan von Brunsbüttelkoog ist die Strandhalle beim Alten Hafen noch in Planung. Sie existierte von 1928 bis 1944. Die Westertweute führte in ihrem Verlauf direkt auf eine ebenfalls geplante Strandhalle, jedoch war sie im Plan von 1929 schon nicht mehr vorhanden. Die Schulstraße hieß damals noch Mangelsstraße (Alte Straßennamen in Brunsbüttel). Damen- (rechts) und Herrenbad (links) der Badeanstalt Brunsbüttel von 1903 sind ebenfalls gut erkennbar. Die Kali-Chemie hieß damals noch „Chemische Fabrik Rhenania“ (Die Kali-Chemie in Brunsbüttel).

Obige Kartenskizze beschränkt sich fast nur auf die Orte Brunsbüttel und Brunsbüttelkoog selbst. Der Elbstrom, der nur in einem schmalen Streifen verzeichnet ist, hat hier eine Breite von etwa 4 Kilometern, sodaß ganz der Eindruck der offenen See erweckt wird. Gelegentliche und regelmäßige Dampferverbindungen ermöglichen den Badegästen, auch die Schönheiten des jenseitigen Ufers, die mit bloßem Auge nur schwach erkennbar sind, zu genießen. Sehr lohnend sind z. B. Tagesfahrten nach dem Alt-Kehdinger Forst (Dobrok). Auch die altertümlichen Städte Freiburg und Otterndorf sind sehenswert.
Durch eine täglich dreimalige Dampferverbindung nach dem Nordseebad Cuxhaven ist auch Gelegenheit zur Weiterfahrt nach Helgoland gegeben.
Doch auch auf dem Landwege bestehen viele Ausflugsmöglichkeiten. Ein schöner Spaziergang ist u.a. derjenige nach den hübsch gelegenen Orten Büttel und St. Margarethen, auch in entgegengesetzter Richtung nach Neufeld mit dem neu eingedeichten Koog, ferner über Eddelak nach Amönenhöhe, von wo man einen herrlichen Blick über die Marsch hat.

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