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Achtundvierziger

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Adelsherrschaft gab es im Dithmarschen des 15. Jahrhunderts nicht. Die Großbauern Dithmarschens bildeten eine kleine Schicht, heirateten untereinander und wurden zu den Herren des Landes. Wenn ein Dithmarscher jener Zeit studierte, so war er häufig ein Sohn aus dieser großbäuerlichen Schicht.

Im 14. Jahrhundert und zuvor kam es immer wieder zu Konflikten zwischen Süderdithmarschern, besonders den Strandmannen, und Hamburg. Hamburg beanspruchte das Stapelrecht - alle Waren, die elbaufwärts transportiert wurden, sollten vor der Weiterfahrt in Hamburg zum Verkauf angeboten werden. Zusätzlich versuchte Hamburg, den Getreideexport Dithmarschens zu übernehmen. Dies erregte den Zorn der Südstrander, die ihrerseits rücksichtslos das Strandrecht auslegten und alle gestrandeten oder in Seenot geratenen Schiffe vor und an ihrer Küste als ihre Beute betrachtete, zeitweise wurden sie direkt Seeräuber. Die nördlichen Kirchspiele Dithmarschens bemühten sich hingegen um ein gutes Verhältnis zu Hamburg und wollten den Handel mit Hamburg und mit der Hanse überhaupt nicht gestört sehen.

In den Jahren ab 1430 flammte dieser Konflikt wieder einmal heftig auf. Meldorf, bis dahin unbestrittener Hauptort Dithmarschens, schlug sich zunächst auf die Seite der Südstrander. Kern der auf eine Einigung und (wirtschaftliche) Zusammenarbeit mit Hamburg hin arbeitenden Dithmarscher gehörte den Woldersmannen an, die sich in der Gegend um Heide konzentrierten. Die zentrale Sippe der Gegner Hamburgs waren die Vogtemannen, die sich in Meldorf, Barlt, Süderhastedt, Burg und Marne hauptsäch-lich angesiedelt hatten. Doch diese Gruppe geriet im Laufe des Konflikts immer mehr in die Minderheitenposition. So trafen sich Vertreter der anderen Teile Dithmarschens ab 1434 „auf der Heide“, auf einem für diese Teile gleich akzeptablem Ort am Rande des gleichnamigen Dorfes und berieten einen Vertrag mit den Hamburgern. Später trat auch Meldorf diesem Vertrag bei. Der Versammlungsort jedoch entwickelte sich zum Marktplatz der Stadt Heide, und Meldorf verlor seine Position als unbestrittener Zentralort Dithmarschen.

Aus den führenden Großbauern, die sich ab 1434 in Heide versammelten und den Norden Dithmarschens regierten, bildeten sich ein Gremium von 48 Männern heraus, das im Dithmarscher Landrecht von 1447 als die „Achtundvierziger“ benannt werden. Jede Döfft stellte zwölf „Richter und Ratgeber“ – bis auf die Südstrander, die diesem Gremium nie beigetreten sind, sondern ein eigenes Gremium bildeten, mit 24 Herren.

Im Laufe der Entwicklung wurden die Achtundvierzieger die obersten Richter, Heerführer und Außenpolitiker Dithmarschens, im 16. Jahrhundert waren sie bei der Einführung der Reformation und der Organisation der Dithmarscher Kirche maßgebend. Später wurden die Achtundvierziger einfach „Regenten“ genannt. Die beiden Landrechte von 1447 und 1539 schützen gewissen Personengruppen (Frauen, die Achtundvierziger) und Zeiten (Ernte) besonders. Der Marktfriede dürfte der erste und umfassendste dieser Sonderfrieden gewesen sein. Aus dem 14. Jahrhundert sind fünf Märkte in Dithmarschen bekannt: Meldorf, Lunden, Wöhrden, Brunsbüttel und Ulerdam (an der Mündung der Broklandsau in die Eider). Damit hatte jede Döfft einen eigenen Markt, und alle diese Märkte hatten Hafenanlagen. Im 15. Jahrhundert kam Heide als Markt hinzu, der zwar keine Anbindung an Wasserwege, dafür eine umso bessere Verkehrsanbindung über Land, besonders nach Holstein und damit nach Hamburg und Lübeck, aufwies. Die Marktaufsicht wurde von den Achtundvierzigern durchgeführt, was mit der zwischen 1477 und 1479 durchgeführten Neufassung des Dithmarscher Landesrecht nochmals betont wurde. Nach der „letzten Fehde“ 1559 endete die Selbständigkeit Ditmarschens und die Re-gierung der Achtundvierziger, Dithmarschen wurde nun von den Fürsten regiert. Unter den Fürsten übten jene Großbauern maßgeblichen Einfluss aus, aus deren Reihen sich schon die Achtundvierziger rekrutiert hatten.

Literatur Alberts, Klaus 1978: Friede und Friedlosigkeit nach den Dithmarscher Landrechten von 1447 und 1539. Heide (Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens & Co.). Zugleich Dissertation am Fachbereich Rechtswissenschaften Kiel 1977. (Zum Markfrieden)

Nissen, Nis R. 1999: Kleine Geschichte Dithmarschens. Heide (Westholsteinische Ver-lagsanstalt Boyens & Co.). Verwendet wurde die 6. Auflage 1999.

Mißfeld, Jörg 2000: Die Republik Dithmarschen. In: Verein für Dithmarscher Landeskunde e. V. (Hg.): Gesichte Dithmarschens. Heide (Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens & Co.). Seiten 121 bis 166.

Stoob, Heinz 1959: Geschichte Dithmarschens im Regentenzeitalter. Heide (Westholsteinische Verlagsanstalt Boyens & Co). Zugleich Habilitationsschrift der Philosophischen Fakultät der Hanseatischen Universität Hamburg.

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