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100 Jahre Seevogelfreistätte

Aus Dithmarschen-Wiki

In diesem Jahr feiert Trischen gleich zwei Mal Jubiläum: die Insel ist seit 100 Jahren als damals sogenannte "Seevogelfreistätte" unter Schutz gestellt und seit 75 Jahren Naturschutzgebiet. 1985 wurde der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer gegründet, seitdem gehört Trischen in die Schutzzone 1, die strengste Schutzkategorie.








  • Trischen wurde 1909 zur "Seevogelfreistätte" erklärt.
  • 1927 übernahm der NABU-Vorgänger "Deutscher Bund für Vogelschutz" die Betreuung der Insel.
  • 1932. Jetzt werden jährlich Vogelwarte nach Trischen geschickt.
Vogelwartinheim.jpg
Die Hütte bei Hochwasser
Der Luisenhof Foto: NABU

Die Geschichte der Insel

Mit der Entstehung von Salzwiesen Ende des 19. Jhd. erwachte weitergehendes Interesse an der wirtschaftlichen Nutzung dieser Insel. Nach ersten Landgewinnungsarbeiten durch Grüppenbau ab 1868 entstand 1897 ein sturmflutsicherer Ringdeich, der eine Viehtränke und ein zweigeschossiges, steinernes Schäferhaus umschloß. In den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jhd. war die Nutzung von Trischen als Schafweide immer wieder Rückschlägen durch die nicht aufzuhaltende Nordsee unterworfen.

Anfang der zwanziger Jahre begann dann eine neue Ära. Den unaufhaltsamen Wanderungstrieb der Insel mißachtend wurde das Projekt eines Trischenkooges in Angriff genommen. Unter größten finanziellen wie technischen Aufwendungen wurde 1925 ein 2,7km langer Deich fertig gestellt, der sich etwa halbkreisförmig östlich der Dünenkette lag. Der entstandene 78 Hektar große Trischen- oder Marienkoog wurde intensiv landwirtschaftlich genutzt: Neben Weide- und Wiesennutzung wurden auch Roggen, Weizen, Hackfrüchte und Klee angebaut, sowie eine Obstbaumplantage gepflanzt. Am dünenseitigen Rand des Kooges war ein luxuriöses Wohnhaus mit Freitreppe, großen Veranden und 34 Räumen entstanden, der sog. Luisenhof. Gleichzeitig baute ein Berliner Regierungsdirektor als Feriendomizil auf den Dünen das hölzerne Landhaus Hedwig. Trotz intensiver und teurer Sicherungsmaßnahmen konnte man Mitte der dreißiger Jahre die Augen nicht davor verschließen, dass die Wanderung der Insel nicht aufzuhalten war. Nach nur kurzer Blütezeit in der landwirtschaftlichen Nutzung 1934 und 1935 wurden sämtliche Küstenschutzmaßnahmen 1936 eingestellt. Nur wenige Jahre später im Frühjahr 1943 brach das Meer durch die Dünen und zerstörte den Koog endgültig. Die Gebäude waren in den Jahren zuvor bereits an "Selbstabholer" verkauft und abgerissen worden. Bis 1947 ließ ein Schäfer noch eine Herde auf der Insel weiden. Seither ist die Insel rein der Natur überlassen. Heute künden nur noch alte, zum Teil wieder freigespülte Zeugnisse ehemaliger Bewirtschaftung von dem gescheiterten Versuch, die Insel dem Menschen zu unterwerfen. Quelle: NABU

Die Hütte

Die neue Hütte Auf einen Aufruf des Nationalparkamtes, des NABU und der Dithmarscher Landeszeitung/ Brunsbütteler Zeitung reagierte prompt die Dithmarscher Handwerkerschaft: Die Dithmarscher Handwerkerinnungen Süd und Nord haben die neue Hütte in Eigenleistung erstellt und auf Trischen errichtet. Der Landrat des Kreis Dithmarschen Jörn Klimant begleitete und förderte das Projekt in allen Bereichen. Das Baumaterial wurde von lokalen Firmen und durch Spenden bereitgestellt, so dass die neue Trischenhütte eine Spende Dithmarschens an den NABU und den Nationalpark ist. Der Bau der neuen Hütte auf Trischen bot die Möglichkeit, sich direkt für den Schutz der entlegenen Insel einzusetzen. Auch die weitere Instandhaltung erfordert finanzielle Unterstützung. Das Holz muss regelmässig gestrichen und gepflegt werden, Schrauben müssen erneuert werden, und auch die Inneneinrichtung will alljährlich erneuert werden. Helfen Sie uns mit, dass der NABU auch weiterhin die Insel Trischen durch einen Vogelwart betreuen kann. Für weiteres Hütteninventar und zusätzliche Gerätschaften, die den modernen Ansprüchen der Naturschutzarbeit genügt, sind wir auch nach dem Bau der Hütte auf Ihre Unterstützung angewiesen. Spendenkonto: bitte unbedingt als Verwendungszweck das Stichwort Trischen angeben!

  • Sparkasse Südholstein,
  • BLZ 230 510 30,
  • Kto 285 080


Chronik der Vogelinsel

  • um 1600
    Erste überlieferte Berichte von einer Insel
  • bis etwa 1750
    Insel mit Vegetation, danach Abflachung zur Sandbank
  • ab 1850
    Erneute starke Auflandung und Salzwiesenbildung
  • 1868
    Erstmals Landgewinnungsarbeiten durch Grüppenbau
  • 1895-97
    Errichtung eines Blockhauses in den Dünen für Küstenschutzarbeiter
    Bau eines kleinen Ringdeiches mit zweigeschossigem, steinernem Schäferhaus und Viehtränke, Beginn der Beweidung mit Schafen (1.Pächter: Frenssen)
  • um 1900
    Exzessives Eiersammeln und Jagd ruinieren die Vogelbestände in den Brutkolonien (Silbermöwe an der Küste fast ausgerottet), Erlegung tausender Brandenten zur Mauserzeit
  • 1909
    Trischen wird durch Erlaß von Landrat und Jagdpächter Johannsen Vogelfreistätte, Überwachung durch Angestellte der Domänenverwaltung - ab 1911 mit Polizeigewalt ausgestattet - ornithologische Betreuung durch Verein Jordsand, (1909 und 1910),
  • seit 1919
    Brutbestandsaufnahmen
  • 1910-17
    Brutplatz für bis zu 600 Zwergseeschwalben und 150 Seeregenpfeifer
  • nach 1918
    Massives Eiersammeln in der Nachkriegszeit (ab 1920 Versuch der Kanalisierung durch Verpachtung, in diesem Jahr 37.000 Eier, überwiegend der Flußseeschwalben)
  • bis 1921
    Jährlicher Rückgang der Strandbreite um 30 Meter (von 1500 m 1884 auf 260 m)
  • 1922-25
    Eindeichung eines 78 Hektar großen Kooges, Bau des "Luisenhofes" und Aufnahme intensiver Landwirtschaft einschließlich Ackerbau durch Pächter Jürgen Brandt
  • 1926-33
    Pachtzeit durch die Stadt Altona, Bau der größten Scheune Dithmarschens und Betrieb eines Kindererholungsheimes
    Intensive Küstenschutzarbeiten (Steindeckwerk und Stahlbuhnen zur Dünenfußsicherung), aber massive Zunahme technischer und finanzieller Probleme
    Ansiedlung von englischem Schlickgras (1927)
    Jährliche Kutterregatta von Friedrichskoog mit Scheunenfest auf Trischen
  • ab 1927
    Betreuung durch den Bund für Vogelschutz (BfV, später DBV, dann NABU), zunächst durch den Bundesverband unter seiner Gründerin Lina Hähnle, ab 1966 durch den Landesverband
  • 1934
    Trischen wird Naturschutzgebiet
    Beginn einer kurzen wirtschaftlichen Blütezeit unter Pächter Hermann Dreeßen
  • 1936
    Aufgabe der intensiven Küstenschutzmaßnahmen
  • 1943
    Endgültiger Durchbruch des Meeres durch die Dünen, Aufgabe des Hofes und aller Gebäude (letzte Beweidung 1947)
  • 1944-47
    In der Nachkriegszeit erneutes Naturschutzvakuum, Eiersammeln und Vogeljagd, vor allem auf mausernde Brandenten
  • um 1950
    Beginn des Aufstiegs der Silbermöwe als Brutvogel auf Trischen
    Otto G. Meier bestimmt ab jetzt mehr als drei Jahrzehnte als NABU-Referent die Naturschutz-Geschicke
  • 1955
    Ansiedlung einer Brandseeschwalbenkolonie
  • 1959
    Erneuerung der Natuschutzgebietsverordnung mit Erweiterung um die umliegenden Wattflächen
    Bau der ersten Vogelwärterhütte (Unterkunft zuvor unter anderem im Bakenschutzraum mit Strohlager)
  • etwa 1960
    Intensivierung der seit den Zwanziger Jahren durchge- führten Möwenbekämpfung (Lachmöwen bis 1981, Silbermöwen bis 1987) - Insel von ausgesetzten Kaninchen kahlgefressen
  • 1962
    Verheerende Sturmflut mit Einebnung der Dünen, Auslöschung des Kaninchenbestandes und Zerstörung der Vogelwärterhütten - Befürchtung des Untergangs von Trischen
  • 1976
    Sturmflut mit höchstem bisher gemessenem Wasserstand, erneute Einebnung der Dünen und Zerstörung der Hütten
    Die sogenannte Wolter-Hütte wird errichtet
  • 1980
    Zunehmendes Brutbestandswachstum der Lachmöwe
    Haupt-Mausergebiet der Brandente mit über 100.000 Tieren (rund die Hälfte des europäischen Bestandes; zuvor Knechtsand, ab 1992 Elbmündung)
    Waffenerprobung von der Hubinsel "Barbara" im Watt, Schießübungen von Land aus Richtung Trischen seit Beginn der siebziger Jahre
    Beginn der 20jährigen Ära Vogelwart Peter Todt (zuvor "Probejahr" 1976), Konsequente Entwicklung zur "Nullnutzungszone" und Reduzierung aller vermeidbaren Störungen durch Besucher, Flug- und Schiffsverkehr
  • 1981
    Eine zweite Vogelwärterhütte, die sogenannte Meier-Hütte, wird errichtet
  • 1985
    Gründung des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer mit Trischen als Kernzone
    Baubeginn Ölförderinsel Mittelplate drei Kilometer südöstlich von Trischen
  • 1995
    Rückgang der Fluß-(+Küsten)seeschwalbenbestände auf etwa 500 Brutpaare
    Großes Vogelsterben durch Botulismus-Bakterien im Sommer (vor allem Brandenten)
  • 1996
    Größter Brandseeschwalbenbestand aller Zeiten mit 4.382 Paaren

    Abbau der nicht mehr als Seezeichen benötigten Bake, deren elf Vorgänger - bis 1890 mindestens vier Kilometer nordwestlich der heutigen Insel - in den letzten zwei Jahrhunderten immer Insel-Wahrzeichen waren
  • 1997
    Ansiedlung einer Kormorankolonie
  • 1999
    Peter Todt übergibt "seine" Insel an Nachfolger
  • 2000
    Die Meier-Hütte wird abgerissen, da die Insel unter ihr hindurchgewandert ist, nur das Grundgestell bleibt
  • 2001
    Die neue Trischenhütte wird im Südteil der Insel gebaut
    In Friedrichskoog wird die Buschsandbake wieder aufgestellt
  • 2002
    Die Winterstürme reißen die Reste der Meier-Hütte vollständig um
    Erstmalig brüten Löffler und Nonnengans auf der Insel
  • 2003
    Zum ersten Mal seit 1955 brüten keine Brandseeschwalben mehr auf Trischen
  • 2007
    Im November bringt eine Sturmflut die Wolter-Hütte vollständig zum Einsturz. Nur noch vier Anker-Pfähle erinnern an den Standort der Hütte

Ergänzt nach "Chronologie Trischens" aus der Broschüre: Trischen - Perle im Nationalpark


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