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Beenke, Willi Max

(Weitergeleitet von Willi Max Beenke)

Stolperstein in Burg/Dithmarschen

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Willi Max Beenke wurde am 16. Oktober 1913 in Kuden (Dithmarschen) geboren. Mit seiner Frau Hilda wohnte er in der Kleinen Schulstr. 7 in Burg. Er "verstieß" dort gegen das sog. Heimtückegesetz, da er ausländische Rundfunksendungen abhörte. Er wurde denunziert und zum Verhör auf das Amt bestellt. Man ging der Sache jedoch nicht weiter nach und beließ es bei einer Verwarnung.

Radiovergehen

In Kiel, wohin Willi Max Beenke auf eine Werft zur Arbeit zwangsverpflichtet worden war, hörte er wieder ausländische Radiosendungen, und auch hier wurde er bei der Gestapo denunziert. Er wurde daraufhin in das Arbeitserziehungslager Hallendorf in Salzgitter verschleppt, wo er am 20. März 1944 ums Leben gebracht wurde.

Text von Jochen Sievers

Willi Max Beenke 16.10.1913 - 20.03.1944

Es gibt Menschen, die bekannt sind wegen ihrer Taten oder wegen ihres Schaffens, wegen ihrer Kontaktfreudigkeit, einige sind ganz berühmt und sie bleiben über Generationen, sogar über Jahrhunderte in Erinnerung; von anderen sind Spuren in verschiedenen Dokumenten zu finden, aus denen sich in groben Zügen ein Lebensweg erahnen lässt. Es gibt auch solche, wie den Gründer der christlichen Religion, von dem als historisch gesicherte Angabe nur ein Kreuzigungstermin überliefert ist, über den aber in den ersten beiden Jahrhunderte unserer Zeitrechnung etliche Jahre nach seinem Tod Geschichten, Berichte, Sagen geschrieben worden sind, die bis heute überliefert werden.

Alles das trifft auf Willi Max Beenke nicht zu. Wir wissen wenig über sein Leben in Burg, in Kiel und in Hallendorf bei Salzgitter. Wir haben ein Geburtsdatum, ein Todesdatum, einen Wohnort in Burg, ein paar Erinnerungen seines Sohnes Wilhelm, der 5 Jahre alt war als der Vater starb. Den Rest müssen wir aus ein paar vagen Andeutungen versuchen zu rekonstruieren.

Geboren ist Willi Max Beenke am 16.10.1913 in Kuden. Sein Vater sei politisch aktiv, ein "großer Kommunist“ gewesen; wahrscheinlich ein aktiver, überzeugter Verfechter sozialer Gerechtigkeit. In einer Familie, in der oppositionelle Politik besprochen wurde aufgewachsen, wird der Sohn sicher auch die Entwicklung nach dem Ersten Weltkrieg und den Zerfall der Weimarer Republik mit kritischen Augen und Ohren verfolgt haben. Er heiratet Hilda, geb. Plock, die eine sehr kirchlich orientierte Frau gewesen sein soll, so der Sohn Wilhelm Beenke. Sie wohnen in der kleinen Schulstr.7. Nach Errichtung der Nazi-Diktatur, in der nach und nach alle demokratischen Rechte abgebaut wurden - Verbot der KPD, SPD, der Gewerkschaften, Eingliederung anderer Parteien in die NSDAP, Gleichschaltung der Presse und des Rundfunks, Bespitzelung durch Blockwarte und Nachbarn, war es für bewusste oppositionelle Menschen nötig, sich Informationen über die Situation in Deutschland und Internationale Entwicklungen mittels so genannter "Feindsender“ zu beschaffen. Insbesondere auch nach dem Beginn des 2. Weltkrieges durch die Naziregierung und Wehrmacht. Viele von uns kennen Erzählungen von Eltern oder Großeltern, die unter Wolldecken verborgen den BBC gehört haben, um zu wissen, was wirklich los war im Land und wie die Lage an den Kriegsfronten sich entwickelte. So hielt es auch Willi Max Beenke. Irgend jemand hat ihn verpfiffen und er wurde auf das Amt in Burg vorgeladen und verhört. Bestraft wurde er nicht, wahrscheinlich verwarnt. Das wird ihn zu größerer Vorsicht bewogen haben, denn in Burg ist kein Wiederholungsfall bekannt geworden.

Durch den Machtantritt Hitlers veränderte sich die Lage der Rüstungsindustrie. Die Kriegsschiff-Produktion auf den Kieler Werften war durch den Versailler Vertrag stark begrenzt. Nun wurde ein großer Nachholbedarf festgestellt und die Werften begannen wieder mit dem Kriegsschiffsbau. Durch das deutsch-britische Flottenabkommen von 1935 schienen alle Restriktionen beseitigt zu sein.

Bei den Werften in Kiel gab es ein relativ gutes Sozialsystem: Materielle Sozialpolitik: Einkommenszulagen und Versorgungsprivilegien. Betriebliche Wohnungsbeschaffung, Betriebliche Hilfe in besonderen Situationen, bezahlter Urlaub und betrieblich geförderte Erholung. Immaterielle Sozialpolitik: es gab Kinderbetreuung, Freizeit und Kulturelle Betreuung, Gesundheitsfürsorge und Unfallschutz. Dies sollte helfen, eine willige und leistungsfreudige, gehorsame Gefolgschaft zu formen.

Zunehmend wurden Fachleute für die Werften gesucht, auch im Ausland. Da das nicht ausreichte, mussten mehr und mehr Kräfte eingestellt werden, bei denen die Kieler Stapo keine einwandfreie Auslese mehr gewährleisten konnte. Um den Bedarf an Arbeitskräften auf den Werften zu decken, wurden weitere Kräfte dienstverpflichtet.

Zu ihnen gehörte auch Willi Max Beenke. Er hat wohl in Kiel eine Wohnung gefunden und konnte von Zeit zu Zeit nach Hause fahren und seiner Frau und den Kindern Geld für ihren Lebensunterhalt bringen.

Die Werftarbeiter waren aktiv und organisiert und brachten so ihre Unzufriedenheit über der Löhne, die Arbeitsbedingungen und die Wohnungsnot zum Ausdruck. Das alles hatte sich durch den Zuzug immer größerer Arbeiterkontingente verschlechtert.

Die Deutschen Werke Kiel (DWK) machten Wohnungsbau für Werksangehörige zum kriegswichtigen Vorhaben. Noch im Frühjahr 1944 sollte mit dem Werkswohnungsbau abgeschlossen werden. In den Kriegsjahren wurden die Arbeiter in den DWK mehr und mehr ausgebeutet. Die Mittel, die für die Sozialpolitik zur Verfügung standen, reichten nicht mehr aus, die gehorsame Gefolgschaft zu formen. Mehr und mehr kam eine Drohkulisse von Überwachung und Repression hinzu und verdrängte die Sozialpolitik. (Betriebliche Bußen: Verwarnungen, Verweise und Geldbußen bis zum Ausschluss von Betriebswohlfahrtseinrichtungen und fristlosen Entlassungen. Zu Entlassungen ist es gegen Kriegsende wegen des Mangels an Arbeitskräften nicht mehr oft gekommen.)

Man ging dazu über, renitenten Arbeitern nicht mehr mit Arbeitslosigkeit und Gefängnis zu drohen, sondern sie zu härtester Zwangsarbeit in so genannte Arbeitserziehungslager zu schicken. Die Einweisung in ein Arbeitserziehungslager konnte nicht vom Betriebsführer, sondern musste von der Gestapo angeordnet werden. Die Einschaltung der Gestapo sollte erst erfolgen, wenn innerbetriebliche Disziplinierungsmittel erschöpft waren. Die Gestapo ihrerseits verfügte in Rüstungsbetrieben - eben auch in den DWK - über ein Netz von V-Leuten, die die Arbeiter bespitzelten. So konnte die Gestapo auch ohne Meldung durch die Werksleitung gegen Betriebsangehörige vorgehen. Es gab eine enge Kooperation zwischen betriebsinterner Spionageabwehr und der Gestapo. An der Spitze der Spionageabwehr stand der "Abwehrbeauftragte“. Im Fall der DWK war es Otto Neuerburg, der später eine Darstellung der Geschichte der Werft (Menschenwerk im Mahlstrom der Zeit - Die 100 jährige Geschichte der Kaiserlichen Werft und der deutschen Werke, Kiel 1955 und Dem Erdboden gleichgemacht, Das Schicksal der Kieler Großwerft in und nach dem 2.Weltkrieg, Kiel 1955) geschrieben hat.

Zurück zu Willi Max Beenke: Da er sicherlich durch seinen sozialpolitisch aktiven Vater geprägt war, wird er auch an den Aktivitäten oppositioneller Arbeiter beteiligt gewesen sein. Ebenso wird ihn als einen Menschen der bis zur Erschöpfung am Bau von Kriegsschiffen beteiligt gewesen ist, auch der Fortgang des Krieges und die beginnende Niederlage der deutschen Wehrmacht beschäftigt und vielleicht mit Hoffnung erfüllt haben.

Dem Netzwerk von Gestapospitzeln und werksinterner Spionageabwehr ist er schließlich aufgefallen - man sagt: wieder wegen Abhören eines Fremdsenders. Er wurde gestellt und in das Arbeitserziehungslager nach Hallendorf bei Salzgitter verschleppt. War es für ihn selbst schon schlimm genug, denn diese Lager der Gestapo standen den Konzentrationslagern kaum nach, entfiel mit seiner Überführung nach Salzgitter für seine Frau und die Kinder die Lebensgrundlage. Der Sohn Wilhelm Beenke sagte uns, er wisse nicht, wie seine Mutter es geschafft habe, sich selbst und die Kinder durchzubringen. Sicher hätten Nachbarn etwas geholfen.

Das Lager Hallendorf versorgte die Reichswerke Hermann Göring in Salzgitter mit kostenfreien Arbeitskräften. Dort wurde Eisenerz bis zu 1000 m Tiefe gefördert und anschließend verhüttet.

Die Einweisungsgründe, mit denen sowohl deutsche als auch ausländische Männer und Frauen einer Strafbehandlung durch Prügel, Schikane u.a. ausgesetzt wurden, waren vielfältig.

Sie reichten von

  • - "Arbeitsbummelei" (Zu spät kommen, Fehltage),
  • - "Krankfeiern" (Fehlen des ärztlichen Attestes),
  • - "Arbeitsvertragsbruch" (Wechsel des Arbeitsplatzes oder Kündigung, ohne dass das Arbeitsamt zugestimmt hatte),
  • - der Verweigerung des "deutschen Grußes" (selbst ehemalige Parteimitglieder *blieben nicht verschont),
  • - Abhören ausländischer Rundfunksendungen,
  • - Witzen über das "Dritte Reich",
  • - mitmenschlicher Kontakt zwischen Deutschen und Ausländern
  • - bis zur politischen Einstellung oder weil die Betreffenden jüdische Eltern hatten.

Arbeiter und Arbeiterinnen aus allen Ländern wurden von Betriebsführern und Behörden angezeigt - oft aufgrund von Denunziation durch Spitzel - und in das Hallendorfer "Lager 21" eingewiesen, in das Willi Max Beenke verschleppt wurde.

Für viele war das Lager nur eine Zwischenstation zum Abtransport in eines der Konzentrationslager. Darüber hinaus benutzte die Gestapo das Lager zur Vernichtung politischer Gegner und zur Hinrichtung von Ausländern. Bis April 1945 unterzog die Gestapo etwa 26 000 bis 28 000 Männer und etwa 7 000 Frauen den Schikanen der Wachmannschaften und der Gestapo-Angehörigen.

Unter den Gefangenen befanden sich Angehörige aus fast allen europäischen Ländern, vor allem aus der Sowjetunion und Polen. Wer aus einem solchen Erziehungslager an die Arbeit zurückkehrte, sollte ein abschreckendes Bild für seine Kollegen abgeben. Es sollen nicht sehr viele gewesen sein, die diese Haft, die bis zu 2 Monaten dauern konnte, bei manchen sogar über ein Jahr, überlebt haben. Detlef Korte nannte sein Buch über das Erziehungslager Nordmark: "Erziehung ins Massengrab“.

Diktatur der Disziplin

Analog dem Runderlass des Reichsführer-SS vom 28. Mai 1941 bekräftigte das Reichsicherheitshauptamt in den Richtlinien über die Arbeitserziehungslager, dass "die Häftlinge ... zu schwerer und scharfer Arbeit anzuhalten [sind], um ihnen ihr gesetzwidriges und volksschädigendes Verhalten eindringlich vor Augen zu führen, um sie zu geregelter Arbeit zu erziehen und um anderen durch sie ein abschreckendes und warnendes Beispiel zu geben."

Außerdem sollte "die Arbeitszeit ... an allen Tagen (auch sonn- und feiertags) nicht weniger als 10 und nicht mehr als 12 Stunden betragen". Hierzu wurden Arbeitskommandos gebildet, die im Lager selbst oder in den Betrieben der Umgebung unter Bewachung zu Einsätzen abgeordnet wurden. Zu den gefährlichsten Arbeitsstellen zählten die so genannten Schlackenkommandos. Dort mussten die Häftlinge mehrere hundert Grad heiße Schlacke mit Spitzhacken zerkleinern und anschließend auf Waggons laden - oft ohne festes Schuhwerk oder Schutzkleidung. Häufig kam es zu Arbeitsunfällen, vor allem zu Verbrennungen. Hinzu kam, dass alle Arbeiten von brutalen Schikanen des Wachpersonals begleitet wurden. Täglich erlitten die Häftlinge Prügel mit Gummiknüppeln, Stöcken und Peitschen sowie Gewehrkolbenstöße. Diese Arbeitsgruppen waren verschärfte Strafkommandos, in denen die Angehörigen der Staatspolizeistelle Braunschweig und der Lagerexekutive über die in den Erlassen festgelegten Bestimmungen hinaus diskriminierten, schikanierten und töteten. Andere Häftlings-Kommandos wurden zur Landwirtschaft, als Bautrupps oder zu Aufräumarbeiten nach Bombenangriffen herangezogen.

Außer der zwölfstündigen harten körperlichen Arbeit, die oftmals mit starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen verbunden war, gab es weitere Maßnahmen, die den Gefangenen das Leben erschwerten. So ließen die Wachmannschaften nach Arbeitsschluss eine Reihe von Sportübungen durchführen: Nahrungsmittel mussten im Laufschritt entgegengenommen und verzehrt werden. Stöße mit Gewehrkolben, Tritte in den Unterleib und Prügel mit harten Schlaggeräten zählten zum Lageralltag. Ein Rückzug in die Lagerbaracken war vor dem Abendappell, der um 22.00 oder 23.00 Uhr abgehalten wurde, verboten. Doch auch dann war den Häftlingen keineswegs eine Nachtruhe vergönnt. Zu den Schikanen gehörte es, sie alle zwei Stunden zu wecken und unabhängig von der Jahreszeit zehn Minuten unter die kalte Dusche zu stellen.

Außer dem Entzug von Verpflegung erteilte der Lagerleiter als Sonderbestrafung auch Dunkelzellen- und Stehbunkerhaft, bei der die Gefangenen für mehrere Tage in Ketten gelegt wurden. Nicht selten hetzte er seinen Schäferhund auf sie, so dass sie oft schwere Bisswunden davontrugen. Manchen Gefangenen, der von der Flucht zurückgebracht wurde, ließ er zum Krüppel schlagen, andere wurden den Strafarbeitskommandos zugeteilt, wo sie auf der Flucht erschossen oder erschlagen wurden. Ehemalige Häftlinge, die auch Erfahrungen in den Konzentrationslagern gemacht hatten, schilderten in ihren Erinnerungen die Bedingungen im Gestapo-Lager 21 als wesentlich härter als im KZ .

Starb ein Häftling im Krankenrevier an "Herzschwäche", war nicht zu erkennen, daß er seinen Verletzungen erlag, weil ihn seine Bewacher mit Gewehrkolben zusammengeschlagen oder einen Fieberkranken tagelang im Laufschritt bis zur Erschöpfung drangsaliert hatten. Starben Gefangene an Lungenentzündung, TBC, Darmkatarrh oder an den Folgen von Erfrierungen im Winter (mangels Bekleidung oder als Folge von Strafmaßnahmen: kalt duschen, anschließend der kalten Witterung aussetzen) sowie Verbrennungen beim Zerhacken glühender Schlacke waren die lebensbedrohlichen Arbeits- und Haftbedingungen als Gründe der Schädigungen und des körperlichen Verfalls aus dem nach Aktenlage beurteilten Fall ausgeblendet. Nicht nur als Arbeitserziehungslager nutzte die Gestapo das Lager 21, sondern auch als Folter- und Hinrichtungsstätte und als Sammellager für Transporte ins KZ.

In den Richtlinien der Reichssicherheitshauptamtes wurde hierzu ausgeführt: Der jüngste Gefangene war 12 und der älteste über 80 Jahre alt. Ein Arzt, Edmund Schauff, kam zweimal die Woche zu einer Sprechstunde ins Lager. Ein politischer Häftling namens Hermann Wallbaum war alleiniger Lager-Sanitäter, der den Weisungen des Arztes Folge zu leisten hatte. Nach 1942 praktizierten keine Ärzte mehr im Lager 21 und ab 1943 arbeitete der Häftling Dr. Iwan Podrygulla als Arzt, dem es mit den Sanitätshäftlingen gelang, die Todesrate auf ein Drittel des Vorjahres zu senken.

Die Unterbringung erfolgte in Räumen mit 24 Bettgestellen, und da die Räume überbelegt waren, mussten zahlreiche Häftlinge auf dem Boden schlafen. Im Verlauf des Jahres 1944 wurden die Bettgestelle wegen Platzmangel entfernt und alle Häftlinge mussten auf dem Boden schlafen. Es waren je Raum nur acht Decken vorhanden, der Boden war mit Stroh bedeckt. Die Häftlinge nähten die Decken zusammen und krochen darunter, um sich gegen die Kälte zu schützen. Die tägliche Verpflegung bestand aus zwei Margarinebroten und einem Becher Kaffee.

Das Lager A für Männer befand sich etwa 300 Meter von der Landstraße Hallendorf-Bleckenstedt entfernt. Es hatte die äußere Form eines Rechtecks und der innere Platz diente Appellen. Die Gefangenenbaracken waren von einem doppelten Maschen- und Stacheldrahtzaun mit zwischenliegenden Wassergraben umgeben. Das Lager konnte nur durch einen Eingang betreten werden, der stets von einem Torposten bewacht war.

Zwei Mannschaftsbaracken lagen zunächst an der nörd- und südlichen Längsseite. Fenster und Türen gab es nur zum Innenhof. Die anderen Räumlichkeiten an der Ost- und Westseite dienten in den ersten Jahren als Wasch-, Bekleidungs- und Desinfektionsräume und als Küche und Verwaltungsraum. Nach 1942 wurde der Verwaltungsraum nach außerhalb des Rechtecks verlegt und die freiwerdenden Räume wurden entweder mit Häftlingen belegt oder als Funktionsräume für die Lagerwache, Material, Bekleidung, Desinfektion, Duschen, Aborte und zur Arbeit genutzt. Das Gebäude außerhalb war für den Werkschutz mit 20 Arrestzellen für die Fesselungs- und Dunkelhaft gebaut. Des Weiteren gab es Handwerkerräume, ein Wohngebäude für den Lagerkommandanten und eines für das Verwaltungsperson, eine Garage, einen Pferde- und Viehstall, ein Schwimmbad und einen Notwasserteich.

Irgendwann im März oder April 1944 erhielt Frau Hilda Beenke die Nachricht, das Willi Max Beenke im Lager Friedhofskartei Salzgitter (zum Vergrößern anklicken)Hallendorf an "Herzschwäche“ gestorben sei. In fast allen Bescheiden, die Angehörige von Ermordeten aus solchen Lagern bekamen, war Herzschwäche oder Herzversagen als Todesursache angegeben. Als Wohnort wird Hallendorf angegeben, als Straße Lager 21, bestattet auf dem Friedhof Lebenstedt-Alt. Damit war die Hoffnung auf eine Rückkehr ihres Mannes aus dem Arbeitserziehungslager und die Hoffnung auf Lebensunterhalt endgültig vorbei. Später nach 1945 hat sie eine Entschädigungszahlung bekommen, über deren Umfang und Titel haben wir bisher noch nichts finden können.

Wir können uns auf diese Weise ein Bild davon machen, auf welche Weise Herr Beenke besonders in den letzten Monaten seines Lebens leiden musste. Seine für ihn wichtigen Lebensinhalte kennen wir nicht. Wir können ahnen, dass er politisch wachsam gewesen ist, etwas riskierte, um auf der Höhe des Zeitgeschehens zu sein und es ist anzunehmen, dass er sein Wissen, seine Hoffnungen, seine Visionen auch mit anderen geteilt hat. Zu wenige sind es gewesen, die wie Beenke und Gerhard Kratzat sich nicht haben von den Nazis haben einlullen lassen oder aus Angst vor ihnen alles mitgemacht haben.

So können wir einen späten Dank an diese Männer richten, von dem haben sie selbst nichts, aber wir werden daran erinnert, dass es lebenswichtig ist, rechtzeitig Machtstreben, Intoleranz, Rassismus, Antisemitismus wahrzunehmen, aufzudecken und dagegen aufzustehen.

Jochen Sievers

Informationen

Weitere Informationen über Gerhard Kratzat und Willi Max Beenke sind auf folgender Homepage zu finden:

Arbeitskreis Stolpersteine Dithmarschen


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