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Wibe Junge

Aus Dithmarschen-Wiki

--Ditschie (Diskussion) 16:24, 2. Okt. 2016 (CEST)

Wibe Junge setzte sich vergeblich gegen die Ermordung des reformatorisch gesinnten Märtyrers Heinrich von Zütphen in Heide im Jahr 1524 ein.

Inhaltsverzeichnis

Persönliche Angaben

  • Geburtsdatum: ca. 1485 in Hemmerwurth bei Hemme
  • Todesdatumn: nach 1524

Wibe Junge wurde als Tochter des Peter Nanne (die Nannen kamen aus dem Geschlecht der Wurtmannen) geboren, der um 1480 Regent im Rat der Achtundvierziger war.

1447 wurde das Dithmarscher Landrecht aufgezeichnet. Seit dieser Zeit war es üblich, dass vier Dithmarscher Vogteibezirke je zwölf Vertreter als Ratgeber in ein Schiedsgericht wählten, welches wöchentlich in Heide tagte. Dieser Rat der Achtundvierziger nahm ab 1509 die Regentschaftsfunktion in Dithmarschen war.

Auch drei der Brüder von Wibe Junge waren später im Rat der Achtundvierziger, unter ihnen war auch Olde Peter Nanne, der sich 1545 vor dem Wormser Reichstag und 1549 vor dem Kaiser in Brüssel für die Rechte Dithmarschens einsetzte.


Leben

Wibe Junge wurde standesgemäß mit einem Regenten verheiratet. Ihr Ehemann Claus Junge war der Sohn von Jeben Junge Clawes (aus dem Geschlecht der Sulemannen). Der Schwiegervater von Wibe Junge hatte 1477 Dithmarschen vor Papst Sixtus IV. in Rom vertreten.

1473 wurde Christian I., König von Dänemark, von Kaiser Friedrich III. mit Dithmarschen belehnt. Anlässlich von Christians Besuch beim Kaiser erhob dieser die Grafschaft Holstein zum Herzogtum und verleibte ihr Dithmarschen ein. Damit konnte Christian I. seinen Anspruch auf Dithmarschen geltend machen. Die Dithmarscher beriefen sich jedoch darauf, Lehnsbesitz der Bremischen Kirche zu sein, was Papst Sixtus IV. 1477 bestätigte. Der Kaiser zog daraufhin seine Belehnung zurück. Erst Christians Söhne versuchten als Herzöge von Holstein erneut, ihren Anspruch durchzusetzen, unterlagen jedoch 1500 in der Schlacht bei Hemmingstedt.

Der Ehemann von Wibe Junge, Claus Junge, war von 1500 bis 1514 im Rat der Achtundvierziger. Nach dessen Tod zog Wibe Junge als vermögende Witwe nach Meldorf und erwarb dort ein eigenes Haus. Sie war damals sehr angesehen, einflussreich und in einer Vorbildfunktion.

Die Tochter von Wibe Junge war verheiratet mit dem Achtundvierziger Peter Wohlderich aus Lunden und ihre Enkelin Anna war mit dem Meldorfer Bürgermeister Peter Bruhn verheiratet worden.


Interesse am Luthertum

Wibe Junge hatte, als Tochter eines Regenten, eine hohe Geistesbildung und stand neuen Geistesströmungen aufgeschlossen gegenüber.

Von 1500 - 1560 immatrikulierten an den Universitäten von Rostock, Leipzig und Wittenberg 110 Dithmarscher Regentensöhne. So studierte beispielsweise Markus Swin in den Niederlanden Jura.

In Meldorf kam Wibe Junge mit dem Pfarrer Nicolaus Boie der Jüngere in Kontakt, der die lutherische Lehre vehementer vertrat als Luther selbst; sie hörte seine Predigten und kam in Gesprächen mit dem Pfarrer mit dem reformatorischen Gedankengut von Luther in Berührung. Sie pflegte einen Briefwechsel mit Martin Luther und stellte sich in Meldorf an die Spitze der lutherischen Bewegung.


Heinrich von Zütphen

1524 bat die Gemeinde von Meldorf den Prediger Heinrich von Zütphen von Bremen nach Meldorf zu kommen und die Lehre Luthers zu verkünden. Vermutlich kannten der Pfarrer Boye und Heinrich von Zütphen sich bereits seit ihrer gemeinsamen Ausbildung in Wittenberg.

Die bremische Gemeinde Heinrich von Zütphens liess diesen nur gegen das Versprechen gehen, dass er nach einigen Monaten wieder zurückkehren werde und machte sich sodann am 28. November 1524, der erste Montag nach dem 1. Advent, auf den Weg. Er setzte über die Elbe und gelangte nach Brunsbüttel und von dort aus nach Windbergen. In der damaligen Kapelle "Zum heiligen Kreuz" soll ihm durch einen Geistliche besondere Ehre zuteil geworden sein. Von dort aus gelangte er dann nach Meldorf.

Der damalige Prior des Meldorfer Mönch-Klosters, Augustinus Torneborg, versuchte vom ersten Tag an, Heinrich von Zütphen vom Predigen abzuhalten. Aus diesem Grund ritt der Prior am Sonnabend vor dem 2. Advent nach Heide zur wöchentlichen Versammlung der Achtundvierziger. Dort bat er den Rat einen Befehl zu erlassen, der Heinrich von Zütphen das Predigen untersagen sollte. Dieser Anordnung wurde erlassen, doch hielten sich weder Nicolaus Boie der Jüngere noch Heinrich von Zütphen daran. Sie waren der Meinung, dass dem Rat der Achtundvierziger dieses Recht nicht zustand, sondern jede Gemeinde das Recht habe ihre Prediger zu bestimmen und zu entlassen. Die Meldorfer Gemeinde unterstützte die beiden Pastoren und wollten diese nicht davon jagen.

Nicolaus Boie der Jüngere verfasste eine Erklärung, die dem versammelten Ausschuss des Rates vorgelegt wurde. Der älteste Achtundvierziger, Peter Dethlefs von Delve, machte den Vorschlag, die Klärung der Rechtsauffassung bis zum Konzil, das zu Ostern abgehalten werden sollte, auszusetzen. Daraufhin setzte Heinrich von Zütphen das Predigen in Meldorf fort.

Augustinus Torneborg begab sich daraufhin zu seinen Ordensbrüdern nach Lunden und es gelang mit diesen einige Achtundvierziger, darunter Peter Nannen und Peter Swyn, zu dem Beschluss zu bringen, Heinrich von Zütphen als Ketzer zu verbrennen.

Am 10. Dezember 1524 wird Heinrich von Zütphen bei Eis und Schnee entführt und barfuß nach Heide gebracht. Auf dem Markt wurde der Beschluß gefasst und öffentlich bekannt gegeben, das Heinrich von Zütphen als Ketzer verbrannte werden solle.

Kurz vor der Verbrennung versuchte Wibe Junge noch, ihn zu retten und bot 1.000 Gulden an, dafür sollte Heinrich von Zütphen vor den Rat der Achtundvierziger gebracht werden, sie wurde jedoch von dem versammelten Volk zu Boden gerissen und mit Füssen getreten.

Weil der Scheiterhaufen nicht brennen wollte, wurde Heinrich von Zütphen daraufhin von Johann Holm mit einem Hammer erschlagen.

Erst acht Jahre später setzte sich die Reformation auch in Dithmarschen durch. 1540 gründete der Regent Reimer Wolderich, Schwiegersohn Wibe Junges, in dem ehemaligen Dominikanerkloster zu Meldorf eine reformatorisch gesinnte Schule, aus der die heutige Gelehrtenschule hervorging.


Gedenken

Seit 1995 trägt eine Straße im Wesselburener Neubaugebiet den Namen „Wibe-Junge-Weg“. Ihr Name lebt auch weiter in dem 1996 in Heide gegründeten Pflegeheim „Wibe-Junge-Haus“.


Literatur

  • J. Adolfi, gen. Neocorus: Chronik des Landes Dithmarschen I und II, hrsg. v. F. C. Dahlmann, Kiel 1827 (Reprint Leer 1978).
  • . W. Heimreich: Dithmarsische Chronik, Schleswig 1683.
  • G. J. Th. Lau: Geschichte der Einführung und Verbreitung der Reformation in den Herzogthümern Schleswig-Holstein bis zum Ende des sechzehnten Jahrhunderts, Hamburg 1867.
  • A. Lühning: Haus und Pesel des Markus Swin, Heide 1997 (bes. S. 138).
  • W. Seegrün: Heinrich von Zütphen − seine Ideen, sein Feuertod und Dithmarschens Weg einer Germeindereformation. in: Verein für katholische Kirchengeschichte. Beiträge und Mitteilungen 3 (1990), 103-127.
  • H.Stoob: Geschichte Dithmarschens im Regentenzeitalter, Heide 1959.

Weblinks


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