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Stolpersteine

Aus Dithmarschen-Wiki

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Lilly Wolff

Inhaltsverzeichnis

Gunter Demnig

Der Künstler Gunter Demnig hat in spektakulären Aktionen im ganzen Bundesgebiet mit seiner Stolperstein-Aktion auf Vergehen während des dritten Reiches hingewiesen.

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Quelle: DLZ

Arbeitskreis Widerstand und Verfolgung im nationalsozialistischen Dithmarschen

Mailadresse: info(at)stolpersteine-heide.tk

Die Opfer

Familie Stillschweig
Emil Schmekel
Martha Stillschweig
David Dagobert Stillschweig
Erich Böhlig

Die Aktion

Die Schändung der Stolpersteine

Geschändete Stolpersteine. Foto: Sönke Dwenger

Die Erinnerung an Vergehen an Heider Bürgern mag nicht jedermann genehm sein. Wer wird schon gern an diese dunkle Zeit erinnert? Der allgemeine Beifall für die Stolperstein-Aktion hat leider auch Kräfte wachgerufen, denen nichts besseres einfiel, als die Stolpersteine mit schwarzer Farbe zu besprühen. Diese Stolpersteine wurden der Heider Familie Stillschweig gewidmet, die in Auschwitz ermordet wurden.l Ein Frevel, der einer Grabschändung gleichkommt. Die Farbe stimmt nicht ganz, aber die Methoden haben sich kaum geändert. Foto: Sönke Dwenger



Marie-Elisabeth Rehn schreibt über die Erinnerungen der Heider an die Familie Stillschweig: "Mein Vater hat ihn Opa Ziegenbart genannt, meine Großmutter erinnert sich an die roten Zöpfe der Töchter und an die herzkranke Frau, die man selten zu Gesicht bekam. 'Der einzige Jude in Heide', betonen alle, die sich an ihn erinnern... Der Alte sei irgendwann in den dreißiger Jahren gestorben, die Kinder hätten die schlimme Zeit überlebt, die seien in Amerika, und es gehe ihnen gut."

Wir wissen heute, daß diese Legende leider nicht wahr ist. Zwar ist der alte Samuel 1935 im Alter von 72 Jahren in Heide gestorben. Er ist -neben seiner Frau Auguste, geborene Marcus, die schon 1924 gestorben war- in Friedrichstadt auf dem neuen jüdischen Friedhof beerdigt worden. Samuel wurde 1862 in Ostrowo in der Provinz Posen geboren, Auguste 1869 in Walsrode. 1888 heirateten sie und begründeten ihr Geschäft in der Heider Friedrichstraße 4. Nach dem Versuch, auch in Lübeck ein Geschäft aufzubauen, kehrten sie nach dreijähriger Abwesenheit 1898 nach Heide zurück und kauften das Haus in der Friedrichstraße.

Der erste Sohn Herbert, starb im Alter von nur drei Monaten im März 1890 in Heide.

Die älteste Tochter Frieda wurde 1891 in Heide geboren. Sie besuchte -wie ihre jüngeren Schwestern- die Höhere Töchterschule, bevor die Eltern sie 1906 nach Berlin auf ein Gymnasium schickten. Nach dem Abitur studierte sie Medizin. 1924 heiratete sie Dr. Felix Alexander und brachte ihren Sohn Wolfgang Alexander zur Welt. Bis 1938 praktizierte sie als Nervenärztin in Berlin. Ab 1938 wurde ihr dies als Jüdin verboten. Sie durfte als 'Krankenbehandlerin' nur noch jüdische Patienten behandeln. Sie wurde -zusammen mit ihrem Sohn Wolfgang- am 12.3.1943 deportiert und am 13.3.1943 in Auschwitz vergast.

Dagobert, der David gerufen wurde, wurde 1896 in Lübeck geboren, 1909 verließ er Heide, um in Berlin Kaufmann zu lernen. Später eignete er sich das Handwerk des Kürschners an und arbeitete in diesem Beruf. Von 1923 bis 1931 lebte er wieder in Heide und arbeitete mit im Geschäft. 1938 verließ er Deutschland endgültig und lebte in Paris. Er wurde am 9.2.1943 von dort deportiert und am 11.2.1943 in Auschwitz vergast.

Martha wurde 1906 in Heide geboren und folgte dem Vorbild ihrer Schwester Frieda. Ab 1923 besuchte sie ein Gymnasium in Berlin. Auch sie studierte Medizin und arbeitete später in der Praxis ihrer Schwester. Sie wurde am 19.5.1943 von Berlin nach Theresienstadt deportiert.

Die jüngste Tochter Gertrud kam 1907 in Heide zur Welt. Sie blieb hier und übernahm nach dem Tode der Mutter den Haushalt und half ihrem Vater im Betrieb. Auch nach seinem Tode blieb sie zunächst in Heide. Erst 1937 konnte sie das Haus an den Uhrmacher Jessen verkaufen. Ob der vereinbarte Kaufpreis von RM 22.000 jemals an sie ausgezahlt worden ist, läßt sich nicht mehr feststellen. Gertrud zog nach Hamburg und fand in der Verwaltung des Israelitischen Krankenhauses Arbeit. Sie wurde am 24.3.1943 von Hamburg nach Theresienstadt deportiert.

Am 12.10.1944 wurden Martha und Gertrud mit einem der letzten Transporte von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und nach der Ankunft des Transportes am 14.10.1944 vergast. Ob sie sich vor der Ermordung noch einmal trafen, ist nicht bekannt.

Literatur zum Thema

  • Marie-Elisabeth Rehn: Heider gottsleider - Kleinstadtleben unter dem Hakenkreuz, neu aufgelegt 2005, Verlag Pro Business Berlin, ISBN 3-939000-31-0
  • Erwin Rehn & Marie-Elisabeth Rehn: Die Stillschweigs, Konstanz 1998, ISBN 3-89649-259-4
  • Marie-Elisabeth Rehn: Juden in Norderdithmarschen im Spiegel von Niederlassungsgesuchen des 19. Jahrhunderts, Konstanz 2000, ISBN 3-89649-525-9
  • Marie-Elisabeth Rehn: Juden in Friedrichstadt. Die Vorstandsprotokolle einer Israelitischen Gemeinde im Herzogtum Schleswig 1802-1860, Konstanz 2001, ISBN 3-89649-646-8
  • Marie-Elisabeth Rehn: Juden in Süderdithmarschen. Fremde im eigenen Land. Herzogtum Holstein 1799-1858, Konstanz 2003, ISBN 3-89649-829-0
  • Ulrich Pfeil: Die KPD im ländlichen Raum in: Demokratische Geschichte, Jahrbuch zur Arbeiterbewegung und Demokratie in Schleswig-Holstein, Kiel 1996, S. 173/174
  • Ulrich Pfeil: Vom Kaiserreich ins "Dritte Reich", Heide 1890 - 1933, Heide 1997, S. 149 f., S. 180
  • Gietzelt, Martin und Ulrich Pfeil: Dithmarschen im "Dritten Reich" 1933-1945 in: Geschichte Dithmarschens, Heide 2000, S. 359/360
  • Dittrich, Irene: Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Band 7, Schleswig-Holstein 1, Frankfurt 1993, S. 72== Spenden und Sponsoren ==

Links

Homepage Stolpersteine Heide

Arbeitskreis Akens

Stolpersteine auf Wikipedia.de

Infoseite Stolpersteine in Dithmarschen

Weitere Stolpersteine in Dithmarschen


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