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Benutzer:Peter Rohde

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Beim Fotografieren des Sonnenuntergangs in St.Peter-Ording Foto:Manuela Rohde

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--Peter Rohde 12:04, 11. Jan. 2008 (CET)


Laudatio

Ausstellung „ Westküstenlandschaften“ Manuela Schmeling und Peter Rohde Kunstverein Heide vom 1. – 23. März 2005 Laudatio von Jens Rusch:

Du möchtest ein Stillleben darstellen, das ist sehr einfach. Du beachtest einige der grundlegenden Kompositionskriterien, sorgst durch geschickte Überschneidungen für räumliche Tiefe, achtest ein wenig auf eine Ausleuchtung, die die Dinge plastisch erscheinen lässt und dann war's das auch schon fast… Der Rest ist Technik und Routine. Du möchtest ein Portrait oder einen Akt darstellen? Da wird es dann schon etwas schwieriger. Solche Themen hängen nicht nur von den dargestellten Personen, ihren Körpern und ihrer Tagesform ab - der Künstler oder die Künstlerin muss sich darüber hinaus noch mit einem ganzen Strauß unsichtbarer Kriterien auseinandersetzen. Wie reagiert das dargestellte Modell, völlig egal, ob Mann oder Frau, auf die Situation? Verunsichert, verklemmt, mit aufgesetzter Mimik oder Pose? Ganz besonders Stress verursachend ist die Erwartungshaltung eines Modells oder auch nur die vermutete, die stillschweigend vorausgesetzte Erwartungshaltung. Im schlimmsten Fall muss man die Sitzung eben wiederholen. Manu Schmeling und Peter Rohde kennen solche Situationen zur Genüge. In dieser Ausstellung finden Sie nun aber eine Auswahl von Arbeiten aus dem reichen Fundus der beiden Fotokünstler, die eine noch schwierigere Ausgangssituation zum Thema haben. Die Natur, so wie sie hier dargestellt wird, lässt sich nicht arrangieren, nicht korrigieren und schon gar nicht wiederholen. Sie entzieht sich dem Darstellungswillen des Künstlers absolut und völlig. Keiner der hier gezeigten dramatischen Sonnenuntergänge an der Nordsee beispielsweise wird sich wiederholen. Niemals! Zu keiner Zeit! Morgen aber wird es unter sehr günstigen Voraussetzungen einen weiteren Sonnenuntergang geben, vielleicht sogar einen ähnlichen. Aber dieser hier, der wird niemals wieder zu sehen sein. In gewisser Weise haben die beiden Fotografen also auch archiviert. Das Unwiederholbare festhalten zu können, kann so etwas wie Sucht auslösen - ein kleines Machtgefühl. Völlig unbewusst mag das bei den beiden auch eine Rolle gespielt haben, denn wie lässt sich sonst der enorme Fundus von Fotos erklären, der bei beiden arbeitstechnisch und kostenmäßig zu Buche schlägt? Manu hat in wenigen Jahren über 15.000 Aufnahmen angefertigt, Peter sogar weit über 30.000. Die thematische Einengung dieser Ausstellung auf Nordsee- oder besser Westküsten- Impressionen ist also in gewisser Weise willkürlich . Der tatsächliche Fundus der beiden reicht von Makrofotografie bis zum Portrait.

Ich gebe an dieser Stelle eindringlich zu bedenken, dass man nicht unbedingt teure Agenturen aus Westfalen oder dem übrigen Bundesgebiet beauftragen muss, wenn man für regionale Selbstdarstellungsmaßnahmen gute Fotokünstler sucht. Dithmarschen steckt voller Talente, aber ihnen fehlt die Anerkennung und ihnen fehlen die nötigen Foren, damit man sie wahrnehmen kann. Und wer als Künstler nicht in der öffentlichen Wahrnehmung verankert ist, der erhält auch keine Aufträge - so einfach ist das. Manu Schmeling lebt in Büsum, ist hauptberufliche Fotografin. Peter Rohde lebt in Heide und ist nebenberuflicher Fotograf. Einen Unterschied macht das nicht. Die beiden haben ihre Arbeiten an diesen Wänden thematisch arrangiert, nicht nach Autorenschaft, denn diese ist ohnehin in gewisser Weise symbiotisch. Man muss schon genau hinsehen, wenn man erkennen will, wer was geschaffen hat. Und wenn man schon beim genauen Hinsehen ist, dann sollte man sich vielleicht bei einigen Bildern gleich fragen, weshalb sie für diese Ausstellung ausgesucht wurden - und ob vielleicht ein zweiter Gedanke ein wenig hinter die Oberfläche blicken lässt. Ob Sie sich vielleicht bei der Bestellung Ihres nächsten Lamm-Filets an das kleine Gesicht dort erinnern werden, welches Peter Rohde nicht ohne Grund so zentral dort aufgehängt hat. Oder haben Sie die Landschaft mit dem einsamen Baum, der fast im Nebel verschwindet, dort auf der Pferdenase bemerkt? Fast macht es den Eindruck, das Pferd sei sich dieses Bildes auf der eigenen Nase bewusst und möchte es nun unbedingt jedermann zeigen, hält es dem Fotografen richtig aufdringlich in die Kamera. Auch wieder einer dieser Glücksmomente. Oder dieser Schneesturm im Grenzlichtbereich der Abendsonne, der so anmutet wie ein marokkanischer Standsturm. Das schönste Sonnenlicht hätte ihn zunichte gemacht. Man muss schon ein besonderes Gespür für solche Situationen haben, im richtigen Moment zur Stelle sein und alle Experimente bereits lange hinter sich haben. Peter experimentiert viel und gerne. Kennen gelernt habe ich ihn, weil er eine 360-Grad-Rundum-Panorama-Aufnahme vom Inneren seines Kühlschranks ins Internet gestellt hatte. Dann bemerkte ich seine Infrarotaufnahmen und wurde neugieriger. Dann kam Manu schon deshalb dazu, weil ich die Arbeiten der beiden in diversen Internet-Präsentationen kaum trennen konnte. Und das war dann auch unser gemeinsamer Nenner: Die lokale Enge mit den eigenen Arbeiten auf der universellen Straße in das globale Dorf zu überwinden. Die einzige Chance, kulturpolitischen Nachlässigkeiten in der Provinz zu trotzen. Und mit Erfolg und einem unbändigen Willen zur Qualität zu trotzen! Gerade wurde eine Arbeit von Manu Schmeling in Österreich ausgezeichnet und im März des vergangenen Jahres im Wiener Deutschmeistersaal ausgestellt. Aus 300 internationalen Bewerbungen erreichte sie einen stolzen elfen Platz. Die Krebsgesellschaft Schleswig-Holstein erwarb ihre Darstellung eines einsamen Baumes, weil man darin wohl das beklemmende Lebensgefühl eines an Krebs erkrankten Menschen zu sehen glaubt. Das sind subtile Formen der Anerkennung, nichts Marktschreierisches, keine großen Gesten. Diese lehnt sie auch ab. Das muss man wohl auch, wenn man in Büsum lebt, einer Stadt, die den Fehler begeht, sich an der Notdurft eines Edgar Mrugalla zu ergötzen ohne dabei zu bemerken, wie sehr man sich damit bundesweit zu blamieren beginnt.

Arno Schmidt hat über Dithmarschen in seinem großartigen Buch »Die Schule der Atheisten«, welches in Tellingstedt, ganz hier in der Nähe spielt, einmal geschrieben: »Anscheinend kennt man Kunst hier nur in Verbindung mit Honig und Dünger.« So ganz stimmt das heute zwar nicht mehr, aber vermutlich würde man, hätte man die Wahl, Honig und Dünger der Kunst vorziehen. In Büsum ist das ganz sicher so.


Den beiden Fotokünstlern wünschen wir weiterhin viel Erfolg, ungebrochene Kreativität und offene Augen und die Anerkennung, die ihnen gebührt.

Ihnen allen wünsche ich viel Freude beim Betrachten der Bilder.


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