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Pantaleonsgilde

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Pantaleon Abbildung aus der Schedelschen Weltchronik von 1493

Inhaltsverzeichnis

Pantaleonsgilde

Die Pantaleonsgilde in Lunden feiert ihr 500jähriges Bestehen dieses Jahr. Gildenkette des Landes Schleswig-Holstein Landrat Dr. Jörn Klimant überreicht im Auftrage des Schleswig-Holsteinischen Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen der Pantaleonsgilde von 1508 aus Lunden zum 500-jährigen Bestehen die Gildenkette des Landes.

Geschichte

Quelle: Älterman der Pantaleonsgilde. Henning Peters jun.

Im Jahre 1508 gründeten die Priester des Kirchspiels Lunden mit Einflußreichen Männern die St. Pantaleonsgilde. Es waren Angehörige der berühmten Geschlechter, sie übten als Vögte, als Achtundvierziger, als Schlüter, als Geschworene und als Priester die öffentliche Macht aus. Namentlich waren es die drei Priester Peter Secke, Nicolaus Rode und Johann Lemke, desweiteren Peter Swyn, Claus Nanne, Peter Volkeff, Claus Rode, Hinrik Lussingk, Johann Rode, Dethleff Barberer und die Älterleute Marquard Denker und Bertold Goldsmyt.

Statut 1518

Im Jahre 1518 gab man sich ein neues schriftliches Statut. Pastor Johann Albrecht Janzen erklärt das so:

Im Jahre 1517, als die Lundener gegen den Willen des Hamburger Domprobsten das Lundener Franziskaner-Kloster errichteten, kam es zwischen Dithmarschen und der Kirchenobrigkeit zum Bruch. Weil man nun keine Kirchenabgaben mehr zahlte, wurden diese Mittel aus religiösen Stiftungen für die Armenfürsorge frei.

Stiftungsurkunde

In dieser Stiftungsurkunde heißt es:

... man wolle den verstorbenen Mitgliedern alljährlich 30 Jahre lang am Montag nach dem Pantaleonstage (27. Juli) eine Seelenmesse lesen lassen; ... man wolle acht armen Leuten, die vorher ausgewählt worden waren und an diesen Seelenmessen teilnahmen bzw. für die verstorbenen

   Gildebrüder beteten, milde Gaben zukommen lassen;

... man bestimmte zwei Ältermänner, die nach den Messen Roggenbrote, Butter und Heringe zu verteilen hatten ... man beschloß die Einrichtung eines ewigen Kapitalienfonds, in das die Stiftungsgelder der Gildebrüder einfließen und Zinsen tragen sollten; ... sollten sich die Kapitalien und Zinsen im Laufe der Zeit stark erhöhen, so wollte man den Kreis der Bedürftigen erweitern und evtl. ein Armenhaus erbauen lassen ...

(Dies ist dann noch im selben Jahrhundert erfolgt, denn im Jahre 1648 beteiligten sich die Pantaleonsgilde finanziell am Bau eines neuen Armen- und Siechenhauses.)

weiter in den Statuten ...

... alljährlich soll bei einem Stiftungsessen der Gildebrüder Rechenschaft abgehalten werden ... ... das Recht der Weiterführung, Umwandlung oder Auflösung des Kapitalfonds, wie auch die Aufbewahrung der Stiftungsbriefe, soll aus Sicherheitserwägungen auf das Kirchspiel übertragen werden können ...

Der Lundener Chronist Johann Christian Kinder schreibt dazu, daß Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts die Menschen durch die altkatholische Kirche zu vermehrten Spenden, Wallfahrten, Abhalten von Seelenmessen, Ablaßzahlungen, und Gründung von mildtätigen Bruderschaften und Kalanden angehalten wurden.

Kurt Dummann und ich berichteten in den "Sagen und Geschichten aus dem Kirchspiel Lunden" über die Legenden dieses Heiligen. Pastor Dr. Dietrich Stein schickte mir folgende Kurzfassung aus einem Lexikon über das Mittelalter zu:

Märtyrer

Nach einer im 6. Jahrhundert verfaßten griechischen Sammlung über Märtyrer ist folgendes bekannt: Pantaleon, der Sohn eines angesehenen Heiden und einer Christin, aus Nikomedien am Marmarameer, wurde kaiserlicher Leibarzt in Konstantinopel. Wegen seiner Zugehörigkeit zu den Christen wurde er von seinem neidische Kollegen angezeigt. Im Jahr 305 n. Chr. wurde er unter Kaiser Maximilian gemartert, schlie0lich an einen Ölbaum gebunden und enthauptet. Nach der Legende soll aus seinem Haupt Milch statt Blut geflossen sein. Vor seinem Tode soll er Gtt für seine Hencker um Verzeihung gebeten haben. Daraufhin habe Christus ihm verheißen, daß diejenigen, die ihn in seinem Namen anrufen, Erbarmen finden würden.

Seit dieser Zeit ist der 27. Juli der Gedenktag des Heiligen Pantaleon und seither werden an diesem Tage Feiern veranstaltet. Nach seinem Tode setzte eine starke Welle der Verehrung für diesen Heiligen ein. Der christliche Kaiser Justinian ließ in Konstantinopel eine Pantaleonskirche erbauen und das Pantaleonskloster in der Jordanwüste restaurieren. Später wurden ihm allein in Rom 4 Kirchen geweiht und besonders in vielen italienischen und französischen Orten finden wir zahllose Reliquien des Heiligen Pantaleon. An mehreren Stätten werden auch Ampullen mit dem angeblichen Blut von ihm aufbewahrt. Im deutschsprachigen Raum wurde dieser Heilige im Mittelalter besonders entlang des Rheins von Köln bis Basel und St. Gallen verehrt. Zahlreiche Legenden in Prosa und Versform entstanden in dieser Zeit und sind uns überliefert worden. In der mittelalterlichen Kunst wird er, mit auf das Haupt genagelten Händen und an einen Ölbaum gebunden, dargestellt.

Patron

Pantaleon ist der Patron der Ärzte und zählt zu den Vierzehn Nothelfern, die man im Bedarfsfalle anrufen kann.

Jetzt wissen wir auch warum die Gründer dieser Gilde St. Pantaleon als Schutzpatron auswählten. Man wollte nämich im und nach dem Tode sein Seelenheil bewahren und rief den Heiligen Pantaleon wegen dessen Vermächtnis an, das diesem ja laut Legende von Christus verliehen wurde. Danach findet jeder Erbarmen, der sich des Heiligen Pantaleon als Fürbitter und Nothelfer in seinem Gebet bedient.

Die Gilde erhielt reichliche Geldspenden von den Mitgliedern der Pantaleons-Bruderschaft. Diese Kapitalien werden dann an Kirchspieleinwohner oder auch an die Gildebrüder selbst gegen Pfandverschreibungen und Zinsen ausgeliehen.

So wuchs das Kapital, die Spenden flossen reichlich zum Wohle der Armen, das Ansehen der Gilde und ihrer Mitglieder wuchs und damit auch die Hoffnung auf ein sicheres Seelenheil.

Armenfürsorge

Im Jahr 1518 wurden durch den Ältermann an 8 vorher bestimmte Arme am Montag nach Pantaleon im Anschluss an die Seelenmessen, jeweils 8 Roggenbrote und 2 Pfund Butter sowie am darauffolgenden Freitag, weitere 8 Roggenbrote und 8 Heringe verteilt.

Bis zum Jahre 1527 wurde die Armenfürsorge der Gilde gewaltig gesteigert. Man verteilte jetzt an jedem Montag an jeweils 12 Bedürftige 12 Pfund Brot und 12 Pfund Butter und an jedem Freitag weitere 12 Pfund Brot und 12 Heringe.

Im Jahre 1781 ließ derÄltermann der Gilde aus den Zinsen des Gildekapitals jährlich für 198 Mark Brot backen und wöchentlich an 12 Insassen des Armenhauses und 18 Arme aus der Gemeinde Lunden und 3 Arme aus der Gemeinde St. Annen verteilen.

Dies geschah in den ersten Jahrzehnten der Pantaleonsgilde vor der Kirche auf dem gemauerten Ebbingmannen-Begräbniskeller, der alsbald "Der Armentisch" genannt wurde. Unsere Heimatschriftstellerin Elsa Peters aus Heide hat über "De Armendisch" eine schöne Geschichte geschrieben; wir durften die hochdeutsche Version in dem Buch "Sagen und Geschichten aus dem Kirchspiel Lunden" abdrucken.

Die ersten Statuten der Gilde, die ihn den Gildebüchern verzeichnet sind, haben im Laufe der Jahrhunderte viele Aänderungen erfahren. Besonders der berühmte Pastor Johannes Wandler veranlaßte im Jahre 1648 mehrere neue Bestimmungen. Die Gildeartikel wurden im Jahre 1804 am Pantaleonstage das letztemal reformiert. Darin heißt es:

Opfergeld

Die jährliche Zusammenkunft der Gilde findet am Pantaleonstage, dem 30. Juli, statt. Wer zu spät oder garnicht erscheint, muß Strafe zahlen. Jeder Gildebruder hat in der Reihenfolge seines Eintritts in die Gilde, diese am Stimmtag mit einer Mittagsmahlzeit zu bewirten. Wer die Gilde bewirtet, ist dann auch für das Jahr Ältermann und hat die Gildegeschäfte zu führen. Stirbt ein Mitglied, so haben die übrigen Brüder jeder 2 Schillinge, sogenanntes Opfergeld zu entrichten.

Am Stimmtag muß die Abrechnung des vergangenen Jahres vorgelegt werden. Die Höhe und Anzahl der Unterstützung der Armen im folgenden Jahr wird festgelegt.

Nur die Zinsen der Kapitalien dürfen ausgeschüttet werden. Alle Einkünfte und Spenden für die Gilde sind einem dadurch wachsendem Kapital zuzuschlagen. Sind mindestens 3 Gildebrüder aus St. Annen, so können auch dort bis zu 5 Arme Unterstützung erhalten.

Die Höhe des Eintrittgeldes in die Gilde liegt im Ermessen des neuen Gildebruders. Schon im Jahr 1835 wurde diese Gildesatzung aufgehoben, man fühlte sich wohl souverän genug die Gildeangelegenheiten ohne Beschränkungen treuhänderisch im Geiste der Barmherzigkeit zu regeln. Es waren ohnehin immer Geistliche Mitglieder in der Gilde, so daß eine öffentliche Kontrolle in jedem Falle gewährleistet wurde.

Moderne Version

So wollen wir es auch in Zukunft mit der modernen Version der Pantaleonsgilde halten. Die Gildebrüder und -schwestern mögen sich selbst untereinander kontrollieren und ihre Ziele in gutem mehrheitlichem Konsenz abstimmen.

Das Trinkhorn

Die Gilde besitzt bzw. besaß zahlreiche Archivalien. Das imponierenste ist das prächtige Trinkhorn, es ist am Mundstück, in der Mitte und am Ende mit sibernen Bändern von meisterlicher Hand beschlagen.

Am Mundstück befindet sich die Inschrift des Spenders, die da lautet:

  • "Anno 1640 verehrte Claus Helmke der löblichen Pantaleonsgilde dieses Horn tho siner Gedächtnisse und begehrt dat idt de Gildebröder mögen alle Jahr gebruken." Ein Wappen zeigt ein aufrechtstehendes, von vier Rosetten umgebenen Schwert.

Die Inschrift des mittleren Bandes lautet: "Wicht 19 Lot l 1/2 QT 1/2 SKR".

Dieses Horn kreiste mit Bier gefüllt auf den Gildefestivitäten zwei Mal unter den Gildebrüdern. Das erste Mal wird auf das Wohl der anwesenden, das zweite Mal aud das Wohl der abwesenden Gildebrüder getrunken. Bei einem dritten Umtrunk wird auf das Wohl der "Hörnsüstern", der nicht an den Gildetagungen beteilgten Ehefrauen, die daheim in der "Hörn" warteten, getrunken. Dieses geschah mit Wein aus einem innen vergoldeten, silbernen Becher.

Dieser Becher ist oben und unten gleich weit und steht auf drei vergoldeten Fußkugeln. Die Wandung ist mit getriebenen Blumen geschmückt. Auf dem Deckel sitzt ein Knopf in der Form eines Fichtenzapfens. Er ist nach altem Gewicht 27 Loth schwer und hat etwa 20 Thaler gekostet.

Bereits im Jahre 1630 wurde hier ein Ricksdaler von Munke Becker gestiftet. 1661 wurde der Wunsch sich nun endlich einen repräsentativen Willkommensbecher zuzulegen schriftlich bekräftigt. Aber erst 1665 wurde dieser Becher erstmalig den Gildebrüdern präsentiert.

Der Becher trägt am oberen Rande die Inschrift folgender Stifter:

  • H(err). JOHANNES WENDELER PASTOR ZU LUNDEN -
  • H(err). SAMUEL RACHELIUS PASTOR zu S(ankt). ANNEN -
  • M(agister). HENRICUS FISCHER PREDIGER ZU LUNDEN -
  • H(err). HENNIGH SPRETH KIRCH.SP(ie)L(s). VOGT -
  • NICOLAVS JUNGE KIRCHSPILLS SCHRIBER -
  • H(err). JOACHMVS BARTELS -
  • H(err). JOHANN ADOLPH WENDELER -
  • H(err). JOHANN SCHEEL -


Die Gilde hat ihre Bücher, Pfandbriefe, Dokumente und Archivalien von Anfang an sorgfältig aufbewahrt. Bereits im Jahre 1518 schenkte der Lundener, Hummel Lüssingh, der Gilde eine Lade. Im Jahre 1732 schenkte der Lundener Pastpr Michael Drewenstedt der Gilde eine größere mit eisernen Bändern schön verzierte Lade.

Mitgliederzahlen

Laut Aussage der ersten Statuten sollte die Migliederzahl von 30 nicht überschreiten. Dies ist wohl auch nie geschehen, denn die hohen Ausgaben, die die Gildebrüder zeitweilig hatten, schreckten wohl manchen ab.

Im Jahre 1720 wurden die Gildebrüder bei einem Fesessen mit mehr als 16 Gerichten "tractiret". Dies war wohl des Guten entschieden zu viel, man beschloß in Zukunft nur noch höchstens 6 Gerichte zu servieren, damit die Mühe und die Kosten der Zubereitung sich in Grenzen hielten.

Im Jahre 1881 gehörten der Pantaleonsgilde 24 Personen an. Pastor Janzen schreibt über das "Armenwesen im Kspl. Lunden": daß nach Auskunft des Landesarchivs Schleswigs sich diese im Jahre 1962 aufgelöst habe. Zu den letzten Mitgliedern hat Gustav Stange gehört, und Peter Heim aus Österfeld hat eine der letzten Sitzungen miterlebt. Dies können wir natürlich nicht auf sich beruhen lassen!

Eine Gilde die 485 Jahre alt geworden ist und freiwillig Mitglieder findet ist unauflöslich! Wir feiern bereits den 3. Pantaleonstag nach der sogenannten Auflösung. Wir führen die Pantaleonsgilde mit unverminderter Notwendigkeit, nämlich Hilfe für bedürftige, weiter

Dies soll in Zukunft in verstärkter Form geschehen.

Moderne Aspekte wie eine zeitgemäße, nicht übertriebene Traditionspflege sollen hinzukommen.

Bürger und Bürgerinnen des Kirchspiels, die sich in diesem Sinne verdient gemacht haben, sollen durch öffentliche Ehrung symbolisch durch Ritterschlag zu Mitgliedern der Pantaleonsgilde erhoben werden.

Zahlreiche Rituale und Zeremonien sind im Laufe der Zeit bei der Pantaleonsgilde entstanden. Eine davon ist die Sitte, daß nach dem Festessen eine Schale herumgereicht wird und die Festgesellschaft Spendengelder in ihr versteckt. Damit dies auch gelingt ist sie mit Salz gefüllt.

Geselligkeit

Eine weitere Tradition am Pantaleons-Festabend besteht darin, daß man sich mit der großen weiten Welt und ihren Vorkommnissen beschäftigt. Diesen Blick über den eigenen Tellerand. wie ich ihn mal nennen möchte, haben wir vor Jahren auch getan. Heinrich Dethlefs hat mit einem großartigen Jagdvortrag von einer Elchjagd in Schweden, unterstützt durch einen herrlichen Naturfilms des Jungjägers Lutz Stiebel, diese Tradition fortgesetzt. Dasselbe können wir von Lothar Dufke sagen, der uns einen selbstgefilmten und -vertonten Dokumentarfilm aus seiner ehemaligen Heimat Ostpreußen zeigte und damit gewaltig Anklang fand.

Verfasst vom Älterman der Pantaleonsgilde. Henning Peters jun.

erfasst am 10.04.2006


Links

Informationen im Heimat-Museum Lunden.Pantaleons-Gilde in Lunden


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