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Mole 4 Brunsbüttel

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Inhaltsverzeichnis

Bau der Mole

In den Jahren 1908 bis 1914 wurde die Neue Schleuse in Brunsbüttelkoog gebaut (Bau der Neuen Schleuse Brunsbüttel). Als elbseitige Begrenzung mußten dafür in dem neuen Vorhafen neue Molen mit Leuchtfeuern konzipiert werden. Baubeginn der Nordmole (heutige Mole 4) war 1911, Fertigstellung 1913. Die Mole ist auf Pfählen gegründet.
Die Fotos vom 6.11.1911 und 19.1.1912 zeigen die Wetterbedingungen, mit denen man schon im ersten Baujahr fertig werden mußte. Sturmflut und Eis machten die Arbeit nicht gerade leichter.
Für die Stirnseiten der Molen-Verblendung wurde Basalt verwendet. Das Foto vom 23.5.1912 veranschaulicht besonders deutlich, wieviel Arbeiter auf engstem Raum „schaffen“ konnten. Die italienischen Handwerker erkennt man übrigens an ihrem breitrandigen Hut und die deutsch-polnischen Maurer an der „Schiebermütze“ und den Stiefeln.

Mauerarbeiten Nordmole 18.7.1912 (Quelle:WSA-Brunsbüttel)
Herstellung der Geschützunterbauten 11.11.1912 (Quelle:WSA-Brunsbüttel)

Foto vom 8.4.1913: Bei der Düsseldorfer Firma Gebr. Goedhart ereignete sich in einer Sturmflutnacht vom 7. auf den 8. März 1913 ein tragisches Unglück. Ein Bagger stürzte um und mehrere Menschen kamen ums Leben.
An den Geschützunterbauten auf dem Molenkopf (Foto vom 11.11.1912) kann man deutlich erkennen, daß die politische Lage alles andere als stabil war. Sie wurden später allerdings wieder abgerissen.

Der erste Leuchtfeuerturm

Aus den „Nachrichten für Seefahrer“ 1924 (Quelle:Egbert Koch)
Leuchtturm Mole 4 im Jahre 1951 (Quelle:WSA-Brunsbüttel)

Daten aus dem „Verzeichnis der Leuchtfeuer und Signalstellen“ des Deutschen Hydrographischen Instituts Hamburg aus dem Jahre 1950:
Nr. 920
Name und Ort – Nord-Ostsee-Kanal und Brunsbüttelkooger Schleusen - Neue Mündung auf dem Kopfe der N-Mole des neuen Vorhafens.
Beschreibung des Leuchtfeuerträgers:
Runder, weißer, steinerner Turm mit zwei schwarzen, waagerechten Streifen auf Betonunterbau und grauer, runder, eiserner Laterne Bemerkungen:
Die F.r. schneiden landseitig elbaufwärts in der Richtung auf den Leuchtturm Scheelenkuhlen ab, elbabwärts in der Richtung der Buhnenköpfe des Brunsbütteler Deiches, w. nach dem Lande zu.
Geogr. Br. : 53° 53´ N, Geogr. Lg. : 9° 8´ O
Zahl, Art und Farbe der Feuer: 1 F.w. & r., 1 F.w.&r. – senkrecht
Höhe des Feuers über Hochwasser:

  • oberes Feuer – 14,8m
  • unteres Feuer - 12,7m


Höhe des Turmes über Erdboden

  • oberes Feuer – 12,3m
  • unteres Feuer – 10,2m


Tragweite: w. – 14,5 bzw. 12,5sm, r. – 10sm
(Quelle:Egbert Koch)

In späteren Jahren erhielt der Leuchtfeuerturm rote Streifen.
Dort, wo heute das „Blankenese“ Brunsbüttels ist, standen früher Bunker und Baracken für Flüchtlinge, hauptsächlich aus dem Osten Deutschlands. Sie standen dort, wo heute die großen Prachtbauten stehen. Heute hat die Wohnungsangabe „Mole 4“ einen anderen Stellenwert.

Deicharbeiten bei Mole 4 (Quelle:WSA-Brunsbüttel)
Die Flüchtlingswohnungen Mole 4-1951 (Quelle:WSA-Brunsbüttel)

Der schwarz-weiße


Postkarten vom schwarz-weißen

Die Postkarten wurden (wenn nicht anders gekennzeichnet) von Uwe Borchers zur Verfügung gestellt.

“Mole mit einfahrendem Kriegsschiff“ (Sammlung Uwe Borchers)


Der rot-weiße

Nachr.f.Seefahrer, Nr.27, 1953
Zeit der Ausführung: Demnächst
Mole 3: Geogr.Lage Ungf. 53° 53,3' N, 9° 08,2' O, auf dem Kopf der S-Mole des Neuen Vorhafen.
Beschreibung: Weißer, runder, steinerner Turm auf Betonunterbau mit grüner Galerie, grüner Laterne und weißem Dach.
Mole 4: Geogr.Lage Ungf. 53° 53,3' N, 9° 07,6' O, Neue Mündung, auf dem Kopf der N-Mole des Vorhafens
Beschreibung: Weißer, runder, steinerner Turm auf Betonunterbau mit roter Galerie, roter Laterne und weißem Dach.

Aus dem Datenblatt geht hervor, daß der Anstrich in rot/weiß 1953 erfolgte.

Dampfer am „Roten“ (Sammlung Uwe Borchers)

Das Elbcafe

Zu dieser Zeit wurde das Wort Mole 4 fast immer in Verbindung mit dem Elbcafe gebracht. Ein Spaziergang an der Elbe wurde meist dort zur Kaffeezeit unterbrochen. Inhaber des Elbcafes war Walter Rielke. Während der Sturmflut im Februar 1962 stand das Wasser kurz vor dem Gemäuer.
Das Elbcafé wurde am 30. Mai 1957 als festes Gebäude eröffnet. Es ging aus einem Kiosk hervor, der im Juni 1949 an der Stelle errichtet wurde (Brunsbütteler Spuren 6). Der Abriß erfolgte im März 2004.

Der Abriß des Elbcafes

Fotos von Werner Brouwer

Abriß und Provisorium

Im August 1970 wurden erhebliche Setzungen am Molenkopf festgestellt (infolge der Havarie des Tankers "Texaco Oslo" - siehe Schiffshavarien), so daß zur Vermeidung größerer Schäden und wegen Einsturzgefahr des Leuchtfeuerturmes dieser am 12.08.1970 abgerissen wurde. Im gleichen Zug wurde der alte Molenkopf abgerissen und ein neuer gebaut.
Der obere Teil des Molenfeuers wurde beim Provisorium wiederverwendet.

Fotos vom Abriß

Montage des Provisoriums

Das fertige Provisorium

Bau, Transport und Einbau des neuen Molenkopfes

Der Auftrag für den Bau eines neuen Molenkopfes ging an die Firma Ludwig Voß in Cuxhaven. Dieser wurde als Fertigteil dann von dort aus mit dem Schwimmkran „Magnus IV“ nach Brunsbüttel transportiert und dort auf Pfählen verankert.

Zwei Leuchttürme auf dem Molenkopf

Im August 1977 wurde schließlich der neue Leuchtfeuerturm von Schwimmkran „Magnus III“ auf den neuen Molenkopf gesetzt und montiert. Das Oberteil des alten Molenfeuers, so wie das provisorische Dreibein wurden nach Anschluß des neuen LFT abgerissen.

Die Daten des neuen Leuchtfeuers:

  • Standort: Brunsbüttel, Einfahrt Nord-Ostsee-Kanal, Vorhafen Neue Schleuse.
  • 53°53´18´´ N
  • 09°07´36´´ E
  • Baumaterial: GFK (Glasfaserverstärkter Kunststoff)
  • Turmhöhe: 13,10m über Molendeck (NN + 5,00m)
  • Turmdurchmesser: 3m, Umgangsdurchmesser: 5m
  • Gesamtgewicht: ca. 10t
  • Feuerhöhe: 12,50 / 14,60m über MThw (NN + 1,48m)
  • Eigentümer: Wasser-und Schiffahrtsverwaltung des Bundes
  • Konstruktion und Bauausführung: Deutsche Gerätebau GmbH in Salzkotten

Der Turminnenraum beherbergt neben den eigentlichen Leuchtfeuern weitere betriebstechnische Einrichtungen für Nebelfeuer, Objektanstrahlung der Mole und eine Schwimmerpegelanlage mit Datenfernübertragung.
Über eine Wendeltreppe gelangt man zu den Leuchtfeuern in der Turmspitze. Die Optiken des Molenfeuers bestehen jeweils aus einer Gürtellinse mit Glühlampe und Wechseleinrichtung. Mittels roter Vorsteckscheiben wird der Schiffahrt ein roter Leitsektor als Festfeuer gezeigt. Dieser Leitsektor wird von weißen Begrenzungssektoren eingeschlossen.
Mit einer Brennweite der Optik von 200mm wird die Lichtstärke von 2520 candela und eine Tragweite in 5m Höhe von 12 Seemeilen erreicht. Die Energieversorgung erfolgt über Transformatoren aus dem Betriebsnetz mit 1kV / 230V. Über das Betriebsnetz ist eine dieselbetriebene Notstromversorgung gewährleistet. (Daten und Text: WSA-Brunsbüttel)

Schiffshavarien

Da die Molen als Zufahrtsbegrenzung der Schleusenzufahrt relativ weit in die Elbe ragen, sind sie ein nicht zu vernachlässigendes Schiffahrtshindernis. Dies zeigt sich dann natürlich in häufigen Havarien mit Sachschäden, die schnell die Millionengrenze überschreiten.
Als Beispiele seien hier nur zwei aufgeführt.

Havarie am 05.12.1971

Am 05.12.1971 geriet der Tanker „Texaco Oslo“ aus dem Ruder und landete mit dem Bug in der Mole 4.

Havarie am 26.02.2009

Am 26.2.2009 gegen zwei Uhr rammte der 192 Meter lange, zypriotische Bulkcarrier “Weser Stahl”, 28.564 BRZ (IMO-No.: 9186687), die Außenmole 4 am Nord-Ostsee-Kanal in Brunsbüttel. Er wollte von Bremen nach Stettin laufend die Kanalschleusen ansteuern. Trotz Schlepperassistenz und Beratung durch einen Brunsbütteler Lotsen krachte der Frachter in die bereits im vergangenen Jahr von einem Schiff aufs Korn genommene Mole. Geländer und Lampen wurden demoliert und Zementplatten verschoben, so daß die Mole unverzüglich für die Öffentlichkeit gesperrt wurde. Untersuchungen des WSA Brunsbüttel ergaben, daß der gesamte Baukörper zerstört ist. Der Schaden ging in die Millionen. Die “Weser Stahl” erlitt nur geringfügige Schäden am Bug und durfte die Reise im Laufe des Tages fortsetzen.

Die Mole 4 der jüngeren Zeit

Sundown Mole 4 (Foto Jochen Sass)
Sturmflut an der Mole (Foto Dirk Wehrsig)
Norwegian Dream Mole 4 (Foto: Jan Sievers)


Der letzte Akt folgt nach Fertigstellung der neuen Mole 4 (dann Mole 3)

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