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Matthiessen, Martin

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--Ditschie (Diskussion) 09:27, 12. Okt. 2016 (CEST)

Martin Matthiessen war Wirtschaftschef im Reichskommissariat Ostland, Nationalsozialistische Arbeiterpartei (NSDAP)-Reichstagsabgeordneter, Militärverwaltungschef im Range eines Generalmajors bei der Heeresgruppe Nord und SS-Oberführer.

Inhaltsverzeichnis

Persönliche Angaben


Ausbildung

  • Martin Matthiessen besuchte bis 1912 die Volksschule in Wesselburenerkoog;
  • er besuchte von 1912 - 1917 die Mittelschule in Wesselburen mit anschließendem Examen in Heide;
  • von 1917 - 1919 erlernte er auf dem Hof des Vaters den Beruf des Landwirts und besuchte anschließend die landwirtschaftliche Winterschule in Heide;
  • von 1920 - 1921 war er ein Jahr lang als Wirtschafter tätig;
  • von 1921 - 1928 pachtete er einen Hof in Schülp;
  • 1929 erwarb er den Auhof in Meldorf, den er bis zu seinem Tod bewohnte.

Politische und gesellschaftliche Funktionen

  • seit November 1929 Stadtverordneter der Stadt Meldorf;
  • Kreistagsabgeordneter des Kreises Süderdithmarschen;
  • Kreisausschußmitglied;
  • ehrenamtlicher Leiter der Siedlungsabteilung der Landesbauernschaft Schleswig-Holstein;
  • Oktober 1931 - 1945 Mitglied des Reichstags;
  • 1933 Staatskommissar für die Schleswig-Holsteinische Landwirtschaft;
  • bis 1938 Landesobmann und zugleich Landeshauptabteilungsleiter II der Landesbauernschaft;
  • Lebenslängliches Mitglied des Deutschen Reichsbauernrates (1941 aufgelöst);
  • Leiter der Landwirtschaftskammer in Kiel
  • 1938 kommissarischer Landesbauernführer in Westfalen;
  • 1939 Leiter des Provinzialernährungsamtes in Münster;
  • ab 1941 war Matthiessen Abteilungsleiter Landwirtschaft;
  • 1942 Leiter des Hauptamtes III (Wirtschaft) beim Reichskommissar Ostland Hinrich Lohse in Riga.

NSDAP-Mitgliedschaft

  • 1928 Eintritt in die NSDAP;
  • Ortsgruppenleiter der NSDAP in Wesselburen
  • Kreisleiter der NSDAP in Süderdithmarschen.

Auszeichnungen der NSDAP

  • Goldenes Ehrenzeichen der NSDAP;
  • Dienstauszeichnung der NSDAP in Bronze und Silber.

SS-Zugehörigkeit

  • ab November 1935 SS-Bewerber;
  • August 1936 SS-Anwärter;
  • Oktober 1936 SS-Mann
  • SS-Sturmbannführer
  • ehrenamtlicher SS-Führer im Rasse- und Siedlungshauptamt (RuSHA);
  • zuletzt SS-Obersturmbannführer (vergleichbar Oberstleutnant)
  • SS-Standartenführer (vergleichbar Oberst).
  • Bauernreferent bei der 53. SS-Standarte

Auszeichnungen der SS

  • Ehrendegen der SS,
  • SS-Zivilabzeichen (Nr. 150.207),

Auswirkungen seiner Tätigkeiten in Führungsfunktionen

Ab 1941 war Matthiessen Abteilungsleiter Landwirtschaft und 1942 zugleich Leiter des Hauptamtes III (Wirtschaft) beim Reichskommissar Ostland Hinrich Lohses in Riga, Militärverwaltungschef im Range eines Generalmajors bei der Heeresgruppe Nord. Dabei handelte es sich um die Gebiete Estland, Lettland, Litauen, und Weißruthenien, heute Republik Belarus.

Außerdem war Martin Matthiessen im Wirtschaftsbereich Chef der Agrarverwaltung (Chefgruppe LA im RKO), Vorsitzender des Verwaltungsrates der Landbewirtschaftungsgesellschaft Ostland GmbH. Sein Aufgabengebiet fasste Reinhard Pohl im Gegenwind Sonderheft folgendermaßen zusammen: "Effektiv war die Verwaltung allerdings hinsichtlich der Verschleppung von Zehntausenden von Menschen zur Zwangsarbeit ins "Reich" sowie bei der Erfassung und Vernichtung von "Kommunisten", "Partisanen", "Geisteskranken", Juden, Sinti und Roma - wobei unter Begriffe wie "Kommunisten" etc. auch wahllos ermordete Zivilisten gefasst wurden. Den Vollzug des Massenmordes übernahm verantwortlich die Einsatzgruppe A, ungefähr 990 Leute stark. Trotz hunderttausendfachen Mordes bestanden diese Einsatzgruppen nicht aus primitiven Mördern, von 17 Führern der Einsatzgruppe A waren 11 Juristen. Die Zivilverwaltung zwang z.B. Juden aus den Dörfern in die Ghettos der Städte, sorgte für die Registrierung und Kennzeichnung. Dabei konnte sie auf Einheiten der Wehrmacht zurückgreifen, die meist für Absperrungen und Transporte sorgten. Die Morde selbst wurden von Mitgliedern der Einsatzkommandos und ihren einheimischen Hilfsmannschaften vollzogen, auch hier häufig unterstützt von Einheiten der Wehrmacht. Die Ermordung der von der Zivilverwaltung "erfassten" Menschen geschah meist in Form von Massenerschießungen, wobei einheimische Hilfsmannschaften oder die Opfer selbst die Massengräber aushoben. Zu diesen Erschießungen meldeten sich, als Wehrmachtseinheiten die direkte Beteiligung verboten wurde, häufig auch einzelne Wehrmachtssoldaten in ihrer Freizeit. Die Massenerschießungen waren häufig von Demütigungen (Abschneiden der Bärte orthodoxer Juden, Straf exerzieren mit Besenstielen, Putzen der Straße mit Zahnbürsten) sowie Alkoholexzessen der Täter und Massenvergewaltigungen verbunden. Vom Einmarsch im Juni 1941 bis Ende Januar 1942, der Niederlage vor Moskau, töteten die deutschen Truppen im "Ostland" etwa 330.000 Juden, 8359 "Kommunisten", 1044 "Partisanen" und 1644 "Geisteskranke". Bis zum Sommer 1942 trugen alle überlebenden Juden den gelben Stern, es bestand Berufsverbot für Ärzte, Rechtsanwälte und Kaufleute, Juden war es verboten, Gehsteige zu benutzen, öffentliche Anlagen zu betreten, ebenso Kurorte, Theater, Kinos oder Schulen zu besuchen. Das Vermögen musste bei den Behörden bis auf einen Freibetrag in Höhe des ortsüblichen Unterstützungssatzes für einen Monat abgeliefert werden. Das Wohnen war nur noch in den Ghettos der Städte erlaubt.


Individuelle Handlungen

  • Im Sommer 1933 drohte er dem Rechtsanwalt Postel, Gauführer des Stahlhelm in Dithmarschen, „Schutzhaft“ an.
  • 1935 ließ er den Meldorfer Polizisten Gustav Knopp aus dem Polizeidienst entfernen und in eine Nervenklinik einsperren.
  • 1937 denunzierte Matthiessen den ihm missliebigen Uhrmacher Alfred Jäger aus Meldorf bei der Gauleitung und regte an, Jäger die „wunderbaren Anlagen von Dachau oder Oranienburg kennenlernen“ zu lassen, wobei das „Kurgeld“ von Jägers Bankkonto abgerufen werden sollte. Jäger war 1936 von SA-Männern misshandelt worden. 1939 und 1945 ist er noch zweimal festgenommen worden. Er hatte sich in den Augen der Nationalsozialisten schuldig gemacht, weil er mehrfach den „deutschen Gruß“ verweigert und in der Zeit nach der „Machtergreifung“ NSDAP-Plakate abgerissen hatte.

Nach Kriegsende

  • Die Alliierten internierten Martin Matthiessen bis 1948.
  • Ein Versuch der Strafverfolgung in der Bundesrepublik scheiterte: 1968 ermittelte die schleswig-holsteinische Staatsanwaltschaft wegen der Massenmorde im Reichskommissariat Ostland unter anderem gegen Matthiessen. Das Verfahren wurde allerdings 1971 eingestellt.
  • In seiner Autobiographie gab Martin Matthiessen 1980 an, von Konzentrationslagern gewusst zu haben, jedoch nicht, „wie sie geführt wurden“. Die Autobiographie von Martin Matthiessen ist nach Einschätzung von Detlef Korte vom Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte (IZRG) „aufgrund ihres apologetischen Charakters und Fehlens an Selbstkritik zwar ein Beispiel für das Verdrängen jeglicher Schuld in der Nachkriegsgesellschaft unseres Landes und damit ein eindrucksvolles Zeugnis für die Gedankengänge eines „Unverbesserlichen“, jedoch als fundierte historische Quelle unbrauchbar.“
  • Bis 1978 bewahrte Matthiessen die Bluthemden aus der "Blutnacht von Wöhrden" auf, dann übergab er sie dem Dithmarscher Landesmuseum

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