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Läden im Koog-Konsum

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Jeder, der etwas zu dem Thema beitragen kann, wird hiermit herzlich um Mithilfe gebeten.

Uwe Möller
Telefon 04852 2189
mail: Gabuwe@t-online.de

Textquellen: Stadtarchiv Brunsbüttel, coop-Internetseite und Wikipedia
Bildquellen: Stadtarchiv Brunsbüttel, Uwe Borchers, Bernd Schmidt, Dieter Ausborm, Armin Sendel, Manfred Janke, Wikipedia, WSA-Brunsbüttel

Inhaltsverzeichnis

Wie alles begann

Konsumgenossenschaften entstanden im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert.
In immer größeren Betrieben wurde immer mehr Material für die neuen Eisenbahnen hergestellt, an mechanischen Webstühlen gewebt und Dampfmaschinen, Kräne und immer größere Schiffe gebaut. Um dem Elend auf dem Land zu entkommen, zogen Arbeitskräfte zu Hunderttausenden in die Städte, wo die Betriebe mit Arbeitsplätzen lockten.
Für die Ernährung der Menschen hatte dies tiefgreifende Folgen. Sie wohnten nun größtenteils in Mietwohnungen und hatten keinen eigenen Garten mehr, um sich ihr Gemüse selbst anzubauen. Es entstanden viele kleine Krämerläden und dazu kamen ambulante Händler, die die Versorgung mit Lebensmitteln übernahmen.

Verfälschung der Nahrungsmittel war damals an der Tagesordnung:

  • Milch wurde mit Wasser verdünnt
  • Mehl mit Gips versetzt
  • gemahlener Kaffee mit Sand gestreckt
  • alter Fisch unter Zuhilfenahme von Rindsblut für frisch verkauft
  • Nudeln erhielten ihre gelbe Farbe durch Urin
  • verdorbene Butter wurde unter einem Überzug frischer Butter getarnt
  • Schokolade wurde mit Hammel- oder Kalbsfett hergestellt

Der alltägliche Betrug durch falsches Wiegen kam oft noch erschwerend dazu (es wurden beispielsweise vielfach die Waagen durch versteckt angebrachte Zusatzgewichte manipuliert). Die Kunden konnten diesen Praktiken nicht ohne weiteres ausweichen. Die Unsicherheit der Beschäftigung und der Lohnzahlung führte dazu, dass sie immer wieder beim „Krämer“ anschreiben lassen mussten und so in eine persönliche Abhängigkeit gerieten. Hinzu kam die ständige Sorge um den Verlust der Wohnung, denn gesetzlichen Mieterschutz gab es noch nicht. Schließlich war da auch noch die Unsicherheit am Arbeitsplatz, denn Kündigungsschutz war zu jener Zeit noch ein Fremdwort.

Eine Idee wird geboren

Diese bedrückenden Lebensumstände führten dazu, daß sich immer mehr Menschen zusammentaten, um gemeinsam vorteilhaft in größeren Mengen einzukaufen. Diese Produkte wurden dann an die Mitglieder dieser Initiative kostengünstig weiterverkauft.
Zunächst waren dies provisorische Einrichtungen. Am 21. Dezember 1844 wurde in der englischen Textilstadt Rochdale bei Manchester die erste Konsumgenossenschaft gebildet, die sich - trotz anfänglichen Spottes - als dauerhaft erweisen sollte. Diese Genossenschaft, die „die redlichen Pioniere von Rochdale“ (http://genossenschaftsgeschichte.info/redliche-pioniere-von-rochdale-113) genannt wurde, gibt es bis heute. Diese erste Konsumgenossenschaft formulierte Grundsätze, die bis heute weltweit gültig sind:

  • Lieferung unverfälschter Waren mit vollem Gewicht
  • Verkauf nur gegen Barzahlung
  • Jedes Mitglied hat eine Stimme, unabhängig von der Höhe der finanziellen Beteiligung
  • Jedermann kann der Genossenschaft jederzeit zu den gleichen Bedingungen beitreten, wie die bisherigen Mitglieder
Friedrich Wilhelm Raiffeisen
Hermann Schulze-Delitzsch

Auch in Deutschland gab es bald Initiativen zur Gründung von solchen Einrichtungen.
Als Gründungsväter der deutschen Konsumgenossenschaften gelten u.a. „Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888) und Hermann Schulze-Delitzsch (1808-1883)“ .
Die erste dauerhafte Konsumgenossenschaft in Deutschland wurde 1850 im sächsischen Eilenburg von Textilarbeitern und Handwerkern gegründet. 1852 folgte eine Gründung in Hamburg und der erste Anlauf zur Gründung einer Konsumgenossenschaft in Kiel war im Jahre 1861.

Widerstand gegen die Konsumgenossenschaften

Konsum-Logo Bundesrepublik Deutschland 1950

Die vielen Kleinhändler, auch „Heringsbändiger“ genannt, sahen die Entwicklung mit Mißvergnügen, wie ein Beispielsschreiben an die preußische Bezirksregierung zeigt:

„Eine sich hier gebildete Assoziation, die sich hauptsächlich auf Colonial-Waaren bezieht, droht uns zu verderben, umso mehr, da für dieselben nicht allein mündlich, sondern auch durch die hiesigen Lokalblätter, in der Stadt und auf dem Lande geworben wird. Unserem Untergang vorzubeugen, haben wir uns an den hiesigen Magistrat gewendet.“

GEG-Plakat_Konsumverein
Möbeltransporter der GEG, Foto Paul Ausborm

Die Krämer ließen es nicht bei Briefen an die Behörden bewenden. Massiv setzten sie Großhändler und Fabrikanten, die auch die neugegründeten Konsumvereine belieferten, unter Druck und forderten deren Boykott. Dies führte schließlich dazu, dass im Jahre 1894 in Hamburg die „Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Consumvereine mbH“ gegründet wurde, die selbst Kolonialwaren importierte und daranging, ein Netz eigener Fabriken für die wichtigsten Produkte aufzubauen. Hierzu zählten unter anderem eine Seifenfabrik, eine Kaffeerösterei, eine Schokoladenfabrik und eine Fischfabrik. Deren Produkte, die unter der Marke „GEG“ verkauft wurden, erfreuten sich bald großer Beliebtheit, da sie den konsumgenossenschaftlichen Grundsätzen entsprachen:
gute, unverfälschte Ware mit reellem Gewicht zu günstigen Preisen.
Dieses Genossenschaftsgesetz von 1889 ist, wenn auch mit zahlreichen Änderungen, bis heute in Kraft.
Allerdings durften die Konsumgenossenschaften ihre Waren nur an ihre Mitglieder verkaufen, nicht an die übrige Bevölkerung. Es gab anfangs keine Geschäfte in dem Sinne, sondern nur „Verteilungsstellen“ . Diese wurden von einem „Lagerhalter“ geführt und waren oftmals in einem Hinterhof oder Keller untergebracht. Es gab keine festen Ladenzeiten (einige hatten noch nicht einmal jeden Werktag geöffnet) und auf dekorierte Schaufenster und Werbung wurde verzichtet.
Gleichwohl wurden immer neue Genossenschaften gegründet, denen immer mehr Menschen beitraten. So gab es im Jahre 1900 in Deutschland bereits
600 Konsumgenossenschaften mit mehr als 600.000 Mitgliedern.

GEG zur NS-Zeit 1934

Vor der Machtübernahme 1933 hatte die GEG 58 Produktionsbetriebe für Lebens- und Genussmittel sowie für andere Bedarfsgüter.
Im Mai 1933 wurden die Konsumgenossenschaften und ihre zentralen Organisationen gleichgeschaltet und dadurch aufgelöst. Die GEG wurde am 14. August 1933 umfirmiert in „Reichsbund der deutschen Verbrauchergenossenschaften GmbH“ (GEG). Darin wurden nun die genossenschaftlichen Zentralorganisationen zusammengefasst: der „Zentralverband deutscher Konsumvereine e.V“, die „Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine mbH.“, die „Verlagsgesellschaft deutscher Konsumvereine mbH“ (alle in Hamburg), der „Reichsverband deutscher Konsumvereine e.V.“ und die Gepag, „Großeinkaufs- und Produktions-Aktiengesellschaft deutscher Konsumvereine“, beide mit Sitz Köln.
Nach dem Erlass des Gesetzes vom 31. Mai 1935 für den Reichsbund (GEG) wurde die Unternehmensstruktur wieder umorganisiert. Die Firma wurde abermals geändert in „Deutsche Großeinkaufs-Gesellschaft mbH“ (Deugro). Damit war im Firmennamen kein Hinweis mehr auf die genossenschaftliche Herkunft enthalten. In Hamburg wurde die gut fundierte „Konsumgenossenschaft Produktion“, deren Verkaufsstellen in eigenen Wohnblocks eingerichtet waren, gleichgeschaltet und firmierte unter „Niederelbische Verbrauchergenossenschaft“.

In der britischen Besatzungszone wurde 1945 der frühere GEG-Geschäftsführer Henry Everling zum Generaldirektor des „GEG Komplexes“ ernannt, wie das Gemeinschaftswerk der deutschen Arbeitsfront nun bezeichnet wurde. Die Briten förderten wie auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen den Aufbau von unten, was zur Gründung zahlreicher kleiner Konsumgenossenschaften führte, während die Amerikaner und Franzosen in ihren Zonen an die Strukturen des Gemeinschaftswerkes und der dazugehörenden Versorgungsringe anknüpften. Große Anstrengungen wurden von den Genossenschaftsmitgliedern unternommen, das frühere Vermögen zurückzubekommen.
Viel war verloren oder zerstört und konnte nicht wiedererlangt werden. Die schnelle Aufbauarbeit führte dazu, dass 1948 in den drei Westzonen immerhin wieder 250 Konsumgenossenschaften mit 750.000 Mitgliedern und 5700 Verteilungsstellen existierten.

Vorläufer der modernen Verbraucherzentralen

Die frühen Konsumgenossenschaften mehr waren als nur Lebensmittelläden. Da nur Mitglieder Zutritt hatten, waren sie auch Treffpunkte der Mitglieder, Informationsbörse, Sparkasse und darüber hinaus Interessensvertretung der Konsumenten. Immer dann, wenn man über die Konsumgenossenschaft irgendetwas günstiger und zu besserer Qualität bekommen konnte, als es im Handel angeboten wurde, dann stieg die Konsumgenossenschaft in dieses Geschäft ein und regelte so den Wettbewerb.


Über viele Jahrzehnte sind die Konsumgenossenschaften praktisch die einzige Interessensvertretung der Konsumenten gewesen, wie sie es in vielen anderen Ländern bis heute sind. So auch in Deutschland, wo von ihnen maßgeblich der Anstoß ausging, die Verbraucherorganisationen zu bilden, die heute Verbraucherzentralen heißen.


In der ehemaligen DDR waren die Konsumgenossenschaften in das planwirtschaftliche Warenverteilungssystem integriert und müssen sich heute den Bedingungen des freien Wettbewerbs anpassen.


In den westlichen Bundesländern Deutschlands gab es ebenfalls viele Konsum-Geschäfte, die als Konsumgenossenschaft organisiert waren. Sie gingen größtenteils in den 1970er Jahren in der coop AG auf, wobei sich in der Alltagssprache der Ausdruck „Ich gehe zum Konsum“ lange Zeit hielt.
Im Gegensatz zum Wort für Verzehr oder Verbrauch von Gütern lag hierfür die Betonung auf dem o (sprich Konnsumm).


Gründung eines Konsumvereins in Brunsbüttelkoog

Gründung eines Beamtenvereins 31.08.1895

Im Jahre 1895 fand im Hotel zur Kanalmündung eine Versammlung zwecks Gründung eines Beamtenvereins statt, der in erster Linie ein Konsumverein sein sollte. Über diese Vereinigung existiert leider nur ein Artikel aus der Kanal-Zeitung 1895.
Die eigentliche Gründung des „Konsum-Verein zu Brunsbüttelkoog und Umgegend“ fand am 13.Januar 1903 statt. Alle Mitglieder waren stimmberechtigt, egal welcher Bevölkerungsschicht sie angehörten.
Die erste Generalversammlung erfolgte am 13. Mai 1903 im Hotel zur Kanalmündung. (Anmerkung des Verfassers: Aus den folgenden Berichten und Zeitungsartikeln der Kanal-Zeitung ist ersichtlich, daß der Ort auch vor der offiziellen Namensgebung 1907 bereits Brunsbüttelkoog genannt wurde.)

Akten und Werbung Konsum

Chronologie der Namen

  • 1909 – Konsum-Verein zu Brunsbüttelkoog und Umgegend e.G.m.b.H.
  • ca. 1932 – Konsumgenossenschaft für Brunsbüttelkoog und Umgebung
  • ca. 1933 – Konsumverein zu Brunsbüttelkoog und Umgebung e.G.m.b.H.
  • ca. 1934 – Konsumverein für Brunsbüttelkoog u. Umgebung e.G.m.b.H., Hauptsitz Itzehoe
  • 1942 – Verbrauchergenossenschaft Brunsbüttelkoog
  • ca. 1942 – Gemeinschaftswerk-Versorgungsring Itzehoe e.G.m.b.H.
  • 1944 – Versorgungsring Itzehoe, ist am 23.7.1944 dem Versorgungsring Hamburg angegliedert
  • 1948 – Konsumgenossenschaft Itzehoe e.G.m.b.H. nach Übernahme des Versorgungsrings Hamburg G.m.b.H.

Aus der Kanal-Zeitung (16.06.1888 – 31.06.1920)

Aus der Brunsbüttelkooger Zeitung (01.07.1920 - 31.12.1969)

Konsum Kautzstraße 1909 bis 1970

Umbau 1954
Erlaubnis Branntweinverkauf 1933
Ausschnitt Telefonverzeichnis 1911


Die Kautzstraße 14 (während des 2. Weltkriegs auch Adolf-Hitlerstraße, benannt nach dem damaligen Präsidenten des Kaiserlichen Kanalamtes von 1907 – 1915, (siehe auch Straßennamen im Beamtenviertel Brunsbüttel) wurde 1909 vom Spar- und Bauverein (Frühere Bauvereine Brunsbüttels) gebaut. Ein Bereich des Erdgeschosses (siehe Plan weiter unten) wurde als Verteilungsstelle 18 vom Konsumverein übernommen, der seinen Gründungstag am 13. Januar 1903 hatte.
1933 hat der Laden die Erlaubnis zum Kleinhandel mit Branntwein in festen Flaschen erhalten.
1954 ist der Laden noch einmal modernisiert worden.
1970 ist die Gewerbeabmeldung erfolgt.


Konsum Festgestraße vor 1933 bis 1954

Lageplan Festgestr. 8

Die Verteilungsstelle 16 in der Festgestraße 8 wird in den Akten schon vor 1933 erwähnt.
Sie war dort bis zum 01.10.1954, dann wurde sie in den Neubau Annastraße 12 verlegt.

Konsum Tiedemannstraße vor 1934 bis 1958

Lageplan Tiedemannstr. 48

Bei der Tiedemannstraße ist zu bedenken, daß diese vor 1968 noch die heutige Tiedemannstraße und den Teil der Röntgenstraße bis an die Koogstraße beinhaltete (siehe blau eingezeichnete Strecke im Lageplan), ab 1968 gehörte dieses Straßenstück zur Röntgenstraße.
In der Tiedemannstraße 48 war bereits vor 1934 die Verteilungsstelle 17 der Konsumgenossenschaft.
Am 8. August 1958 wurde diese in die Koogstraße 14 verlegt, wo sie bis 1961 blieb.

Konsum Reichenstraße 1954 bis 1963

Lageplan Reichenstraße 5

Die Verteilungsstelle Nr. 34 in der Reichenstraße wurde am 26. März 1954 eröffnet und lief bis zum 18. Mai 1963.
Ein Vorgänger des dortigen Konsum war das Rauchutensilienhaus Hinrich Kruse und nach dem Konsum war dort Bernhard Hoyer mit seinem Spezialgeschäft für Fußbodenbeläge.

Konsum Annastraße 1954 bis 1970

Lageplan Annastraße

In die Annastraße 12 verlegte die Genossenschaft ihre Verteilungsstelle 16 am 1. Oktober 1954 von der Festgestraße 8.
Sie schloß ihre Pforten wieder am 31.12.1970.

Das Kontrollblatt von der Annastraße mit Zeitangaben von 1962 bis 1968 zeigt, daß man in früheren Zeiten eine Ladenüberprüfung noch hauptsächlich über Polizei und Ordnungsamt abwickelte.

Konsum Koogstraße 1958 bis 1961

Lageplan Koogstraße

In der Koogstraße war die Verteilungsstelle 17, nachdem sie die Tiedemannstraße verlassen hat, nur etwas über 3 Jahre, vom 8. August 1958 bis zum 23. September 1961.

Siehe auch http://www.dithmarschen-wiki.de/L%C3%A4den_im_Koog-Koogstra%C3%9Fe_9-16#Koogstra.C3.9Fe_14

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