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Groth, Klaus

(Weitergeleitet von Klaus Groth)

Grafik von Nikolaus Bachmann. Mit freundlicher Genehmigung der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek
Aus dem wunderbaren Buch Dithmarschen: Weites Land am Meer von Jürgen Rust
Im Gegensatz zu Johannes Brahms lebte Klaus Groth tatsächlich in Heide. Die Umsetzung der sympathischen Skizze in eine Bronze für die Stadt Heide, die Christian Allers 1888 von den beiden Freunden in Thun anfertigte, war kurz Gesprächsthema in der Dithmarscher Kreisstadt. Erwartungsgemäß entschied man sich dann stattdessen für eine Blumensteele.


Maler: Hans-Friedrich Grohs. Foto: Heiner Egge
Klaus Groth-Büste von Jochim Tietjens. Foto: Landesmuseum Dithmarschen
Klaus Groth-Exlibris für Dr.Hermann Wiese von Jens Rusch


Büste. Foto: Jens Rusch
Klaus Groth Portrait von Hans Olde gest. 1917 in Kassel


Büste. Foto: Jens Rusch

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Klaus Johann Groth (* 24. April 1819 in Heide; † 1. Juni 1899 in Kiel) ist einer der bekanntesten niederdeutschen Lyriker und Schriftsteller. Er gilt gemeinsam mit Fritz Reuter als einer der Begründer der neueren niederdeutschen Literatur.

Er wurde am 24. April 1819 als Sohn des Müllers Hartwig Groth (1791 – 1860) in Heide geboren. Als Groth vierzehn Jahre alt war, wurde er zunächst Schreiber beim Kirchspielvogt in Heide, wechselte aber 1837 im Alter von achtzehn Jahren auf das Lehrerseminar in Tondern. Wegen Geldmangels brach er vier Jahre später seine Ausbildung ab und wurde Lehrer an einer Mädchenschule in seinem Heimatort Heide. 1847 hatte Groth – er war häufig krank – einen körperlich-seelischen Zusammenbruch, der zum Ausscheiden aus dem Schuldienst führte. Bis ins Jahr 1853 wohnte er bei seinem Freund Leonhard Selle zur Genesung auf Fehmarn. Dort schrieb er seine plattdeutsche Gedichtsammlung Quickborn, die 1853 erschien. Dieser Gedichtband machte Groth mit einem Schlage berühmt.

1853 zog er im Alter von 34 Jahren nach Kiel. Er arbeitete hier von Oktober 1854 bis April 1855 mit Professor Karl Müllenhoff an der Erstellung der plattdeutschen Grammatik und Orthographie sowie an den neuen Auflagen des Quickborn. Während des Winters 1854/55 entstand das Prosawerk Vertelln.

Aufgrund ärztlicher Empfehlung unternahm er im Frühling 1855 eine Reise, die ihn zuerst nach Bonn führte. Hier verlieh ihm die Philosophische Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität durch einstimmigen Beschluss die Ehrendoktorwürde. Seine Reise führte ihn weiter in die Schweiz, später über Leipzig und Dresden nach Thüringen.

Im Jahre 1857 kehrte er erstmals nach Kiel zurück, wo er im September 1858 an der Philosophischen Fakultät einen Habilitationsvortrag hielt, erst 1866 verlieh ihm der damalige österreichische Statthalter von Holstein den Professorentitel für deutsche Sprache und Literatur. Sein damaliges Jahresgeld betrug 600 Thaler und wurde im Jahre 1871 auf 1200 preußische Thaler erhöht. In Kiel entstand auch sein umfangreichstes Werk dieser Zeit, das Epos De Heisterkrog, sowie Min Jungsparadies und zahlreiche Gedichte. Viele dieser Gedichte wurden 1871 im zweiten Teil des Quickborn zusammengefasst.

Im August 1858 verlobte er sich mit Doris Finke und am 24. August 1859 fand die Eheschließung statt. Er lebte viele Jahre im 1865/66 erbauten Haus im Schwanenweg in Kiel. Schwere Schicksalsschläge waren der Tod seiner Frau 1878 und der Tod seines Sohnes im August 1889. 1893 erscheinen Klaus Groth's Gesammelte Werke bei Lipsius & Tischer. 1895 verbrachte er den Winter auf Capri in der Villa von Christian Wilhelm Allers.

Die kleine Erzählung Mien Jungsparadies hat überwiegend autobiographischen Charakter. Die Erzählung führt nach Tellingstedt, dem Geburtsort seiner Mutter.

In seiner Novelle "Schule der Atheisten" stellt Arno Schmidt zahlreiche Bezüge zu Klaus Groth her. Dort heisst er dann allerdings Klaus Langelütje, was Rückschlüsse auf Klaus Lütt, das ist das Pseudonym des dänischen Übersetzers der Quickborn-Gedichte, zulässt. Groths Großmutter väterlicherseits hieß Katharina Klehn oder Kleen, also "klein". Groth besaß für die damalige Zeit eine außergewöhnliche Körpergrösse, war also "lang" -: Aus diesen Versatzstücken hat Arno Schmidt offenbar sein "Langelütje" gestrickt.

Klaus Langelütje

Arno Schmidt erwähnt auch die Gedenktafel mit der Groth-Remineszenz am Gasthof "Zur neuen Vergesslichkeit" errichtet an der Stelle des 1893 abgerissenen Geburtshauses der Mutter Klaus Groths.

Klaus Groth und Arno Schmidt in Tellingstedt. Federzeichnung

Werke

Kiel

Ehrungen

Zu seinem 80. Geburtstag verliehen ihm die Städte Kiel und Heide jeweils das Ehrenbürgerrecht. Sechs Wochen darauf, am 1. Juni 1899, starb Klaus Groth. An der Stelle seines ehemaligen Hauses in Kiel steht heute das Krankenhaus „Quickborn“, das diesen Namen zur Erinnerung an das bekannteste Werk des Dichters trägt. In den Gebäuden des alten „Hauses Quickborn“ hat heute der DRK-Landesverband Schleswig-Holstein seinen Sitz. Direkt vor dem Eingang steht ein Gedenkstein, der an Klaus Groth erinnert. Sein Grab befindet sich auf dem Kieler Südfriedhof.

  • 1875 wurde Groth der Goethe-Preis verliehen
  • 1889 Roter Adlerorden 3. Klasse
  • 1891 wurde Groth der Schiller-Preis verliehen
  • 1899 Roter Adlerorden 2. Klasse
  • 1899 wurde Groth für seine Verdienste um die niederdeutsche Sprache Ehrenbürger von Kiel und Heide.
  • In Kiel wird Groth durch den von Heinrich Mißfeldt geschaffenen und am Kleinen Kiel errichteten Klaus-Groth-Brunnen geehrt.
  • Die Klaus-Groth-Straßen wie in Ahrensburg, Albersdorf, Bad Schwartau, Bad Bevensen, Barmstedt, Berlin, Bredstedt, Brokstedt, Bremen-Obervieland, Burg, Eckernförde, Elmshorn, Eutin, Flensburg, Frankfurt am Main, Friedrichsfehn, Greifswald, Hamburg-Borgfelde, Heide, Henstedt-Ulzburg, Husum, Kiel, Landesbergen, Itzehoe, Leck, Lübeck, Lüneburg, Neumünster, Norderstedt, Nürnberg, Pinneberg, Quickborn, Reinbek, Rellingen, Rostock, Schenefeld (Kreis Pinneberg), (Schneverdingen) Soltau, Tornesch, Trittau, Uetersen, Verden, Walsrode, Westerland, Winsen (Luhe) – sowie der Klaus-Groth-Platz in Kiel wurden nach ihm benannt.
  • Verschiedene Schulen, unter anderem in Heide, Husum, Kiel, Neumünster und Tornesch, tragen seinen Namen.
  • Der Klaus-Groth-Preis wird seit 1939 verliehen.

Projekt Gutenberg

Seit 1994 stellt das Projekt Gutenberg-DE kostenlos Bücher für alle ins Web. Damals als kleines Projekt begonnen, hat es sich zur größten Volltextliteratursammlung klassischer Texte deutscher Sprache im Internet entwickelt. Tausende Bücher warten auf ihre Leser: wir wünschen Ihnen viel Spaß beim lesen.

Mien Jungsparadies

Klaus Groth Mien Jungsparadies

Klaus Groth Geburtshaus Heide um 1900

Ol Friedrich Wida harr dat hilt, en lütt Fischlamm uttoflicken oder torecht to maken. He weer darmit half in'e Stuv und half op de breede Deel, wo man twischen de Balken in'e Höch seeg, wo Schinken un Wurst hendal hungn. He stött bi de Arbeit mitto mit den langen Handsteel daran un seeg achterna, dat he nix raff raak. He weer half darbi in Iever un half in Verdruß, dat hör man em an een un anner Luut an, de he rut knurr, wenn he noch en Masch funn, de uthakt weer un de he mit sien groten, aver geschickten Fingern wedder inflecht oder en Nagel in den Rahmen fasthamer. He leeg darbi bald op'e Kneen, bald hev he sick op, un man seeg em vun alle Kanten. He weer ganz mit Lehm besmeert, as harr een sorgfältig alle Stelln söcht, wo en Faden vun sien Jack oder Büx dörchschien, un dar en beten anwischt. Sogar de platte Mütz op'n Kopp, de Klutt, as man domals sä, wies hin un her an'n Rand twee bet veer Fingern, de se anfat un sick daran aftekent harrn. Nich mal de Näs' weer ganz frie, dar harr he ok hingrepen, blot de groten Steveln weern swart un nie nich putzt, de harr he bet hoch över de lehmigen Been trocken.

He föhl sick aver garnich as en Minsch in en unsaubern Rock, dat seeg man sien Bewegung an, höchstens as en Möller, de bestaben is, un dat hört to't Geschäft, so ok bi em: he weer en Püttjer. De Stuv weer spegelblank un rein, wo disse lehmige Gestalt in rumwirtschaft. De Footborrn weer mit Sand bestreit, de Kachelaben ut brun glaseerte Kacheln blenker, as weer he eben afwuschen, un an beide Sieden darvun glänzen noch mehr en Flint mit en duppelten Loop, en ole Kugelbüß un en stahlern Voßiesen. Dat seeg hier mehr ut na en Jäger un Fischer, as na en Püttjer; ünnern Aben sleep en groten Jagdhund, de wull wuß, dat he bi't Fischen nix to doon harr un sick nich to röhrn bruk.

In Tosomenarbeed mit dat plattdütsche Nokieksel vun Wikipedia

De verdammte Muskantenjung! sä he, as he sick endlich opricht un sien Wark anseeg ob't fardig weer, un man hör em nu dütlich an, dat mehr Ingrimm as Iever ein hittlich makt harr: nu is he mi doch wedder tovör kam, de Swartkopp! Un darbi nehm he sien Kalott af, as harr he an sien egen Kopp dacht, hung se buten an en Nagel un nehm sick vun binn een rut, de Farv un keen Lehm wies'. De Kopp wies' indes, dat he keen Swartkopp weer noch west weer. De Kopp weer baben spegelblank, blot en Rand vun smucke gele Krüsen leet sick sehn un geev em en Ansehn, jünger as he weer, as he den Maanschien mit de swarte Kapp wedder verdeckt harr. Boß un Leden weern övrigens stark un gewaltig, un de Stimm harr wat vun en Iesbar, as man sick't denkt, as he fortfahr: Man kann nix vör dissen Bengel verbargen. Wat hett he bi de Lehmkuln verlarn? Harr gewiß Kruschen in'e Jagdtasch, as he mi vörbi keem! Un lach noch darto. Na töv! Ick draap di!

Un darmit bündel he sien Fischnett tosam un söch mit den langn Staken vorsichtig ut de twee, dree Dörn to balanzeern, wo he rut muß. Erst darbi woor he mi wies, de halv in'e Straatendör tosehn un tohört harr, un dat glück em man halfwegs, as he mi fründlich seggn wull, wat noch klung as Schelln: Süh, du dar, Jung? Mien Nam keem em nich gliek op'e Tung, much em ok wull nich so leifig sien, ick keem ja man dann un wann as en Fremdn. Un so wies' he rüchwarts int Hus rin, as kunn ick't dar finn wat ick söch, un böög rasch um'ne Eck vunt Hus, wull na de Lehmkuln to.

Kum weer he ut de Dör, so keem en Gestalt ut de Köök, de frielich sien Dochter, aver op en Aart ganz sien Gegenpart weer. Hoch as en Mann, allens hell, Kopp un Ogen, rot de Mund, Backen un Arms as eben wuschen. Se sä mi mit ehr deepe Stimm, de ick noch in'e Ohrn heff: Süh, gun Dag, Jehann, ok mal wedder in Tellingsted? To'n Besök bi Hansohm? Wull güstern mitkam? Hest wull'n acht Dag Tied! Un darbi geev se mi en weeke warme Hand. Aver rutlockt harr ehr dat Schelln vun de Ol, dat mark ick, se trock mi mit, as se mi fründlich begröt, dat se den Kopp ut de Dör steken un den Oln achterna sehn kunn, de all achter dat Schoolhus gegenöver mank de Knicken verswunn.

Weiter: "Mien Jungsparadies" im Projekt Gutenberg

Literatur über Groth

Holzschnitt von Hans Friedrich Grohs

Verlag: Husum; Auflage: 1 (Juli 2003) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3898761231 ISBN-13: 978-3898761239 Online-Bestellmöglichkeit "In der Kajüte" von Heiner Egge

Kurz-Rezension:

Es ist still geworden um Klaus Groth, den alten Dichter. Immer mehr zieht er sich in seine Kajüte zurück, diktiert dem Sekretär und lässt das Leben Revue passieren. Ein Lied ist es geworden, stellt er erstaunt fest, und lächelnd geht er noch einmal auf Reisen: nach Capri und anderswohin. - "Nu liggt dat Dörp in Dunkeln/ Un Newel hangt dorvör,/ Man hört man eben munkeln,/ As keem't vun Minschen her." - So wie sich die Mühlenflügel drehen, kommt alles wieder zu ihm: Lüttenheid, Tondern, die Mädchenschule, die Flucht nach Fehmarn, der Quickborn, die Briefe an die Braut, der Professor in Kiel, die Söhne, der Ruhm, das Glück, der Verlust, die letzte Liebe. Ein Lied ist es geworden, dieses Leben, ein plattdeutsches, denn singen, das konnte er: Alle Töne stimmen, fast alle. Heiner Egge, geboren 1949 in Heide, entdeckt in seinem dritten Roman einen fast Vergessenen wieder, der mehr war als ein Heimatdichter und doch seine Heimat feierte wie kaum ein anderer.

Heiner Egge: In der Kajüte

Klaus-Groth-Gesellschaft

Op Plattdütsch

Klaus Groth (* 24. April 1819 in Heid, Dithmarschen; † 1. Juni 1899) weer en bekannten plattdüütschen Schriever. Klaus Groth warr den 24. April 1819 as de Söhn vun en Möller in Heid boren. He weer Lehrer in Heid. Bet 1853 weer he en poor Johr op Fehmarn. Do schreev he sien plattdüütsch Book „Quickborn“, wat 1852 rutkeem. Dör dat Book wörr he beröhmt. 1853 trock he mit 34 Johr no Kiel. He maak sik hier vun Oktober 1854 bet April 1855 mit Professer Karl Müllenhoff an’t Opschrieven vun de plattdüütsche Grammatik un Orthographie un ok an ne’e Utgaven vun de „Quickborn“. In den Winter 1854/1855 wörr dat Prosawerk „Vertelln“ maakt. 1858 schreev he de „Briefe über Hochdeutsch und Plattdeutsch“. In dat sülve Johr schreev he „Vör de Görn“. He wörr 1857 Professer in Kiel, man he is do blots Honorarprofesser för Germanistik bleven. To sien 80. Bortsdag geev em de Städer Kiel un Heid dat Ehrnbörgerrecht. An de Steed vun sien Huus in Kiel steiht vundaag en Siekenhuus, dat den Naam Quickborn hett. Quell: Wikipedia

Klaus Groth Federzeichnung von Jens Rusch


Siehe auch:

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