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Hoffmann von Fallersleben

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Inhaltsverzeichnis

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

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Bernhard von Oberg

Der deutsche Barde: 60 Mark für einen Hit

Von allen deutschen Dichtern, die sich Helgoland als Reiseziel oder zu längerem Aufenthalt ausersehen haben, ist wohl der bekannteste, weil er sein Deutschlandlied auf dieser Nordseeinsel gedichtet hat.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), seit 1830 Custos an der Breslauer Universitätsbibliothek und später zugleich als Professor für deutsche Sprache und Literatur tätig, trat seine erste Reise nach Helgoland im August 1840 an. Er suchte Ruhe und Erholung, hatte er als im Grunde genommen heiterer und lebhafter Mensch in Breslau viel Ärger mit Vorgesetzten und Kollegen gehabt.

Die Überfahrt von Hamburg nach der Insel war stürmisch, als das Schiff die „Alte Liebe“ erreichte, „brach manchem das Herz“, wie Hoffmann schreibt. Doch blieb er selbst von bösen Wirkungen des Wetters verschont. Auf Helgoland bezog der Dichter eine ganz bescheidene Wohnung, „eigentlich nur eine Schlafstelle“. Anschluss suchte er unter den rund tausend Badegästen der Insel, meistens Hamburger und Berliner, nicht.

Der Tagesablauf, so Fallersleben, war sehr einfach. O-Ton Fallersleben: „Morgens Spazierengehen, dann Überfahrt zur Düne, Baden, Rückfahrt, Spazieren Mittagessen, Kaffeetrinken im Trichter. Ausruhen auf der Klippe und zu Bette.“

„Ich bin mir selbst genug“, schreibt er und freut sich darüber. Stundenlang konnte er im Sonnenschein oben auf der Klippe liegen und die See sehen, während andere stundenlang tafelten und dann – müde vom Baden, Essen und Trinken – bis in den Abend hinein schliefen.

In diesen einsamen Stunden auf der Klippe, drüben auf der Düne oder unterwegs beim Übersetzen mit dem Boot entstanden seine „Helgoländer Lieder“.

Die Einförmigkeit des Helgoländer Lebens wurde unterbrochen, wenn zweimal wöchentlich das Dampfschiff ankam; willkommene Abwechslung bot auch eine Umschiffung der Insel oder eine Fahrt in See, etwa zum Haifischfang – so berichtet Hoffmann. Am 21. September 1840 reist er ab.

Bereits im nächsten Jahr, 1841, ist Hoffmann abermals im August und September zu Gast auf Helgoland. Er berichtet von einer Schar Hannoveraner, die ihren Landsmann besuchen. Man tafelt und toastet reichlich auf die deutschen Frauen und das einige deutsche Vaterland. Hoffmann trägt eigene Lieder vor.

Nach den unruhigen Tagen genießt er nach der Abreise der Hannoveraner die Einsamkeit der Insel. Endlich darf er sich wieder selbst gehören. Fallersleben: „Wenn ich dann so wandelte einsam auf der Klippe, nichts als Meer und Himmel um mich sah, da ward mir so eigen zu Muthe, ich musste dichten, und wenn ich es auch nicht gewollt hätte.

So entstand am 26. August 1841 das Lied „Deutschland, Deutschland über Alles!“ Der Zufall fügte es, dass am folgenden Wochenende der Verleger Julius Campe – er hatte bereits im Jahr zuvor Hoffmanns „Unpolitische Lieder“ verlegt – auf die Urlaubsinsel kam. Campe, sonst ein sehr vorsichtiger Geschäftsmann, besaß ein Gespür für gute Geschäfte, legte, nachdem er die ersten Verse gehört hatte, vier Louisdor (60 Mark) mit der Bemerkung auf den Tisch: „Das wird ein Rheinlied. Drei Becher für den Dichter, einen für den Verleger.“

Hier irrte Campe. Schon Anfang Dezember lag das Gedicht im Einzeldruck mit Noten vor und machte die Runde durch ganz Deutschland. Es traf sich günstig, dass eine sang- und klangbare Melodie zu Hoffmanns Lied bereits vorhanden war, Joseph Haydns weihevolle Weise der österreichischen Kaiserhymne.

Das „Lied der Deutschen“ war ein Kind seiner Zeit, ihrer Visionen und enttäuschten Hoffnungen. Die Befreiungskriege waren siegreich beendet, die Franzosen aus den deutschen Landen verjagt. Doch das Versprechen der herrschenden Fürsten, dem Volke größere Freiheiten einzuräumen, war auf dem Wiener Kongress (1814/15) wieder kassiert, das alte Feudalsystem erneut in den Sattel gehievt worden. Von Volkssouveränität, bürgerlichen Freiheiten oder gar einem eigenen deutschen Nationalstaat war keine Rede mehr.

Vier Louisdor für ein einzelnes Lied waren ein Spitzenhonorar. Um dieselbe Zeit erhielt Friedrich Hebbel für sein dreiaktiges Trauerspiel „Maria Magdalena“ gerade einmal 40 Louisdor – gleichfalls von Campe.

Der persönliche Preis, den der deutsche Barde für dieses und andere Lieder zahlte war hoch. Kaum war der Germanistikprofessor von seiner zweiten Helgoländer Reise zurückgekehrt, brach das Verhängnis über ihn herein: Suspendierung vom Amt, Entlassung ohne Pension. Die Zensur argwöhnte Volksaufwiegelung und Jugendgefährdung. Fallerslebens Gedichte seien dazu angetan, „ein Missvergnügen über die bestehende Ordnung der Dinge hervorzurufen, ebenso sehr Verachtung und Hass gegen Landesherrn und Obrigkeit“.

Fallersleben nutzte die Zeit der unfreiwilligen Muße zum Reisen. Er zog von Ort zu Ort. Was ihm zu drucken verboten war, verbreitete er in öffentlichen Lesungen. Brüder im Geiste fanden sich zuhauf, ie den zeitweise steckbrieflich gesuchten, politisch verfolgten Asylanten mit offenen Armen aufnahmen, in Dithmarschen und anderswo.

Die Helgoländer, die er 1842 erneut für drei Wochen besuchte, setzten ihm am 26. August 1891, zum 50. Jahrestag der Entstehung des Deutschlandliedes ein Denkmal. Als die Engländer am 18. April 1945 mit mehreren hundert Flugzeugen fast die gesamte bebaute Oberfläche Helgolands zerstören, trifft es auch die Büste August Heinrich Hoffmanns von Fallersleben.


Denkmal mit Dachschaden: Frischekur für den Fallersleben

Alte Meldorfer Holländerei, in der Fallersleben mit den Dithmarschern feierte, davor der Stein auf dem Weg zur Dusenddüwelswarf (Foto: Kreis Dithmarschen)
Fallersleben mit seinem Dachschaden. Wie man sieht, war die ganze linke Kopfpartie der Helgoland-Büste eingedrückt. Bildhauer Domke aus Marne musste ihn neu formen.
Foto aus dem Fotoalbum der Witwe Edith Domke. Domke hat es 1960 auf Helgoland gemacht, nachdem sein Fallersleben aufgestellt war.
DLZ

Der Herr von Fallersleben: Heldenstück oder Kriminalposse

Strandraub: Ein Dichter wird demontiert

Beantwortet ist die Frage bis zum heutigen Tage nicht, ob jener Büsumer Fischer, den seine Freunde Bismarck nannten, sich im Nachkriegswinter 1946 ein Heldenstück oder eine Kriminalposse leistete. Auf jeden Fall, so die Lesart einiger Zeitzeugen, habe er den alten Fallersleben davor bewahrt, im Schrott zu landen.

Stattdessen verstaute der plietsche Fahrensmann die bronzene Büste des großen deutschen Barden im Schweinestall – das sagen die einen –, bei den Hühnern, wie andere behaupten, oder im Kohlenkeller. Zuvor hatte Bismarck den schweren Brocken Buntmetall bei Nacht und Nebel von der einzigen deutschen Hochseeinsel, der Roten Insel, aufs Dithmarscher Festland heimgeholt.


Weitgereist: Zweimal Meldorf in hundert Jahren

Es war nicht der erste Besuch des Dichters in der ehemaligen Bauernrepublik. Gut 100 Jahre zuvor machte er einen Abstecher nach Heide und Meldorf auf der Suche jener Freiheit, die er zeitlebens wertschätzte. In der alten Holländerei hatten seine Gastgeber den politischen Flüchtling 1845 hochleben lassen. Der Dichter hinterließ ihnen die erste Strophe des Deutschlandliedes (heute im Besitz der Meldorfer Gelehrtenschule). Ins Stammbuch des Kaufmanns J.H. Bremer, dessen Nachfahrin heute das Domcafé betreibt, schrieb Hoffmann: „Nur in Deutschland, in Deutschland, da möchte ich ewig leben.“

Am 25. August 1892 war das ursprüngliche Denkmal am Kurhaus des Unterlandes der Insel vor der Villa „Seeblick“ enthüllt worden. Dabei handelte es sich um „eine breit auslandende Kolossalbüste in Bronze, die Hoffmann mit lose um die Schultern gelegtem Mantel darstellt“. Darunter ein quadratisches Fundament mit hohem Sockel.

Keine zwei Jahre später, am 13. Februar 1894 musste die Büste bei einem schweren Südweststurm abmontiert und in Sicherheit gebracht werden. Wenige Stunden später gingen schon die ersten Wellen über den stehengebliebenen Sockel hinweg. Das Denkmal bekam einen neuen Platz am Südstrand.

Dann kam der 18. April 1945 und mit ihm die englische Bomberflotte. Ein Bombensplitter trifft die Büste so schwer, dass der Heider Goldschmied Möller später feststellt: „Eine Restauration ist nicht möglich.“ Alle Versuche, die über das Gesicht der Büste verlaufende große Beule wieder auszutreiben, scheitern an der Sprödigkeit der Bronze. Es bleibt nichts anderes übrig, als den überlebensgroßen Kopf des Dichters neu in Ton zu modellieren und nachzugießen.


Detektivarbeit: Die Spur führt nach Büsum

Es war 1946, als der Museumsdirektor des Dithmarscher Landesmuseums, Professor Dr. Alfred Kamphausen, hörte, das berühmte Fallersleben-Standbild sei von der evakuierten Nordseeinsel verschwunden. Fischer hätten es abgeholt und nach Dithmarschen gebracht, so wie einst der Seeräuber Cord Widderich 500 Jahre zuvor das Bronzetaufbecken in Pellworm geraubt hatte. Auch hier führt die Spur nach Büsum.

Kamphausen hatte einen Verdacht. Motorisiert mit einem Dreiradlieferwagen ratterte er Richtung Küste los. Gleich beim ersten Fischer, den er traf, lenkte er das Gespräch auf das Thema Helgoland, wo es doch jetzt eine Menge zu holen gäbe. Sein Gesprächspartner gab ihm den entscheidenden Tipp: „Bismarck hat ein großes Stück geholt“. Kamphausen bedankte sich und ließ am Rathaus zwei Polizisten zusteigen. Die Fahrt ging weiter zu dem Mann mit dem großen Stück.

Der Gesuchte war „ausgeflogen“. Stuben und Ställe wurden durchsucht. Plötzlich schimmerte etwas im Schweinestall unter Tauwerk und Netzen, die bronzenen Schultern des Dichters. Soweit die Erinnerung.

In Kiel habe man die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, heißt es, als Dr. Kamphausen beiläufig von seinem Fund berichtete. Den Platz im Schweinestall hatte der Dichter des Deutschlandliedes gegen ein Kämmerchen unter dem Museumsdach getauscht. Kamphausen: „Vorder- und Rückenteil der Büste sind, wenn man von den Witterungsschäden und geringfügigen Demontagespuren absieht, tadellos erhalten.“


Der Dichter mit den zwei Vätern: Heinrich Hoffmann von Marne/Fallersleben

Das Helgoland-Komitee wollte seine Büste wiederhaben. Man einigte sich darauf, einen angemessenen Platz für das Standbild zu suchen, damit der Dichter wieder dort auf der ragenden Felsinsel steht, wo er das Deutschlandlied geschaffen hat. Der Zeitpunkt für die Umsiedlung: Wenn dort alles wieder „Klar und wahr“ ist, wie der verwitterte Sinnspruch unter der 1898 vom Hannoveraner Bildhauer Fritz Schaper (1841-1919) geschaffenen Büste lautet.

Zuvor jedoch legte der Marner Bildhauer Hans Heinz Domke (1926-1984) Hand an den arg verbeulten Fallersleben. Anhand alter Fotos machte er sich mit den Gesichtszügen von August Heinrich Hoffmann vertraut. Schicht auf Schicht verarbeitete er den Ton. Um Risse im Material zu vermeiden, wurde das Tageswerk wurde mit feuchten Tüchern abgedeckt. Die Witwe Edith Domke erinnert sich: „Diese Schöpferarbeit verlangte viel Geduld und Fingerspitzengefühl.“ Danach ging es von Marne zur Gießerei bei Berlin, wo der alte neue Fallersleben wie ein Phönix aus der Asche erstrahlte.

Am 26. August 1960, dem 119. Jahrestag, an dem Hoffmann von Fallersleben auf Helgoland das Lied der Deutschen dichtete, wurde die Büste des August Heinrich Hoffmann von Marne/Fallersleben erneut durch die Gemeinde Helgoland aufgestellt. Umrahmt wurden die Feierlichkeiten von Hoffmannliedern der Hamburger Liedertafel, die das Deutschlandlied erstmalig am 5. Oktober 1841 vor Streits Hotel am Jungfernstieg öffentlich sang.

Die Rechnung für die Wiederherstellung der Büste gingen an die Schleswig-Holsteinische Landesregierung. Noch zu seinen Lebzeiten hatte Ministerpräsident Friedrich Wilhelm Lübke bereits zugesichert, dass diese Rechnung dort beglichen wird.


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