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Heuck, Christian

Aus Dithmarschen-Wiki

--Ditschie (Diskussion) 11:16, 24. Sep. 2016 (CEST)

Christian Heuck war Reichstagsabgeordneter der KPD von 1930 bis 1933. Heuck wurde 1934 von SS-Mitgliedern im Gefängnis von Neumünster ermordet.

Inhaltsverzeichnis

Persönliche Angaben

  • Geburtsdatum: 18.03.1892 in Heuwisch bei Neuenkirchen
  • Todesdatum: 23.02.1934 ermordet in Neumünster)

Christian Heuck war verheiratet.

Kindheit

Christian Heuck wurde als Sohn eines Kleinbauern und Tagelöhners geboren. Er musste bereits in frühester Kindheit landwirtschaftliche Arbeiten auf dem Hof übernehmen oder seine kleinen Geschwister beaufsichtigen.

Christian Heuck besuchte die Volksschule in Wesselburen und brachte, trotz der Ernte-bedingten Abwesenheiten gute Ergebnisse nach Hause.

Ausbildung

Nach seiner Konfirmation arbeitete Christian Heuck 2 Jahre auf verschiedenen Höfen, hierbei kam er durch die anderen Knechte und Landarbeiter erstmalig mit der sozialistischen Idee in Kontakt. Ohne Mitglied in einer Organisation zu sein, sympathisierte er mit der sozialistischen Idee.

Von 1909 - 1911 war er als Versandleiter eines Gemüsegeschäftes tätig.

Wehrdienst

1912 wurde Christian Heuck aktiver Soldat und sein Wehrdienst fiel in die Zeit des ersten Weltkrieges. Während des Krieges an der Front, dreimal verwundet und wegen besondere Tapferkeit vor dem Feind mit dem Eisernen Kreuz (EK) 1. Klasse ausgezeichnet. Als Vizefeldwebel kehrte er aus dem Krieg zurück.

Beruf

Von 1918 - 1920 war Christian Heuck als Pferdehändler tätig, anschließend wurde er Inhaber eines Gemüseversandgeschäftes.

Zugehörigkeit zur SPD und zur KPD

Seine politische Karriere begann gleich nach der Novemberrevolution, als er zweiter Vorsitzender des Arbeiterrates in Wesselburen wurde. Er gründete nach der Heimkehr aus dem Ersten Weltkrieg die SPD-Ortsgruppe in Wesselburen. In dieser Zeit arbeitet er als Vieh- und Gemüsehändler und hat hierdurch einen engen Kontakt zur bitterarmen Bevölkerung. Ihm wurde bewusst, dass die SPD mit ihren reformorientierten, aber nicht revolutionäre Ideen nicht seinen Vorstellungen entspreche. Er trat aus der SPD aus und war ein halbes Jahr lang parteilos,

Er trat 1920 in die KPD ein und und wurde 1922 Mitglied des Provinziallandtages in Kiel; dort sollte er bis 1933 aktiv bleiben.

1923 war Christian Heuck hauptamtlicher Parteifunktionär, Vorsitzender der KPD in Wesselburen und Stadtverordneter der KPD in Wesselburen.

Im August 1923 floh Heuck wegen einer Strafsache aus Wesselburen und wurde von der KPD-Leitung nach Mecklenburg geschickt, wo er unter falschem Namen (Pseudonym Kurt Anders) die Landarbeiterbewegung leiten sollte. Unter diesen Umständen versucht Christian Heuck eine Organisierung der landwirtschaftlichen Wanderarbeiter, im Volksmund "Monarchen" genannt. Aber mit diesem Vorsatz scheitert er. Die Monarchen, ein ungebundener Haufen freiheitsliebender Gesellen mit eigenen Moralvorstellungen sind nicht bereit, sich organisieren und reglementieren zu lassen. Diese vergeblichen Bemühungen sollen Heuck später von seinen Gegnern den Titel eines "Monarchenführers" eintragen.

Zu Beginn des Jahres 1924 hielt er sich in Cottbus, Stettin und Breslau auf, kam jedoch wiederholt unerkannt nach Wesselburen zurück, wo seine Frau weiterhin lebte.

Am 21.05.1924 wurde er in Breslau verhaftet; aus dem Gefängnis heraus musste er sich gegen Vorwürfen wehren, er habe Unterschlagungen begangen, diktatorisch gehandelt und Mitarbeiter geschlagen.

1926 wurde er wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu fünf Jahren Zuchthaus und einer Geldstrafe von 500 RM verurteilt. Nach seiner Amnestierung 1928 begab er sich wieder nach Wesselburen und verstärkte sofort die Werbetätigkeit der KPD in Dithmarschen. Nach kurzer Zeit wurde Christian Heuck, der mit Ernst Thälmann befreundet war, Unterbezirksleiter der KPD (KPD-Bezirk "Wasserkante") und arbeitete von Heide und Itzehoe aus. Ulrich Pfeil schreibt den Aufschwung der KPD in Dithmarschen Ende der 20er Jahre Christian Heuck zu. Bei der Reichstagswahl 1930 erzielte die KPD in Norderdithmarschen 10,2 Prozent und lag damit an der Spitze der ländlichen Kreise in Schleswig-Holstein.

Christian Heuck wird zu dieser Zeit mit dem aufstrebenden politischen Gegner der NSDAP konfrontiert, sowie den rechten Schlägertrupps unter Führung der SA. Er engagiert sich fortan im Roten Frontkämpferbund und führt die Dithmarscher Gruppe an. Christian Heuck ist nun immer präsent im Kampf gegen die NSDAP und wird auch bei den Kämpfen mehrmals verletzt.

Blutnacht von Wöhrden Eine der größten und folgenreichsten Auseinandersetzungen spielt sich im März 1929 im kleinen Örtchen Wöhrden ab, wo SA und NSDAP eine Versammlung abhalten. Christian Heuck zieht mit über 100 Genossen mehrmals an der Versammlungsstätte vorbei. Die Gruppe singt die "Internationale". Die Nationalsozialisten fühlen sich provoziert, verlassen ihren Versammlungsort und verfolgen die Kommunisten. Es kommt zur Auseinandersetzung. Mit Kohlmessern und Knüppeln bewaffnet gehen die Kontrahenten aufeinander los. Es gibt zahlreiche Verletzte. Ein Kommunist und zwei Nazis sterben. Der auch verletzte Christian Heuck kommt sofort in Untersuchungshaft und wird später als Haupttäter zu einem Jahr und neun Monate Gefängnis verurteilt. Weitere zwölf Kommunisten werden zu Freiheitsstrafen verurteilt, während die Richter gegenüber den Nationalsozialisten Milde walten lassen. Derweil wird die "Blutnacht von Wöhrden" von den Nazis propagandistisch genutzt: Die unbewaffneten Nationalsozialisten seien von schwer bewaffneten Kommunisten in einen Hinterhalt gelockt und angegriffen worden, heißt es in der NSDAP-Geschichtsschreibung. Ein Opferkult entsteht. Adolf Hitler persönlich wohnt der Beerdigung der beiden Opfer bei.

1930 wird Christian Heuck in den Reichstag gewählt und entgeht so einer noch längeren Haftstrafe. Er leitet nun den KPD-Unterbezirk Kiel.

1933 wird er, wenige Tage nach der Machtergreifung der Nazis, verhaftet. Aufgrund der Veröffentlichung eines Flugblatts, in dem zum Generalstreik aufgerufen wird, wird er wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt und sitzt fortan im Gefängnis Neumünster ein.

Die Ermordung

Christian Heuck wurde am 23. Februar 1934 abends vom SS-Führer Hinrich Möller, der später die Judenverfolgung in Estland befehligen sollte, und weiteren vier bis fünf SS-Leuten in der Justizvollzugsanstalt an der Boostedter Strasse aufgesucht, wo er eine Gefängnisstrafe absaß. Dazu wurden die SS-Männer von der Gefängnisleitung zu der Zelle von Christian Heuck geführt. Hinrich Möller habe bei der Durchführung der Tat angeblich außerhalb der Zelle gestanden und will nichts von dem Mord im Innern der Zelle mitbekommen haben. Unter anderem diese Aussage hält der Historiker Reimer Möller für unwahr, denn 1976 hatte ein ebenfalls in dieser Nacht vom 23. Februar 1934 im Gefängnis Neumünster befindlicher KPD-Mann zu Protokoll gegeben, dass er lautes Schreien aus der Zelle Christian Heucks gehört habe. Heuck wurde erdrosselt. Nach der Tat bescheinigte der Gefängnisarzt als Todesursache Selbstmord. Die Leiche wurde nach Kiel an die Friedhofsverwaltung übergeben und sollte am nächsten Tag verbrannt werden. Der Ehefrau war verboten worden, die Leiche zu besichtigen, aber sie schaffte es trotzdem, sich mit einer erfahrenen Krankenschwester Zutritt zur Leiche zu verschaffen. Die Leiche war voller blauer Flecke und wies große Würgemal am Hals auf. Wie die Witwe Heucks 1946 in einer Vernehmung vor der Staatsanwaltschaft angab, wurde sie am nächsten Morgen ins Polizeipräsidium geladen und gefragt, ob ihr an der Leiche etwas aufgefallen sei. Sie antwortete, dass ein Selbstmörder „sich ja wohl nicht selbst verhauen“ könnte. Darauf wurde ihr mit schlimmen Konsequenzen gedroht, wenn sie Informationen über das verlauten ließe, was sie gesehen hätte. Auch über diesen Mord wurden Falschmeldungen in den Zeitungen verbreitet.

Nach Beendigung des Krieges wird Hinrich Möller wegen der Ermordung von Christian Heuck und eines weiteren Häftlings zum Tode verurteilt. Der damalige Ministerpräsident Schleswig-Holsteins Lüdemann wandelt die Strafe in eine lebenslange Haftstrafe um. Möller, der für seine Taten in Estland nie zur Rechenschaft gezogen wird, wird 1958 vorzeitig aus der Haft entlassen und lebt noch einige Jahre in Freiheit bevor er am 13.10.1974 ebenfalls in Neumünster stirbt. Sein Opfer Christian Heuck wurde lediglich 41 Jahre alt.

Gedenken

  • Eine Gedenktafel im Reichstag erinnert im Rahmen des Denkmals für 96 vom NS-Regime ermordete Reichstagsabgeordnete an Christian Heuck.
  • Am 24.04.2009 wurde ein Stolperstein zur Erinnerung an Christian Heuck in Kiel (Wall 72a) verlegt.
  • Auf dem Alten Urnenfriedhof in Kiel befindet sich ein Ehrengrab für Christian Heuck.

Weblinks


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