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Frahm, Johann

Aus Dithmarschen-Wiki

--Ditschie (Diskussion) 10:22, 2. Sep. 2016 (CEST)

Johann Frahm war ein deutscher SS-Unterscharführer im Konzentrationslager (KZ) Neuengamme und stellvertretender Lagerführer im Neuengammer Außenlager am Bullenhuser Damm.

Inhaltsverzeichnis

Persönliche Angaben

  • Geburtsdatum: 28.04.1901 in Kleve
  • Todesdatum: 11.10.1946 in Hameln hingerichtet

Johann Frahm war verheiratet und Vater von vier Kindern.

Johann Frahm war von Beruf Arbeiter, allerdings sind zu seinem Werdegang keine Daten oder Tätigkeiten bekannt.


1933 - 1945

  • 1933 Eintritt in die SS
  • 1937 Eintritt in die NSDAP
  • 1938 soll er als Wachmann im Seefliegerhorst in Hörnum auf Sylt gearbeitet haben.
  • 1939 Versetzung zu den SS-Totenkopfverbänden des KZ Sachsenhausen;
  • November 1940 - Oktober 1941 Stationierung in Larvik / Norwegen
  • Oktober 1941 - Januar 1942 Verlegung in ein Lazarett nach Berlin, um wegen einer Flecktyphusinfektion behandelt zu werden;
  • Mai 1942 wurde Johann Frahm als Wachmann in den KZ-Dienst versetzt, zunächst ins KZ Sachsenhausen;
  • November 1942 Versetzung in das KZ Neuengamme, dort war u. a. in der Schreibstube des Rapportführer Wilhelm Dreimann eingesetzt; später wurde er als Blockführer für 300 Häftlinge eingesetzt; im Januar 1944 war er Blockführer der Strafkompanie. Überlebende des KZ Neuengamme berichten, dass Frahm Häftlinge schwer misshandelt habe;
  • ab November 1944 wurde Johann Frahm als stellvertretender Lagerführer unter Ewald Jauch im Aussenlager Bullenhuser Damm des KZ Neuengamme eingesetzt;

Nacht vom 20. zum 21.04.1945

Im November 1944 wurden 20 jüdische Kinder zwischen 5 - 12 Jahren, je zur Hälfte Jungen und Mädchen, aus dem KZ Auschwitz in das KZ Neuengamme überführt, weil der KZ-Arzt Kurt Heißmeyer diese angefordert hatte. An den Kindern wurden, nachdem Heißmeyer bereits Menschenversuche an sowjetischen Kriegsgefangenen vorgenommen hatte, mit Tuberkulose infiziert. Später wurden dann Gewebeproben entnommen. Als das Kriegsende absehbar war, wurde durch den SS-Obergruppenführer Oswald Pohl aus Berlin befohlen, die Abteilung von Heißmeyer "aufzulösen", d. h. die Zeugen zu beseitigen.

In der Nacht vom 20. - 21.04.1945 wurde den Kindern im Keller der Schule am Bullenhuser Damm in Hamburg-Rothenburgsort durch Alfred Trzebinski Morphium gespritzt; anschließend brachte Frahm die Kinder in den Keller und erhängte sie dort. Gemeinsam mit den Kindern wurden auch ihre vier Betreuer und zwanzig sowjetische Kriegsgefangene umgebracht.

Aus einer Zeugenaussage von Alfred Trzebinski:

„Frahm nahm den 12-jährigen Jungen auf den Arm und sagte zu den anderen: Er wird jetzt ins Bett gebracht. Er ging mit ihm in einen Raum, der vielleicht sechs bis acht Meter von dem Aufenthaltsraum entfernt war, und dort sah ich schon eine Schlinge an einem Haken. In diese Schlinge hängte Frahm den schlafenden Jungen ein und hängte sich mit seinem ganzen Körpergewicht an den Körper des Jungen, damit die Schlinge sich zuzog. Ich habe in meiner KZ-Zeit schon viel menschliches Leid gesehen und war auch gewissermaßen abgestumpft, aber Kinder erhängt habe ich noch nie gesehen.“

Nach Kriegsende

Frahm soll Ende Mai 1945 nach Hause zurückgekehrt sein und sich im Kriegsgefangenensammellager Hedwigenkoog in Dithmarschen gemeldet haben. Er wurde im September 1945 entlassen. Danach arbeitete er in Kleve in Dithmarschen bei einem Bauern als Tagelöhner. Ende Oktober 1945 wurde er verhaftet und zunächst in das britische Internierungslager Nr. 1 in Neumünster-Gadeland gebracht. Im Frühjahr 1946 besuchte sein Sohn ihn zweimal im Zuchthaus Fuhlsbüttel.

Bei Frahms Aussage als Zeuge der Anklage im Hauptprozess gegen den Lagerstab des KL Neuengamme kam seine Beteiligung an den Morden im Bullenhuser Damm am 20. April 1945 zur Sprache. Vorher war bereits wegen Misshandlungen, die er als Blockführer der Strafkompanie begangen hatte, gegen ihn ermittelt worden. Frahm gab zu, dass er und andere den Kindern “ein Strick um den Hals gelegt, und sie wurden dann an Haken wie Bilder an der Wand aufgehängt”. Er sei davon ausgegangen, dass die Kinder zu diesem Zeitpunkt bereits tot gewesen seien, da der SS-Standortarzt Dr. Trzebinski den Kindern zuvor Morphium gespritzt habe. Die Morde am 20./21. April 1945 im Bullenhuser Damm wurden Gegenstand eines eigenen Prozesses, in dem Johann Frahm im Juli 1946 angeklagt wurde. Er wurde zum Tode verurteilt und am 11. Oktober 1946 in Hameln hingerichtet.


Literatur

  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2. Auflage. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8.
  • Günther Schwarberg: Der SS-Arzt und die Kinder. Bericht über den Mord vom Bullenhuser Damm Dokumentation: Daniel Haller. Hg. Henri Nannen Gruner und Jahr, Hamburg 1979, 1980 (2 Bände) Ausgezeichnet mit dem Anne-Frank-Preis 1988. Häufige Neuauflagen, auch unter dem Titel: Der SS-Arzt und die Kinder vom Bullenhuser Damm z.B. Steidl, Göttingen 1994 ISBN 388243306X - Zahlreiche Übersetzungen (Engl., Rumänisch, Polnisch)

Weblinks


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