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Frachter Baltrover

Aus Dithmarschen-Wiki

Baltrover 1953


Inhaltsverzeichnis

Die Baltrover

Der 14-Knoten-Dampfer "Baltrover" fuhr 18 Jahre für UBC in die Ostsee.
Fredrickstads MV hatte den 2179-BRT-Dampfer 1949 als "Marstenen" an den Reeder Vilhelm Torkildsen in Bergen geliefert. Schon 1950 erwarb ihn UBC und nannte ihn "Baltrover".
1968 wurde sie als "Angelos P" nach Griechenland veräußert und wechselte 1974 noch ein letztes Mal den Eigner und den Namen in "Angel Bell".
Am 18. Februar 1976 sank sie vor Tang/Iran, als sie sich auf der Schleppreise von Dubai nach Karachi befand, wo Reparaturen stattfinden sollten.
Text aus dem Buch "Schiffahrt im Bild" von Gerd Uwe Detlefsen

Am 20. Januar 1956 strandete der englische Frachter „Baltrover“ der United Baltic Corporation (2179 BRT) bei Orkan im Watt St.Margarethens.

Wie es zu dem Unglück kam

Baltrover Quelle:Wikimedia

Der englische Frachter „Baltrover“ (gebaut 1949 in Frederikstad) transportierte regelmäßig Fracht zwischen London und Gdingen. Am 20. Januar 1956 trafen dann ungünstige Witterungsumstände zusammen. Ein sogenannter „Doppelorkan“ (Brunsbüttelkooger Zeitung vom 14.2.1956) bescherte der Elbe ein besonders starkes Hochwasser, so daß der Frachter nicht in die Schleuse einlaufen konnte. „Baltrover“ legte sich in der Elbe vor Anker, trieb aber durch den starken Sturm ab. Als am nächsten Tag der Versuch unternommen werden sollte, das Schiff an eine bessere Stelle zu schleppen, drückte es eine Orkanboe querab von St.Margarethen bei sehr hohem Wasserstand an Land.
Die „Baltrover“ saß richtig fest. Das Wetter schlug ziemlich schnell um, der Wind drehte auf Ost und drückte das Wasser zurück in die Nordsee. Starker Frost sorgte nach und nach für das Einfrieren des Schiffes. Somit war aufgrund des jetzt niedrigen Wasserstandes, trotz mehrfachen Versuches, an ein Freischleppen nicht zu denken.
Für die Wirts- und Geschäftsleute war es ein willkommenes Zubrot, da die Mannschaft trotz gefährlicher „Eisberge“ bei Niedrigwasser den Weg in den Ort fanden. Dieses Ereignis war natürlich auch ein Touristenmagnet, der Strand war oftmals schwarz voll Menschen
Das Schiff wurde nach und nach geleichtert (es hatte Baumwolle und Lumpen geladen) und von achtern wurde eine Rinne Richtung Fahrwasser gebaggert.

Freizeit an Land

Eine Anekdote aus dem Hamburger Abendblatt vom 14. Februar 1956:

Wenn „der Alte“ in Fahrt ist, hat die Mannschaft auch nichts zu lachen. Sie wollte an Land. Jeder wollte einmal ein anderes Gesicht sehen. Dazu kam noch ein leichtes Jucken in der Kehle. Aber der Kapitän blieb hart und rückte kein Geld heraus. Er wußte warum. Er kam seinen Leuten nur soweit entgegen, daß er nachts einen Sonnenbrenner, eine Art Scheinwerfer, aufstellen ließ, um den Janmaaten den Weg übers Eis zu beleuchten.

Einem echten Kuddeldaddeldu, der an Land will, ist kein Weg zu gefährlich.

Baltrover-02.jpg

Aus allen Ecken wurden ausländische Geldsorten zusammengekratzt: Dollars, Schillinge und Gulden. Und dann nichts wie los . . . Der Weg übers Eis in der Dunkelheit war hals- und beinbrecherisch. Eine Viertelstunde bis nach St. Margarethens City.
Im Zentrum des etwa tausend Einwohner zählenden Ortes und gegenüber der Kirche liegt Schröders Gasthof, den Frau Christel Siemen führt. Das ist eine junge, patente Frau. Sie wurde mit ihrer Kundschaft von der "Baltrover" sprachlich gut fertig.

Bis auf drei Meter hatte sich Bill schon auf einer Eisscholle an das Schiff heranmanöveriert. Dann kippte die Scholle und Bill lag im Bach. Zum Glück war Ebbe. Der Pegel des eiskalten Wassers stand bei Bills Bauch. Sein Kollege half ihm an Land. Zurück in die Wirtschaft. In zehn Minuten war Bill ein Eisklumpen. Seine Zähne klapperten derartig, daß er kaum noch "yes" sagen konnte. Er stieg in der Wirtschaft aus den bretthart gefrorenen Hosen. Die Wirtin machte mit heißen Getränken Wiederbelebungsversuche. Für ihre Kundschaft hatte sie in einer Ecke des Saales ein paar Betten aufgeschlagen. Das war einfach Kundendienst. Diese Übernachtung wurde nicht auf die Rechnung geschrieben. Am anderen Morgen bei Ebbe waren Bills Plünnen wieder trocken und die Männer spazierten an Bord, ohne daß auch nur einer geniest hätte. Am anderen Abend kamen sie wieder mit einem großen Kasten Pralinen.
St. Margarethen werden die Engländer nicht so schnell vergessen. Solange haben sie noch nirgends an einer Stelle gelegen. Sie waren besonders bei den Gören beliebt. Der ganzen Umgebung fehlt jetzt das sonntägliche Reiseziel. Vorgestern war noch der Strand schwarz voll Menschen. Besucher, die von weither gekommen waren, um sich den gestrandeten Engländer anzusehen.
Ende der Anekdote

Zeitungsartikel von der Baltrover

Die Rettung

Endlich – nach 23 Tagen ist die „Baltrover“ frei. Mit den vereinten Kräften von vier Schleppern, „Bugsier IV“, „Fairplay 14“, „Danzig“ und „Otto Wulf“ gelang es am 13.2. um 15.45 Uhr, das geleichterte Schiff durch die ausgebaggerte Rinne ins Fahrwasser zu ziehen.

Textquelle Hamburger Abendblatt 1956

St. Margarethen, 14. Februar
Gestern nachmittag zitterte die Luft am Elbstrand querab von St. Margarethen:
die 30 Mann starke Besatzung des gestrandeten englischen Dampfers "Baltrover" brachte Hochrufe aus auf die vier Bergungsschlepper der "Bugsier" und "Fairplay", die mit der Kraft von 4000 Pferden ihn endlich flottbekamen. 23 Tage hatte das Schiff am Strand und im Eis festgesessen. Um 15.45 Uhr schwamm die "Baltrover". Sie wird zur Überholung in die Hamburger Stülcken-Werft geschleppt.

Ende des Artikels

Zeitungsartikel von der Rettung

Übrigens:
Die „Baltrover“ ist am 13. Februar 1951 schon einmal havariert (siehe nachfolgenden Artikel des Hamburger Abendblattes vom 7. März 1951)

Am 13. Februar 1951 hat um 20.30 Uhr auf der Unterelbe oberhalb der Wracktonne Nämdö ein Zusammenstoß zwischen dem ausgehenden englischen Dampfer „Baltrover" und dem wegen Nebels vor Anker liegenden schwedischen Dampfer „Magdalena" stattgefunden. Beide Schiffe sind beschädigt worden. Beide waren mit Lotsen besetzt. Der Unfall ist darauf zurückzuführen, daß man auf „Baltrover" die „Magdalena" zunächst für ein mitgehendes Schiff gehalten hat und erst zu spät erkannte, daß es sich um einen Ankerlieger handelte. Es wäre richtiger gewesen, wenn man auf „Baltrover" die Fahrt herabgesetzt hätte, bis die Wracktonne Nämdö passiert ist.

Fotos der festliegenden Baltrover

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