Fedderingen
Aus Dithmarschen Wiki
Fedderingen ist eine amtsangehörige Gemeinde im Amt Kirchspielslandgemeinden Eider im Norden des Kreises Dithmarschen in Schleswig-Holstein (Deutschland).
Inhaltsverzeichnis |
Geographie
- Name
ca. 1320: '... in Vetteringhe'; 1447 '... in deme Dorpe Vedderinge'
Endungen -ing sind sehr alte Ortsnamen (Fedderingen, Glüsing,..)
Bedeutung etwa: 'Siedlung auf dem Grundeigentum des Fedder (Name)' nach: Haefs, Ortsnamen...
Möglich auch Herleitung nach den 'Geschlecht der Veddermannen'
Umgangssprachlich plattdeutsch Fallern, geschrieben Fellern.
- Topographie
- Feddringen, Süderdithmarscher Geestdorf, mit 59 Wohn- und Nebengeb. und 236 Einw. Kirche Hennstedt. Kichspielvogtei Hemmingstedt. Schuldistrict Fedderingen. Mühle. Obgleich dieses Dorf nicht in Süderdithmarschen belegen, ist es doch seit undenklichen Zeiten dahin gerechnet. aus: Trede, Tophographie..., Heide, 1837
- Fedderingen (vorm. Vedderinge), Dorf zur Kspv. Hemmingstedt gehörig, Ksp. Hennstedt. Dieses Dorf enthält 31 Höfe, 12 Stellen mit und 4 Stellen ohne Land (59 H.) und gehört, obgleich es fast in der Mitte der Landschaft Norderdithmarschen liegt, zur Landschaft Süderdithmarschen.- Schule (50 K.) - Mühle, 3 Wirthshäuser, 1 Branntweinbrennerei, 1 Schmiede und einige Handwerker - Vz: 259 - Ur: 1052 Steuert.
aus: Schröder/Biernatzki: Topographie ...., ; Oldenburg 1855
- Fedderingen, Landgemeinde im Amtsbezirk Hennstedt,.. 964 ha, davon Acker 268 ha, Wiesen 200 ha, Weiden 434 ha, Hölzung 3 ha. 60 Wohnungen, 296 Einw., 102 Pf., 1029 R., 5 Schafe. Ausgebaut [Aussiedlungen] Mannecker, Dammbrück, Burg, Heiderweg, Hochfeld aus: Oldekop, Topgraphie ..., ; Kiel, 1908
- Familien / Haushalte
- Volkszählung 1803: 47 Familien / 231 Personen.
Haushaltsvorstände waren 23 Hufner / 17 Käthner z.T. mit Land / 1 Inste / 1 Lehrer / 2 Schneider / 1 Schuster / 1 Müller / 1 Landesgevollmächtigter
- Volkszählung 1845: 59 Familien / 273 Personen
- Volkszählung 1860: 66 Familien / 360 Personen
- Wohn- und Nebengebäude
Jahr 1777 - 58/22; Jahr 1832 - 50/12; Jahr 1845 - 52/?; Jahr 1860 - 62/?
- Wappen
Fedderingen verfügt über kein offizielles Wappen. Anläßlich des Errichtung der Landwirtschaftsschule des Kreises Norderdithmarschen in Heide wurden 1925 im dortigen Kreistags-Sitzungssaal 24 Wappen von Kirchspielen, Geschlechtern und u.a. Fedderingen als farbige Glasfenster ausgeführt. Hierin dokumentiert sich erneut die verwaltungsmäßige Sonderstellung Fedderingens als selbständiger unterer Verwaltungsbezirk. Dithmer deutet das Wappen als graphische Umsetzung der Sage von der 'Johannamudder' und der Lage an der Broklandsau/Eider.
Geschichte
1559 - "Königliche Insel im Herzoglichen Meer"
Nachdem Dithmarschen 1559 in Folge der Letzten Fehde seine Unabhängigkeit verloren hatte, fiel Fedderingen an Herzog Johann II. Nach dessen Tode wurde Fedderingen eine zu Süderdithmarschen gehörende Exklave, da der dänische König es sich als Reisestation vorbehalten hatte. Quelle: Wikipedia
- Andere Quellen (z.B. Hannsen/Wolff, Chronik...,1833) besagen, daß Fedderingen bereits 1559 bei der ersten Teilung (Drittelung) dänisch und damit politisch Teil Süderdithmarschens wurde.
Die Begründung 'Reisestation' ist urkundlich nicht nachgewisen. Alternativ wird die These vertreten, Fedderingen sei lediglich ein 'Ausgleichsposten an Fläche oder Einwohnern oder ...' bei der Teilung des Landes.
1770 - Travendahlischer Friede
In diesem Friedenschluss zwischen Dänemark und Holstein-Gottorp wird im Art.X geregelt, daß beide Parteien einen Tausch für Fedderingen gegen einen anderen Ort verabreden, weil "das in Norder-Dithmarschen belegene Dorff Feddring zu allerhand Difficultäten und Irrungen öfters Anlaß gegeben". Wurde nicht vollzogen.
1785 - Grenzstreitigkeiten
Aufgrund permaneter Grenzstreitigkeiten mit allen Nachbargemeinden ordnen die Landvoigte Boie(Meldorf) und Behrens(Heide) eine 'Grenz-Berichterstattung' an > siehe auch Karte 1785
Die Fedderinger argumentieren im Streit mit den Einwohnern von Stelle zum Eigentum am Steller See: In Jahren außergewöhnlicher Trockenheit könne man mitten im Steller See einen Grenzstein finden, daher gehöre der Steller See auch zur Dorfschaft Fedderingen.
1870 - Separations-Statut
" Zwischen den ... Vertretern der Landschaft Süderdithmarschen und ... dem Bauerschaftsgevollmächtigten Hans Kock sowie dem Eingesessenen Claus Hinrich Möller, ... ist folgendes Separations-Statut verabredet und vollzogen worden...
§1. Mit dem 1. Januar des Jahres 1870 ... scheidet die Bauerschaft Fedderingen aus dem nexus der Landschaft Süderdithmarschen und folgeweise des Kirchspiels Hemmingstedt vollständig und dergestalt aus, daß von gedachtem Zeitpunkt an jegliche communale Verbindung unter ihnen aufhört....
Geschehen Meldorf, den 13. December 1869"
Quelle: Separations-Statut, Amtliche Bekanntmachung im Meldorfer Anzeigeblatt Nr.42/1870, S.1f; Meldorf, 14.12.1870
Fedderingen wird politisch Teil der Landschaft Norderdithmarschen und des Kirchspiels Hennstedt (kirchlich gehörte Fedderingen ununterbrochen zu Hennstedt)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
- Geburtshaus / Gedenkstein für Hans Reimer Claussen
- Gulfscheune aus dem 16.Jhdt., vollständig renoviert und neu mit Reet eingedeckt. - siehe auch: Der Maueranker, Interessengemeinschaft Baupflege Nordfriesland e.V., Heft 3, S.4ff; Bredstedt, 2001 - http://www.denkmalschutz.de/index.php?id=1747 und http://www.fachwerk.de/lexikon/gulfhaus.html
- ehemalige Mühle rechts der Straße Fedderingen/Hennstedt. Errichtet vor 1649. Typ Kellerholländer, bei dem die Mühle auf einem künstlichen Wall steht. Fuhrwerke konnten so unter die Mühle fahren und be-/entladen werden. Mehrfach abgebrannt und wieder aufgebaut. Außer Betrieb gestellt nach 1960. Heute Wohnhaus ohne Turm und Flügel.
- alter Grenzstein (Findling) an der Landstraße Fedderingen/Kleve. Inschrift WSch(WegScheide)
vermutlich Grenzstein C der ältesten Fedderinger Karte (um 1780)
- Historischer Hafen der Norderhamme <portus ulerdamm> an der Broklandsau, somit direkte Verbindung über die Eider in die Nordsee; erste Nennung 1367 - vermutliche Lage: heutiges Dammbrück
Der <ulerdamm> selbst war möglicherweise der heutige Gerichtsweg durch das Moor nach Lunden
- Historische Burg auf einer Geestnase oberhalb der Broklandsau - nicht nachgewiesen - aber: Gemarkungsname 'Burgkoppeln' auf der Anhöhe vor der Broklandsau auf dem Weg nach Stelle
- Ausgrabungen / Funde
- - in den heutigen Niederung der Broklandsau bei Fedderingen-Wurth (in der Jungsteinzeit Meeresküste) Fundstellen der Bauernsteinzeit (Erteböllekultur) (5100-4100 v.Chr.) Einzige Fundstelle an der Nordseeküste, die durch Ausgrabung gesichert ist / Fundstücke in ?
- - dort ebenfalls Fund eines römischen Gold Denars / Privatbesitz
- - in der Broklandsau Fund eines Schwertes aus der Zeit der Sächsischen Ringwallalagen. Vergoldeter Griff, damaszierte Klinge, Schmiedemarke / im Museum Albersdorf
- - In Fedderingen-Lohhbarg u.a. Fund eines sehr seltenen Bernsteinwürfels aus dem 1.Jhdt.n.Chr., bei dem nur die Ziffern 2 bis 5 'fallen' / im Museum Albersdorf
- - vier Megalithgrabhügel nördlich der Straße nach Hennstedt, Höhe 10, (inzwischen eingepflügt) / Luftaufnahme vom Museum Albersdorf
- 'Universalgelehrter Gottfried Wilhelm Leibniz'
In der Leibniz-Litaratur finden sich mehrfache Hinweise auf eine 'Correspondenz' in lateinischer Sprache aus den Jahren 1671/72 mit dem Juristen Heinr. Gisebert, Herr auf Fedderingen. Thema: das 'Landrecht aver Ditmarschen'. Gisbert wird auch als Sohn der 'Johannamutter' zitiert.
- Historische Rose
'Ein Stück historischer Gartenkultur rettete sich in Fedderingen bis in unsere Tage. In einem Bauerngarten ... blüht die Lieblingsrose unserer Großmütter, die üppige, schwerduftende Zentifolie'. Unveredelte Rose auf eigener Wurzel, Holland, etwa 15. Jdht. - Gerda Nissen, Alte Rosen in Dihmarscher Bauergärten in: Dithmarschen, Heft 4, 1976, Titel sowie u.a. Seiten 152ff. - sowie: Dithmarscher Rosengärten
Söhne und Töchter des Ortes
- 'Johannamudder ut Fallern'
- wohl gegen 1600-1650 / eine sehr reiche Frau russischer Abstammung(sämtliche Zimnmer ihres Hauses waren mit Species [altes dänisches Silbergeld] ausgelegt), die wegen außerordentlicher Wohltätigkeit in höchstem Ansehen stand ("verschwenderische Mildtätigkeit"). Einer ihrer zwei Söhne: 'Gisebertus, ein berühmter Jurist' > siehe Kultur.../Leibniz
Auch ihr nachgesagt, die Geschichte vom goldenen Ring, der in Wasser (hier: in die Eider) geworfen wird: "So gewiß als ich diesen Ring nie wieder bekomme, so gewiß werde ich auch nicht arm". Der Ring wird beim Zerteilen eines von ihr gekauften Fisches gefunden....
- Hans Reimer Claussen > siehe dort
- 1804-1894 / Advokat, Revolutionär und Demokrat von 1848, Mitglied der Nationalversammlung Frankfurt/Paulskirche, Emigrant in die USA, Senator von Iowa
Quellen
Dank Herrn Dr. Arnold, Museum für Archäologie und Ökologie Dithmarschen, Albersdorf, für Informationen und Photographiergenehmigung
- Karten
- um 1780: GrundRiß von das Königl:DorffSchafft Feddering, wie dessen Feldtmarck ...; im Landesarchiv SH
- 1785: SITUATIONS CHARTE von der Dorffschaft Feddringen Feldmarck; im Landesarchiv SH
- 1789/96: Vahrendorfsche Aufnahme; in Kopenhagen
- allgemeine Quellen
- Oldekop: Topographie des Herzogtums Holstein, 1. Band, VI S.6 und 16f ; Kiel, 1908
- speziell Fedderingen
- Dithmer, Hans: Fedderinger Erzählungen, maschinenschriftliches Manuskript; Fedderingen, um 1995
- Höhnk, Helene: Akten über die Dorfschaft Fedderingen, maschinenschriftliches Manuskript; 1915 Gesche Helene Höhnk
- Meiforth, Otto: Aus der Geschichte der Schule in Fedderingen, maschinenschriftliches Manuskript; Elmshorn, 1976
- genealogische Quellen
- Kirchenbücher Hennstedt: * 1641-1873 / oo 1772-1874 / + 1772-1869 [auch microverfilmt 1936 ]
- Dänische Volkszählungsregister: 1803/1845/1860 [ u.a. bei AKVZ/ Arbeitskreis Volkszahl-Register http://www.akvz.de/e107_plugins/akvzdb_menu/register.php ]













