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Hecker, Emil

(Weitergeleitet von Emil Hecker)

Emil Hecker-Raum im Heimatmuseum Brunsbüttel


Radierung von Jens Rusch mit handgeschriebenem Widmungsgedicht von Emil Hecker. 1979
Foto : Jörn Lindhorst-Moll




Kai H. Tange, Weggefährte und Freund verfasste anlässlich des Erscheinen des Buches "Hart wes man tofreden" 1997 diese Würdigung. Mit freundlicher Genehmigung des Verfassers im Januar 2008. Quelle: ISBN 3-87651-200X,Quickborn Verlag


Inhaltsverzeichnis

Hecker de Diekerjung

Emil Hecker in seinem Garten. Foto aus seinem Nachlass.

Der Deich war ihm Halt, vielleicht sogar etwas wie eine Lebenslinie. Gleich hinter den Deichen hat Emil Hecker Heimat und Zuflucht gefunden - noch bis ins hohe Alter. Selbst als er die 80 schon lange überschritten hatte, sah man ihn -regelmäßig und zuversichtlich, zuletzt fast immer in Begleitung seines treuen, kleinen Hundes - in Rich¬tung Deichlinie ausschreiten. Nach ihm hat die Stadt Brunsbüttel einen kleinen Weg, der zum Deich führt, benannt. Emil-Hecker-Weg. Und einer seiner frühen Erzählbände, die »Diekerjungs«, heitere Erzählungen über die un¬beschwerten Abenteuer der Brunsbütteler Jungs, machte ihn nicht nur weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, sondern sorgte zugleich für einen der größten Erfolge seines Verlages. Mehr als 40000 Exemplare, in der plattdeutschen Literatur eine Zahl, die ungewöhnlich hoch ist, wurden verkauft. Das Buch ist lange vergriffen.

Hecker's Familie

eine neue Heimat, die konnte vor allem der junge Hecker gebrauchen. Im Rückblick ';scheint es heute so, als habe er zu Beginn seines lange Lebens, als es das Schicksal am schwersten mit ihm meinte, allen Grund gehabt, sich hinter den Deichen zu verkriechen. So ganz anders als einmal geplant war sein Weg verplant. Ein junger Mann, geboren und aufgewachsen in Hamburg-Billwerder, sein Vater (Emil Friedrich Julius Hecker) ein Färbersohn und Kaufmann, die Mutter (Wilhelmine Catharine Maria H. geb. Cohrs) eine Kaufmanns¬tochter, der Sohn selbst (genannt Emil H. der Jüngere) ein Einzelkind, dessen einzige Schwester bereits vor seiner verstorben war. Eintüchtiger, hoffnungsvoller Schüler, der begierig lernte, sich fremde Sprachen schnell aneignete, Interesse für Naturwissenschaften entwickelte,zudem gut zeichnen konnte. Kurzum: schon damals ein Mensch mit vielen Talenten.

Arzt wollte Emil Hecker werden, anderen helfen, eigens dafür war er bei den Großeltern in Harburg geblieben, auch als seine Eltern zurück in die Brunsbütteler Heimat gingen - zum einen, weil der kränkelnden Mutter Luftveränderung verordnet war, zum anderen, weil der Vater, nach dem Tod seines Bruders, den verwaisen drohenden, kleinen Brunsbütteler »Tüügloden« (bereits im Jahre 1842 von Großvater Carl Ludwig Christian H. aufgebaut) übernehmen wollte. Früh, für heutige Verhältnisse beinahe unvorstellbar früh, wurde der junge Emil Hecker von der Realität des Ersten Weltkrieges eingeholt. Das Notabitur im Jahre 1916, die Einberufung, die hastige Berliner Lehrzeit im Soldatenhandwerk, die blutige Wirklichkeit auf den Schlachtfeldern, die kaum noch einen Gedanken an glückliche Schülertage im Hamburger Wilhelm-Gymnasium zuließ.

Emil Hecker re. Jens Rusch li. Hinnerk Glück mitte

"halfhunnert Löcker in't Fleesch"

Hecker, damals kaum älter als 20, verließ das Schlachtfeld als Krüppel, »mit een afschoten Been un mehr as en halfhunnert Löcker in't Fleesch«, wie er später einmal aufschrieb. Grauenvoll ¬prägend grauenvoll- müssen die Bilder gewesen sein. »Al föftig Jahr slep ick mi dormit af, mit Biller, de as grulich swöre Steen mi up de Seelliegt und keen roh mi lot, 'nem ick uck mit mien Lengen Freeden söch.« Heiter stimmende, allzu menschliche Begebenheiten sollten später seine Erzählungen ausmachen, herzliche Gefühle, auch solche für die eigene Heimat, seine Gedichte bestimmen. Und doch lagen Hecker die leisen Mahnungen zu mehr Frieden und mehr Verständigung, die Warnung vor dem Unsinn des Kriegshandwerks, stets am Herzen. Sein Publikum erlebte dann einen nachdenklichen, stillen Beobachter und Erzähler, der seine Erinnerungen nicht vergraben und verdrängen mochte. Seine plattdeutsche Mappe »Douaumont 1916«, aus der das nachfolgende Gedicht stammt, wurde niemals gedruckt, aber von Zeit zu Zeit an Freunde verschenkt. Noch Jahrzehnte nach den Ereignissen des Ersten Weltkrieges wandte sich Hecker in Auftritten bei AntiKriegs -Veranstaltungen vor allem an junge Menschen.



Hecker's Tüggloden

Die Belgier nahmen den jungen Hecker zunächst gefangen, brachten ihn wegen seines schlechten Gesundheitszustandes ins Lazarett. Erst 1920 kehrte er nach Deutschland zurück, wo er nach dem Verlust seines Beines größte Mühe hatte, wieder das Laufen zu lernen. Dennoch nahm er das Medizinstudium auf, lernte von 1920- 1922 in Hamburg, so lange, bis ihn der Mut und die Kraft verließen. Die großen Entfernungen, die in der Stadt zwischen Vorlesungsorten, Laboratorien und Praktikumsplätzen zurückzulegen waren, machten dem jungen Kriegsversehrten schwer zu schaffen. Auch ging dem Vater, der sich mit dem kleinen Brunsbütteler Tüügloden und einer dazugehörigen Versicherungsagentur, dem Brandkassengeschäft, mehr schlecht als recht durchschlug, das Geld für die Studien des Sohnes aus. Es spricht für das Selbstvertrauen und die Zuversicht des späteren Dichters und Schriftstellers, daß er sich trotz seines schweren Schicksals nicht verkriechen mochte, statt dessen schon bald begann, sich in die Situation einzufinden.


Hecker sammelt

Seine neue Umgebung, die Landschaft, die Menschen wurden ihm wichtig. Hecker begann zu »sammeln« - Begegnungen, Einfälle und Begebenheiten. Die Mitarbeit im Brandkassengeschäft des Vaters, eine Arbeit, die sich der junge Hecker vor dem Ersten Weltkrieg sicher nie hätte träumen lassen, kam dem späteren Dichter und Schriftsteller unter veränderten Vorzeichen fast ein wenig gelegen. Die Agentur betreute die Policen der kleinen Leute, 'Tagelöhner, Handwerker und Arbeiter, ihr Geld für die Brandkasse mußte noch viele Jahre direkt an der Haustür abgeholt werden. Bei einem Versicherungsbestand von etlichen tausend Mark und denkbar niedrigen Beiträgen ergaben sich dadurch im Laufe der Jahre Kontakte zu unzähligen Menschen in Alt-Brunsbüttel und Umgebung.


Hecker lernt schnacken

hörte zu und ließ sich erzähen, er entwickelte ein besonderes Gespür für das, was vor der eigenen Haustür passierte. Geschrieben hatte der junge Mann schon zu Schülertagen, während der Zeit am Ham¬burger Wilhelm-Gymnasium. Der Un-, Blöd- und sonstige Sinn hieß eine Schülerzeitung, deren Redaktionsleiter Hecker kurze Zeit gewesen war. Der Sprachbegabte entdeckte sein Herz für die Sprache der Küste: das Plattdeutsche. Die plattdeutschen Großeltern, vor allem aber die Jungs in dem Heimatort seiner Vorfahren, brachten den ,"Studeerten auf den richtigen Weg. »Lot dat ween, heet dat", sagten sie, wann immer Emil Hecker falsch »lot dat sin" zu ihnen gesagt hatte. Er konnte sich einfühlen und hineinversetzen. So sehr, daß in einer der kleinen Stuben des alten Hecker-Hauses die ersten Geschichten und Verse entstanden". Später waren es der Brunsbüttelkooger Zahnarzt Dr.K. Bonde und Ivo Braak, der bekannte „Marner Perfesser,“ Buchautor und Hochschullehrer, Schauspieler und Regisseur, die Hecker dazu animierten, auch sein Glück mit kurzen Geschichten für den Rundfunk zu versuchen.


Vun Binnenland und Waterkant

Hecker lehnte zunächst ab, besann sich dann aber und aber den Grundstock für eine regelrechte „Radiokarriere“-, viele Hörspiele und Hunderte von Kurzgeschichten aus seiner Feder gingen im Laufe der Jahrzehnte über den Äther . Dabei darf nicht vergessen werden, daß die Rund¬funkanstalten seinerzeit ausschließlich Originalgeschichten, also solche, die zuvor nicht gedruckt oder anders veröffentlicht sein durften, in ihre Sendungen nahmen. Als 1973, am 30. August, die beliebte NDR-Sendung »Von Binnenland und Waterkant« die 1000. Geschichte sendete, stammte »jede dritte aus der Feder Emil Heckers«. »Mit Öltüg und Südwester« hieß die 350. Geschichte, die der NDR als 1000. Beitrag seiner Sendereihe veröffentlichte. Vor einer Feierstunde im Garten des Matthias-Boie-Hauses las Professor Ivo Braak die Geschichte Heckers, unter freiem Himmel und direkt vor dem Hauptportal der alten Jakobuskirche in Brunsbüttel-Ort.


Das erste Buch

Doch Hecker fand nicht nur den Weg in die Rundfunkanstalten, sondern auch in die Verlage niederdeutscher Literatur. Sein erstes Buch Vun Dörp un Diek (Riemels un Vertellen) erschien 1928 bei Gottfried Martin, Berlin, viele seiner Theaterstücke - darunter De Smitt un de Dood, Hans ward König, das Singspiel Kuddelmuddel und Klaas hett Glück bei Karl Mahnke, Verden. Hecker veröffentlichte bei Emil Schmidt Söhne, im Hamburger Quickborn¬Verlag und bei der Husumer Druck- und Verlagsgesellschaft. Fünfzehn eigene Bücher stammen aus der Feder des Brunsbüttelers, dazu eine Reihe von Theaterheften und kaum übersehbar viele Beiträge in Anthologien, Schulbüchern, Zeitungen und Zeitschriften. Zu seinen letzten Buchveröffentlichungen zählen Uns' Lüd vun de Küst (1978), Dor steiht een Stern an'n Heven (1982) und das ernstere, so manchen Kritiker beeindruckende De Waagboom (1977)'


Hecker schreibt Radiogeschichte

Hecker vor dem Radio Sammlung Uwe Möller

Schon Anfang 1955 feierte Emil Hecker ein Jubiläum, das schon damals ungewöhnlich war. Bereits 25 Jahre schrieb und textete er seinerzeit für den Rundfunk. Am 04.Januar 1930 hatte der Vortragsmeister Hans Langmaack zum ersten Mal ein Gedicht Heckers im alten »NORAG« gelesen; es war der »Klub«, mit dem der Autor ein Damenkränzchen aufs Korn nahm. Seine Karikatur in Worten, die noch hellte - fast siebzig Jahre später - ohne Abstriche gelesen werden könnte, brachte dem jungen Schriftsteller 22 Reichsmark, sein allererstes Radiohonorar. In den folgenden fünf Jahrzehnten sollte eine große Zahl von Beiträgen Heckers über die meisten deutschen Sender gehen, viele davon in plattdeutscher Sprache, überwiegend gesendet in Hamburg und Bremen.

Kurzgeschichten, Hörspielen, Chorwerke

Mit Kurzgeschichten, großen Hörspielen, Chorwerken und unzähligen Beiträgen zu bunten Unterhaltungssendungen machte sich Emil Hecker einen Namen in der niederdeutschen Szene. Kaum ein Rundfunkautor sollte fleißiger sein, 50 Jahre ununterbrochene Radioarbeit, »keen annern Schriewersmann is so oft vörkamen in düsse Sendung as Emil Hecker, he hett dat egens eerst möglich makt, dat de Plattdütsche Geschieht je¬den Mittwoch in't Lopen keem un bleef«, lobte der langjäh¬rige NDR-Heimatfunk-Redakteur Ernst Christ in seiner plattdeutschen Laudatio, als der Kreis Dithmarschen Emil Hecker 1985 den Dithmarscher Kulturpreis verlieh. Gelesen wurden die Beiträge aus Heckers kleiner Dichterstube viele Jahre von Ivo Braak, später dann von Reimer Bull. Aber Hecker saß auch selbst in den Funkhäusern und gestaltete Heimatsendungen mit seinen Lesungen. An einen »Sendeunfall« erinnerte der Dichter sich später gern: Ge¬meinsam mit dem Pianisten Adolf Secker und der Sängerin Käthe Paradies sollte Hecker eine Sendung bestreiten. Während seiner Lesung hatte Secker den Raum verlassen und drohte nicht rechtzeitig zurückzukehren. Hecker, dessen Geschichte sich dem Ende neigte, versuchte der Sängerin Zeichen zu geben. Vergeblich. Lärm durfte der Brunsbütteler wegen der Direktübertragung nicht machen. So zog er schließlich seine Geldbörse aus der Tasche und warf nach der Interpretin. Die begriff - endlich! - und holte den Pianisten; die Sendung war gerettet.

Geradezu sprichwörtlich war Heckers Zuverlässigkeit: Gab es zum Beispiel für Schulfunksendungen längst angekündigte Themen, mit denen andere Autoren nicht zurechtkamen, durften sich die Redaktionen selbst noch zwei, drei Tage vor dem Sendetermin in Alt-Brunsbüttel melden. Heckers Manuskript lag stets pünktlich vor ...


Kinau,Hecker,Braak

Lange Zeit, viele Jahre, leuchtete »das plattdeutsche Dreigestirn«: Rudolf Kinau, Emil Hecker, Ivo Braak. Der erste zehn Jahre älter als Hecker, letzterer zehn Jahre jünger, jeder für sich durch und durch ein Plattdeutscher, und jeder von ganz eigener Persönlichkeit. Geschrieben hatte Emil Hecker bereits als Schüler des Hamburger Wilhe1m-Gymnasiums. Auf die plattdeutsche Sprache als »Handwerkzeug« literarischen Schaffens brachte ihn später eine Begegnung mit Rudolf Kinau. Dabei mußte der sprachbe¬gabte junge Hecker die plattdeutsche Sprache ursprünglich fast wie eine seiner Fremdsprachen regelrecht erlernen. Künstlich, angelernt blieb sein Plattdeutsch dennoch nicht. Ganz im Gegenteil: Hecker verinnerlichte das Plattdeutsche bis in seine feinen Verästelungen. Oft genug wurde ihm später eine sprachliche Virtuosität bescheinigt, die gleichermaßen urwüchsig und handwerklich vollkom¬men war. Ähnlich umfassend auch seine Motivation: »Warum ich schreibe?«, hat Emil Hecker einmal eine Frage aufgegriffen -»Ja, aus dem Gefühl der Lebensfreude heraus, bestärkt durch das Wissen, andere Menschen mitreißen und durch Freude bereichern zu können. Daß es dabei gelungen ist, mir einen kleinen Koog zu schaffen, in dem ich bemüht bin, fleißig zu ackern und den Spaten bei meiner Deicharbeit blank zu halten, ist mir eine Genugtuung.«


Lieder, geistliche Kantaten, Oratorien

Heckers Gespür für schlichte, ausdrucksstarke Sprache machte ihn zum ebenbürtigen Partner zeitgenössischer Komponisten. Die Texte des Brunsbüttelers fanden Eingang in Lieder, geistliche Kantaten und Oratorien. Besonders erfolgreich die Zusammenarbeit mit Professor Micheelsen, Hans Friedrich, zunächst Organist und Kirchenmusiker in mehreren Dithmarscher Gemeinden, dann Leiter der Hamburger Kirchenmusikhochschule, dessen Oratorien (darunter Das Jahr«) vielfach Vertonungen Heckerscher Texte Waren,die im gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland aufgeführt wurden. Heckers poetische Lichtbildervorträge (Alsen – Garten Gottes, Wind und Wolken, Deich und Wald im Ring des Jahres) waren beliebt. Schließlich suchte der Autor noch mit seinem fertigen Werk den Kontakt zum Leser.


Oft und gern war er zu Gast bei seinem Publikum in Schulen, bei Vereinen und Veranstaltungen. Vor Jahren, in einer Zeit, die kaum elektronische Medien und kein ausuferndes Unterhaltungsangebot kannte, wußte Hecker die Menschen mal zum Schmunzeln, mal zum Nachdenken zu bringen. Brunsbüttel lebte mit dem oIen Schriewersmann aus dem Hecker-Haus, und die niederdeutsche Literatur wußte, was sie an Hecker hatte. Daß plattdeutsche Autoren dennoch harte Brotarbeit leisten oder sich bescheiden mußten und alles andere als erfolgsverwöhnt waren, versteht sich beinahe von selbst.

der deutsche Gruß?

Dabei war Emil Hecker längst nicht jeder seiner Umgebung persönlich zugetan und wohlgesonnen. Es muß Anfang der 30er Jahre gewesen sein, als Hecker mit seiner kurzen Erzählung »Püttendörp in Woter un Licht« die aufkommende Wasser-und Stromversorgung im alten Brunsbüttel und alles, was sich an ortspolitischen Ereignissen darum rankte, aufs Korn nahm. Er tat dies mit viel Witz und der ihm eigenen Prise Ironie, alles in allem so treffend, daß sich mancher wiedererkannte und getroffen fühlte. Einer von ihnen, später im Namen der Nationalsozialisten in Amt und Würden, fühlte sich persönlich angegriffen und strengte eine Klage gegen Hecker an. Das Gerichtsverfahren, dessen Akten heute leider nicht mehr auffindbar sind, konnte der Schriftsteller jedoch für sich entscheiden. Dagegen mußte Hecker später gleich zweimal im Meldorf' »Bürgergewahrsam« einsitzen. Der junge Schriftsteller habe »den deutschen Gruß verächtlich gemacht«, legte man ihm damals zur Last. Er kam jedoch glimpflich davon, war der Schriftsteller einmal wie später einmal nachzulesen war. Hecker notierte: »Der Polizeimeister und seine Frau waren sehr nett. Wir saßen hinter dem Haus im Garten und wenn es klingelte, mußte ich schnell wieder in die Zelle. Dort saß ich auf der Pritsche und las Zeitungen oder Bücher.« Nach wenigen Tagen war der Spuk glücklicherweise wieder vorbei.

Hecker's kleine Dichterstube

Dreimal war Hecker, Vater zweier Söhne (Caj und Helmo ) und Großvater von zwei Enkeln, verheiratet. Im letzten Drittel seines reichen Lebens wurde er von seiner langjährigen Mitarbeiterin, Gefährtin und späteren Ehefrau Telse Hecker(geb. Stock) umsorgt. Mit ihr verbrachte er - im Wechsel zu den arbeitsreichen Monaten im Hecker- Haus - mehr als 20 Jahre lang seine Freizeit in dem dänischen Glücksputt, einem kleinen, einfachen Garten¬haus auf der dänischen Ostseeinsel Alsen. Das Feriengebiet Birkemose (unweit der Ortschaft Skovby) hat er über einen alten Kriegskameraden entdeckt und lieben gelernt. Die Region Sonderjylland machte ihn irgendwann einmal zum Touristen des Jahres, Hecker bedankte sich auf seine Art: mit einem kleinen Gedichtband über die Schönheit der Insel Alsen und die Herzlichkeit ihrer Menschen.

»Mien Voter is 95 Johr olt worm, sien Voter 91. Sodennig döff ick sachts höpen, wat mien Tiet noch ni afloopen is un icl' noch en Stremel Johren för uns' Modersprok warken kann mit schreeven Schrift und Geschichtenvörlesen, as ick dat Johr för Jahr do, in't heele Land un över sien Grenzenweg“. Als Emil Hecker diese Zeilen anläßlich seines ::" 80. Geburtstag aus die Hülle einer Schallplatte mit einer Auswahl seiner Kurzgeschichten schrieb, war er, wie die Menschen ihn auch im hohen Alter kannten- noch von eindrucksvoller geistiger Frische und voller Zuversicht. Noch mehr als ein ganzes Lebensjahrzehnt sollte ihm vergönnt sein. Hecker, in den letzten Jahren fast taub, starb am 11. Juli 1989, so wie er es sich gewünscht hatte, wann im¬mer das Gespräch darauf kam; friedlich, umgeben von vertrautem Gesicht und zu Hause - in seiner kleinen Dichterstube.


Das Werk des Brunsbüttelers darf heute ohne Übertreibung als umfangreich, vielschichtig und eindrucksvoll bezeichnet werden. Viele Bücher waren entstanden, unzählige Veröffentlichungen aller Art: Einen Platz in der niederdeutschen Literatur hatte sich Hecker damit bereits zu Lebzeiten gesichert. »Meine schönsten Geschichten sind mir im Traum gekommen», war dem Schriftsteller einmal zitiert worden.

Emil Hecker-Schallplatte mit handsignierter Widmung

Freunde,Weggefährten,Kritiker

Emil Hecker während einer Lesung


Freunde plattdeutsche Weggefährten und Kritiker haben sich gern und oft mit ihm und seiner Arbeit befaßt.

Eine kleine Auswahl solcher Aussagen sei hier einmal erinnert:

Dr. Dierk Puls Alle anderen überragend steht an der Spitze der Neuerscheinungen Emil Heckers »De Waggboom«. In diesem zu seinem 80. Geburtstag erschienenen Buche des Dichters sind seine reifsten und schönsten Erzählungen und Ge¬dichte zusammengefaßt. Alles scheint mit Leichtigkeit und souveräner Beherrschung der plattdeutschen Sprache hin¬geworfen, läßt aber doch in seiner Harmonie' und Vollendung harte Arbeit vermuten. Dr. Dirk Puls

Geerd Spanjer Es spricht für die künstlerische und menschliche Kraft Emil Heckers, daß er diesem alten Motiv neue Seiten abzuge¬winnen weiß und uns damit anrührt auf eine Weise, daß wir die Erzählung und überhaupt dies schöne Buch so leicht licht vergessen werden.

Nicolaus Dethlefsen Hecker beobachtet kritisch seine Umwelt, aber Hecker weiß diese Kritik an Menschen und Zuständen so vergnüg¬lich darzustellen, so ohne Bitterkeit und Moralin, daß niemand sich verletzt fühlen kann, und jedermann diese Geschichten gern und mit einem Grientjen im Gesicht liest.

Ivo Braak  »En Landsknecht, de mit den Freden nix antofangen wüß?« 0 nee, 0 nee, disse Mann wuß dat: he harr sien Spraak, un he harr de Kraft, in disse Spraak to singn un to verteIln!

Hans Ehrke He stellt uns de Minschen vör, so as se sünd, heel ünnerscheedli von Charakter. Hecker kennt ok dat Düster un dat Sware, aver he breedt dat nich ut, wöhlt dar nich in rüm, as dat hüttodaags in't Hochdütsche begäng is. He kehrt de (ründlichen Sieten nah vörn, kickt lever in't Licht as in't Düster. He kann lachen un lett sien Minschen lachen un so dat Leben bestahn.

Geerd Spanjer Er weiß den Menschen, auch jungen, unserer Tage immer wieder etwas zu sagen, schneidet Probleme an, die wohl meist aus der Heimat erwachsen, doch zuweilen weit über sie hinausgehen. So ist Emil Hecker »Heimatdichter«, aber nicht in einem verengenden Sinn. Was ihm besonders am Herzen liegt, ihm, dem ehemaligen Frontsoldaten, das ist auch das Völkerverbindende, Grenzüberwindende, dem Frieden unter den Menschen Dienende.

Hecker »nur« Heimatdichter?

War Emil Hecker nun »nur« ein Heimatdichter? Sein Weggefährte Otto Tenne, Schriftsteller und Komponist, hat diese Frage aus Anlaß von Heckers 60. Geburtstag treffend beantwortet: »Er ist kein Heimatdichter im engen, abgegriffenen Sinne, aber er ist gleichwohl ein Dichter sei¬ner Heimat, der nicht nur im Dorf, sondern vor allem in seiner >Welt< zu Hause ist. Davon zeugt ein umfangreiches Schaffen, das von der lyrischen Liedform bis zum groß an¬gelegten Oratorium, vom Sinnspruch zur Ballade, von der Prosaskizze zur kunstvollen Novelle, vom unbeschwerten Laienspiel bis zur Wucht echter Dramatik vorstößt.« Einen Lebensweg als Mediziner verhinderte der Erste Weltkrieg. Und doch Hecker ist später oft zum »Seelen¬doktor« und Tröster geworden - für die vielen Menschen, die Freude an seinen Werken haben, zu Lesungen kamen, ihm im Rundfunk zuhörten, mit ihm lachten oder nach¬denklich wurden und zugleich den Stoff für seine Erzäh¬lungen boten. In seinem Werk finden sich die Mentalität der Menschen an der Küste, die Mystik ihrer Traditionen, ihrer Landschaft und ihrer Geschichten sowie - nicht zu¬letzt die Auseinandersetzung mit der Übermacht der Naturgewalten wieder. Zudem stoßen wir immer wieder auf sehnsüchtiges Verlangen, jenes Lengen, das Hecker bei den Menscher stets aufs neue gespürt hatte - und von sich selbst so gut konnte,

Emil Hecker
Emil Hecker als Schüler
  1. Lengen
  2. As ick lütt weer,
  3. süng ick Leeder:
  4. wenn ick grot bün;
  5. Leeder vull vun Lengen!
  6. Nu ick grot bün, sing ick Leeder :
  7. as ick lütt weer;
  8. Leeder vull vun Lengen!
  9. Un dor twüschen liggt de Weg nu,
  10. den ick wanner,
  11. Weg vullluder Lengen.
  12. As ick lütt weer,
  13. nu ick grat bün:
  14. luder Leeder !
  15. Hart, wes man tofreeden!

Werkliste

Fortsetzung dieser Seite: Werkliste Emil Hecker


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