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Dithmarschen-Traktate 09

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Die Serie Dithmarschen-Traktate steht allen Autoren von Abhandlungen, Dissertationen oder Artikeln zu dithmarscher Themen zur Veröffentlichung offen. Wir weisen darauf hin, daß das Copyright bei den jeweiligen Autoren liegt. Sind Zitate oder ganze Beiträge gewünscht, setzen Sie sich bitte mit den Autoren in Verbindung. In der Regel wird Ihnen eine private Nutzung dann honorarfrei gestattet werden, eine Veröffentlichung ohne Genehmigung und Autorennennung verstößt jedoch gegen deutsches Urheberrecht.

Inhaltsverzeichnis

Aus der Chronik des Johan Oldecop

gefunden von Bernhard von Oberg

Ulrich Stock (Die ZEIT) stolpert beim Austreten über Wassily Kandinsky

Am 17. Februar 2000, 500 Jahre nach der Schlacht bei Hemmingstedt, entdeckte der ZEIT-Journalist Stock einen Wassily Kandinsky auf der Toilette eines Heider Hotels, keinen echten, aber immerhin. Kultur in der Provinz.

Jens Rusch befördert Neocorus aus der „Gutenberg Galaxis“ in die „Internet Galaxis“

Man kann so manches ausmachen in Dithmarschen. So entdeckte der Büsumer Pastor und Chronist Neocorus das „Loch im Krieg“. Dieses Loch, über das ich erstmals bei Jens Rusch stolperte, hatte er doch als erster das Originalmanuskript ins Netz gestellt und damit das zweibändige Dahlmann-Buch von 1827, unseren Neocorus, aus der „Gutenberg Galaxis“ in die „Internet Galaxis“ befördert, dieses Loch faszinierte mich. War doch Dithmarschen die Beute, die in just dieses Loch fiel.


Johan Oldecop erzählt von Rom und der Welt

Und so machte ich mich auf die Suche nach zeitgenössischen Quellen außerhalb der ehemaligen Bauernrepublik und wurde in Hildesheim fündig. Beim Stöbern in einem Antiquariat nach Familiengeschichten fiel mir die Chronik des Johan Oldecop in die Hände. Der weit gereiste Hildesheimer Dechant, Sohn des Stadtbaumeisters, lebte von 1493 bis 1574. Seine Chronik umfasst den Zeitraum von 1500 bis 1573. Hier findet sich zum Teil Selbsterlebtes aus dem Blickwinkel eines katholischen Geistlichen und Berichte von Augenzeugen.

Bischof Burchard von Oberg (1557 – 1573) stellt Bischof Friedrich von Dänemark (1551 – 1556) in den Schatten Am dage des hilligen apostels Andree (Anmerkung: 30. November) wart her Borchart, einer von Oberge geborn, vor einem hern und bishop to Hildensem von sinen frunden, den vom adel, mit dren hundert perden gans statlich und erlich ingefogert, in mate dat siner furstlichen gnade wedderwerdigen sulvest seden, dat dusse inforinge prechiger und ansenliger were, also bischop Frederichs (de do ein hertogen von Holsten) inforunge gewest were.

Anno 1559:

Herzog Adolf verschwört sich in Niedersachsen

In dussem jare toch Frederich, den konningh von Dennemarkt, sampt Adolffen und Hanse, hertogen to Holsten, in Dethmerschen, und was am avende sancti Urbani. To dersulven tied deinde hertoge Henrich von Brunswick dem ruterspele mit rutern und knechten, und hertoge Adolf vorgemelt entfenk itliche dusent daler von hertogen Henrichen mit dem beslute, wenn dat lant to Dethmerschen erobert und ingenomen were, so wolde und scholde sik hertoge Adolf dat froechen Clara von Brunswick, hertogen Henrichs dochter, to der hillige ee vortruwen laten.

Endlich gefunden: Ein Loch ut Frankriken

Desgliken was graf Christoffer von Oldenborch, de dar bevorn ein domher to Collen und diaconus gewesen, sampt twintich feinlin knechten, de ut Frankriken mit oren hovetluden mit velen gelde und wol betalden solde gekomen weren. Darto hadde de holsteschen fursten ok itliche dusent strantburen und vele borgere ut oren steden. De Dithmerschen nehmen war der vinde, aver ores patronen des landes, Mariam, vorgetten.


Rückblick auf 1500: Maria hat geholfen

Do man schref 1500 am avende sancti Valentini toch konningh Hans to Dennemarkt mit der garde (so wart de hupe der knechte geheten) und andern velen dusent to vote und to perde ok in Dethmerschen; de lantsaten repen gade umme hulpe an, vorwarden ore dike und slusen, sunt Marry wart nicht vorgetten. De garde wart geslagen, de ruter fellen in de tunnen und vorgraven redere; de Holsten datmal vorsopen, dat konningh Hans mit weinigen rutern mit dem live kume darvon kam. To dusser tit was mannigerleie mißgelove in Dethmarschen. Augenzeuge Henrich Brunner von Hameln, Predikant in Heide (1549 – 1559)


Man spielt Katz und Maus

De Holsten togen int lant und de knechte worden to dem ersten antrede ses tage lank ovel entfangen. De Dethmarschen hadde ore carthauwen und alle groff geschutte mit isern keden und hagelschotte afgeschotten, und dat hadde der Holsten ruter und Knechte vele ilich und schrecklich wechgenommen, so lange de grave von Oldenborch over ein gemoerte den Dethmarschen von der halve to und unvorsichtigen up den hals toch. Da worden do de Dethmarschen up dem ordee des landes vorslagen. Da wart des graven von Oldenborgen sone, ok itliche vom adel der Holsten geschoten.

Heider setzen Heide in Brand

Meldorp, dat stetlin, wart erst erobert am derden storme, und hadde den Holsten vele blodes gekostet; wente fruwen und megede hadden bi den mennen up der were gestan und sik samptlich mit langen spetzen, slegern und kulen mit isern tacken lange geweret bet an den avent. Darna lepen de borger torugge int lant, sik wider to werende. Darna kemen`de Holsten vor dat stetlin tor Heyde. Dar was von beiden parten grot moert geschein. De Dethmerschen hadden gesein, se mochten dat steitlin nicht beholden vor den vinden; derhalven steken de burgere fur darin und gingen darut.


Kriegsmüde auf beiden Seiten

Und dar was inne ein unsprecklich gut vorbrant worden, dat de vint nicht krigen mochte. Und also kemen de Holsten so fern int lant, dat se de besten veer caspel inkregen und der sluse mechtlich worden. Am avende sunte Vit wart twischen den fursten und Dethmarschen ein frede und stillestant beropen und nicht langa darna wart de veide und krich in Dethmarschen geslichtet, und mochte wol balde togan; wente se weren von beiden parten des kriges mode gewesen, alse ik dar namals wahrhaftich berichtet wart (von Henrich Brummer von Hamelen, predicant in Dethmarschen, mi gesecht)- am avende Petri et Pauli apostolorum kam to mi inwandern her Hinrich Brummer, ut Hamelen up der Weser bordich, de tein jar lank, alse he sede, thor Heyde in Dethmarschen ein predicante gewest were und bi den borgeren so lange in dem lande gebleven, so lange de krich gescheden und de frede an dem 18 dage Junii afgelesen were. De Dethmarschen heben sik mit lant und luden, alle orer fornhave und guderen, bewechlich und unbewechlich under dat rike to Dennemarkt und de hertogen von Holsten erflich und egen gegeven.


Was für ein betrübliches Dasein ?

Darto moten de Dethmarschen in orem lande der veste eder borge mit orem gelde und unkostunge rede buwen und darna den gemelten fursten frii overantworden; und dusse der veste schullen und moten buwen de dree caspel, de ungeplundert bleven und ore huser unafgebrant beholden hebben. Middel der tit, do dusse vordracht wart fgelesen, do leten de konningh und hertogen von Holsten over seshundert stucke geschuttes, de alle up rederen legen, ut dem lande foren mit allem harnsche, hellebarden, kort und lange spetzen, bilden und barden, slachswerden, huckebladen, krumme korden, degen und tassaken, summa alle der Dethmarschen monition und instrumenta, dar sik ein man mede weren mochte, ward am 19 und 20 dage des manattes Junii ut Dethmarschen in dat lant to Holsten gefogert. Ach, welk ein bedrofflich tosein was dar gewesen !

Do de Dethmarschen also geplundert weren, togen de fursten mit den rutern und anderen krigesfolke ut dem lande. Dar weren aver veer feinlein knechte in Dethmarschen gebleven, den ok scholde or solt im lande betalet werden, dat den Dethmarschen dat alderbeswerligeste was.


Und die Moral von der Letzten Fehde

Her Hinrich Brummer, vorgemelter predicante, sede mi ok, dat de Holsten scholden bekennet hebben, dat se over twolf dusent man vor und in dem lande vorloren hedden. He sede ok, dat de Dethmerschen wol achte dusent to dode und ummegekomen weren; wente dar weren na der slacht kum ses dusent man levendich in dem gantzen lande befunden worden und de sulven tom dele und heimelich geclaget und orer ein dem andern gesecht: „Unse vormetenheit und hoffart und vorachtunge der fursten heft unse gude lant herunder bracht und uns to knechten gemaket.“

Wes mer darvon geredet wart, bevele ich andern zu schriben.

„Über weiteres sollen andere schreiben“, diktierte der Predikant Hinrich Brummer Oldecop in die Feder. Rantzau tat es gleich zweimal und der Neocorus auch. Jens Rusch setzte das Thema auf die Tagesordnung und den berühmten Pastor 2009 als Bronze auf den Büsumer Kirchplatz, wo er wie ein Knoten im Taschentuch daran erinnert, die Geschichte Dithmarschens nicht zu vergessen.

Wenn auch die meisten Wege in die Dithmarscher Geschichte Richtung Kopenhagen führen, lohnt sich, wie das Beispiel der Chronik des Johan Oldecop zeigt, ein Abstecher nach Rom vielleicht via Hildesheim oder andernorts, um fündig zu werden.

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