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Dithmarschen-Traktate 17

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Hadi Knütel

Bernhard von Oberg

Mittwoch, den 26. Januar, las ich in der Dithmarscher Heimatpresse von einer Veranstaltung im Marner Kultur- und Bürgerhaus, die am darauf folgenden Sonntag um 16 Uhr eröffnet werden sollte. Sie erinnern sich, Bilder von Armin Goetze.

Da las ich vieles von dem, was ich am Sonntag hätte sagen können als leibhaftiges werkeinführendes Vorprogramm des Holsteiner Malers aus Tinningstedt/Nordfriesland.

Meine Damen und Herren, jeder von Ihnen weiß aus seiner Jugendzeit oder aus der Altherren-Liga, wovor sich der Torwart beim Elfmeter fürchtet.

Aber, liebe Freunde und Freundinnen der Kunst, haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was der Schrecken eines Grußredners ist?

Über Rungholt ist unwahrscheinlich viel geforscht, geschrieben, gesagt, gedichtet, gemalt und gemutmaßt worden.

Hadi Knütel steht mit dem Thema Rungholt wie ich mit ihm: auf du und du. Mein Name ist Bernhard von Oberg.

Ich betone diese persönliche Nähe, weil - wer die Wochenzeitschrift der Spiegel in den letzten Jahrzehnten gelesen hat, der weiß das - weil die Sache Rungholt auch schon deutsche Gerichte beschäftigt hat und den Staatsanwalt.

Für das Meer gibt es den Deich, für den Denkmalschützer das Denkmalschutzgesetz. Allein die Gedanken des Künstlers sind frei.

Deswegen spreche ich hier und heute lieber über den Menschen Hadi Knütel, über seine Kunst und über seine Idee von Rungholt als über die Rungholtforschung im Licht der Wissenschaft.

Es ist schwer genug, den Herrn Busch an Erzählkraft zu überbieten, wenn er von seinem Großvater spricht, von dem alten Mann mit der ledernen Aktentasche und dem Zollstock. Beim Zuhören vergisst man das Atmen. Mir ist das jedenfalls so ergangen, als ich ihn zum ersten Mal im Tönninger Hotel Miramar hören durfte.

Aber welcher Enkel ist nicht fasziniert von seinem Opa? Wir kennen das doch alle, nicht wahr?

Da es schwer ist den Herrn Busch an Erzählkraft zu überbieten, möchte ich ein bis dato unbekanntes Relikt auf die Waagschale der Rungholtforschung werfen, das wir der wattwandernden Aufmerksamkeit von Hadi Knütel verdanken: den gemeinen angerosteten Dosenöffner.

Für alle Besserwisser hier im Skatclubmuseum:

Die Konservendose wurde 1810 von dem Engländer Peter Durand zum Patent angemeldet.

Ein spezielles Gerät zum Dosenöffnen wurde erst 1855 von Robert Yeates aus England erfunden und im Jahre 1858 patentiert.

Da bin ich also vergangenes Jahr nicht über Rungholt, aber die Eider gefahren, nach Tönning, Hotel Miramar. Dort hat Dr. Katrin Schäfer, die die Gesamtausstellung konzipiert hat, stets ihr Heimspiel.

Und auf diesem Spielfeld, auf dem Schäfer strukturiert wie ein ausgezeichnetes Künstlerlexikon vor interessiertem, vorwiegend älterem Fachpublikum über Rungholt dozierte, besser gesagt abseits des Spielfeldes, in dem Gang, der zum Speisesaal führt, da hingen unter anderem die Exponate von Hadi Knütel, von meinem Freund Hadi Knütel.

Sie müssen sich vorstellen, ein Auto rast mit vollem Speed gegen ein Hindernis. Pffft. Der Airbag entfaltet sich.

Also: Das Auto kommt. Pffft.

Da kam kein Auto. Da kam ein Rungholtexperte entlanggeschritten. Er schaut und er nickt. Und dann. Pffft.

Wie angewurzelt bleibt er vor einem kleinen Kasten stehen.

Der Kasten ist handgearbeitet von Hadi Knütel. Manufactum sagen die Lateiner. Manufactum hat seinen Preis. Übrigens: Alles ist käuflich. Ist ja keine Wissenschaft!

Der Nordfriese kommt. Pffft. Kuckt. Kuckt ein zweites Mal und ein drittes Mal.

Da ist doch ein rostiges Etwas. Ein. Pffft. Ein Dosenöffner.

Meine Damen und Herren,

für den Mann war die Veranstaltung gelaufen.

Das war Blasphemie. Rungholt und ein Dosenöffner? Was hat sich dieser Künstler nur dabei gedacht?

Das ist wie die Behauptung, die Dithmarscher hätten eine "Kohlkönigin" oder in der Marsch würde der Kohl "angestochen" wie das Bockbier.

Nein, meine Damen und Herren, so etwas hatte der Besucher des Miramar noch nie erlebt. Und der sah so aus - glauben sie mir - als wäre er schon oft über Rungholt gefahren.

Das ist Kunst, liebe Freunde. Das ist Kunst! Das ist Kunst im Kampf um die Aufmerksamkeit.

Dieser Kunstzeuge, das verspreche ich Ihnen, wird auf jeder Tupperparty seiner Frau, auf der es den farbigen Tupper-Dosenöffner gibt (35 Euro, 30 Jahre Garantie/auch beliebt als Schlüsselanhänger) an Rungholt denken. Er wird jedesmal an Rungholt denken, wenn er den Besteckkasten aufzieht.

Das ist wie ein gordischer Knoten im Taschentuch.

Meine Damen und Herren, ich habe nicht mitgezählt, wie viele Eindrücke heute im Laufe des Tages auf mich runtergeprasselt sind wie Eisregen, vor dem man in Deckung geht.

In der Werbung gibt es den wunderschönen Ausdruck: "War for Eyeballs" zu deutsch: Krieg um die Aufmerksamkeit.

Hadi Knütel, das sage ich Ihnen, ist - ich darf das sagen - ein großartiger Feldherr.

Kennen Sie jemanden, der eine Schlacht gewonnen hat mit einem Dosenöffner?

Mein Freund Hadi Knütel, freier Künstler, geboren in Hamburg an einem jener besonderen Tage, als der Mond nicht unterging, aufgewachsen auf Amrum, wohnhaft in Rösthusen, der hat es geschafft.

Diesem legendären Dosenöffner, der einen Rungholdianer aus seiner Umlaufbahn geworfen hat als wäre ihm ein leibhaftiger Marsmann begegnet, diesem Dosenöffner gebührt eigentlich ein Ehrenplatz im Museum.

Das ist meine Meinung.

Ich kenne keinen Menschen, der bescheidener ist als Hadi Knütel. Ihm würde wie Diogenes der Platz in einer Tonne reichen zum Malen, in einer Seetonne, denn bei aller Bescheidenheit: Hadi Knütel ist ein echter Wassermann, das Wasser ist sein Element.

Das eigene Segelboot ist sein liebstes Fortbewegungsmittel. Fernsehen hat keinen Platz in seinem Leben inmitten von Büchern und Bildern. Ölzeug ist seine zweite Haut, Ölfarben sind seine Creme, der Südwester passt zu ihm wie der Cowboyhut zu John Wayne.

Wenn Hadi - er heißt tatsächlich Hadi - seinerzeit bei der großen Mandränke dabei gewesen wäre, er hätte dem Blanken Hans getrutzt, gepullt und so manchen Pellwormer gerettet.

Mit Hadi können Sie Seepferde stehlen, kleine Ringelnatze.

Hadi Knütel ist selbst ein echter Kuttel Daddeldu - mit dem Pinsel und mit dem Mund.

Seine Geschichten vom Matjes, dem Hering, sind ebenso eingängig wie das Fundstück Dosenöffner seiner Rungholtsammlung.

"Besuchen Sie Europa, so lange es noch steht!" reimte Geier Sturzflug im vergangenen Jahrhundert. Sie erinnern sich.

Mein Rat: "Kommen Sie in diese KiK-Ausstellung, so lange Sie hier im Skatclub-Museum noch steht. Bringen Sie ruhig alle Ihre Freunde mit!"

Noch besser: Kaufen Sie Knütel, so lange es noch geht. Knütel gibt es nur einmal. Alle seine Bilder und Objekte sind Unikate. Dazu gibt es einen festen Handschlag vom Künstler persönlich oder eine große Tasse Friesentee am gemütlichen Kaminfeuer in Rösthusen.

Nicht vergessen: Mit jedem roten Punkt steigern Sie auch das Bruttosozialprodukt.

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