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Dithmarschen-Traktate 12

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Hol’s der Schimmelreiter

Bernhard von Oberg

Wer dem Meer auf den Grund gehen möchte, der beginnt seine Reise am besten in Göttingen, der heimlichen deutschen Märchenhauptstadt. Hier führt die Spur über Heinrich Hannover, dem späten Enkel des Welfenlöwen, und seinem MatrixMedia Verlag zunächst nach Doorn, wo Hermine Prinzessin von Preußen zusammen mit ihrem Gemahl Kaiser Wilhelm II bis an das Ende seiner Tage im Exil lebte.

Nachdem man ihrem geliebten Kaiser Pferd und Wagen genommen hatte, übte sich der Hohenzoller im Spazierengehen. Zu Fuß, so berichtet die Biographin stolz, habe er flotten Schrittes Monat für Monat „Hunderte von Meilen“ im Park von Haus Doorn zurück gelegt. Und wenn seine Hoheit nicht wanderte, gestaltete er eigenhändig den Garten.

Von Gottes Gnaden pflanzte der Kaiser im Stillen etliche Dutzend Bäume mit eigener Hand, Jahrzehnte bevor ein namhafter Brillendiscounter die Baumlücken erkannte und mit Baggern öffentlich dagegen ankämpfte. Baumpflanzen, das war für Wilhelm II mehr als Sport. Nach dem verlorenen Kaiserreich hatte er ein, so heißt es in der Göttinger Geschichte, inneres Verlangen Neues zu schaffen.

Am deutschen Wesen sollte der Park im holländischen Exil genesen. Typisch deutsch sei der stete Drang, die eigene Umgebung zu verschönern. Kein Deutsches Haus gleiche den Häusern seiner Nachbarn. Folgt man der Kaiserin, die nie eine war, auf dem Weg zum Meer, wird in zwei Sätzen unmissverständlich klar, dass für jeden Deutschen der Hausbau eine Art Gottesdienst ist. Damit meint sie nicht nur die Schwaben – auch die Holsteiner.

Als Beleg beruft sich Prinzessin Hermine auf den Faust, dessen äußerstes Glück es war, auf Meerland zu lustwandeln wie Keeneen im Koog, Moses im Roten Meer und Noah nach der Sintflut.

Und da Gott daran seine Freude hat, wenn das salzige Meer zu fruchtbarem Land wird, wie er seine Freude an der Regentschaft unseres alten Kaisers hatte, führt der Weg vom Koog direkt in den Himmel. Diese Belohnung, die auch der Freigeist Goethe seinem Faust literarisch zuteil werden ließ, sei eine Frage der ewigen Gerechtigkeit.

Für Hermine stand felsenfest wie die Wacht am Rhein und das Amen in der Kirche: Gute Kaiser und brave Koogsmänner kommen in den Himmel. Wer seinen Spaten im Stich lässt, den holt der Teufel – oder kommt da der alte Wotan als Schimmelreiter mit dem stormbrausenden Besenwagen?

Und wenn sie dort nicht gestorben sind, die Hauke Haiens und ihre Vettern, dann vertreiben sie sich im Garten Eden oder in Wallhalla die Ewigzeit mit dem goldenen Kaiserreichsarbeitsdienstspaten.

Dat is wiß: Keeneen weet so.

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